Kuba in meinem Auto

Ich glaube, ich habe in meinem Auto, dem kleinen Monty, bis dato noch nie Radio gehört, denn ich nutze immer den CD-Player oder mein Smartphone, um Musik zu hören. Nachrichten will ich vor allem auf dem Weg zur Arbeit gar nicht hören – mir reichen Zeitung, Fernsehen und Internet als Lieferanten dessen, was großenteils die Stimmung sinken lässt. Im Auto höre ich ausschließlich Musik, gern auch lauter.

Heute fuhr ich nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause, dabei „Chan Chan“ mitsingend – und das, obwohl ich gar kein Spanisch kann! 😉 Es handelt sich um ein kubanisches Lied, und ich kann es trotz mangelnder echter Spanischkenntnisse so schön mitschmettern, weil ich dieses Lied liebe und mir den Text eingeprägt habe, nachdem ich es das erste Mal gehört und den Text dann gegoogelt hatte, mitsamt Übersetzung, als ich vor Jahren mit Giacomo die Doku „Buena Vista Social Club“ angesehen hatte, die ich mir kurz darauf auch auf DVD kaufte. Der Text wirkt – wenn man weiß, was da gesungen wird – auf den ersten Blick etwas frugal, ist im Grunde aber sehr poetisch und passt zum melancholisch-schönen Gesamtbild dieses Liedes. 😉

Nun besitze ich zur DVD auch die CD, und das ist zwar gewissermaßen „Mainstream“, aber dennoch kubanisch, poetisch und schön, und die letzten Tage waren so, dass ich dachte, ein bisschen Kuba im Auto könne gar nicht schaden. 😉

Auf Kuba selber war ich noch nie. Aber auf der nächsten Insel südöstlich davon. Vor -zig Jahren. Ich hatte gar nicht hingewollt, da auf dieser „geteilten Insel“, zumindest in ihrem östlichen Staat, eher Massentourismus angesagt ist. Aber mein damaliger Freund wollte unbedingt hin.

Wir wollten endlich einmal zusammen Urlaub machen, damals in Aachen. 😉 Frankie war berufstätig, ich noch Studentin. Er meinte: „Du machst einen Vorschlag, und ich mache einen Vorschlag.“ Das klang fair, und ich schlug Cornwall vor. England. Ich liebe England. Da Cornwall aber teuer ist und ich finanziell schlechter gestellt war als Frankie und mein durch Jobben verdientes Geld so gerade und nur ganz knapp gereicht hätte – und das für nur eineinhalb Wochen! – und er großzügig meinte, er würde dann für uns beide zahlen, er obendrein meinte, im März nach England zu reisen, sei doch ziemlich gruselig, obwohl ich den Golfstrom und die Palmen in Teilen Cornwalls erwähnte, wurde es dann – tätää! – die Dominikanische Republik, kurz: DomRep. Ein Kontrastprogramm, das kontrastreicher nicht hätte sein können. Frankies bester Freund, mit dem ich nicht so harmonierte, weil ich Aufschneider nicht so mag, war ein großer Fan, und Frankie vertraute seinem besten Freund blind. Offenbar mehr als mir, dabei bin ich durchaus vertrauenswürdig. 😉

Da aber Urlaub wirklich notwendig war und wir zusammen reisen wollten, sagte ich ja, obwohl mir das Urlaubsmodell nicht so gut gefiel. Aber ich bin durchaus kompromissfähig, und Frankie meinte: „Und wenn es dir wirklich absolut nicht gefällt, reisen wir da nie wieder hin.“ Okay. Haben wir auch nie wieder getan.

