Viel zuviel „Hantier“!

Heute war Büroschicht, aber ich habe mich heute erheblich kürzer im Büro aufgehalten als sonst, wenn „Büroschicht“ angesagt ist.

Denn um 11:30 h war mein Termin beim Orthopäden, den ich kurzfristig vereinbart hatte, nachdem ich letzte Woche Donnerstag einen Unfall auf dem Heimweg vom Arbeitgeber bis zur trauten Heimstatt erlitten hatte. (Dass mir nicht sofort klargeworden war, dass es sich um einen sogenannten „Wegeunfall“ handelte, ist nur dem geschuldet, was mit dem Unfall einherging – weiter unten… 😉 )

Da letzte Woche Donnerstag die Verhältnisse auf der Straße vor meinem Wohnhaus aufgrund von Schnee und Eis noch immer gruselig waren, ich Augenzeugin eines Unfalls vorne auf der Straße und eines Unfalls hinten im Garagenhof wurde – letzterer trotz Vorsicht und Winterreifen -, beschloss ich, mein Auto lieber im Garagenhof Auto sein zu lassen, zumal inzwischen wieder Busse bis zur Stadtmitte fuhren. Und es klappte auch alles gut.

Als ich abends von meiner Arbeitsstätte bis zur zentralen Bushaltestelle ging, war zunächst auch alles gut. Bis ich die Hauptstraße zu überqueren trachtete…

Ich war fast auf der anderen Seite angekommen, war vorsichtig auf die mit eklig grauem Schneematsch bedeckte Straße getreten, als meine mit profilbesohlten Wanderschuhen bekleideten Füße wie in einem Cartoon herumzuglitschen begannen und auseinanderzudriften drohten. Offenbar überfror die Nässe auf der Straße gerade, und der Untergrund war glatt wie mit Schmierseife eingerieben.

Erst fühlte es sich so an, als könnte ich einen Sturz noch verhindern, aber dann krachte ich auch schon mit beiden Knien frontal und mit Schmackes auf die Straße. Im allerersten Moment spürte ich noch nichts. Im nächsten derartige Schmerzen, dass ich am liebsten wie ein Kind geheult und: „Mama!“ geschrien hätte. Da ich aber noch auf der schmierseifenglatten Straße lag, riss ich mich zusammen und ignorierte auch Bemerkungen zweier Passanten auf dem Bürgersteig, die da lauteten: „Ey, kuckma, die is‘ hingefallen!“ – „Boah, ey, Scheiße!“ (Keiner der beiden hat mir geholfen, als ich mich hochrappelte, was nicht einfach war, da ich wieder und wieder ausrutschte.)

Irgendwann stand ich auf dem Bürgersteig. Vornüber geneigt, mit Tränen in den Augen, und mir war speiübel vor Schmerz. Jeder, der schon einmal mit voller Wucht auf die Knie geprallt ist, wird das nachvollziehen können.

Ich nehme an, es war der Schreck oder die Tatsache, dass ich den Feierabend als Feierabend verstehe, der nichts mehr mit der Arbeit zu tun hat, was dafür verantwortlich war, dass ich nicht sofort darauf kam, dass es sich hier um einen sogenannten „Wegeunfall“ auf dem Weg vom Arbeitgeber nach Hause handelte. Wäre ich morgens auf dem Weg zur Arbeit gewesen, wäre mir sofort klar gewesen, dass es sich hier um einen mit der Arbeit verbundenen Unfall handelte.

Glücklicherweise brachte mich ein Kollege vor drei Tagen darauf, dass dies doch ein mit der Arbeit verbundener Unfall gewesen sei. Letzten Donnerstag habe ich über so etwas gar nicht nachgedacht, nachdem ich im Anschluss an den Crash völlig bedient nach Hause gehumpelt war, ohne Zwischenstation beim Einkaufen. Ich hatte die Nase voll vom Tag.

Und so rief ich vorgestern bei meinem Orthopäden an, weil die Schmerzen beileibe nicht nachließen – ganz im Gegenteil -,  ebenso die zuständige Kollegin aus der Personalabteilung, die das Ganze auch als „Wegeunfall“ deklarierte. Hätte ich das nur nie getan! 😉

Denn nicht nur, dass ich heute beim Orthopäden hörte, dass ich nur erstbehandelt werden dürfe – da Wegeunfall -, muss ich nun auch noch einen „Durchgangsarzt“ aufsuchen. Erst der darf mich weiterbehandeln. Für diese Auskunft – kombiniert mit Röntgenaufnahmen in drei Ebenen meiner beiden Knie und einem Zinkleimverband – saß ich heute zweieinhalb Stunden beim Orthopäden, um zum Schluss der Sprechstunde von einer der wahrlich „reizenden“ Arzthelferinnen noch zu hören: „Wat sitzt die denn noch da?“

Das machte mich ein bisschen zornig, denn ich hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass ich während meiner Arbeitszeit dort sei, und man hatte mir mitgeteilt, dass halt ein neuer Arzt da sei, der sich seinen Patienten noch vorstellen müsse – das dauere nun einmal! (Das stimmte – mir hatte er sich auch derart vorgestellt – mit jeder einzelnen Station aus seinem medizinischen Portfolio und einem Gesicht, als müsse ich nun auf die Knie fallen, was ich doch schon am Donnerstag zuvor auf der Straße getan hatte und allerspätestens seitdem keinerlei Bedürfnis nach Kniefällen mehr habe. Es war respektabel, was er aufzählte, aber es wäre alles viel schneller gegangen, wäre er einfach nur seiner Aufgabe als behandelnder Arzt nachgekommen.)

