Wozu einen Ausflug in den Baumarkt machen, …

… wenn es doch im Impfzentrum noch viel muckeliger ist? 😉

Nichts gegen Baumärkte, denn sogar ich als handwerklich weniger begabte Frau bin stets irgendwie angefixt, sobald ich einen solchen Ort betrete. Und wenn ich „handwerklich weniger begabte Frau“ schreibe, meine ich damit nicht, dass ich denke, dass Frauen per naturam handwerklich weniger geschickt seien – ich spreche hier einzig von mir. Vielleicht hätte ich einfach „Mensch“ schreiben sollen. Ich habe es aber gelassen. 😉

Inzwischen habe ich Erfahrung mit zwei Impfzentren. Zweifach meine Eltern ins Impfzentrum ihres sehr großen Kreises gefahren, der erste Termin im März. Der letzte Termin am 10. Mai. Ich empfand das dortige Impfzentrum schon fast als vertraut. Fast war es so, als käme man nach Hause… 😉

Heute fuhr ich in eigener Sache los, in das Impfzentrum meines kreisfreien Wohnortes. Ein bisschen nervös war ich schon, zumal ich gestern frühmorgens eine Push-Nachricht eines von mir höchstselbst dazu gedungenen Presseorgans auf mein Handy gesendet bekommen hatte, die da lautete: „Mann nach BioNTech-Impfung gestorben“. So etwas macht sich immer gut, wenn die eigene Impfung mit eben diesem Impfserum in sehr naher Zukunft liegt…

Es tut mir immer leid um Menschen, die so unerwartet und in Hoffnung auf ein weiteres schönes Leben aus eben diesem gerissen werden, aber gestern früh kam es besonders ungünstig. Dabei bin ich normalerweise in dieser Beziehung kein Angsthase. Aber das hier?

Ich arbeitete heute im Home-Office, aber ich gebe zu, ich war vielleicht nicht ganz so unbeschwert wie sonst. Der Termin um 15:45 h befand sich in meinem Hinterkopf, und auch wenn ich von klein auf mit Impfungen vertraut bin und weiß, dass da schlimmstenfalls immer Komplikationen eintreten können und man im wirklich allerschlimmsten Falle dabei draufgehen kann, war ich heute doch etwas nervöser als sonst. Um kurz nach 3 fuhr ich los. Mitten im schlimmsten Starkregen – zuvor hatte durchgängig die Sonne geschienen, und am schönsten hatte sie gestrahlt, als der Nachbar, der als Einziger einen Laubbläser besitzt, der bereits Einsatz findet, wenn zwei Blätter im Garagenhof liegen – und wir leben nicht in einem Anwesen, das in seiner Ausdehnung mit Buckingham Palace vergleichbar wäre -, das Gerät des Grauens in Betrieb nahm und fast eine halbe Stunde laubblies. Der Garagenhof ist eher überschaubar. Und dennoch muss der Nachbar regelmäßig hier diesen grässlich penetranten und – meines Erachtens – überflüssigen Laubbläser zum Einsatz bringen, auf dass sich dieser amortisiere.

Da mich dieses penetrante und so oft auftretende Geräusch wirklich nervt, dachte ich spontan: „Kann es nicht einfach regnen? So ein richtiger Wolkenbruch wäre total klasse!“

Ich hatte gut gewünscht. Der Wolkenbruch kam. Just in dem Moment, als ich das Haus verlassen musste. Vielleicht sollte ich meine Wünsche künftig präziser formulieren, damit sie mir nicht zum Nachteil gereichen. 😉

Was mir das Impfzentrum hier in dieser Stadt gleich zu Beginn sympathisch machte, war die Tatsache, dass man hier kein Parkticket benötigt, um davor parken zu dürfen, was man muss, wenn man sich impfen lassen will und unter Umständen nicht ganz so gut zu Fuß ist. Ganz anders im Impfzentrum des Kreises RE. Allerdings tobte hier der Bär, und ich war froh, als ich irgendwann einen Parkplatz gefunden hatte. Und schon schlappte ich Richtung Eingang der Emscher-Lippe-Halle, wobei ich mir eine FFP-2-Maske überstülpte.