Ich gebe zu, es reizte mich ja schon ein wenig, auf die „Großen Antillen“ zu reisen – aber musste es ausgerechnet die Dominikanische Republik sein? Dann doch lieber Kuba – das hätte wenigstens Stil! Aber davon wollte Frankie gar nichts wissen, obwohl ich ihm wiederholt ganz reizend – und natürlich völlig ohne Hintergedanken – Guantanamera vorsang (den Text kann ich ebenfalls ohne nennenswerte Spanischkenntnisse auswendig) und er es auch sehr schön fand und meinte, seine vorherigen Freundinnen hätten im Gegensatz zu mir nicht singen können – und auch nicht kochen. Ich gab zurück, er solle sich weniger mit Gregor treffen, denn dessen Möchtegernmacho-Art färbe inzwischen ab. 😉

Zweieinhalb Wochen vor unserem Flug in die DomRep wurde ich plötzlich krank – eine richtig fiese Angina hatte mich erwischt, und das so schlimm, dass ich nachts kein Auge zutun konnte und mir vor jedem Schluck Wasser graute, so weh tat es. Fieber hatte ich auch nicht zu knapp, und ich sah den Urlaub schon scheitern.

Das Grauen dauerte etwas über eine Woche an, aber es zeichnete sich ab, dass ich würde reisen können. An dem Tag, da ich mich erstmalig meines Bettes fieberfrei enthob, fiel mir schlagartig Furchtbares ein: Reisepass! Ich würde einen Reisepass brauchen! Und meiner, den ich aus der linken Schreibtischschublade holte, war seit einem Jahr abgelaufen! Zitternd und mit immer noch rauher Stimme rief ich beim Aachener Einwohnermeldeamt an und schilderte mein Problem. Kein Problem, beschied man mir, ich solle mitsamt abgelaufenem Pass einfach vorbeikommen, um mir einen Notfallpass ausstellen zu lassen. So geschah es, und mitsamt Notfallpass und abgelaufenem Pass – der musste dabei sein, zumal ein unbegrenztes Visum für die Vereinigten Staaten darin prangte – trat ich zusammen mit Frankie die Reise an.

Der Flug war problemlos, die Landung etwas härter, aber wir waren endlich in Puerto Plata, und unser Gepäck war auch auf dem Gepäckband. Mit selbigem durchquerten wir den wunderbar klimatisierten kleinen Flughafen, denn davor sollte der Zubringerbus warten.

Und da stand er auch schon! Wir strebten nach draußen, die gläsernen Schiebetüren öffneten sich – und wir prallten gegen eine schier undurchdringliche „Wand“ aus feuchtheißer Luft! O Gott! Nun ja, wir hatten ja damit gerechnet (womit auch sonst?), aber wenn man aus dem noch winterlich kalten Aachen kam, war es schon ein ziemliches Kontrastprogramm.

Der Bus war zum Glück aber auch hervorragend klimatisiert, und er fuhr uns und andere Pauschaltouristen über Land.

Ich weiß noch, dass ich mich fast bis auf die Knochen schämte, als ich sah, woran wir vorbeifuhren: Wellblechhütten, bis zum Boden durchhängende Überlandleitungen, allerdings ummantelt mit Kunststoffisolierung, an deren „Produkt“ die Bewohner der wellblechernen Verschläge jedoch gar keinen Anteil hatten, denn dort wurde auf offenem Feuer in Kesseln gekocht. Vor den Wellblechhütten tummelten sich Ziegen, Schweine und schmutzige Kinder sonder Zahl. Ich kam mir wie eine ignorante Erste-Welt-Idiotin vor, die all das in Kauf nimmt – Hauptsache, der Urlaub ist günstig und gut, wenn man nur die Augen vor allem verschließt. Ich hatte ja ohnehin nicht dorthin gewollt, war aber überstimmt worden. Als ich Frankie darauf aufmerksam machte, dass ich mir wie ein Arschloch vorkäme, meinte er nur: „Ja, aber diese Leute profitieren doch vom Tourismus!“ – „Das ist nicht dein Ernst! Du glaubst doch nicht im Ernst daran, dass die Bewohner dieser Wellblechverschläge vom Tourismus profitieren! Die sehen doch keinen roten Heller! Die sehen hier dauernd die klimatisierten Touri-Busse vorbeifahren und leben weiterhin im Elend – sieh dich doch um!“

