Die echte Coronation, ääh, Krönung des Tages – Einkaufen im Einkaufsmarkt in Zeiten der Krise

Ich habe dieser Tage beschlossen, mich nicht von der allgemeinen Panik hinsichtlich des sich immer weiter ausbreitenden Virus anstecken zu lassen: des Corona-Virus, aber das wisst ihr alle schon. 😉 Man kann dem Ganzen ja kaum entgehen. 😉

Und doch ertappte ich mich gestern dabei, wie ich – täglich beruflich mit Publikumsverkehr konfrontiert – nach einem Händeschüttler, der es nett meinte und den ich unmöglich vor den Kopf stoßen wollte, etwa zwei Minuten wartete und dann heimlich beobachtete, wie mein „Kunde“ sich fröhlich und nett lächelnd durch den Haupteingang aus dem Gebäude entfernte, bis ich Richtung Damentoilette stochte und mir dort die Hände wusch. (Selbstredend gemäß der Anleitung, die neben dem Waschbecken hängt … Nein, eigentlich so, wie ich mir von klein auf die Hände wasche. Für die Anleitung brauchte ich damals lediglich eine kurze, aber prägnante Einweisung meiner Eltern und keinen „Cartoon“ neben dem Waschbecken … 😉 ). Niemals hätte ich gewollt, dass er mitansehen müsse, wie ich nach seiner freundlich gemeinten Geste sofort zur desinfizierenden Tat schreite!

Zu spaßen ist mit dem Virus sicherlich nicht, aber was derzeit los, losgebrochen ist, ist in der Tat geeignet, Panik zu erzeugen oder zu schüren.

Nicht nur, dass es berufliche Konsequenzen völlig anderer Art, als zuvor geahnt, für mich hat, nein, auch mein Einkaufsverhalten scheint sich dem Chaos anpassen zu müssen. Und ich gestehe, dass ich heute auch auf verschlungenen Pfaden noch versteckt vorhandenes Handdesinfektionsmittel bestellt habe. Ich gab vor, Heilpraktikerin zu sein, und trotzdem wird das Desinfektionsmittel erst um den 20. März bei mir eintreffen. Ich habe es nicht für den privaten Gebrauch bestellt, sondern eher im Gedanken an die Situation im Büro, wo seit jeher privat angeschafftes Handdesinfektionsmittel steht, das jedoch fast aufgebraucht ist. Nachschub muss her, völlig unabhängig von Corona. Verstehen sicherlich nur Menschen mit hohem Aufkommen an Publikumsverkehr. 😉

Ich las heute die schauerlichsten Push-Artikel, schlug mich mit unangenehmen dienstlichen Aspekten herum, bis ich um kurz vor halb sechs das Büro verließ – es reichte ja auch. Und schon raste ich gen Einkaufsmarkt. Richtig dringend brauchte ich eigentlich nur Brot, Toilettenpapier, Obst und Gemüse und Mineralwasser. Ich muss allerdings sagen, dass ich – im Normalfall – sehr gern einkaufe. Und manchmal mache ich mir auch gern eine Freude und kaufe etwas, das ich gar nicht zwingend benötige.

Dazu kam ich heute gar nicht, denn es herrschte unglaublicher Stress nicht nur schon auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes, wo ich nur noch mit Mühe einen freien Parkplatz fand, sondern erst recht in seinem Inneren.

Als ich den Markt betreten wollte, wurde ich schon fast von zwei wildgewordenen, bis über reale Sichtgrenzenverhältnisse beladenen Einkaufswagen über den Haufen gefahren, deren erheblich kürzer gewachsene Lenker offenbar die Kontrolle verloren hatten. Ich sah sehr viele Nudelpackungen in den Wagen, Mineralwasser, Hülsenfrüchte – und Fertigsaucen-Tüten! Hallo? Ihr braucht für Saucen keine Fertigpackungen, nur Tomatenmark und viel Kreativität!

So dachte ich, als ich schnell zur Seite sprang, um von den schwerstbeladenen Wagen nicht umgemangelt zu werden.

Im Markt war es nicht viel besser, zumal viele Angestellte in den Gängen damit beschäftigt waren, mit fliegenden Händen speziell Nudel- wie Wurstdosenregale und Vergleichbares aufzufüllen. Als ich mich gerade im Wurstdosentrakt aufhielt, wenn auch nicht beabsichtigt, sondern einfach nur, um dem aggressiv nachrückenden Nudelsturm auszuweichen und aus purer Verlegenheit eine Dose Dicke Sauerländer in meinen bis dato normal bestückten Einkaufswagen lud, sprach mich die das Nachbarregal mit Dosen von Lange Jungs auffüllende Angestellte an: „Na, auch auf Hamsterkurs?“ – „Ääh, nee, eigentlich nicht …“ Die Dame warf einen Blick in meinen Wagen, in dem sich inzwischen neben einer frischen Knoblauchknolle und einem einzelnen Paket Lavazza nur die Dose Dicke Sauerländer, Obst und Gemüse wie eine Packung Toilettenpapier und Brot befanden. Dann grinste sie und meinte: „Endlich ein normaler Mensch! Sie hamstern nicht, nicht wahr?“ – „Durchaus nicht. Ich staune selber über den Andrang. Und ich möchte mich dazu besser nicht äußern.“

