Mit gespaltener Zunge

Mit einer derartigen Zunge zu sprechen, ist eine Redensart hinsichtlich Mitmenschen, die einen anlügen. Woher kommt das? Ganz klar: von Schlangen, die seit jeher als nicht vertrauenswürdig gelten und vielen Menschen suspekt sind. Es gibt da eindeutig Berührungsängste, und im Vertrauen: Speziell bei Giftschlangen sollte man Berührungen auch besser vermeiden. Wie schnell ist ein Missverständnis entstanden, zumal Schlangen so ganz anders reagieren als Hunde, Pferde und Katzen – und selbst da kommt es bisweilen zu Missverständnissen. Speziell bei Katzen … 😉

Kürzlich ist in einer der Nachbarstädte eine Kobra aus Privathaltung entwichen, wurde zunächst im Treppenhaus des Gebäudes, in dem ihr Halter lebt, von Nachbarn gesichtet und von diesen umgehend abgelichtet (es glaubt einem ja leider nicht jeder sofort, wenn man erzählt, man hätte im Hausflur eine Giftschlange entdeckt), und die beiden Nachbarn alarmierten die Polizei. Leider hatte sich das giftige Tier, das sich der Gefahr, die von ihm ausgeht, sicherlich gar nicht bewusst war, zwischenzeitlich verdünnisiert, und alle Häuser, die zu dem Gebäudekomplex gehören, mussten unverzüglich evakuiert werden. (Ich gestehe, ich hätte meine Wohnung in dem Falle sofort völlig freiwillig und sehr zügig, wahrscheinlich im Laufschritt, verlassen – allerdings stark verärgert über den Nachbarn, der glaubt, es sei eine supertolle Idee, als Privatmensch Giftschlangen unter einem Dach zu halten, unter welchem auch andere Menschen leben.)

Inzwischen – nach Tagen der Ratlosigkeit – ist das Tier lebend eingefangen worden, obwohl es sich noch zu verstecken trachtete, als man nach eben jenen Tagen der Ratlosigkeit auch endlich darauf kam, das Gras hinter dem Haus, das offenbar etwas höher stand, mähen zu lassen. Verschreckt hatte sich die Schlange, die offenkundig in all den Tagen orientierungslos in direkter Nähe des Gebäudes herumgetaumelt war, daraufhin in einer Kelleröffnung an der Außenwand verstecken wollen, war jedoch bei dem Versuch gesichtet und überführt worden. Ein Schlangenexperte – ein echter solcher, kein sorgloser Privathalter – fing das giftige Tier dann ein, und es wurde von der Feuerwehr abtransportiert. Hoffentlich findet es ein gutes und ausbruchssicheres Zuhause bei sachkundigen Menschen.

Ich frage mich ja seit geraumer Zeit, was manche Menschen an Giftschlangen oder anderen giftigen Tieren als „Haustiere“ reize. Sind Kobras und andere Giftschlangen die „Pitbulls“ der jüngeren Zeit? (Nichts gegen Pitbulls an sich – es gibt ganz reizende Tiere darunter, und das ist ohnehin meist vom Halter abhängig. Nur leider wurden und werden diese Hunde bisweilen von Menschen gehalten, die manches Defizit zu verspüren scheinen. Nein – das kann man nicht verallgemeinern, und das möchte ich auch nicht. Aber Pitbulls sind offenbar ja nun auch out als Respekterzeuger und Prestigeobjekt – und auch das möchte ich nicht verallgemeinert sehen, wohlgemerkt.) Macht einen die Haltung giftiger Schlangen und anderer giftiger Tiere zu einem besonders tollen und respektablen Menschen? Fast könnte man es meinen. „Seht her – ich bin so cool, ich halte sogar extrem giftige Schlangen! Ich bin so cool – ich pinkle Eiswürfel!“ Ich persönlich verstehe das nicht so ganz …

Vielleicht liegt mein Unverständnis auch daran, dass ich einfach keinen Draht zu Terrarien habe. Ich hatte noch nie die Idee, mir ein solches zuzulegen. Ich würde mir lieber einen Terrier anschaffen. Meine Meinung änderte sich auch nicht, als ich vor Jahren, mitten im Studium, Martin kennenlernte.

