Mein Orthopäde hat Humor! 😉

Zumindest einer der beiden verfügt über eine Art Humor, die meinem Humorverständnis sehr entgegenkommt. Ich bin unregelmäßiger „Gast“ in einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis und wurde bis dato mal von dem einen, mal von dem anderen Arzt behandelt. Einer von ihnen war früher Stabsarzt bei der Bundeswehr – merkwürdigerweise jedoch derjenige, der eher charmant herüberkommt, nicht der, der zwar stets höflich und bisweilen auch freundlich – wenn auch nicht herzlich – aber eher sarkastisch ist und meiner Vorstellung eines Stabsarztes der Bundeswehr erheblich näherkommt als der „Charmeur“.

Heute hatte ich um 16 Uhr einen Termin dort. Warum? Nun, seit etwa einem Vierteljahr bin ich mir sicher, dass jeder im Haus hören könne, wenn ich die Treppen hinab Richtung Haustür gehe, um das Haus zu verlassen oder im Waschkeller meine Waschmaschine zu be- oder entladen, denn exakt so lange knackt und knirscht es in meinem linken Knie; und das so sehr, dass ich den Eindruck habe: „Jeder kann hören, wie du die Treppe hinunterknarrst! Das ist ja furchtbar!“

Es trat ganz plötzlich auf – quasi von einem Tag auf den anderen. Es tut nicht weh, aber es ist einfach widerlich. Allein dieses Geräusch! Und das Gefühl im Knie! Keine Ahnung, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber es fühlt sich einfach unangenehm an. Mir sträuben sich jedenfalls regelmäßig die Nackenhaare, und es läuft mir wechselweise warm und kalt den Rücken hinunter, wenn es wieder einmal knackt und knirscht. Das ist so wie früher in der Schule, wenn man an der Tafel stand und im Mathe-GK dort etwas vorrechnen sollte. Nicht nur, dass Mathe – zumindest für mich – in der Schule ohnehin der Horror war: Noch schlimmer wurde es, brach die Kreide ab, und im Eifer des Gefechts schrappte dann der Zeigefingernagel über die Tafel und erzeugte ein Mittelding aus quietschendem und kreischendem Geräusch. Das ging einem auch durch und durch – und in etwa so fühlt es sich an, wenn es in meinem linken Knie knackt und knirscht.😉

Um 15:30 h verließ ich das Büro – heute war Büroschicht. Ich ließ den Rechner an, ließ auch meine Lesebrille und andere Dinge vor Ort, da ich derzeit so viel zu tun habe, dass ich nach dem Arztbesuch noch einmal zurückzukehren beabsichtigte. 😉 Und schon stürzte ich gen Bus, denn in der Nähe der orthopädischen Gemeinschaftspraxis sind Parkplätze Mangelware, und da wollte ich doch lieber die gut funktionierende ÖPNV-Möglichkeit zwischen meinem Arbeitgeber und der Praxis benutzen.

Da kam auch schon der Bus! Ein Gelenkbus, der schwungvoll von einer Fahrerin um die Kurve vor der Haltestelle gesteuert wurde. Ich stülpte mir meinen MNS über – ein hellblaues Modell aus der „I love Oche“-Reihe (ins Hochdeutsche übersetzt gleich viel weniger charmant: „Ich liebe Aachen“. 😉 ) Zusammen mit mir stiegen zwei junge Männer ein, die sich gleich in den hinteren Teil des Busses verzogen. Ich blieb im Mittelteil, aber da rief die Fahrerin von vorn: „Hallo? Darf ich Sie um etwas bitten?“

Da ich mich angesprochen fühlte, rief ich: „Klar! Wie kann ich Ihnen helfen?“ Die Fahrerin rief: „Ich bin noch neu und vorhin auf der Linie hier eingesprungen, und ich habe nur eine ungefähre Vorstellung, wie ich fahren muss! Mein Kollege hat es mir zwar erklärt, aber ich bin ins kalte Wasser geworfen worden, weil ich nicht aus dieser Stadt hier stamme. Kennen Sie das?“ – „Ins kalte Wasser geworfen zu werden? Das kenne ich! Ich kann Ihnen bis zur Wörthstraße helfen und auch noch erklären, wie Sie danach fahren müssen, aber es wäre sicherlich besser, wäre jemand bis zur Endhaltestelle dabei. Es sind zwar nur fünf Haltestellen bis dorthin, aber es wäre doch besser, wäre jemand dabei, der auch bis dorthin mitfährt.“ – „Ja! Aber total nett, dass Sie mir weiterhelfen wollen. Wartense, ich frag mal die beiden Jungs da hinten – vielleicht fahren die bis zum Busbahnhof mit!“

Und schon rief sie die beiden jungen Männer herbei, die auch bereitwillig ankamen, jedoch zum einen aus Bayern, zum anderen aus Hessen stammten – und erst wenige Tage hier lebten. Das Erbe meiner Mutter wurde in mir wach, und ich rief: „Nein! Aus Bayern und aus Hessen – und es hat Sie hierher verschlagen!“ Die beiden jungen Männer lachten sich schlapp und sagten: „Ist nur zum Studium.“ Ich lachte auch, ebenso die Fahrerin. Ich rief: „Das ist jetzt zwar nicht die optimale Situation, aber wir bekommen Sie schon bis zur Endhaltestelle. Und dann fahren Sie die ganze Strecke zweimal – dann läuft es!“