Wir kamen nicht bester Stimmung in unserem „Touristenbunker“ in Cabarete an, einem mehrere Hektar großen, mit sehr hohen Zäunen eingefassten Areal mit vielen drei- und mehrstöckigen Häusern, die die Touristenzimmer enthielten, Bars, Speisesälen, „Restaurants“, Fitnessräumen, Pools, Liegewiesen, Pferdeställen, Tennisplätzen und all dem an, was man westlichen Touris mindestens anbieten muss. Natürlich auch Animateuren, einer Disco und sonstigen Dingen, auf die man – zumindest ich – im Urlaub gut und gern verzichten kann.

Als erstes tackerte man uns ein grünes Armband ans rechte oder linke Handgelenk, damit man auch gleich erkennen könne, dass wir Einwohner dieser „Anstalt“ waren. Fast „all inclusive“, denn wir hatten uns dazu entschlossen, zumindest mittags anderswo zu essen. Die Vollpensionisten, die das Areal gar nicht verlassen wollten, hatten rote Armbändchen. Und: Damit man uns, sollten wir das von verschiedenen Security-Mitarbeitern mit Maschinenpistolen bewachte Areal temporär verlassen wollen, auch problemlos wieder einlassen und nicht gleich über den Haufen schießen würde.

„Super!“ sagte ich zu Frank. „Warum haben wir uns nicht gleich in Deutschland einknasten lassen? Das wäre sicherlich preisgünstiger gewesen. Wir hätten nur ganz dilettantisch eine Tankstelle überfallen müssen. Die Esso-Tankstelle am Europaplatz, zum Beispiel. Nun, immerhin haben wir Freigang!“ Und ich hob den linken Arm, an dem das grüne Bändchen prangte und lachte dreckig. Ich kann leider manchmal nicht aus meiner Haut. 😉 Frank war sauer: „Was hast du denn zu meckern – ist doch alles gut organisiert.“ – „Ja, so kann man es natürlich auch sehen, wenn man ohnehin daran glaubt, dass die arme Bevölkerung in Wellblechhütten ganz sicher an den Einnahmen durch den Tourismus partizipiere. Allein diese MP-Securities irritieren mich. Was, wenn die da nicht stehen würden? Ich meine, das ist doch völlig surreal!“ Kaum angekommen und mit grünen Bändchen versehen, gab es schon Krach! 😉 Aber mich hatte bereits die Überlandfahrt mit dem Bus nachhaltig verstört, obwohl ich schon nicht viel Positives erwartet hatte. Ich bin mir sicher, Frank ging es ähnlich, aber da er unbedingt in die DomRep gewollt hatte, konnte er nicht anders.

Nachdem wir ausgepackt hatten, begaben wir uns relativ zügig in den Speisesaal, aßen zu Abend, und danach suchten wir eine Bar auf dem Gelände auf, die nicht ganz so überlaufen war. Dort bediente eine junge Frau. Da Frank noch weniger Spanisch als ich spricht, musste ich bestellen, und obwohl ich nur frugale Spanischkenntnisse präsentieren konnte, freute sich die junge Einheimische sehr, dass sich jemand bemühte und nicht von ihr verlangte, Deutsch zu verstehen, und da sie des Englischen einigermaßen mächtig war, unterhielten wir uns sehr nett, sie gab uns Tipps und wollte das Trinkgeld erst nicht annehmen, bis ich – manche Redewendungen und Floskeln hatte ich schnell gelernt – sagte: „Esta bien así!“ Sie bedankte sich erst auf Spanisch, dann auf Englisch, als sie mein freundliches Lächeln sah, das besagte, dass ich kein Wort verstünde, und sagte, sie freue sich sehr darüber, aber das sei nicht nötig, da wir so nett zu ihr seien. Das sei für sie schon Dank genug. Ich starrte sie an wie eine Erscheinung und dachte: „O Gott, was muss sie denn sonst alles mitmachen!“ Dann sagte ich, es sei uns eine Freude, und wir würden auch sehr gern wiederkommen. Es sei nett gemeint, und sie würde uns eine echte Freude machen, würde sie es einfach als Anerkennung für eine so nette Bedienung sehen. Da strahlte sie und nahm das Trinkgeld an, meinte jedoch, wir seien ihr auch ohne dies stets sehr willkommen, denn wir würden so nett mit ihr sprechen.

