Und all das für ein läppisches Unentschieden? ;-)

Ich hatte heute einen schönen Abend. Zumindest, nachdem ich endlich dort angekommen war, wo ich hatte ankommen wollen – in einem Lokal, in dem ich mit Kerstin, einer meiner Lieblingskolleginnen, zum Essen verabredet war. Der Tisch war für 18:30 h reserviert, und wir freuten uns beide auf den Abend, nachdem wir es – anders als geplant – nicht mehr geschafft hatten, Tickets fürs Weihnachtssingen auf Schalke zu bekommen.

Immerhin ist das Lokal, in dem wir uns treffen wollten, nicht weit von der Veltins-Arena entfernt. Gesungen haben wir dennoch nicht. Nein, was ich zuvor im Auto tat, war kein Gesang. Beileibe nicht. Und ich schwöre, das, was da meinen sogenannten Sprechwerkzeugen entfleuchte, habe ich nicht in meinem Elternhaus gelernt. 😉

Ich lebe zwar hier in dieser Stadt, in der der lokale Fußballclub bei vielen eine Art Religion ist, ich bin auch auf dem Laufenden, was die Bundesliga-Tabelle anbelangt, und auch ich freue mich mit, wenn Schalke siegt. Ich bin aber kein Fan, und so habe ich nie auf dem Schirm, wann ein Heimspiel stattfindet. Sollte man als Bewohner dieser Stadt besser wissen …

Denn als ich mich heute für den Abend fertigmachte, zuvor noch die Treppe putzte, kam mir irgendwann zu Bewusstsein, dass die aus einer gewissen Entfernung zu mir gedrungene Geräuschkulisse, aus vielen Kehlen stammend und von mir meist nur beiläufig und als normal wahrgenommen, dafür sprach, dass wohl „auf Schalke“ gespielt wurde. Ich schaltete leider erst, als ich bereits mit Tasche und Weihnachtsgeschenk für Kerstin zur Wohnungstür schritt. Genauer: Es durchzuckte mich – und da klingelte auch schon mein Handy. Mir war sofort klar, dass es sich beim Anrufer nur um Kerstin handeln konnte, die mir garantiert mitteilen wollte, dass Schalke heute gespielt habe und ein riesiges Verkehrschaos herrsche, inklusive Straßensperrungen. Und genauso war es – um 18:10 h.

Ich brauche für die Strecke normalerweise maximal fünfzehn Minuten inklusive Parken. Es war klar, dass ich das nicht schaffen würde, und so bat ich Kerstin, schon einmal den reservierten Tisch in Anspruch zu nehmen – ich käme so schnell, wie möglich (was auch immer das heißen möge).

Und rasant fuhr ich vom Hof und geriet alsbald auf dem konventionellen Weg in einen Stau. Rasch wendete ich auf recht risikofreudige Weise und fuhr erst einmal ein Stück zurück, um dann eine andere Strecke zu wählen. Eine Strecke, die Auswärtige nicht so gut kennen dürften. Da musste ich leider erneut wenden, erneut risikofreudig, und so nahm ich eine dritte, besonders raffinierte Route – wie ich dachte. Dort stand ich dann im Stau, und ich fluchte wie ein Kesselflicker. Wieder gewendet, neue Strecke. Am Marktkauf geparkt, weil ich keine Lust mehr hatte, noch bis zum Parkplatz des Lokals zu fahren, der sicherlich inzwischen proppenvoll war – nach Schalke-Heimspielen nicht ungewöhnlich -, um dort festzustellen, dass ich dann doch nicht dort parken könne, da auch der hinterletzte Platz belegt. Ist mir schon zweimal passiert, und ich kalkulierte, dass das dann noch mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als nun hier etwas weiter entfernt zu parken und zu Fuß zum Lokal zu stochen.

