Wie man eine Fastenphase konsequent durchhält

Bis dato habe ich mein in Intervallen stattfindendes Fastenprogramm nie so ganz durchgehalten, zumal ich auf 5:2 umgestiegen bin – fünf Tage ohne Fasten, zwei Tage Fasten und maximal 600 Kalorien pro Tag (die ich allerdings auch nicht immer einhalte – manchmal werden es auch 700 Kalorien). Dennoch habe ich mit Grund den Eindruck, abgenommen zu haben, und ich wollte noch nie päpstlicher als der Papst sein. Mit dem habe ich eh nix am Hut. 😉

Von gestern 16 Uhr bis heute 16 Uhr fand einmal mehr ein solcher Fastentag statt. Mir graute zugegebener Weise, wie mir vor jedem Fastentag graut, und daran wird sich auch nichts ändern, obwohl ganz viele Mit-Faster behaupten, man gewöhne sich ganz leicht daran. Nein, das konnte ich bis dato nicht bei mir feststellen, obwohl ich mal mehr, mal weniger streng mit mir bin. Hinreichend streng zumeist. Aber vielleicht sollte ich doch einfach öfter mit Grund zum Augenarzt gehen. Dann geht es unter Umständen ganz leicht.

Zumindest mit dem Grund, der mich heute spontan hinführte. Nein, es war keine augenlichtbedrohende Situation, auch keine lebensbedrohliche. Es sieht einfach nur verboten aus, und es tut wirklich ganz gemein weh.

Kurz: Ich verfügte mich irgendwann, als noch Freitag war, ins Bett. Da sah ich ganz normal aus, und ich fühlte mich bestens.

Als ich am Samstag aufwachte, war alles anders. Schmerzen am linken Auge, massive Schmerzen, und als ich vor dem Badezimmerspiegel stand, wollte ich es kaum glauben: Abends zuvor als Ali ins Bett gegangen – morgens darauf als Karl Dall wieder aufgestanden! 😉

Noch kürzer: Mich traf beinahe der Schlag! Mein linkes Oberlid hing zwar nicht, war aber derart angeschwollen, dass sogar der obere Teil der Pupille partiell im Schatten lag. Und so sah ich dann auch … Als wäre eine partiell geschlossene Jalousie vor meinem linken Auge.

Und wie das Lid aussah! Sofort musste ich an die Tochter einer deutschen Prominenten denken, die – zuvor durchaus hübsch – plötzlich mit einem Mund auftrat, der wie ein Schlauchboot aussah, wiewohl sie stets beteuerte, dass Botox nicht im Spiel gewesen sei, was natürlich jeder glaubte. 😉

Es sah grauenhaft aus – als hätte ich mein linkes Oberlid mit Botox pimpen lassen, warum auch immer. Schlauchboot bzw. Ballon wie auch der Vorname der Prominententochter schossen mir als Erstes, Zweites und Drittes durch den Kopf. Und noch schlimmer: Ich musste heute mit meiner Brille zur Arbeit gehen! In dem Zustand noch eine Kontaktlinse ins linke Auge zu friemeln – das leuchtete sogar mir ein, die bisweilen weder Tod noch Teufel scheut -, wäre sicherlich eine ziemliche Scheißidee. 😉

Die Woche fing ganz besonders bescheiden an, und als ich bei der Arbeit ankam, meinte Jana: „Muss ich dich eigentlich immer erst fragen, warum du nicht gleich morgens zu deinem Augenarzt gehst?“ – „Ist ja schon gut! Ich rufe da an!“

Zwischen 14 und 16 Uhr solle ich in der Praxis sein, hieß es, und entsprechend fuhr ich mit dem Bus auch hin. Den kleinen Monty ließ ich auf dem Mitarbeiterparkplatz stehen. Ich wollte ja nur kurz zum Augenarzt.

Als ich in der Praxis ankam, stellte ich fest, dass dort Bauarbeiten herrschten, die den normalen Praxisablauf störten. In Folge verschanzten sich die beiden diensthabenden Ophthalmologen schließlich in des einen Behandlungsraum, wo sie wahrscheinlich geraume Zeit über die Innenarchitektur und Beleuchtung der Praxis diskutierten, denn noch bevor sie sich dorthin zurückzogen und der Praxisablauf zum Stocken kam, bekam ich mit, wie einer zum diensthabenden Handwerker sagte: „Wir möchten hier am besten auch LED-Beleuchtung!“ Das hielt ich hinsichtlich einer augenärztlichen Praxis für eine ganz besonders hervorragende Idee, denn es ging wohl um das Wartezimmer. Patienten, die zur Funduskopie kommen und pupillenerweiternde Augentropfen verabreicht bekommen, freuen sich sicherlich ganz besonders über LED-Beleuchtung, denn da kann es ja gar nicht blendend genug sein. 😉

Und so saß, harrte und wartete ich fast eineinhalb Stunden, während derer ich beschloss, künftig nur noch dienstags und freitags – wenn möglich – diese Praxis aufzusuchen, denn da hat der angestellte Augenarzt Dienst, der mich im letzten Jahr so gut betreut hatte, als es um Schlimmeres ging. Der hat auch keine Befugnis, über Beleuchtungskörper zu befinden, und ich bin mir sicher, dass er sich gegen LEDs entschieden hätte. 😉

Als ich schließlich aufgerufen wurde, hieß es, ich litte wohl unter einer Lidrandentzündung. So weit war ich auch schon gewesen. Als der Arzt mich schließlich höchstselbst untersuchte, drückte er wieder und wieder mit einem Wattestäbchen gegen die Innenseite meines nach außen geklappten Oberlids. Ich meinte staccatomäßig, da es wehtat: „Das ist ja herzallerliebst, was Sie da mit mir machen!“ – „Ja, Sie sollten nur etwas ruhiger sein und nicht immer so zucken. Das ist ein klassisches Hordeolum internum, und ich muss jetzt etwas dagegen drücken. Vielleicht haben wir Glück, und es macht gleich platsch!, und dann sind Sie die Schmerzen los. Wissen Sie, wenn es platsch! macht, kommt der ganze Mist heraus, der Druck ist weg, und der Schmerz auch!“

Ich würgte leicht. Es tat höllenmäßig weh, und die Vorstellung, dass es gleich platsch! machen und Sekrete verschiedenster Provenienz in mein Auge laufen würden, machte mir mehr oder minder leise zu schaffen. Blut – kein Problem! Aber diese Vorstellung – nein, danke! 😉

Da nichts platschte, trug man mir auf, zu Hause meinerseits mit Wattepads oder Kosmetiktüchern zu Werke zu gehen. Zusätzlich verschrieb man mir eine antibiotische Augensalbe, die auch Cortison enthält.

Als ich – kalter Schweiß stand auf meiner Stirn – die Praxis verließ, war mir nicht klar, wie man überhaupt je etwas essen könne, zumal mir der Augenarzt nach all den schmerzhaften Wattestäbchen-Bemühungen das letzte noch unter die Nase bzw. Augen gehalten hatte, und das mit den Worten: „Sehen Sie – manchmal muss man einfach nur konsequent sein!“ Danke – ich esse nie! 😉

Und während ich vorhin Augensalbe auf und unter mein Oberlid praktizierte (mit einem Wattestäbchen), hatte ich noch immer keinen Appetit. Er wird wiederkommen, da bin ich mir sicher. Aber nicht heute.

Ist aber eh Fastentag. 😉