Ziemlich verstört ging ich zu Bett und dachte: „Der Tourismus scheint die Dinge hier in der Tat nicht besser zu machen. Die junge Frau freute sich einfach, dass es Menschen gibt, die zwar kein Spanisch sprechen, es aber zumindest versuchen, und die ihr nicht gleich sonstwohin grabschen.“

Am nächsten Abend gab sie uns gleich ein Bier aus. Das wollten wir zwar nicht, wollten sie aber auch nicht vor den Kopf stoßen. Sie freute sich immer, wenn sie uns sah und meinte, solche deutschen Touristen hätte sie noch nie erlebt – so nett. Und sie gab uns Tipps, was wir uns unbedingt ansehen müssten, ebenso, wohin wir besser nicht gehen sollten.

Am dritten Morgen – ich kam von einem Ausritt zurück und hatte gerade den für Touristen angeratenen Rum zu mir genommen, der Montezumas Rache entgegenwirken soll und dies offenbar auch tat, wenn man nur daran glaubte, obwohl ich es gruselig fand, um 11 Uhr am Vormittag so etwas zu mir zu nehmen, wurde ich Augen- und Ohrenzeugin eines schrillen Szenarios: Ein prolliger deutscher Tourist hatte sich einen einheimischen Mitarbeiter „gekrallt“ und laberte diesen in sehr frugalem Englisch zu, dieser solle mit aufs Zimmer kommen, um den Fernseher so einzustellen, dass der deutsche Touri – kam aus Hannover – das nächste Formel-1-Rennen mit Michael Schumacher sehen könne! „Maikel Shoemaker! Formel 1! Ju kamm wiss mi tu mei Ruum!“ Und schon griff er den Mitarbeiter beim Arm und wollte ihn wegzerren.

Ich war derart entgeistert, dass ich stehenblieb. Der Angestellte der Hotelanlage war sichtlich irritiert und starrte hilfesuchend zu mir herüber, und ich rief: „Excuse me, I’ve inadvertently and – moreover – unwillingly overheard your conversation. To my mind, this sir would like you to come to his room in order to select and fix some television channel so that he is able to watch the upcoming Formula 1 car race with Michael Schumacher. Don’t ask me why he travels to the other end of the world for that. Whatever, he is harmless and does not intend to do you any harm. I do not understand either why he has to come here to watch this car race – and he does not belong to me; I just wanted to help.“ Der Mitarbeiter strahlte mich an und kniff mir ein Auge zu, während der deutsche Tourist mir zurief: „Ey, stellt der mir jetzt den Sender ein?“ Ich ließ den Deppen einfach stehen, während der einheimische Mitarbeiter einen bedauernswerten Untergebenen instruierte, mit dem deutschen Touri aufs Zimmer zu gehen, um den entsprechenden Sender einzustellen. Da drehte ich mich allerdings noch einmal um und rief dem Touri zu: „Ein Trinkgeld ist auf alle Fälle angemessen!“ Darauf rief der Idiot zurück: „Ey, is alles inklusive!“ Ich fühlte mich schon morgens um 11 erschöpft – so ähnlich hatte ich mir immer die Hölle vorgestellt. 😉

Es gab aber auch sehr nette Touris dort. Die meisten dieser Sorte machten auch erstmalig Urlaub unter solchen Bedingungen. (Ja, auch wenn ich total motzig klinge: Ich war doch immer nett und freundlich zu den anderen Menschen, wenn mir auch die Bedingungen dieses Urlaubs nicht ganz so gut gefielen. Immerhin schien die Sonne.)