Ich hatte Martin im Zuge meiner Studentenjob-Tätigkeit in der Studentenkneipe kennengelernt, die in der Straße lag, in der sowohl Martin, als auch ich wohnten. Er setzte sich mit seinen beiden Kumpels Fritte und Hauke an den Tresen, hinter dem ich gerade Schicht schob. Und bei den nächsten Schichten – ich machte Urlaubsvertretung an zwei weiteren Tagen in derselben Woche – war er wieder da, und es dauerte drei Wochen und mehrere Einladungen zum Essen und zum Biertrinken, bis wir zusammen waren.

Ich war zuvor nie in seiner Wohnung gewesen, in diesem Haus, in dem auch Fritte und Hauke sowie einige andere Kumpels von Martin wohnten – eine sehr sympathische und lockere Hausgemeinschaft. Die Wohnung war klein, die Küche aber recht muckelig (ich liebe ja Wohnküchen). Im Nebenraum, dem kombinierten Wohn-/Schlafbereich, stieß ich dann auf diesen ziemlich großen gläsernen Kasten, aus dem mich – zur Gänze unerwartet – ein Tier anstarrte, wobei seine gespaltene Zunge mehrfach gespenstisch aus der Fressluke geschlängelt kam …

Ich bin normalerweise keine Tussi und war das auch damals nicht, aber ich hatte nicht damit gerechnet, und so schrie ich vor Schreck laut auf! Die Schlange blickte so starr und ungerührt wie zuvor, aber Martin kam hinzu und meinte: „Ach, herrje, ich hatte gar nicht erzählt, dass ich Terrarienliebhaber bin und ein Terrarium habe. Das ist ein Königspython. Der tut nichts. Und seine zwei Kumpels ebenso.“

Welche zwei Kumpels? Es gab noch mehr davon?!? Und ich starrte in das durchaus liebevoll wie abwechslungsreich gestaltete Terrarium. Es war wie eines dieser Suchbilder: „Finden Sie die Maus auf diesem Bild!“ Und man starrt auf ein Chaos von Objekten in dem Bild …

Doch dann sah ich sie: Eine lag im Wasserbecken am Boden des gläsernen Behältnisses, die andere hatte sich hinter einer ausladenden Grünpflanze versteckt. Ich gebe zu, ich war ein wenig hin- und hergerissen. Vielleicht war ich ja spießig, und es war ein Zeichen von Individualismus, Schlangen zu halten? Ich verwarf den Gedanken jedoch recht schnell bzw. wurde er abgelöst davon, dass ich dachte: „Ob den armen Viechern das da drin gefällt? Das Terrarium ist zwar groß, aber es ist doch eine erzwungene Gemeinschaft. Vielleicht mögen die einander ja gar nicht, sind aber gezwungen, auf vergleichsweise engem Raum zusammenzuleben.“ Mir kam eine Lektüre aus dem Französisch-LK in den Sinn: Huis clos von Jean-Paul Sartre. 😉

„Keine Sorge – das Terrarium ist festverschlossen,“, tönte es an mein Ohr, „und falls du fragen wolltest: Es ist ausreichend groß für drei Königspythons.“ Na – dann war ja alles gut! Menschen hatten beschlossen, wie groß ein Schlangenknast sein müsse, in dem sich die Insassen durchaus nicht zu beschweren hätten (übrigens sind Königspythons Einzelgänger …) – und dann war das eben so. Aber ich war verliebt, und so nahm ich es hin, war aber immer anderer Meinung als mein Ex Martin, der mir gleich versicherte, die Schlangen seien ja ungefährlich, da Würgeschlangen. Okay, beißen könnten sie auch, und das tue auch richtig fies weh und könne sich schlimmstenfalls entzünden oder eine Blutvergiftung zur Folge haben. Aber ich müsse ja nicht mit ihnen hantieren. Aber nein! Nie! 😉

Eines Abends, da waren wir schon einige Wochen zusammen, und Martin war für sechs Wochen von montags bis freitags zum zweiten Teil seines Studienpraktikums in  Süddeutschland, wollten wir einen Zug durch die Gemeinde machen, nachdem er in Aachen eingetroffen sein würde. Er hatte mir auch die Uhrzeit genannt, zu der er zu Hause sein würde. Er würde mich dann sofort anrufen.

