Das Arsenal des Grauens

Ich staune ja immer wieder, was manche Mitmenschen an Geld ausgeben, um Dinge anzuschaffen, die ich eigentlich eher im Profi-Bereich verorten würde. Nicht selten sind diese Dinge im Bereich von Hof- und Gartenarbeiten anzutreffen – das aber wahrscheinlich auch nur, weil man nicht weiß, was sich in der jeweiligen „Behausung“, sprich: Haus oder Wohnung dieser Menschen noch so alles befindet. 😉

Im Grunde habe ich weder etwas dagegen, noch geht es mich etwas an, zumal auch ich bisweilen Geld für Dinge ausgebe, über die andere sicherlich das weise Haupt schütteln würden. Obwohl mein letzter Kauf durchaus sinnvoll war, da ich ins Allgäu zu reisen gedenke, wo ich nicht nur auf dem Hotelzimmer sitzen oder durch den Ort tingeln möchte. Kurz: Ich habe mir Wanderschuhe gekauft. Ich! Wanderschuhe! 😊 Aber nicht so doofe Schluffen – nee, die sehen für Wanderschuhe richtig gut aus, sind bequem, stützen sowohl Fuß, als auch Knöchel und sind von einem bekannten Outdoor-Hersteller. Dabei waren sie recht günstig – Sommerschlussverkauf oder, wie es heute bisweilen heißt, „Summer Sale“.

Also eine durchaus vernünftige Investition. Auch – und wahrscheinlich gerade – für Nicht-Profis. 😉

Letztes Jahr staunte ein Nachbar darüber, dass ich allen Ernstes mittels eines ausrangierten Küchenmessers dem Unkraut auf meinem Miet-Stellplatz zu Leibe gerückt war, und er meinte, dafür sähe es aber ziemlich gut aus. Wie lange ich denn dafür gebraucht hätte? Ich antwortete, indem ich mich ausgiebig streckte und meine Arme und Beine ausschüttelte – leises Knacken von meinen Halswirbeln erklang -, es habe mich etwa eine Stunde in gebückter Haltung gekostet. Er lachte und meinte: „Ich kippe da ja immer Unkraut-Tod drüber!“ Und er nannte mir das von ihm genutzte Präparat. Glyphosat in Reinkultur – nein, danke. Ein anderer Nachbar schwärmte mir vor, er fackle nicht lange, sondern das Unkraut immer ab und präsentierte mir voller Stolz die dafür genutzte Abfackel-Gerätschaft. Er nannte auch den Preis. Ich pries daraufhin im Geiste mein ausrangiertes Küchenmesser.

Dieses Jahr rückte ich dem Unkraut mit einem Präparat auf den dreisten Leib, das – auf Milchsäurebasis – relativ günstig zu bekommen ist. Ungünstig jedoch, wenn der Wind nicht günstig steht, denn mehrfach wehte mir der ebenfalls „ungünstige“ Geruch der Brühe in die empfindliche Nase. Keine Frage – das Zeug wirkt schnell und ist nicht umweltschädlich. Es sei denn, man sieht sich selber als Umwelt, denn mich würgte es mehrfach. Milch- wie auch Buttersäure haben einen durchaus ein- wie auch aufdringlichen Geruch. Das ist ein Euphemismus, denn: Es stinkt zum Himmel! 😉 Inzwischen ist eine praktikable und angenehme Lösung gefunden, doch dazu später.

Zurück zum anderen Hof- und Gartenarsenal. Bis vor einigen Jahren glaubte ich allen Ernstes, der sogenannte Rasenkantentrimmer, der die widerborstigen Rasenkanten, die der Mäher nicht erreicht hat, mittels einer rotierenden Schnur brutal kappt, sei das schlimmste Instrument, das man im Garten benutzen könne, da es ein lautes und widerliches Geräusch macht. Ähnlich wie die Zweiräder, die mein Ex Henrik immer als „Zwiebacksäge“ bezeichnete, da sie so ein infernalisch lautes und kreischendes Motorengeräusch absondern.  

Aber diese Art Rasenkantentrimmer ist im Grunde nur das zweitschlimmste Instrument für Freunde der Gartenarbeit.

Mein absoluter Favorit ist … der Laubbläser! 😊

Es ist ja durchaus einleuchtend, dass diese Gerätschaft von Städten bzw. Kommunen genutzt wird, um Wege, Parkanlagen und sonstig eher weitläufige Areale von Laub zu befreien oder dieses auf diese Art zusammenzutragen, so dass man es bequem an einem Ort verklappen kann. Und da nervt das penetrante Geräusch schon, ist aber noch einigermaßen zu ertragen, da die Notwendigkeit einleuchtet.

Gruselig, wenn Privatleute glauben, für ihre jeweils handtuchschmalen und -großen Rasenflächen, Mini-Terrassen oder -Höfe auch so etwas haben zu müssen. Ich merke erst seit der Home-Office-Zeit – jeden zweiten Tag -, wie schön es im Büro ist! (Es sei denn, die Wiese neben meinem Büro wird gemäht – und mit ihr die Rasenkanten …) 😉

Denn in den letzten drei Wochen erlebte ich im Home-Office diverse Einsätze mit – und jeder einzelne dauerte mehr oder minder weit über eine halbe Stunde. Kürzlich gab es sogar zwei Einsätze innerhalb dreier Tage. Mindestens zwei Einsätze, denn ich weiß ja nicht, ob an den Tagen, an denen ich im erholsamen Büro war, nicht auch laubgeblasen wurde.

Ich gebe zu, es mag sein, dass ich besonders geräuschempfindlich bin, aber aus Interesse habe ich mal gegoogelt und herausgefunden, dass offenbar das Gros der Menschen dieses Geräusch hasse. Und damit dieses Gerät. Wie schön – ich bin offenbar nicht die Einzige, bei der der Adrenalinspiegel drastisch steigt, sobald das Mistding gestartet wird. 😉

Besonders interessant fand ich kürzlich das Phänomen, das ich bei Freunden miterlebte: Kaum hatte deren direkter Nachbar seinen Laubbläser gestartet, um seine übersichtliche Rasenfläche und die kleine Terrasse von dem wenigen Laub zu befreien, das darauf lag, starteten kurz darauf noch weitere Laubbläser in der Nachbarschaft. Meine Bekannten rollten mit den Augen und äußerten ihr Missfallen – ich pflichtete ihnen bei und fand es auch grauenhaft. Jeder Benzin-Rasenmäher erschien wie eine Wohltat dagegen.

Immerhin entspannte sich die Lage wieder, als ich meinte – eher: schrie, um gegen den Laubbläser-Lärm anzukommen -, das erinnere mich an die Kommunikationsart von Weißstörchen: Fange einer zu klappern an, klapperten alle zurück. Ja, so verständigen sich Störche. 😉

Meine Freundin brüllte gegen den Lärm an: „Ich glaube eher, wir haben es eher mit dem ‚Meiner ist größer als deiner‘-Phänomen zu tun!“ Ich schrie zurück: „Das wollte ich jetzt nicht so sagen, aber ich vermute das Gleiche!“ Und dann lachten wir schallend, was Außenstehende jedoch nur an unserer Mimik und Körperhaltung erkannt hätten, denn die mehrstimmigen Laubbläser übertönten alles. 😉

Mein Miet-Stellplatz wird übrigens künftig vom Gärtner der Wohnanlage hier gegen einen kleinen Obulus von Unkraut befreit. Der ist Profi und verfügt aufgrund dessen über das für Profis, nicht für Amateure, notwendige Instrumentarium. 😉

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.