Wenn heute eine Fee käme …

… und mir sagen würde: „Liebe Ali, du hast drei Wünsche frei – was auch immer du dir wünschst: Es wird in Erfüllung gehen“, würde ich zunächst sicherlich meinen Augen und Ohren nicht trauen, mir erstere reiben und dann – wäre die gute Fee noch immer da – völlig überwältigt als erstes rufen: „Eine Reise die gesamte Panamericana entlang – von Alaska bis Feuerland! Eine reibungslose Reise, ohne Probleme!“

Als zweites – denn inzwischen hätte ich die initiale Überraschung überwunden – würde ich sagen: „Dauerhafte Gesundheit, verbunden mit dem wirtschaftlichen Hintergrund, mir stets solche Reisen und andere Dinge leisten zu können.“ Nein, ich bin durchaus nicht materialistisch eingestellt, aber es lebt sich einfach leichter, wenn man sich keine Gedanken um Geld machen muss, und bei mir handelt es sich mehr um Sicherheitsdenken als um materialistisches Gedankengut. 😉 Und den dritten Wunsch verrate ich ganz gewiss nicht (er ist eigentlich auch der erste – die Panamericana kommt im Grunde erst auf Platz 3). 😉

Ich reise sehr gern, und ich lerne sehr gern neue Länder und Menschen kennen. Auf meiner bucket list, was das Thema Reisen anbelangt, steht eine Region dieser Erde auf Platz 1: Südamerika.

„Schuld“ daran ist der jüngere Bruder meiner Mutter: Onkel Christoph. Denn er – stets eine Art „Weltenbummler“ gewesen – ging als Expat für fünf Jahre nach Ecuador, lebte und arbeitete dort als Lehrer in Guayaquil an der dortigen deutschen Schule. Damals war ich etwa elf, zwölf Jahre alt – und ich las fortan alles, was mir über Südamerika in die Finger kam. Mein Onkel und ich pflegten überdies einen regen Briefkontakt per Luftpost (leider gab es damals noch nicht die Möglichkeit, E-Mails zu schicken, aber die Freude über einen Luftpostbrief war wahrscheinlich größer als die Freude über eine Mail). Er schickte mir Fotos, beschrieb das Leben dort sehr interessant, reiste während der dortigen Ferien nach Peru, nach Bolivien, Kolumbien, Chile … Ich war angefixt – und diese Faszination hat mich nie wieder verlassen. 😉

Onkel Christoph lud mich mehrfach nach Ecuador ein. Aber ein inzwischen dreizehn-, vierzehnjähriges Mädchen allein nach Südamerika zu schicken, fanden meine Eltern nicht so toll, und ich schmollte damals. 😉 Und dann war die Expat-Zeit vorbei.

Vorbei aber nicht die Faszination meinerseits. Und noch heute reizt mich diese Region der Erde sehr, und eine Reise die gesamte Panamericana entlang reizt mich ganz besonders, denn auch in Nordamerika gibt es eine Region, die ich sehr gern besuchen würde: Alaska. Und dann durch beide Teile des Kontinents hindurch. Von Alaska bis Feuerland. Und natürlich durch Patagonien.

Onkel Christoph lebte danach als Expat auch noch einige Jahre in Shanghai. Das hat mich allerdings nie so gereizt wie Südamerika. Keine Frage – Asien ist auch sehr interessant, aber nicht die Region auf der Welt, die mich über Gebühr reizt. Da hat ja jeder offenbar seine ganz eigenen Vorlieben. Außerdem ist Spanisch sicherlich leichter zu erlernen als Mandarin oder gar Wu. 😉 Und was Onkel Christoph mir aus Shanghai schrieb, gefiel mir – sehr tierlieb – überhaupt nicht.

Wahrscheinlich sollte ich doch besser Lotto spielen und auf mein Glück hoffen, denn eine Fee wird sicherlich nicht vorbeikommen. Und wenn doch, sollte ich meine Wünsche noch einmal abändern, denn Reisen in die Tropen beinhalten auch die Akzeptanz der dortigen Insekten, Spinnen und sonstiger Tiere – und da musste ich schon in der Dominikanischen Republik sehr viel Selbstbeherrschung mitbringen, denn in den Tropen gibt es ganz viele Insekten, die zwar von ihrer „Grund-Machart“ her auch hier bekannt sind – nur halt dort viel größer und wirklich furchteinflößend.