Um 18:55 h enterte ich das Lokal und hatte so immerhin einen kleinen Spaziergang gemacht. 😉 Kerstin saß in Sichtweite, und sie sprang auf, als sie mich kommen sah. Riss mich erst einmal in den Arm und meinte ganz auf Kerstin-Art: „Ich dachte schon, ich müsste eine Suchhundestaffel aussenden! Da sind wir auch ein bisschen spät losgefahren, Frau B., ne?“ – „Wäre mir klar gewesen, dass Schalke heute ein Heimspiel hatte, wäre ich eher losgefahren. Aufgefallen ist es mir auch erst ganz kurz vor deinem Anruf. Normalerweise brauche ich maximal eine Viertelstunde – mit Parken!“ – „Ist doch alles halb so wild – ich wollte nur etwas frotzeln. Hauptsache, du bist jetzt da!“

Und wir bestellten Essen und Getränke und überreichten einander unsere Weihnachtsgeschenke. Meines wirkte nicht ganz so liebevoll wie Kerstins – fand ich zumindest -, aber ich hatte ohnehin vorgehabt, sie zum Essen einzuladen, was sie – auch ganz Kerstin – erst nicht annehmen wollte.

Es war ein sehr schöner Abend mit viel Lachen und grandiosen Geschichten. Als es ans Zahlen ging, holte Kerstin ihr Portemonnaie heraus, aber ich sagte: „Weg damit – zurück in deine Tasche, aber zackig! Ich dachte, wir hätten das geklärt.“ Und ich kniff ihr ein Auge zu. Kerstin meinte zum Kellner: „Die Frau hier ist manchmal echt schwer zu ertragen – man kommt nur selten gegen sie an! Und ich bin darin normalerweise ziemlich gut!“ Ich meinte: „Wir sind beide einzeln schon schwer zu ertragen, und zusammen sind wir unausstehlich, aber ich zahle trotzdem alles zusammen, egal, was sie sagt!“ Der Kellner lachte und meinte: „Ich finde Sie beide sehr nett und sympathisch, und Sie scheinen einander doch sehr gut zu verstehen.“ – „Ja, das tun wir auch!“ rief Kerstin. – „Dann ist doch alles prima, und Sie können sich ja einfach abwechseln.“ – „Das werden wir tun,“, rief Kerstin, „denn das machen wir bald wieder, ne, Ali?“ – „Auf jeden Fall!“

Sie fuhr mich dann noch zum Marktkauf, wir drückten einander, und Kerstin meinte: „Danke für die Einladung, Ali – ich fand den Abend richtig schön.“ – „Ich auch – es war sehr lustig, auch wenn es mir leidtat, dass du so lange warten musstest.“ – „Ach, halb so wild! Ich wusste ja, warum, und ich wusste, du würdest auf alle Fälle kommen. Und das machen wir auf alle Fälle bald wieder – aber dann zahle ich!“ – „Sehr gern – und wir wechseln uns einfach ab.“

Zu Hause eingetroffen – ich war noch an der Packstation, bei der Sparkasse und an der Tanke, da mein Tank fast leer war – erwarteten mich schon einige WhatsApp-Nachrichten von Kerstin. Eine lautete: „Boah, die haben heute nur unentschieden gespielt! Und dafür reißen wir uns den … auf, um einfach nur mehr oder minder pünktlich zum Lokal zu kommen, trotz Schikanen, Sperrungen und Staus!“

Ich schrieb zurück: „Waaas? Für ein läppisches Unentschieden überschreite ich mehrfach die erlaubte Höchstgeschwindigkeit? Da, wo kein Stau herrschte? Mache Wendemanöver unter größter Todesverachtung und drohender Lebensgefahr? Fluche im Auto, bis meine Stimme fast versagt? So nicht, Schalke! So nicht!“

Nein. Sowas nicht noch einmal, denn Kerstin und ich kamen überein, beim nächsten Treffen besser vorbereitet zu sein, was Heimspiele anbelange. Aber sowas von! 😉

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