Es kam aber nichts, und so rief schließlich ich an. Als er sich meldete, hörte ich bereits eine gewisse Hektik aus seinen Worten. „Äh, es gibt hier gerade ein kleines Problem – ich weiß noch nicht, ob und wann wir losziehen können. Bitte komm vorbei.“

Und so ging ich die drei Häuser weiter, klingelte und wurde eingelassen. Kaum hatte ich die Treppen bis zum vierten Stock erklommen und an die Wohnungstür geklopft, ging diese auf, und ich wurde hineingezogen: „Pssst!“ – „Was zum Henker geht hier vor? Was soll das alles?“ rief ich hochgradig irritiert. „Pssst! Nicht so laut! Komm mit!“

Und schon wurde ich ins Wohn-/Schlafzimmer gezogen. Es sah eigentlich alles ganz normal aus – nur war das Bett von der Wand abgerückt und das Kopfende mehr als einen halben Meter von dem Heizkörper entfernt, der sich dahinter befand. (Erst da fiel mir definitiv auf, dass ein Heizkörper direkt hinter dem Kopf gar nicht so günstig sei – zuvor hatte ich das Ding kaum beachtet.)

„Wieso ist das Bett abgerückt? Was geht hier vor? Und wieso muss ich annähernd flüstern?“ insistierte ich – ich kann manchmal recht hartnäckig sein, wenn ich wissen will, was Sache sei. 😉

Martin deutete stumm auf den Heizkörper. Es war einer dieser älteren Rippen-Heizkörper, und zunächst sah ich nichts. Erst als ich den unteren Teil betrachtete, war alles klar: Eine Schlange hatte sich um den unteren Teil und zwischen die Rippen dort gewunden. Es war das einzige Weibchen aus dieser Schlangen-Zwangs-WG und damit das größte Tier – über zwei Meter lang und relativ dick. Mir schauderte.

„Ich versuche schon seit einer Stunde, die von der Heizung loszubekommen,“, sprach Martin mit gesenkter Stimme, „und bis jetzt hat es nicht geklappt.“ Ich stand noch immer stumm daneben. Dann brach es aus mir heraus: „Wie ist sie aus dem Terrarium herausgekommen? Und wo sind die beiden anderen?“ Und ich sah mich hektisch im Zimmer um. In der Erwartung, dass sich gleich eines der beiden Männchen von der Deckenlampe abseilen und auf mich werfen würde, während sein Kollege mir von unten in eines der Hosenbeine kröche … 😉

„Die sind im Terrarium. Als ich vorhin die Wohnungstür aufschloss, kam mir eines der Männchen schon entgegengekrochen, und das zweite war im Terrarium. Das Weibchen schien verschwunden, und es hat echt gedauert, bis ich es gefunden hatte. Es hat sich um die Heizung geschlungen, weil die ja warm ist und sie das mag.“ Ich blickte auf die Schlange, die spiralartig um den unteren, horizontalen Teil des Heizkörpers gewickelt war und meinte: „Offenbar ist das Weibchen erheblich schlauer als seine beiden männlichen Mitbewohner. Was nun?“ – „Ich versuche schon die ganze Zeit, es vom Heizkörper abzulösen, aber das ist gar nicht so einfach.“ Und Martin demonstrierte mir die Richtigkeit seiner Worte, indem er nach dem kapriziösen Schlangenweibchen griff, das sofort anfing, ihn böse anzuzischen. Ich grinste. „Hast du den Heizkörper abgedreht?“ fragte ich. „Ja, natürlich – für wie blöd hältst du mich?“ Ich sagte nichts, sondern grinste und meinte: „Und wenn du den Heizkörper volle Kanne aufdrehst? Vielleicht lässt sie dann los?“ – „Ali! Das wäre grausam! Weißt du, wieviel die gekostet hat?“ – „Ach, es geht um Geld? Armes Viech!“ – „Pssst! Nicht so laut!“ – „Was soll das denn eigentlich? Fritte, Hauke und Andreas wissen doch, dass du drei Schlangen hältst!“ – „Ja, aber der Neue im Haus noch nicht! Und der Vermieter auch nicht – ich will keinen Ärger haben!“

Just in jenem Moment löste sich der weibliche Python vom Heizkörper – offenbar war dieser inzwischen so abgekühlt, dass er unattraktiv geworden war. Martin nahm die Schlange und sperrte sie zu ihren WG-Genossen. Dann begutachtete er auf mein Geheiß das Terrarium – nirgendwo eine erkennbare Öffnung. Er sah sich alles dreimal an. Nichts zu erkennen – und so zogen wir dann los.

