Recken und Strecken – nur ein wenig zur Entspannung, natürlich … ;-)

Gestern fragte mich Saskia: „Kommst du morgen mit zum Kurs Immer fit – immer fröhlich? Ich wollte da mal hingehen – und etwas Recken und Strecken bei der Arbeit kann ja nicht falsch sein!“ – „Klar!“ rief ich fröhlich (und das bereits, ganz ohne fit zu sein! 😉 ), denn ein beim Arbeitgeber angebotener Kurs mit allgemein gymnastizierendem Effekt kann nur gut sein, vor allem, wenn man tagein, tagaus in Vollzeit im Büro sitzt. Und vor diesem Hintergrund trompetete ich erneut: „Klar – Superidee!“

Saskia fand es auch super, und so machten wir uns heute um kurz vor halb eins auf den Weg zum Sportraum unseres Arbeitgebers. Außer uns kamen noch zwei weitere reck- und streckwillige Kollegen und warteten brav mit uns vor der Tür des Sportraums, in dem der 12-Uhr-Kurs gerade tätig war.

Als die Tür aufging, kamen diverse Kolleginnen und Kollegen heraus, die ich mehr oder minder gut kannte. Sie alle sahen völlig normal aus, völlig normal hinsichtlich des Stylings und der Gesichtsfarbe. Na, also – das konnte ja gar nicht so anstrengend sein … 😉

Und schon schoben wir vier Musketiere uns in den Raum, mussten uns auf einer Liste verewigen, und schon wies uns die sehr junge und sympathische „Schleiferin“ an, uns jeweils eine der im Kreis angeordneten Gymnastikmatten auszusuchen. Ich nahm die Matte in der linken Ecke – weit von der Kursleiterin entfernt.

Es fing im Grunde ganz harmlos an, aber ich hatte (zu) lange keinen Sport gemacht, und ich konstatierte, dass speziell in vertikaler Körperhaltung meine Balance nicht mehr das ist, was sie mal war, vermute jedoch, dass hier der allseits bekannte Vorführeffekt zum Tragen kam, denn vorhin habe ich hier zu Hause – ganz ohne Publikum und „Schleiferin“ – ganz bequem mit nach oben gezogenem Knie, rechts wie links – minutenlang auf einem Bein gestanden, ohne mich abstützen zu müssen. Cool! (Ausprobieren musste ich es doch noch einmal!) 😊

Nur halt im Kurs nicht, was mich ärgerte. Ganz so ungymnastiziert bin ich ja nun auch nicht! 😉 Als ich die Kursleiterin grinsen sah, meinte ich, ebenfalls grinsend: „Ja, ich muss auch lachen – zu lange nix gemacht, und es ist allerhöchste Zeit. Ich komme jetzt regelmäßig, denn so geht es ja nicht weiter!“ Die Kursleiterin lachte und meinte, binnen kurzer Zeit würde ich feststellen, dass ich viele Dinge wieder könne, die durch den zwischenzeitlich eingetretenen Mangel eingerostet seien. Ja, sehr schön – nächste Woche bin ich auf alle Fälle wieder dort, und dann alle zwei Wochen, da der Kurs ab dann nur zweiwöchentlich stattfindet. Ha! Danach reden wir weiter! 😉

Dennoch war ich froh, als wir uns in Vierfüßerposition begaben – ab da funktionierte alles weitgehend prima, und bei einer Übung wurde ich sogar mehrfach gelobt! Sie ähnelte einer der Basisdisziplinen bzw. -figuren, die man beim Voltigieren lernt. Meine Lieblings-Basisübung vor vielen Jahren auf dem Pferderücken: die Fahne (Leistungsklasse L). Einziger Unterschied: Man verharrt auf dem Rücken des galoppierenden Pferdes in dieser Position mit optimaler Körperspannung. Heute mussten wir uns erst fahnenartig strecken, dann kurz beugen, dann wieder strecken. Aber meine gestreckte Haltung gefiel der Kursleiterin wohl: „Wow! Das beherrschen Sie richtig prima! Das sieht sehr gut aus!“ – „Habe früher voltigiert …“ japste ich und fügte hinzu: „Man mag es kaum glauben – ist auch ewig lange her …“ – „Das sieht sehr gut aus!“

Manches bleibt wohl ewig haften … 😉

Blöd waren die kurzen Entspannungspausen, denn da konzentrierte man sich weder auf die Körperspannung, noch auf sonstige Dinge. Und just in einer dieser kurzen Pausen fiel mir auf, dass meine Herzfrequenz ziemlich hoch war. Kurz: Mein Herz hämmerte derart gegen die Rippen, dass es ungesund erschien. Sicher normal für mehr oder minder untrainierte Menschen, und doch dachte ich in diesem Moment: „Wäre jetzt blöd, würdest du mangels Trainings umkippen, denn du bist hier die einzige Ersthelferin. Und was ist das da? Läuft dir schon Blut in die Augen? Wo ist ein weiterer Ersthelfer?“ (Nein. Es war kein Blut; Schweiß war es – aber auch nicht angenehm für Kontaktlinsenträger. 😉 )

Doch dann fiel mein erschöpfter Blick auf die beiden rechts neben mir: Die kannte ich doch aus den Ersthelfer-Lehrgängen …  Gut, der gleich rechts neben mir wirkte jetzt auch nicht so durchtrainiert, aber Anne Wirschmann, eine sehr nette Kollegin rechts von ihm, sah zu allem entschlossen aus. 😉

Die halbe Stunde, die der Übungskurs andauert, fühlte sich für mich viel, viel länger an. Aber: Nächste Woche gehe ich wieder hin – und danach alle zwei Wochen. Das wollen wir doch mal sehen! 😉 (Aber ich bringe mir dann Kleidung zum Wechseln mit – wie auch Saskia für sich beschloss, obwohl die regelmäßig Sport macht – mich wundert jetzt noch, dass ich durchgehalten habe. 😉 )

Wie eine Erlösung aus dem Schlund der Hölle fühlte es sich an, als ich um 13:01 Uhr aus dem Sportraum taumelte, hinter mir Saskia. Als wir die Treppe aus den Katakomben ins Erdgeschoss hochschritten, rief Saskia hinter mir: „Ali – die Übungen sind vorbei! Wow! Wie kannst du jetzt noch die Treppen so voller Schwung hochstochen?“ Ich fragte sie, ob sie mich veräppeln wolle, aber sie rief: „Nein, ernsthaft – du läufst wirklich voller Schwung und viel schneller als ich!“ Da fiel es mir auch auf: So schwungvoll war ich noch nie eine Treppe hinaufgelaufen. 😉

Und genauso beschwingt ging es zurück ins Büro. Und danach in den Vorraum der Damentoilette, bewaffnet mit einem Deo, das ich – man muss stets gewappnet sein – in einer meiner Rollcontainerschubladen habe.

Der Blick in den Spiegel wirkte ernüchternd: Ich sah nahkampfmäßig geschafft aus! 😉 Danach beschloss ich, wirklich – und ich meine: wirklich – von nun an regelmäßig diesen Kurs zu besuchen.

So geht es ja nicht weiter! 😉 Und doch blickte ich Saskia, nachdem meine Gesichtsfarbe wieder normal wirkte, mit leise grimmigem Humor an und meinte: „Recken und Strecken, ne?“ Und dann lachten wir beide. 🙂

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