Unvergessen in der DomRep: der Abend, als ich mit leichtem Fieber und Bronchitis – eindeutig durch die eiskalt eingestellte Klimaanlage entstanden – im Bett lag, während Frank zur Bar gehen wollte. Kein Problem – er musste ja nicht im Zimmer bleiben, nur weil ich kränkelte. Ich bin da im Allgemeinen großzügig. Als er sich gerade zum Gehen wandte und schon an der Zimmertür stand, hörte ich ein merkwürdiges, „vielstimmiges“ Geräusch von rechts neben dem Bett, und als ich hinsah, traf mich fast der Schlag: Etwa zwanzig riesige Viecher saßen da – offenbar eine besonders große Zikadenart. Ich sagte, um Ruhe bemüht: „Frank, du kannst noch nicht gehen.“ – „Wieso?“ – „Ich bleibe hier nicht allein, wenn das hier mit mir im Raum ist.“ – „Was denn?“ – „Hörst du das nicht? Komm mal ums Bett herum.“

Er tat es und freute sich nicht. „Wie soll ich die denn beseitigen?“ – „Mir völlig egal – tot oder lebendig, die Viecher müssen weg! Ich bleibe hier nicht allein, wenn die im selben Raum sind wie ich!“

Die gigantischen Zikaden, die übrigens als „Singzikaden“ bekannt sind und vor dem Bett saßen, sorgten dafür, dass ich wie schockgefrostet im Bett saß. Der Name kommt nicht von ungefähr – die etwa zwanzig „kleinen“ Musiker begannen auch gerade schon damit, ihre Instrumente zu stimmen, als Frank gerade das Parterre-Hotelzimmer (mit Terrasse) verlassen wollte. Wie gut, dass sie das taten, denn ansonsten hätte ich sie ja erst nach Franks Weggang bemerkt… 😉

Sie waren zwischen 7 und 10 Zentimetern lang und kohlrabenschwarz. Vermutlich wollten sie der Kränkelnden, also mir, nett Gesellschaft leisten und ein kleines Konzert darbieten. Ich bat Frank, langsam und vorsichtig um das Bett herumzukommen – ich hegte die Befürchtung, einer oder gleich mehrere dieser wenig attraktiv wirkenden Gesellen könne bei schnelleren Bewegungen erschrecken und wild herum- und dann mich anspringen oder -fliegen! Ich bin mir sehr sicher, dass ich in diesem Falle die gesamte große Massentourismus-Knastanlage zusammengeschrien hätte. 😉 Nun steht man ja manchmal ganz gern im Mittelpunkt, z. B., wenn man etwas gut gemacht hat. Aber ich würde nur sehr ungern aufgrund eines Angriffs zahlreicher Riesenzikaden auf mich im Mittelpunkt stehen, obwohl mich sicherlich einige Leute um meine kräftige und durchdringende Stimme beneiden würden. 😉

Er schaffte es tatsächlich, die Tiere zu beseitigen, wollte allerdings erst einen meiner Schuhe dazu benutzen („Nicht mit meinem Schuh!“), aber ich muss zu meiner Schande gestehen: Mein Horror vor Insekten hat etwa zwanzig Singzikaden das Leben gekostet … ☹

Ergo: Neuauflage der Wünsche an die Fee, die sicherlich niemals erscheint. 😉

Wunsch 1: Wird nicht bekanntgegeben.

Wunsch 2: Alles Sonstige, was ich mir wünsche, inklusive Gesundheit, Panamericana und so viel anderes.

Wunsch 3: Wozu bei präziser Ausformulierung von Wunsch 1 und 2 noch Wunsch 3?

Okay, wäre ich noch präziser gewesen, hätte es nur eines Wunsches bedurft – die Äußerung hätte sicherlich aber etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Kann ich Wunsch 3 als Reservewunsch offenhalten, falls ich etwas vergessen habe? 😉

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