Als wir zurückkehrten, wollten wir noch einen Tee trinken. Martin betrat die Küche und ging auf das Regal zu, in dem sein Geschirr stand. Ich hörte, wie er: „O nein!“ sagte. Bei einem Blick in die Küche sah ich, dass im Regal, vor den Tellern, eines der beiden Python-Männchen lag, so richtig schön im Chill-Modus. Ich ging ahnungsvoll und vorsichtig ins Schlafzimmer, wobei ich sehr darauf achtete, wohin ich trat: Das Pythonweibchen grinste mich verschwörerisch vom Dach des Terrariums an, wo es sich bequem niedergelassen hatte. Auf dem Schreibtisch schlängelte das zweite Männchen umher …

„Martin!“ rief ich tonlos, aber der war schon da, den Küchen-Python in den Händen. „Schließ das Terrarium auf, Ali!“ Ich tat, wie mir geheißen, und er verfrachtete die Schlange in den Glaskasten. Sogleich schloss ich die Tür wieder ab und meinte todesmutig: „Du übernimmst das Weibchen – liegt auf dem Terrarium -, und ich kümmere mich um das andere Männchen!“ Hier war rasche Handlung notwendig, aber nur ums Verrecken hätte ich mich mit dem erheblich größeren Weibchen abgegeben. Bei der Wahl zwischen Pest und Cholera entschied ich mich für die Cholera (ist leichter zu heilen). 😉

Und während Martin mit dem aufmüpfig zischenden Weibchen einen Konsens schließen wollte, griff ich nach dem Männchen auf dem Schreibtisch. Ich griff es erst falsch: in der Körpermitte, also bei etwa 75 cm, und da zischte es mich sehr böse an, und ich sah, wie es die vordere Körperhälfte nebst Kopf in meine Richtung bewegte. Ich ließ sofort los und griff es dann – nach Sekundenbruchteilen der Überwindung – so, wie man Giftschlangen packen sollte, wenn keine anderen Hilfsmittel da sind: direkt hinter dem Kopf. Mit der anderen Hand nahm ich es an der Körpermitte hoch und trug das zischende und verärgerte Tier („So ein Scheiß! Ist der Ausflug schon wieder vorbei?“) zum von Martin geöffneten Terrarium und warf es – Strafe und Abkühlung bei erhitztem Gemüt muss sein – ins Wasserbecken am Boden des Terrariums. Das Weibchen war auch schon wieder im Schlangenknast und wirkte beleidigt. Es blickte demonstrativ weg.

„Danke für deine Hilfe,“, sagte Martin, aber ich schnaubte ihn an: „Jaha! ‚Das Terrarium ist total dicht – ich habe es dreimal genau untersucht.‘ Deine Worte! Ich schlafe hier nicht, wenn nicht geklärt ist, wie die Viecher da immer hinausfinden!“ – „Beruhige dich – keine der Schlangen kann dir gefährlich werden.“ – „Ja, die Männchen sicher nicht. Aber das Weibchen ist über 2 Meter lang und ziemlich dick – dem traue ich nicht über den Weg, zumal es intelligenter als seine männlichen WG-Genossen scheint.“ – „Pass auf: Wir sehen noch etwas fern und beobachten dann, wie sich die Schlangen verhalten und ob wir sehen können, wo sie immer herauskommen. Bitte! Und wenn sich das nicht erschließt, schlafen wir bei dir – versprochen!“

Martin sah fern, doch ich konnte mich auf den Film nicht recht konzentrieren, und umso konzentrierter starrte ich ins Terrarium und sah, wie die drei Schlangen, in der Natur Einzelgänger, sich plötzlich gemeinsam und den drei Musketieren nicht unähnlich auf eine bestimmte Stelle im Terrarium zubewegten. Genauer: auf einen Lüftungseingriff an der Seite zu. Und schon drückte die forscheste der drei – das Weibchen, wer sonst? – mit der Schnauze dagegen, und das normalerweise fixierte Ding bewegte sich wie eine Katzenklappe nach vorn, worauf das Weibchen bereits voller Begeisterung begann, sich durch diese Öffnung nach außen zu bewegen …

Ich schrie: „Martin! Es ist die Lüftungsklappe! Die hat sich gelöst!“ Und Martin hechtete aus dem Bett, verfügte das Weibchen erneut in das Terrarium und gebot mir, einen Stuhl aus der Küche zu holen. Diesen stemmte er vor die Lüftungsklappe. Und während er sich schon wieder dem Fernseher zuwandte, wurde ich faszinierte Augenzeugin davon, dass Schlangen – zumindest in Gefangenschaft – durchaus zu Teamwork in der Lage sein können, denn die drei Tiere versuchten gemeinschaftlich und in absolutem Einklang – wie beim Wasserballett! -, die Klappe wieder aufzustemmen!

