DAS will ich sehen!

Als ich gestern – ich hatte Büroschicht – den kleinen Monty auf dem vorderen Parkplatz meines Arbeitgebers parkte und gen Arbeitsstätte strebte, wurde ich hinterrücks gerufen: „He, Ali!“ Ich drehte mich um und sah Kollegin Ines aus einer anderen Abteilung angelaufen kommen. „Guten Morgen!“ rief sie fröhlich, und ich erwiderte ihren Gruß ebenso fröhlich. Wir gingen zusammen weiter, und ich nahm einen anderen Eingang als sonst, so dass wir noch ein wenig plaudern konnten.

Auf dem Weg zu unseren jeweiligen Büros begegneten wir zwei Kollegen, die in der Nähe der Pforte standen und sich unter gebührendem Abstand miteinander unterhielten. Beide grüßten, wir grüßten zurück, und da rief der eine: „Im nächsten Leben komme ich als Frau zur Welt – ihr habt es ja immer gut! So gut will ich es auch mal haben!“

Man muss sich dabei nichts Böses denken – er sagt immer so etwas in der Art und meint es lustig, wenn es auch inzwischen vorhersagbar ist, und so lachten wir auch. Ich rief: „Viel Spaß schon einmal!“ Und Ines rief lachend: „Das will ich sehen!“

Im Weitergehen sagte sie gut hörbar zu mir: „Wird der eh schnell bereuen: Spätestens dann, wenn er sich wiederholt einmal im Monat vor Schmerzen krümmt. Ich wünsche ihm, dass es dann nur Binden gebe und er dauernd Angst hat, sie könnten nicht halten, was sie versprechen.“ Ich lachte schallend und fügte hinzu: „Und dann verträgt er die Pille nicht und wird völlig ungeahnt und ungewollt schwanger. Oder es geschieht ein Verhütungsunfall mit einem leicht anzuwendenden mechanischen Verhütungsmittel, das man überall ohne Rezept bekommt, und er muss die Pille danach nehmen, weil es gerade so überhaupt nicht passt und der beteiligte Typ sich direkt nach Entdeckung des Unfalls vom Acker gemacht hat. Der wird sich umgucken, danach aber auf andere Verhütungsmethoden umsteigen. Zum Beispiel eine Spirale – und das wird dann richtig lustig, vor allem beim Einsetzen. Das Gejammer möchte ich mir gar nicht vorstellen, nachdem der Arzt sagte: ‚Jetzt bitte husten!‘“ Ines lachte sich scheckig, ich mich desgleichen, und schaurig hallte unser Gelächter von den Wänden wider. 😉

Ines meinte: „Als alleinerziehende Mutter kann ich ihn mir auch nicht so gut vorstellen, falls er sich dafür entscheiden sollte, das Kind aus dem von dir genannten One-Night-Stand tatsächlich zu bekommen.“ – „Ich auch nicht.“ Und schon wieder lachten wir, was allerdings etwas unfair war, denn ich war nie in solch einer Situation und kann daher nicht sagen, ob ich das besser gemacht hätte. 😉

Zugegeben, auch mit dem ONS-Verhütungsunfall habe ich keinerlei Erfahrung. Aber so etwas gehört einfach zu den einzukalkulierenden Risiken, über die der Kollege sich wohl bei seinem spontan-leichtfertigen Ausruf so gar keine Gedanken gemacht hatte. Möglich, dass man sich als Frau da eher Gedanken macht, weil man ja die Person ist, die danach möglicherweise noch aktiver als in der Situation werden muss, die zu der Notwendigkeit, dies zu tun, erst führte. 😉

Ich drehte mich um und sah den Kollegen da völlig stupéfait stehen – offenbar hatte das von Ines und mir ausgemalte Szenario ihn geschockt. Ich winkte fröhlich und wünschte einen schönen Arbeitstag. Ines lachte erneut und meinte: „O je – wahrscheinlich steht er gleich bei mir im Büro und fragt mich, warum wir so gelacht haben.“ – „Dann sag ihm doch einfach, dass wir uns vorgestellt hätten, wie überrascht er wäre, würde er herausfinden, dass er mit Zitronen gehandelt habe. Ich vermute, im umgekehrten Falle wäre es ähnlich.“ – „Ich habe mir eigentlich nie vorgestellt, dass Männer es leichter hätten.“ – „Ich auch nicht. Ich habe mir auch nie gewünscht, ein Mann zu sein.“ – „Dasselbe hier,“, sagte Ines, „ich finde es okay so, wie es ist. Ich will mir aber keine Sprüche anhören müssen, wir hätten es leichter.“ – „Ach, ich glaube, er meinte das gar nicht so ernst. Falls doch, wäre so eine Art ‚Bodyswitching‘ sicherlich hilfreich, und er würde so etwas nie wieder sagen.“

Dessen bin ich mir sicher. 😉 Ich habe Männer eigentlich nie beneidet. Höchstens als Kind, wenn „die Jungs“ mal wieder geschont wurden, wenn sie eine Fensterscheibe beim Fußballspielen zerschossen hatten. „Sind doch Jungs – die müssen sowas machen!“ hieß es damals, und ich hätte mir das Donnerwetter gar nicht vorstellen mögen, hätten wir Mädels das Gleiche getan. 😉

Glücklicherweise heißt es heute: „Sind doch Kinder – die müssen sowas machen!“ Und von daher werde ich auch milde lächelnd und frauentypisch (denn gemäß altertümlicher Vorstellung, die bei manchen Menschen noch heute Bestand hat, seien Frauen ja viel duldsamer … ) über den Kratzer an meinem kleinen Monty hinwegsehen, den Kinder – allesamt Jungs – gestern bei ihrem kindgerecht-impulsiven Versteckspiel in unserem Garagenhof an ihm und zwei anderen Autos hinterließen. Die Jungs wohnen einige Häuser weiter, haben zwar einen eigenen Hof, aber unser Garagenhof scheint besonders verlockend zum Versteck- und Fußballspielen zu sein. Dabei ist er so gut einsehbar. Gut möglich, dass sie mit Gründen in ihrem Hof nicht spielen dürfen. Ich ärgerte mich, regte mich aber nur minimal auf – ich kann es eh nicht ändern, denn: „Sind halt Jungs… ooops… Kinder“ 😉 Und die sind ja sakrosankt. 😉

Ich glaube, ich wünsche mir, im nächsten Leben eine Katze zu sein – eine echte Hauskatze, natürlich. Die werden im Allgemeinen gehätschelt und gepampert – sie müssen sich keine Gedanken um ihre Versorgung machen und haben auch kein Auto. 😉

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