Und schon fuhren wir los, und ich unterhielt mich mit dem Bayern und dem Hessen. Zwischendurch rief die Fahrerin: „Ich muss hier jetzt aber nicht rechts abbiegen, oder? Wenn ich das richtig im Hinterkopp habe, muss ich hier doch noch geradeaus, oder?“ Ich rief: „Ja, hier noch geradeaus!“

Und dann näherten wir uns auch schon meiner Ausstiegshaltestelle, und ich drückte den Halteknopf. Bevor ich knackend und knirschend ausstieg, rief ich der Fahrerin noch zu: „Hier über die Kreuzung noch drüber, an der nächsten Kreuzung rechts und bis zur Hauptstraße fahren. Dort dann links – die nächste Haltestelle ist identisch mit der nächsten Straßenbahn-Haltestelle. Das sehen Sie sofort!“ Und als ich ausstieg, stiegen zwei etwa zwölfjährige Jungs ein, die gleich von der Fahrerin als Lotsen engagiert wurden.

Als der Bus an mir vorbeifuhr, drehte ich mich halb um, und da sah ich, wie die Fahrerin mich anstrahlte und mir fröhlich zuwinkte. Mit der wäre ich sofort ein Bierchen trinken gegangen – die wirkte total cool. Ähnlich wie meine gute Freundin Andrea in Aachen – stundenlange, nächtelange Gespräche über Freunde, Ex-Freunde und Männer, aber auch ganz allgemeine Themen gab es da, und es war immer lustig. 😉

Der Weg zur Arztpraxis war mit diversen starken Windböen versehen – wozu eigentlich hatte ich meine Haare vor Weggang aus dem Büro noch einmal „gepimpt“? Immerhin war ich pünktlich – nicht unbedingt typisch für mich. 😉 Und ich kam auch schnell dran. Der Arzt, nicht der ehemalige Stabsarzt, begrüßte mich auf seine Art, und ich schilderte ihm meine Beschwerden. Es erfolgte sogleich das, was nicht selten in dieser Praxis erfolgt …

„Gehen Sie mit dem Zettel hier zur Anmeldung, und dann machen wir eine Aufnahme von Ihrem linken Knie!“ Ich tat, was man mir befohlen hatte, und recht schnell führte man mich aus der Um- bzw. Entkleidekabine in den Röntgenraum. Etwas anders als außerhalb von Corona-Zeiten, denn man drückte mir eine Bleischürze in die Hand, aus einiger Entfernung, und meinte: „Hier. Anlegen.“ Ah, ja. 😉

Und schon lag ich auf dem Röntgentisch, und es wurden zwei Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven vorgenommen. Beide Male sagte die Röntgenassistentin: „Versuchen Sie einfach, ganz ruhig zu liegen und nicht zu wackeln.“ Ich wackle für gewöhnlich nie bei Röntgenaufnahmen, und ich grinste noch in mich hinein. Aber kaum war die Maid aus dem Raum und löste die strahlenbewehrte Aufnahme aus, stellte ich fest, dass mich ihre Aufforderung eher zum „Wackeln“ triggerte. Zum Glück kann ich mich gut zusammenreißen, wenn es um bildgebende Verfahren geht, wie das so schön heißt. 😉

Schließlich untersuchte mich der Arzt, drückte und drehte an meinem Knie und Bein herum, nachdem er die Röntgenaufnahmen betrachtet hatte. Natürlich knackte und knirschte da … nichts. Der Arzt sah mich an und sagte: „Schöne Beine, aber nichts Außergewöhnliches zu erkennen, Knie in Ordnung, Rest auch. Wahrscheinlich passiert das immer, wenn Sie die Knie beugen?“ – „Ja, und es nervt!“ – „Glaube ich Ihnen. Aber es ist im Grunde alles in Ordnung. Keine Kniebeugen machen, nicht in die Hocke gehen, nicht hinknien. Wenn es schlimmer wird, kommen Sie wieder. Ansonsten: Lassen Sie’s knacken!“ Und er kniff mir ein Auge zu, und ich lachte pflichtschuldig und kniff zurück. Na, toll! Wahrscheinlich hält mich zumindest der eine Teil meiner orthopädischen Praxis für durchgeknallt – aber bei dem knarren die Knie sicher auch nicht. 😉

Aber entgegen den vorherigen Terminen dort wurde wenigstens nichts Übles entdeckt, und es sollen mir auch keine Spritzen in knochenreiche Regionen gegeben werden. Ich habe dort schon Schlimmeres erlebt. Ich werde also künftig einfach nicht mehr hinhören und -fühlen, wenn ich das linke Knie beuge und die Treppen hinabsteige. Am besten wird sein, ich singe einfach: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, sobald ich das nächste Mal die Treppe hinabknarre … 😉

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