Kommen wir getz im Fääahnsehn? 😉

Als Kind und Jugendliche fand ich die Idee faszinierend, berühmt zu sein. An die Nachteile dessen dachte ich ja nicht. Auch nicht daran, dass meine Begabungen nicht ganz so publikumsträchtig seien. Ich spiele recht gut Klavier, wenn ich im Training bin, aber ich bin nicht Lang Lang. Ich spreche sehr gut Englisch, mein Französisch ist auch nicht schlecht, wenn ich diese Sprache regelmäßig spreche, und auf Italienisch kann ich mich ebenso verständigen – obwohl auch hier Training dringend nottäte. Sogar auf Niederländisch könnte ich im Restaurant bestellen und mich einigermaßen verständigen, und auf Schwedisch könnte ich erklären, dass ich Ali heiße und mein Gegenüber fragen, wie sein Name sei. Auf Polnisch erklären, dass die Katze Milch trinke und der Elefant Plätzchen esse – einige reizende Anfängersätze. Aber ich kann mich wunderbar entschuldigen, und das mit richtig viel Verve, zerknirschtem Gesicht und wunderbarem gerolltem Zungenspitzen-R: „Stokrotnie przepraszam!“ – „Ich bitte vielmals um Entschuldigung!“  

Ich kann einige Dialekte nachahmen. Ich bin als Dozentin gut gewesen und gelte, obwohl ich selbst sehr gern spreche, auch bisweilen und gar nicht einmal selten als verständnisvolle Zuhörerin und durchaus hilfsbereit. Ich kann jedoch nicht durch brennende Reifen springen, Ungerechtigkeit macht mich sehr zornig, und – abgesehen von der Dozententätigkeit – Geduld ist ein Fremdwort für mich.

Und: Ich fahre ungern rückwärts Abhänge hinab. Noch dazu mit einem mir noch relativ fremden Wagen.

Wie ich jetzt auf etwas derart Absurdes komme? Nun, so absurd ist das gar nicht. Das kann jederzeit passieren. 😉

Gestern fuhr ich am Vormittag mit dem kleinen Monty gen D. zu meinen Eltern. Sie können ja beide alters- und gesundheitsbedingt nicht mehr Auto fahren, und so habe ich mich bereiterklärt, mit ihnen zum Einkaufen zu fahren und weitere Dinge dieser Art. Da der kleine Monty innen etwas „sparsam“ konzipiert ist und man eine überdimensionale Saugglocke aus dem Geburtshilfebereich brauchen könnte, den jeweils hinten Sitzenden einigermaßen zügig aus dem „Geburtskanal“ zu „saugen“, fahren wir nun mit dem Wagen meiner Eltern, denn speziell in sehr fortgeschrittenem Alter kann es ohne dieses Hilfsmittel beim kleinen Monty schon weit mehr als nur wenige Minuten dauern – und beherztes Zugreifen kann notwendig werden. 😉

Gestern fuhr ich sehr dynamisch, wenn auch umsichtig in die Straße, in der mein Elternhaus steht und blieb mit leicht quietschenden Reifen vor diesem stehen. Zu meinem Schrecken hatte ich gesehen, dass die Haustür bereits geöffnet war – und meine Mutter hatte um 12 Uhr einen Friseurtermin… Sie stand bereits in der geöffneten Tür… 😉 Ich warf einen hektischen Blick auf mein Handy, auf dem 11:30 h kund und zu wissen gegeben wurde. Ich war also pünktlich.