Am Eingang wurde ich gefragt, ob ich einen QR-Code hätte. Ich sagte ja und kam daher zumindest etwas schneller dran als die QR-Code-losen Mitstreiter. Man prüfte meine Unterlagen – ausgefüllten Anamnesebogen, Impfpass et al. – und schickte mich weiter zur nächsten Station, wo ich nach erneuter Prüfung ebenfalls weitergeschickt wurde: „Folgen Sie der gelben Linie auf dem Boden!“ Ich dachte: „Follow the yellow brick road“ und marschierte weiter bis zum Ende der Schlange Wartender, die offenbar ihrer Einweisung durch das eifrig herumlaufende Personal harrten. Eine der Einweiserinnen schloss ich gleich in mein Herz, die die Leute hinter mir anpampte, sie sollten Abstand halten, denn den Atem einer dieser Personen spürte ich schon fast im Nacken. Über ein Jahr Corona, und immer noch nichts begriffen… 😉 Ich hatte auch schon etwas gesagt, aber ich hatte ja keine „Uniform“ an, und so erhielt ich nur zur Antwort: „Bisschen empfindlich, was!“ Kaum sagte die Dame in Warnweste etwas, hielten sie den Abstand ein. (Vielleicht bringe ich zur Zweitimpfung meine eigene Dienst-Evakuierung-Warnweste einfach mit… 😉 )

Vor uns warteten auf paarweise und mit Abstand zu Vorder- und Hinterreihe aufgestellten Stühlen bereits Leute, die dann – zunächst systemlos scheinend – von einer sehr energischen Dame aufgerufen und den Impfkabinen zugeordnet wurden. Die Dame wirkte so, wie ich mir immer einen Feldwebel vorgestellt habe, und ich würde mich niemals mit ihr anlegen wollen. Aber sie machte ihre Sache total gut und hatte alles im Blick und vor allem im Griff. 😉 Und ich wunderte mich auch nicht über ihr Verhalten – wer je ein Gesundheitszeugnis für die Gastronomie im früheren Aachener Gesundheitsamt beantragt hat und dort zur Untersuchung musste, wundert sich über gar nichts mehr. Kasernenhofton, aber wirksam.

Zehn Minuten saß ich ganz vorne in Reihe 2 und hatte inzwischen nicht nur das Aufrufsystem verstanden – Hut ab vor der Einweiserin, die mit vielen Reihen zu tun hatte -, sondern auch -zig Leute in meinem Bereich in die Impfkabinen hinein- und hinausgehen gesehen (ein Mann wurde getragen – war wohl umgekippt, wirkte später aber wieder fit). Da rief mich Frau Feldwebel auf und sagte: „Sehr gut! Sie haben Ihre Jacke schon ausgezogen! Die Ärzte wollen, dass die Leute ihre Jacken schon ausziehen, bevor sie in die Kabinen gehen!“ Ich grinste und sagte: „Klar – soll ja auch schnell gehen. Ohne das würde es hier wohl nicht so schnell gehen.“ – „Aha! Sie haben das Prinzip durchschaut! Sehr gut!“ Dass sie nicht noch: „Wegtreten!“ rief, wunderte mich, aber ich stellte mich brav vor dem Gang zur Kabine auf, auf der Impfung 1 stand. Meine Jacke hatte ich ausgezogen, weil ich immer froh bin, wenn es schneller geht und nicht noch lange herumgewurschtelt werden muss. Außerdem war es in der Halle ziemlich warm…