Sogar einen Abstecher in die Karibik machten wir, und das Meer ist wirklich wunderschön türkis, warm und traumhaft. Vor allem, wenn man sich die vielen deutschen und englischen Touris wegdenkt (und trotz des schlechten Rufs der englischen Touris fand ich die deutschen schlimmer). 😉 Ebenso die geschäftstüchtigen Strandverkäufer, die einen „chica linda“ nennen – zumindest damals 😉 – und einem ratz-fatz -zig billige Ketten um den Hals schlingen, wenn man quasi „unbewacht“ am Strand liegt, weil der zugehörige Freund sich gerade in einem Strandpavillon seine Badehose anzieht. Ich musste wirklich energisch werden, mir die Verkäufer vom Leib zu halten, war aber dennoch froh, als Frank endlich ankam, denn just da hatten mich auch zwei „Ich flechte dein Haar ratz-fatz in zahlreiche kleine Zöpfchen, egal, ob es dir steht oder nicht“-Mädels entdeckt. Eine hatte sogar schon nach meinen Haaren gegriffen und bewunderte sie, weil sie blond waren, während ich zweisprachig „Nein!“ sagte („No!“ englisch und „No!“ spanisch, allerdings lächelnd und im ersten Falle mit „thank you“, im zweiten mit „gracias“ versehen). 😉 Immerhin war ich erfolgreich, während mehrere weibliche Touris, die den Ausflug mitgemacht hatten, wohl weniger hartnäckig gewesen waren. Speziell an eine Deutsche erinnere ich mich, die ohnehin schon recht „spack“ aussah, mit den zahlreichen, winzigen und enganliegenden Zöpfen auf dem Kopp fortan aber einem Schwein glich. Sorry, aber anders kann man das kaum sagen – mir hätte es auch ganz und gar nicht gestanden. Sie war aber offenbar noch stolz auf ihre „einheimische“ Frisur (ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass keine einzige Einheimische so herumlief 😉 ).

Ich mag diese „Touristenbunker“ nicht. Aber das Land mochte ich, ebenso die Menschen dort. So nett und gastfreundlich, wenn man außerhalb des „Knasts“ in Kontakt mit ihnen kam. Man musste manchmal einfach nur nach dem Weg fragen, in defizitärem Spanisch und mit einzelnen Worten,  und wurde schon willkommen geheißen, fand sich in einem Gespräch wieder, das trotz Verständigungsschwierigkeiten und dank viel Gestik und rudimentärem Spanisch- wie etwas besseren Italienischkenntnissen dann doch zu einer Art Konsens führte. Frankie und ich saßen jedenfalls mehrfach mit Getränken und Speisen in den Heimen bzw. Gärten Einheimischer. 😊 Und obwohl wir wahrscheinlich über völlig unterschiedliche Dinge sprachen und einander zumindest rein verbal nicht optimal verständigen konnten, schien die Chemie so zu stimmen, dass man uns nur ungern wieder ziehen ließ. Glücklicherweise sind Spanisch und Italienisch in mancher Hinsicht recht ähnlich, und so verstand ich auch einiges – zumindest so viel, dass man uns wohl mochte. 😊
Nur wenn man beim Frühstück, gefragt von einer vornehmlich hispanophonen Kellnerin, ob etwas fehle, was man noch versteht, nach burro verlangt, muss man sich darauf gefasst machen, dass man angesehen wird, als habe man etwas Unanständiges gesagt. Auf einen sogenannten false friend hereingefallen, denn burro ist Butter im Italienischen, im Spanischen jedoch Esel. Aber seit diesem Fauxpas brachte die junge Frau immer von sich aus Nachschub an Butter an den Tisch, wenn sie uns auszugehen schien, und sie sagte immer „más burro“ und kniff mir ein Auge zu. Unverlangt, aber sie hatte verstanden, was ich ihr in einem gruseligen Gemisch aus Italienisch und Spanisch erklärt hatte, nachdem mir das richtige Wort – mantequilla – wieder eingefallen war: dass ich zwar Italienisch sprechen könne, leider aber kein Spanisch. Sie freute sich und erklärte in sehr gebrochenem Englisch mit Spanisch, dass sie das sehr nett finde. Ich erklärte ihr jeden Morgen, wenn sie Dienst hatte und mit Nachschub-Butter an unseren Tisch kam, dass sie das nicht tun müsse. Natürlich bekam sie ein Trinkgeld. 😉