Schnell stieg ich aus, um einige Umrüstarbeiten vorzunehmen, denn im Beifahrer-Fußraum befand sich ein Luftentfeuchter-Equipment, das ich meiner Mutter nicht zumuten wollte – sie sollte ja bequem sitzen. Ich stellte es rasch in den ohnehin nicht benötigten Rücksitz-Fußraum, als sie mir schon zurief: „Donnerwetter – du bist ja pünktlich! Sollen wir es so machen, dass du mich erst mit deinem Wagen zum Friseur bringst?“ – „Ja, das dachte ich mir jetzt gerade so, und deswegen stehe ich ja auch hier vor dem Haus. Du kannst direkt einsteigen. Soll ich dir helfen?“ – „Sehe ich aus, aus brauchte ich Hilfe?“ – „Aber nein! Nimm einfach Platz, und dann fahren wir gleich los!“

Das taten wir auch, und als wir gerade um die erste Ecke waren, meinte meine Mutter: „Ach, jetzt haben wir Papa gar nicht gesagt, dass wir schon mit deinem Auto zum Friseur fahren!“ – „Und ich fahre jetzt auch nicht zurück, um das Ganze aufzuklären. Ich fahre dich jetzt zum Friseur, und dann fahre ich hierher zurück, und Papa und ich holen dich dann mit Mister Duck-Butt ab und fahren von dort zum Einkaufen nach Hervest. Das erscheint mir am pragmatischsten. Keine Widerrede! Wo soll ich dich absetzen und dann mit Papa abholen?“

Ich setzte sie schließlich in der Tiefgarage eines vor kurzer Zeit dauerhaft geschlossenen Einkaufszentrums in D. ab, die netterweise als Parkraum bis zur weiteren Nutzung unentgeltlich genutzt werden darf, und fuhr dann zu meinem Elternhaus zurück, wo mein Vater mir erzählte, er habe es nicht sehr schön gefunden, dass wir ohne ihn losgefahren wären. „Papa, es musste schnell gehen, und jetzt bin ich ja hier. Und wir beide fahren gleich, wenn Mama anruft, mit Mister Duck-Butt los, holen sie ab und fahren zum Einkaufen!“ – „Ach, so.“ – „Genau.“ – „Wer ist Mister Duck-Butt?“ – „Euer Auto.“ – „Wieso nennst du es so?“ – „Weil es, wenn es in der Garage steht, immer so aussieht, als wäre es etwas untersetzt und hätte einen extradicken Hintern. Wie eine Ente halt. So, dass damit ungeübte Fahrer wie ich sich davor fürchten, es aus der Garage herauszufahren.“ – „Ach, so. Aber das ist Unsinn, Alilein – du kannst den Wagen da wunderbar herausfahren! Immerhin habe ich ihn bei unserer letzten Einkaufsfahrt hineingefahren, und er steht ganz gerade darin.“ – „Okay, verstehe. Ja, dann fahre ich ihn auch hinaus. Vielleicht sollten wir bzw. ich ihn jetzt sofort hinaussetzen, noch bevor Mama anruft. Wer weiß schon, wie lange ich dafür brauche…“

Es hat übrigens wunderbar geklappt, wenn mich auch die ungewohnten akustischen Signale, die vor befürchteter Kollision warnen sollen, fast in den Wahnsinn trieben. Relativ zügig stand Duck-Butt vor der Garage, mein Vater stieg ein, und er betätigte stolz den Garagentorantrieb, während ich vorsichtshalber noch etwas zurücksetzte. Und da rief meine Mutter auch schon an! 😉 Und wir fuhren los.

Sie stand in der Tiefgarage relativ am Anfang bzw. nahe der Einfahrt und feixte, als sie sah, dass ich, obwohl ich es zu vermeiden trachtete, mit dem erheblich größeren Wagen als meinem mit dem rechten Hinterrad über einen Bordstein fuhr, weil ich nicht weit genug ausgeholt hatte. Ich bremste und schaltete vorsichtshalber die Warnblinkanlage ein, bis sie saß. Und ich sagte: „Ja, es ist gut – ich bin über den Bordstein gefahren. Ich habe es dann auch gemerkt. Können wir jetzt ohne Schmähreden diese Tiefgarage verlassen und zum Einkaufen fahren?“