Das war der Moment, in dem ich Martin erklärte, ich würde nun in meine Wohnung gehen. Keine Beschwichtigung konnte mich halten. Immerhin kam er mit. 😉

Nur einmal noch hatte ich echte Berührungspunkte mit einer der Schlangen: dem Weibchen, dem ich noch nie über den Weg getraut hatte. Ich weiß bis heute nicht, wieso ich mich darauf eingelassen habe.

Wir waren zu einer Party eingeladen, und ich holte Martin dazu aus seiner Wohnung ab. Richtig gut sah ich aus, die Haare schön frisiert, und ich trug ein kurzes, schwarzes Kleid. Als Martin, der gerade das Terrarium reinigte und fast fertig war, meiner ansichtig wurde, rief er: „Wow! Warte mal, ich hole meine Kamera!“ Und kaum war er wieder da, meinte er: „Was meinst du, was das für coole Fotos werden, wenn du jetzt noch eine Schlange …“ – „Im Leben nicht!“ rief ich, aber irgendwie hat er es geschafft, mich zu überreden. Und schon stand ich da, ausgerechnet mit meiner Erzfeindin auf dem Arm, da die aufgrund ihrer Größe und Länge am meisten hermachte (wobei „auf dem Arm“ irgendwie nicht den Punkt trifft, da sie hier- und dorthin schlängelte, denn ich durfte sie, anders, als ich gewollt hätte, keineswegs direkt hinter dem Kopf greifen …), dabei: „Los, mach schon – jetzt fotografier doch endlich, damit ich das Vieh wieder loswerde!“ rufend.

Irgendwie hat das Tier mir das übelgenommen. Nachdem mir sein vorderes Ende mehrfach durch die Haare geschlängelt war, ohne dass ich auch nur irgendeine Kontrolle hatte, während ich wie gelähmt und mit garantiert schreckgeweiteten Augen dastand und der „Fotograf“ mich nachdrücklich aufforderte, „doch mal etwas entspannter und natürlicher“ zu erscheinen, was gar nicht so leicht ist, wenn man eine Schlange hält, deren Kopf sich dauernd neben und hinter dem eigenen Kopf aufhält und deren gespaltenes Witterungsorgan einem ständig am linken Ohr herumzüngelt, muss ich mich wohl etwas verspannt und daher einen Tick zu fest zugegriffen haben …

Im nächsten Moment erlitt ich eine Art Blutstau im linken Arm, und mein Oberarm schwoll erschreckend an, während ich mit negativer Faszination wahrnahm, wie das treue Tier sich offenbar verärgert um diesen, meinen linken Arm wickelte und diesen dabei mit einer Kraft abdrückte, dass ich fast in Panik geriet: „Martin! Tu etwas!“ – „Ach, herrje – offenbar hat sie sich wohl geärgert …“ – „Martin!!!“ – „Nein, nicht den Arm schütteln! Sie drückt dann noch fester zu. Oder – o Gott! – du könntest sie verletzen!“ – „Du Arsch! Mach die sofort von mir los! Sofort!!!“ – „Ja, nur ganz ruhig …“

Zur Party bin ich dann allein gegangen. Naja, zumindest ohne die Schlange, die sich gar nicht so gern von mir hatte trennen wollen. Martin rühmte noch lange danach die tollen Fotos: „Sieh nur, was für tolle, große Augen du hast, Ali!“ Ja. Angst war der Auslöser … 😉

Mit Martin war ich letzten Endes nicht mehr so lange zusammen. Es lag allerdings weniger an seinen Haustieren, obwohl auch die sehr gewöhnungsbedürftig waren. 😉

Allerdings fällt es mir seither besonders schwer, nachzuvollziehen, wie man Schlangen halten kann. Bei Würgeschlangen kann ich es schon nicht recht verstehen. Bei Giftschlangen ganz und gar nicht.

Warum keine Katze – die sind bisweilen individualistisch genug. 😉

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