Als ich: „Wat sitzt die denn noch da?“ hörte, sagte ich laut und vernehmlich, bevor die angesprochene Kollegin der Arzthelferin antworten konnte: „Die sitzt immer noch da, weil man ihr vor einer halben Stunde zusagte, die notwendigen Formulare unterschreiben zu lassen.“ – „Oh, Entschuldigung…“ Und schon beeilte man sich, die notwendigen Unterschriften einzuholen.

Nö. Solche Ausfälle entschuldige ich durchaus nicht, denn das ist einfach nur unverschämt. Sowohl der neue Arzt, als auch die Helferinnen – bis auf eine – haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Der Vorgängerarzt aus der Gemeinschaftspraxis – ehemals Stabsarzt bei der Bundeswehr – war zwar recht wortkarg, aber ich wusste, ich war gut aufgehoben dort.

Kam man hin und sagte: „Irgendetwas stimmt nicht – meine Absätze sind total schief!“, sah er sich das Elend an – Absätze wie Füße im Liegen und im Stand – und sagte nur: „Einlagen!“ Arm an Worten, aber hilfreich. Oder: „Mein rechtes Handgelenk tut derart weh, dass ich es am liebsten wegschmeißen würde.“ Er bog am Handgelenk herum und sagte: „Röntgen! Danach Lagebesprechung!“ Oder: „Ich kann meine Arme nicht so gut heben – das tut höllenmäßig weh!“ Er tastete alles ab, dann: „Röntgen. Danach sprechen wir.“ Und er fand immer eine unaufgeregte, pragmatische Lösung, auch für Probleme hinsichtlich der rechten Rotatorenmanschette durch Impingement-Syndrom, die half, obwohl nie so viel gesprochen wurde – und das in den meisten Fällen ohne Cortison oder Konsorten. 😉 Und mir ging es im Zuge seiner Therapien immer besser.

Und nun dieser junge, ehrgeizige Schnösel als Ersatz – und völlig neue Arzthelferinnen, die sich auf eines gut verstehen: arrogantes und schnippisches Verhalten. Als hätte ich da heute aus Spaß an der Freude gesessen! Über zwei Stunden. Immerhin habe ich es fast pünktlich zu meiner Zoom-Sprechstunde geschafft – ich war nur fünf Minuten nach 14 Uhr wieder am Arbeitsplatz und hatte doch der Studierenden, die da beraten werden wollte, deren Termin ich des Arzttermins wegen ohnehin schon einmal hatte verschieben müssen und – wie ich glaubte – zeitlich extra großzügig war, noch aus der Praxis eine Mail schreiben müssen, in der ich sie noch einmal vertröstete, während sich Arzthelferin 1 mit Arzthelferin 2 stritt, wer am Wochenende – das gleich beginne – wohl etwas Spannenderes vorhabe…

All das dafür, dass ich mir nun einen Durchgangsarzt suchen darf, der behandlungsberechtigt ist. Hätte ich all das vorhergeahnt, hätte ich das Ganze nicht als Wegeunfall deklariert, sondern über meine Krankenversicherung abrechnen lassen.

Merke: Es ist erheblich entspannter, wenn man sich privat auf die Fresse legt. Macht man das dienstlich, hat man erheblich mehr „Hantier“, wie man das im Rheinland nennt. Kommt von „hantieren“ und bedeutet so viel wie „vermeidbarer zusätzlicher Aufwand“. Zusätzlich zu den Schmerzen noch Extrastress. Danke auch! (Ich versuche noch immer, herauszufinden, worin nun der Vorteil bestehe, das Ganze als Arbeitsunfall zu handhaben. Ich kenne mich damit nicht aus, denn es ist mein erster Arbeitsunfall – kann mich jemand aufklären? Ich habe derzeit das Gefühl, nur mehr Aufwand – ergo „Hantier“ – zu haben…)

Und während ich meinen rutschenden Zinkleimverband wieder zu fixieren versuche, der mein (so der schnöselige neue Arzt mit beeindruckender Vita) „ausgesprochen hübsches“ Knie „in Funktionalität und auch Form“ bedeckt – um diese Auskunft hatte ich nicht gebeten -, das leider nur aufgrund der offenkundig durch den Sturz stark beeinträchtigten Patellarsehne, so die „erstbehandelnde“ Auskunft, in jedweder Position extrem schmerzt, was jedoch nur der Durchgangsarzt behandeln darf, den ich am Montagmorgen sofort kontaktiere, wünsche ich euch ein wunderhübsches Wochenende! 😉

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