Man muss dazusagen, dass meine Mutter die wohl beste Fahrerin meiner Familie ist – sie hat immer ein Händchen oder Füßchen fürs Fahren gehabt, war stets eine dynamische und hervorragende Fahrerin, und ich kann sogar verstehen, dass es sie ankotzt, dass sie nun nicht mehr fahren kann. Aber Häme sollte sie sich verkneifen – finde ich jedenfalls. 😉 Immerhin fahre ich sie treu und brav und war gestern mit diesem Auto erst zum vierten Mal unterwegs. Mit Monty war ich eine Stunde zuvor ganz ohne Kollisionen und Bordsteinüberfahren schwungvoll dort unterwegs gewesen. 😉

Sie schien es einzusehen und sagte: „Ali, du musst jetzt nicht noch einmal ganz durch die Tiefgarage und nicht rundherum. Dort hinten – das habe ich während der Wartezeit schon gesehen – kannst du an der Rückseite hinausfahren. Das ist obendrein noch eine Abkürzung auf dem Weg nach Hervest.“

Ich vertraue meiner Mutter, fuhr eine halbe Runde und rief: „Ah, da – ich sehe es schon! Da, wo die Schranken offen sind.“ – „Genau!“

Und schon fuhren wir ohne Kontakt zum Bordstein links oder rechts durch die Schranke zur hinterwärtigen Ausfahrt und die recht steile Auffahrt hinauf. Mein Vater meinte noch: „Du solltest etwas mehr Gas geben, Ali.“ Das tat ich, wir fuhren eine erstaunlich langgezogene Kurve ohne Kollisionen mit jedwedem Bordstein – und fuhren auf ein verschlossenes Tor am Gipfel der steilen Auffahrt zu…

Gut, ich hätte früher bremsen und anhalten können – aber das hätte wenig Unterschied gemacht, denn: zu ist zu! Und steile – und kurvige – Auffahrt ist steile und kurvige Auffahrt… Aus meiner Perspektive in jenem Moment allerdings eher steile und kurvige Abfahrt, denn von hier aus ging es nur noch bergab. Und das im reverse mode – ergo rückwärts. Mit einem Auto, an das man noch nicht bis zum Letzten gewöhnt ist. 😉 Ich trat die Bremse durch, zog die Handbremse an und stellte den Wählhebel auf P, indem ich erstaunlich sachlich sagte: „Das Tor ist zu!“ (Dabei litt ich unter spontaner Tachykardie, ergo Herzrasen, welches erstaunlich rasch einsetzte, nachdem ich das brachiale und verschlossene Tor gesehen hatte… 😉 )

Gern hätte ich im Nachhinein mein Gesicht gesehen, zumal ich zunächst den Eindruck gehabt hatte, meine Eltern hätten den Ernst der Lage noch nicht so recht erkannt. Und ich sagte: „Was auch immer passieren mag: Ich fahre diesen Wagen hier nicht rückwärts hinunter! Meinen ja. Den kenne ich ja auch. Den hier nicht.“

Meine Mutter rief aus dem Fond: „Das verstehe ich nicht – wieso sind unten die Schranken offen, wenn hier oben das Tor verschlossen ist?“ Ich rief zurück: „Das verstehe ich auch nicht – aber das ist in dieser Situation auch völlig irrelevant und nicht diskussionswürdig, denn es ist einfach so!“ Hinter mir lag eine sehr langgezogene, enge Kurve, ich fuhr den Wagen erst zum vierten Mal und hatte den kalten Schweiß im Genick und sonstwo.

Da kam der große Einsatz meines Vaters, der sicherlich gern auch bis zu seinem Hundertsten noch selber mit dem Auto unterwegs wäre, den recht stressigen Alltagsverkehr aber wohl nicht mehr so gewandt bewältigen würde. Aber hier – auf der Auffahrt? Da ich echtes Muffensausen und wenig Übung mit diesem recht großen Automatikwagen hatte? Er würde sicherlich als Einziger von uns dreien die notwendige Ruhe haben.