Nie wieder Urlaub in einem Touristenknast, aber abgesehen davon erinnere ich mich doch ganz gern daran. Und als wir nach Aachen zurückkehrten, wo es schneite, wurde ich öfter auf meine eigentümliche Bräune angesprochen: Ich bin blond und relativ hellhäutig mit Sommersprossen. Ich kam – völlig ungewohnt – relativ gebräunt von dort zurück, in besonderem Maße jedoch auf dem Nasenrücken, von dem sich wie zwei Flügel zwei besonders gebräunte „Rallyestreifen“ bis zu den Schläfen zogen. Sah man genau hin, sah man, dass diese Streifen aus hunderten, kleinen Sommersprossen bestanden. Das habe ich erst- und einmalig beim Urlaub in der DomRep „erlitten“. 😉 Sah schräg aus. Wahrscheinlich meine Strafe für viel Lästerei über den „Touristenknast“. 😉 Mein Ex Frankie war zwar nach Rückkehr von dort krank, aber keineswegs gebräunt – gegen ihn sah ich sehr exotisch aus.

Unser nächster gemeinsamer Urlaub fand auf Texel statt, obwohl ich Kuba vorgeschlagen hatte. Das wollte Frankie aber nicht – das sei ja wie eine Provokation, da die Leute dort arm seien. Ah, ja  … 😉 Immerhin gibt es auf Texel nicht so grauenerregend große Insekten – und auch keine Geckos, die, wenn auch freundlich gesinnt, einem nachts übers Gesicht latschen. 😉

Und bevor ihr mich für einen furchtbaren weiblichen Motzkopp haltet: Ja, mir war im Grunde klar, dass das kein Urlaub werden würde, den ich mir freudig lachend sofort aussuchen würde. Mir war klar, worauf ich mich einließ, zu Hause zumindest in Ansätzen. Und da hatte ich mich mit den „Ansätzen“ schon abgefunden, wenn ich mich auch wiederholt fragte, ob das wirklich eine gute Idee sei. Ich hatte berechtigte Zweifel. Vor Ort war es aber noch schlimmer, als erwartet. Und da ich bisweilen nur ganz schwer meinen Mund halten kann, quoll es vor Ort dann definitiv aus mir heraus, denn vom heimischen rosa Sofa aus sieht Elend weniger schlimm aus. Ich bin keine Sozialromantikerin, versuche, Dinge meist realistisch zu sehen. Dort musste ich sie sogar realistisch sehen – sie waren nicht zu übersehen. Und ich fand die Gegensätze ziemlich bizarr. Das überschattete den Urlaub auch – die Wellblechhütten waren nicht so leicht zu vergessen, auch wenn man am Pool lag und einen frischen Ananassaft schlürfte. 😉  Selbst wenn man die Augen schloss, hörte man doch so manchen Touri die einheimischen Angestellten herumkommandieren, die dort wahrscheinlich den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie verdienten, und das beileibe nicht einfach.

Das Land an sich ist wunderschön, die Bewohner liebenswert. Aber unter diesen Umständen noch einmal dort Urlaub machen? Wohl eher nicht.

Was ich auf alle Fälle voller Begeisterung mitgenommen habe, ist die Art der Musik dieser Region und die Zuneigung zu den Menschen dort – beide einfach nur sympathisch und liebenswert. Und deswegen höre und singe ich derzeit auch „Chan Chan“ im Auto. 😉

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