It’s slippery …

Heute war der Betriebsausflug meines Arbeitgebers, und da hatte ich zunächst partout nicht mitgewollt. Warum?

Nun – es ging in eine Skihalle in einer der Nachbarstädte, und wenn ich auch so manche Dinge beherrsche: Skifahren gehört leider nicht dazu. Beileibe nicht. Ich würde es gerne können, keine Frage, aber ich habe wohl zu viel Schiss. Ich erinnere mich an zwei Gelegenheiten, da ich als Kind Skier unter den Füßen gehabt hatte. Skilehrer: mein Onkel. Zumindest beim ersten Mal. Es endete in Tränen und mit blauen Flecken. Beides auf meiner Seite. Und mein Onkel monierte noch, ich hätte mich nicht an seine Anweisungen gehalten. Ich war noch klein und verunsichert. Wäre ich schon größer und wortgewandter gewesen, hätte ich sicherlich gelacht und gesagt: „Ja, können vor Lachen! Alles, was ich tat, wurde direkt in Zweifel gezogen und gleich lautstark als völlig beknackt kommentiert. Vor Publikum. Wie soll man da noch mit echtem Vertrauen loslegen!“ Mein Onkel war ein hervorragender Skifahrer, und als Kind dachte ich: „Alles, was du hier machst, ist der totale Schwachsinn – Onkel Christoph sagt es ja auch!“

Kurze Zeit darauf der nächste Versuch – diesmal mit meiner Mutter als Skilehrerin. Endete leider nicht besser als Versuch No. 1.

Und so beschloss ich, den diesjährigen Betriebsausflug nicht mitzumachen. Aber eine Kollegin überredete mich: „Sieh mal – du bekommst einen Skikurs! Das ist doch toll! Wann ergibt sich schon einmal so eine Gelegenheit?“ Irgendwie einleuchtend. Und auf dem letzten Drücker meldete ich mich an, zusammen mit einer anderen Kollegin, die auch nicht so recht wusste …

Übrigens hat sich die Kollegin, die uns beide überredet hatte, letzten Endes anders entschieden und kam dann heute doch nicht mit … Na warte! 😉

Wir waren auch gar nicht so viele, wie sich herausstellte, als ich einen der Koordinatoren anrief, weil ich gern wissen wollte, wie viele andere Kollegen an dem mir bevorstehenden Skikurs teilnehmen würden. Es waren sehr wenige Teilnehmer generell …

Am heutigen Morgen fuhr ich recht früh los, und das mit dem ÖPNV. Besser nicht mit dem Auto, denn ich habe laut einigen Leuten ohnehin schon einen Bleifuß. Wie erst würde sich der Bleifuß machen, wenn er noch von einem stattlichen Gipsverband ummantelt wäre? 😉 Und mein Auto im schlimmsten Falle dort stehenlassen? Nein. Ich gebe zu, das ist etwas übertrieben. Ich fuhr mit dem ÖPNV, weil ich ja gegebenenfalls noch ein oder zwei Biere trinken wollte. 😉

Unterwegs traf ich meine frühere Flurkollegin Brigitte, der ein Snowboard-Kurs bevorstand. Skifahren kann sie. Wir versicherten einander, dass wir wohl beide vom Wahnsinn angefallen wären, und ich meinte: „Du kannst ja wenigstens noch umswitchen, falls das Snowboard nichts für dich sein sollte. Ich kann nur auf Après-Ski umswitchen.“ Brigitte lachte und meinte, Après-Ski sei aber doch auch schön, und falls ich den Skikurs wirklich nicht bis zum Ende mitmachen würde, wäre das beileibe keine Schande. Aber sicherlich würde ich auf den Geschmack kommen. Ich nickte und lächelte, aber in meinem Hinterkopf rief ein kleines, aber garstiges Stimmchen hämisch: „Ja, klar! Das ist sehr wahrscheinlich. Hahahaha!“

Und so langten wir an der Skihalle an. Genauer: an der Talstation. Zum Glück fährt dort ein Förderband bis zur Bergstation, und Brigitte sprang gleich fröhlich darauf, wankte zwar ein paarmal, hatte dann aber einen festen Stand gefunden. Ich sprang auch todesmutig hinauf, wankte und schwankte, aber zum Glück gab es ja einen Handlauf … Leider endete der nach wenigen Metern, und das Förderband war recht schmal … Nach etwa sechs, sieben Metern sprang ich wieder hinunter und legte den Weg bis zur Bergstation per pedes zurück. Erheblich langsamer als Brigitte war ich dabei nicht, aber es war erheblich anstrengender.