Und schon ging bei Impfung 1 der Vorhang auf, die Frau, die vor mir drangewesen war, kam heraus, und man winkte mich freundlich in die Kabine. Anders als in RE sitzen hier zwei Personen in jeder Impfkabine, und dafür gibt es hier keine Kabinen für die Beratungsgespräche – das geschieht hier alles in einem Aufwasch. Eine sehr nette junge Dame stellte mir Fragen zum Anamnesebogen, ließ mich Fragen stellen, die sie beantwortete. Dann fragte mich der Impfarzt freundlich: „Sind Sie Links- oder Rechtshänderin?“ Eigentlich wollte ich, Rechtshänderin, sagen: „Nehmen Sie den linken Arm!“, sagte aber spontan ganz begeistert: „Ich bin Linkshänderin!“ Und es fiel mir erst auf, als der Impfarzt aufstand und sich an meine rechte Seite begab… Wie peinlich! Ich entschuldigte mich und erklärte, aber er lachte und meinte: „Das ist heute nicht das erste Mal. Ich glaube, alle Leute wollen sagen, dass ich den linken Arm nehmen solle und sagen dann automatisch, sie seien Linkshänder. Gar nicht schlimm. Ich finde eher amüsant, wie das Gehirn offenbar arbeitet, wenn Leute aufgeregt sind.“ (Ja, das finde ich auch! Ich könnte viele Geschichten darüber erzählen… 😉 ) Und er setzte sich wieder zu meiner Linken hin, schob meinen Ärmel hoch, desinfizierte eine Stelle an meinem Oberarm und fing an, mir etwas zu erzählen, was mich wohl ablenken sollte. Ich lachte und meinte: „Das ist sehr nett, aber Sie brauchen mich gar nicht abzulenken – ich habe keine Angst vor Spritzen.“ – „Na, umso besser.“ Und schon verabreichte er mir die Impfung – BioNTech -, und ich schwöre, ich habe den Einstich kaum gespürt. Hätte ich die Kanüle nicht in meinem Arm stecken gesehen, wäre ich mir nicht einmal sicher, ob ich wirklich geimpft wurde. Ich bedankte mich, und der Arzt meinte: „Sie dürfen gern öfter vorbeikommen. Es ist nett, wenn hier jemand hereinkommt und lacht. Die meisten Leute sind ernst, manche vorwurfsvoll, und ganz viele haben Angst. Aber Sie kamen herein und waren fröhlich. Das ist auch für uns Kollegen hier schön.“ – „Ja, und ich hoffe, Sie impfen mich beim zweiten Mal auch. Wo impfen Sie sonst? Ich würde nämlich sofort zu Ihnen kommen, wenn Sie auch gegen Tetanus oder andere Sachen impfen.“

Dann wartete ich die 15 vorgeschriebenen Minuten auf der Tribüne der Emscher-Lippe-Halle, aber mir ging es gut. Recht schnell war auch die Abmeldung erledigt, und im Juni muss ich wieder hin.

Dann noch schnell einkaufen, und zurück ging es erneut durch Starkregen, diesmal sogar mit Hagel. Das Szenario passte irgendwie. Und nun sitze ich hier, und mein Arm fängt zu schmerzen an. Ansonsten geht es mir aber gut. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt. 😉

Warum ich überhaupt dran war? Nein, ich habe mich nicht vorgedrängelt – und hätte das auch niemals getan -, obwohl heute eine der Prüferinnen darauf tippte, ich könne ja nur ein „medizinischer Impfling“ sein, ergo aus medizinischen Gründen priorisiert, „denn am Alter kann es ja wohl beileibe nicht liegen – Sie sind doch viel zu jung!“ Ich nahm es als Kompliment und lächelte. Aber seit Ende April gehört auch meine Berufsgruppe in die Prio-Liste 3. Ich finde zwar nicht nachvollziehbar, warum nicht noch einige andere Berufsgruppen mit Publikumsverkehr auf dieser Liste stehen, aber ich war trotzdem sehr dankbar, dass ich geimpft werden durfte – aber das kann jeder so sehen, wie er mag. 😊

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.