Ich stieg – zugegeben: mit nicht allzu gutem Gefühl – aus, mein Vater nahm den Platz links vorne ein, und ich, die ich – wusste ich vorher auch nicht – offenbar eine recht gute Einweiserin bin, begab mich mit Sicherheitsabstand hinter das Auto. Und er machte das richtig gut, und mit einigem Rangieren seiner- und Gestikulieren und Schreien meinerseits schaffte er es bis nach unten, schwenkte jenseits der Schranken rückwärts auf zwei freie Parkplätze, und dann übernahm ich wieder. In meinem Gedächtnis vermerkte ich: „Dringend kurvige Rückwärtsfahrten bergab mit Duck-Butt üben!“ Mit Monty hätte ich da erheblich weniger Bedenken gehabt. Aber der ist ja auch viel kleiner und wendiger.

Als wir gerade unten standen, bog eine Frau mit ihrem Auto in die linke Einfahrt ein und wollte ihrerseits hochfahren. Ich rannte hin und gestikulierte wild und abwehrend. Die arme Frau glaubte wohl zunächst an einen Überfall, so erschrocken sah sie aus. Aber sie fuhr dann doch das Fenster an der Beifahrerseite hinunter, und ich rief atemlos: „Fahren Sie da nicht hoch – das Tor oben ist verschlossen, und man kommt nicht hinaus. Wir haben es gerade von ganz oben mit viel Mühe rückwärts wieder hierher geschafft!“ – „Danke! Danke, dass Sie mich gewarnt haben! Wieso sind aber hier die Schranken offen? Ich wäre nie rückwärts hinuntergekommen! Wahrscheinlich hätte ich die Feuerwehr rufen müssen.“ – „Keine Ahnung, warum die Schranken offen sind, aber fahren Sie bloß nicht nach oben – Sie können da nicht wenden!“ Schnell setzte die Frau zurück und fuhr fast noch einem Pärchen aus Augsburg ins Auto, das auch den Weg nach oben nehmen wollte. Die beiden warnte ich auch noch, und der Fahrer war der Einzige, der fragte, ob wir denn Hilfe brauchten. „Aber nein, wir sind ja schon wieder unten – aber vielen Dank! Sie sind der Erste, der fragt.“ – „Des isch abrrr doch selbschtverrschtändlich!“ – „Hier nicht unbedingt. Darf ich Sie etwas fragen? Was führt Sie aus dem schönen Augschburrg hierher?“ Die beiden lachten und erklärten, sie würden bald hierherziehen. Ich meinte: „Eindeutig ein Gewinn! Vielleicht nicht für Sie, aber für die Leute hier! Fahren Sie trotzdem nicht da rauf!“ Die beiden lachten, und die Beifahrerin meinte: „Isch es so schlimm hier?“ – „Nicht immer, aber ich bin sehr bayernaffin, aus familiären Gründen.“ – „Des isch nett!“ Und sie gaben der Hoffnung Ausdruck, einander vielleicht öfter zu begegnen.

Hoffentlich nicht in dieser Tiefgarage! 😉

Immerhin war der Einkaufsvorgang dann erstaunlich wenig stressig. Aber mir war die ganze Zeit etwas schlecht: Ich war immerhin längere Zeit auf abschüssigem Grund hinter einem Diesel hergetänzelt, -gesprungen und -gelaufen. Mir war zuvor nicht in diesem Ausmaß bewusst gewesen, wie sehr Dieselöl stinkt, wenn es verbrannt wird. Ich kannte den Geruch bis dato nur von der Tankstelle, wenn neben meinem Benziner ein Diesel betankt wurde. Das ist bereits gewöhnungsbedürftig. Noch schlimmer, wenn es verbrannt wird und man sich nicht allzu weit dahinter befindet…

 Meine einzige Hoffnung: Hoffentlich wurden wir nicht von irgendwelchen Überwachungskameras gefilmt! Nicht auszudenken, wenn das Ganze im Internet viral gehen sollte! Wahrscheinlich unter dem Titel: „Wenn Totalausfälle in der Tiefgarage eine Abkürzung nehmen wollen“! 😉

Ich hoffe auf eine komplett ereignislose Einkaufsfahrt nächste Woche… 😉

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