Dann standen wir in der Sonne, die bereits morgens ziemlich brannte, und wir beobachteten verschiedene Kollegen, die gerade bequem mit dem Auto anfuhren. Meine zunächst ebenfalls unentschlossene, dann überredete Kollegin, die mir Handschuhe mitbringen wollte, da ich unter dem seltsamen Phänomen leide, dass ich Handschuhe grundsätzlich verliere oder verbasele, besser gesagt: meist nur einen davon, hatte per Whatsapp geschrieben, sie sei aufgehalten worden und komme später. (Sosehr ich meine Kollegin mag: In dem Moment hoffte ich, sie möge erneut aufgehalten werden und dann schreiben, dass sie es leider nicht schaffe: Denn ohne Handschuhe darf man nicht auf die Piste … Ich wünschte nichts Schlimmes, ich mag meine Kollegin sehr, aber so ein klitzekleiner Fall von höherer Gewalt …? Nichts Schlimmes, nur ein temporär nicht anspringender Motor – natürlich reversibel und ohne Werkstattbesuch! So unter dem Motto: „Ich kann mir das auch nicht erklären – der springt doch immer an! Tut er auch jetzt wieder! Wie verhext!“ 😉 )

Doch dann traf sie ein – mit Handschuhen für mich. Und schon ging es los …

Zunächst erhielten wir einen nicht zu vernachlässigenden Teil der für den Ausflug berappten Summe zurück: Der Chef hatte netterweise subventioniert, und da nur so wenige sich angemeldet hatten, bekamen wir einiges zurück. Ich nehme an, das machte mir meine spätere Entscheidung auch etwas leichter. 😉

Dann hieß es: Umziehen! Ich gab zu bedenken, dass ich eine Skihose und -jacke brauchte und mich gewiss nicht vorab umziehen und dann in meinem Unterzeug auf den „Laufsteg“ treten würde. Ich war zum Glück nicht die Einzige. Ein Kollege aus meiner Abteilung benötigte ebenfalls eine Skihose, und so gingen wir zur Kasse zurück, erhielten einen Bon, und auf Nachfrage erstellte man uns anderweitig einen Bon für einen Helm. Und schon ging es zur Ausleihe, wo der Kollege alsbald eine Hose, ich Jacke wie Hose erhielt. Kaum umgezogen, raste ich los, mir Skischuhe zu leihen.

Als ich mir die Skischuhe genauer ansah, fragte ich mich, ob meine ernsthaft vorgetragene Antwort auf die Frage nach meiner Schuhgröße wirklich gut gewesen sei. Die 38 sah verdammt klein aus, und ich war schon knapp in der Zeit. Keine Frage: Die Größe war richtig, aber als ich damit bei meinen Kolleginnen Stine und Jana ankam, meinten die beiden: „Viel Spaß! Es ist schon eine Herausforderung, die Dinger anzuziehen.“ Und es stimmte: Es war eine Herausforderung! Jeder, der regelmäßig Ski fährt, wird lachen, aber blutige Anfänger wie ich fühlen sich bereits zum Zeitpunkt, da sie diese „Biester“ von Schuhen fest – und festverschlossen – an den Füßen haben, als hätten sie bereits einen Viertel-Arbeitstag hinter sich. 😉  Immerhin war die 38 goldrichtig. Nur das Laufen in den klobigen Tretern war gewöhnungsbedürftig, und ich fühlte mich, als sei ich einige Entwicklungsstufen zurückgeworfen worden: Vom homo erectus zu einer Stufe, da man erheblich gebeugter ging.

Noch rasch die Skier und einen Helm ausgeliehen, und schon standen wir vor der Skischule. Da rann der Schweiß bereits …

Die Skilehrerin tauchte alsbald auf und zeigte uns den aufrechten Ga.. – nein. Sie zeigte uns, wie man Skier richtig trägt. Und so schleppten wir das Material gen Piste, eigneten uns unterwegs noch Skistöcke an, und los ging es! (Da hatte ich bereits den Eindruck, dass ich völlig fehl am Platze sei. Und: Ich tendiere zu teils unberechenbarem Umknicken in den Fußknöcheln. Würde ich mit diesen Schuhen, die ein Umknicken eigentlich vermeiden sollen, aufgrund meiner blöden Knöchel dennoch umknicken, wäre sicherlich gleich der entsprechende Knöchel durch. Kurz: Richtig wohl fühlte ich mich nicht, als ich in etwa derselben Gangart wie der erste Mensch auf dem Mond gen Piste schritt. Nein, eher „eierte“.)