Da rief die Angestellte: „Danke! Endlich ein normaler Mensch! Sie werden mir das nicht glauben, aber mein Kollege und ich räumen schon seit heute früh immer die gleichen Artikel in die Regale! Und kurz darauf ist wieder alles leer! Wahrscheinlich werden wir bald wahnsinnig!“ – „Nein! Bitte nicht! Sie sind zwei völlig normale Menschen! Ich bin nur hier im Wurstdosen-Gang, weil ich dem Nudelsturm ausweichen wollte! Und da ich diese Sauerländer Würste mag …“ – „Nein! Packen Sie gern noch eine weitere Dose ein – Sie sind normal!“ – „Ach, eine Dose reicht mir.“ – „Und wenn nicht, kommen Sie morgen wieder! Ich bin dann auch hier – und der Niko, mein Kollege, auch!“ – „Gut zu wissen. Vielleicht komme ich morgen wieder, falls ich etwas vergessen haben sollte, aber ich schwöre Ihnen, dass ich keine weiteren Sauerländer Dicke kaufe!“ – „Egal, was Sie kaufen – Sie sind wenigstens nett!“

Ich schob meinen Wagen lieber weiter. Inzwischen drehen die Regal-Einräumer schon durch … Aber es wundert mich nicht. 😉

Als ich in die Getränkeabteilung kam, sah ich, dass mein bevorzugtes Lemon-Mineralwasser wie alle anderen Lemon-Mineralwassersorten ausverkauft war. Ich war ein wenig verstimmt. Dann musste ich an eine Unterhaltung denken, die ich heute mit Kerstin, einer meiner Lieblingskolleginnen, geführt hatte. Die hatte gesagt: „Inzwischen drehen ja wohl alle durch! Ich war gestern bei Fiedel, um ein Sixpack meines Lieblings-Mineralwassers zu kaufen!“ Sie liebt dieses Grapefruit-Zeug. Das gab es nicht mehr, weil wohl vor ihr Leute den gesamten Bestand aufgekauft hatten. Sehr schön, dass Arbeitnehmer da wohl einmal mehr die Arschkarte haben, weil sie nicht zu Unzeiten einkaufen können … Doch egal – Kerstin und ich kamen überein, dass sogar Menschen, die gar nicht „hamstern“ wollen, künftig dazu gezwungen sein könnten, um überhaupt noch etwas vom gewünschten Produkt abzubekommen.

Aus Protest lud ich noch zwei völlig „hamsterinadäquate“ Produkte in meinen Einkaufswagen: zwei Gläser Erdnussbutter einer namhaften niederländischen Firma, die auch weitere typisch niederländische Produkte herstellt und vertreibt! Einmal creamy, einmal crunchy, weil ich mich nicht zwischen beiden entscheiden konnte, pindakaas aber sehr liebe. 😉 Dann stürmte ich gen Kasse, wo ich in einer endlos scheinenden Schlange stand …

Endlich bis ans hintere Ende des Kassenbandes vorgerückt, wollte ich gerade meine Waren auf das Band laden, als sich die Frau vor mir umdrehte, in meinen Wagen blickte und mich fröhlich anlachte: „Sie hamstern auch nicht, wie ich sehe. Ach, das ist ja sympathisch! Seit gestern fühle ich mich nämlich wie in einem Paralleluniversum!“ Ich gebe zu, ich starrte sie zunächst an, als sei mir ein Geist erschienen, aber als sie dann sagte: „Oder wie in einem dystopischen Roman!“, lachte ich auch. Ja. Genauso fühle ich mich auch. Dann wies ich die Frau darauf hin, dass das zum Teil kopflose Gehamstere anderer Leute unter Umständen notwendig mache, seinerseits größere Einkäufe zu tätigen, um überhaupt noch etwas von gewünschten Artikeln zu erwischen, und da meinte sie: „Wie immer im Leben: Der Egoismus anderer zwingt dazu, seinerseits großzügig zuzugreifen. Erschreckend.“

Und als ich meine 10 Rollen Toilettenpapier auf das Band lud, meinte von der Nachbarkasse jemand: „Wir haben das Klopapier vergessen! Bring besser fünf Zehnerpacks!“ Da konnte ich es mir nicht verkneifen, zu sagen: „Soweit ich informiert bin, betrifft das Corona-Virus eher die Atemwege. Das letzte Magen-Darm-Virus hat mich vor knapp drei Wochen niedergestreckt, ist aber ausgestanden. Kaufen Sie lieber Papiertaschentücher! Lassen Sie aber noch etwas für andere übrig, bitte.“ Die Frau vor mir drehte sich um und kniff mir ein Auge zu. 😉

Ich kann nur konstatieren, dass Einkaufen dieser Tage auch keinen Spaß mehr macht, denn zuweilen wurde vorher schon über Gebühr zugegriffen, oder man trifft auf zu Recht durchgeknallte Regal-Einräumer. Oder auf Leute, die 50 Rollen Toilettenpapier zu benötigen glauben und wahrscheinlich einen eigens gebauten Bunker haben …

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