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, und ebenso setzte ich meine beiden Betonfüße auf die Piste, als auch schon – huiii! – ein offenbar durchaus versierter Skifahrer derart an mir vorbeisauste, dass sogar meine durch den Helm fixierten Haare noch wehten! Das gab mir bereits fast den Rest, aber tapfer eierte ich in das Terrain, in dem verschiedene Kleinstkinder geschult wurden und erheblich besser fuhren, als ich je in der Lage sein werde. 😉

Unsere Skilehrerin brachte uns bei, wie die Skier anzuziehen seien. Mit entsprechendem Druck klappte es, und der Völkl-Ski saß wie einbetoniert an meinem „Betonschuh“. Völlig unpassenderweise schoss mir durch den Kopf: „Diese Kombination aus ‚Betonschuh‘ und erstaunlich schwerem Objekt darunter würde den Einsatz echter Mafia-Betonschuhe überflüssig machen. Wieso ist die Mafia noch nie darauf gekommen? Würde man mich in dieser Montur in den Rhein werfen, naja …“

Dann lernten wir, den Ski wieder vom Schuh zu lösen. Das Gleiche dann mit der anderen Seite. Und danach folgten ein paar nette gymnastische Übungen, die ohne die beiden Gewichte am Fuß erheblich leichter gefallen wären. Dann mussten wir mit je nur einem Ski, den Stöcken und dem unbe-ski-ten Betonfuß eine größere Runde fahren. Anschließend Fußwechsel. Und als ich gerade auf der linken Seite mit dem Ski versehen los“stochen“ wollte, was mir – ich bin offenbar auch kein Linksfüßer – ohnehin schwerer fiel, raste erneut ein offenbar versierter Skifahrer an mir vorbei. Haarscharf und für mein Gefühl etwas zu dicht.

Und da ist wohl irgendetwas passiert. Jedenfalls löste ich – erstaunlich versiert – den Ski von meinem Skischuh, lächelte die Skilehrerin an und sagte: „Ganz herzlichen Dank – Sie haben das total toll gemacht. Nur ich bin hier falsch und werde die Skier jetzt zurückbringen. Ich würde Sie ohnehin nur aufhalten.“ – „Aber nein!“ – „Doch, doch. Aber vielen Dank.“

Irgendwie habe ich viel zuviel Schiss, wenn es ums Skifahren geht. Als ich mit den Skiern abzog, fühlte ich mich wie eine komplette Versagerin. Und ich bin mir sicher, um mich herum dampfte es, als ich den Helm abnahm – wahrscheinlich verdunstete der Angstschweiß. 😉 Aber tapfer und über mich selber Witze machend retournierte ich das Material. Immerhin hatte ich eine halbe Stunde durchgehalten! 😉

In der Umkleide warf ich einen Blick in meinen Taschenspiegel: Ich sah aus, als käme ich aus einem Nahkampf! Meine Haare hingen herum, als wäre ihre Hauptaufgabe, die Trägerin möglichst unvorteilhaft aussehen zu lassen – zum Glück hatte ich eine Bürste dabei. Überhaupt schwitzte ich auf Teufel, komm raus. Erst einmal die Schuhe loswerden, was schwer genug war. (Nicht, dass doch noch jemand kam, der mich in den nächsten Tümpel werfen wollte! 😉 ) Dann aus Skihose und
-jacke gepellt. Das Unterzeug vom Leib gerissen, atmete ich auf – Luft! 😉 Und nach gefühlt einer Stunde – es waren realiter 10 Minuten – brachte ich noch die Skischuhe und -kleidung weg.

Dann gesellte ich mich zu einigen Kollegen, die gleich so schlau gewesen waren, das „Sommerpaket“ zu buchen. Immerhin saßen wir draußen im Biergarten, und es war sehr lustig. Warum hatte ich mich nicht gleich für diese Möglichkeit entschieden? 😉

Ich muss bei alldem sagen, dass meine Skikurs- und auch diverse andere Kollegen sehr nett waren, denn sie meinten, dass ich es doch immerhin versucht hätte. Ja, das stimmt. Ich kam mir trotzdem doof vor. 😉

Es war trotz allem ein netter Betriebsausflug, und ich war sehr erstaunt, wie viele Kollegen ich noch gar nicht kannte. Bei entsprechend großer „Firma“ lernt man einige erst beim Betriebsausflug kennen. 😉

Skifahren werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr lernen. Schade. Lieber setzte ich mich auf ein mir unbekanntes und hibbeliges Pferd. 😉

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