Von Herzen

Da Vorsorge niemals schaden kann, habe ich vorgestern und gestern etwas gemacht, das man sonst nur Hypochondern zutraut, denen im Grunde nichts fehlt. Immerhin tat ich es nicht grundlos, denn ich hatte kürzlich ein Phänomen zu beklagen, das in meiner Familie schon häufiger vorkam: Herzrhythmusstörungen.

So ein kleines Stolpern kannte ich schon, nicht jedoch, dass das von Mittag bis Abend andauerte und man ständig das Gefühl hatte, die nächste Aktion könne auch schon die letzte sein … 😉 Ein größerer Teil meiner Familie väterlicherseits – zumindest der, der nicht mehr lebt – verabschiedete sich von dieser Welt aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen. Ich bin nicht übermäßig ängstlich, aber da hatte ich schon ein wenig Sorge … 😉

Da ich ja in den vergangenen drei Wochen sehr viel Freizeit hatte, wenn auch unfreiwillig, verband ich einen der häufigen Besuche beim Augenarzt gleich mit einem Besuch bei meinem Hausarzt. Abwechslung muss sein. 😉

Man beschloss, ein Ruhe-EKG könne schon einmal erste Hinweise geben, verordnete mir jedoch auch noch ein Langzeit-EKG über etwa 24 Stunden. Und das Belastungs-EKG steht auch noch aus – möge ich es überleben! 😉

Das Langzeit-EKG gestern/vorgestern war nicht mein erstes, da ich vor einiger Zeit aufgrund niedrigen/schwankenden Blutdrucks durchaus das eine oder andere Mal schon einmal wie ein gefällter Baum umgekippt war. Einmal mitten im Bus bei hohen Temperaturen, einmal im Bad meiner vorherigen Wohnung – ich landete zum Glück scharf neben der Waschmaschine und hatte deren Ecken und Kanten knapp verfehlt. Nicht die einzigen Male. Mein Opa hat aufgrund dieses Phänomens sein Leben gelassen, weswegen ich auch ein wenig pisselig reagiere, wenn mir Leute erzählen wollen, dass niedriger Blutdruck zumindest bedeute, dass man daran nicht sterbe. Falsch. Wenn man aufgrund niedrigen Blutdrucks auf eine Tischkante und danach mit dem Hinterkopf massiv auf den Boden prallt, kann man durchaus auch sein Leben lassen. Habe ich nie vergessen, und es brach mir damals fast das Herz, obwohl mein Opa so „preußisch“ war, womit ich nie so recht klarkam. Aber eben auch lieb, und es tut mir heute noch leid, wie er starb. Er hatte immer gesagt, dass er gerne mal mit einem Helikopter fliegen wolle. Und als er dann mit Christoph 8 in die Unfallklinik geflogen wurde, hat er es nicht einmal mehr mitbekommen. Das tut mir heute noch weh, obwohl mein Opa und ich so verschieden waren, dass es unterschiedlicher kaum geht. Und meinen Vater hatte ich zuvor auch noch nie so traurig erlebt.

Vorgestern war ich um Punkt 9 in der Praxis und bekam alsbald drei Elektroden aufgeklebt, sowie das Aufzeichnungsgerät um den Hals gehängt. Es hing und ruhte da ganz sanft und sagte keinen Ton. Klar, es zeichnete nur auf. Was hätte es auch sagen sollen? 😉

Ganz ruhig und gelassen verließ ich damit die Praxis, um mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Anfangs ging auch noch alles gut, aber ich vermute, gegen 09:21 h könnte die eine oder andere harm- und arglose Sinuskurve etwas aus dem Gleichgewicht geraten sein. Denn da wurde ich massiv ausgebremst, und das von einem Fahrer mit einem GLA-Kennzeichen, der vor mir fuhr und offenbar weder wusste, dass sein Wagen – ein BMW – über Blinker verfügte, noch den Weg kannte oder zuvor bedacht hatte, wie er fahren müsse. Zumindest legte er vor mir eine Vollbremsung ein. Der Fahrer hinter mir hatte auch ein GLA-Kennzeichen, saß mir die ganze Zeit – obwohl ich selber schon viel zu schnell fuhr – auf dem Heck, so dass ich schon ein wenig Angst hatte, wenn ich ganz normal bremsen musste. Immerhin vermochten beide GLA-Fahrer, spontan zu bremsen, denn wir legten allesamt eine Vollbremsung ein, zwei von uns gezwungenermaßen. Es war knapp vor einem Auffahrunfall, und ich würde das EKG gerne sehen, denn ich regte mich lautstark auf – ziemlich lautstark, wobei ich Wörter benutzte, die ich zumindest in meinem Elternhaus gewiss nicht gelernt habe. 😉 Und ich befürchte, ich habe auch ziemlich eindeutig gestikuliert … 😉

Der Arbeitstag verlief weitgehend ruhig. Ein Glück.

Abends fuhr ich nach Hause. Alles ruhig.

Bis ich dann beschloss, mich zu Bett zu begeben. Es war keine kommode Schlafposition zu finden – dauernd drückte mir eine Kante des Aufzeichnungsgerätes in die Brust, und ich wurde immer wacher. Und auch sture Rückenlage war sehr, sehr unbequem, da das Aufzeichnungsgerät schwer auf mir lastete. 😉

Irgendwann hatte ich dann endlich eine einigermaßen erträgliche Position gefunden und dämmerte schon weg, als es plötzlich neben meinem linken Ohr hochfrequent Sssiiii! machte. Ich konnte es kaum glauben: Es frequentieren derzeit kaum Mücken – nur eine offenbar bei mir im Schlafzimmer! Klar! 😉

Reflexartig schlug ich um mich, total genervt – da fiel mir das Aufzeichnungsgerät wieder ein … O Gott! Spontan überlegte ich, wie ich das wohl in den Protokollbogen eintragen solle, den man mir zusammen mit dem Aufzeichnungsgerät ausgehändigt hatte … Das und die völlig enervierte Verfolgungsjagd auf das widerliche Insekt, die folgte. 😉

Ich beschloss nach erfolgloser Jagd, lieber im Wohnzimmer auf der Couch zu übernachten – da war immerhin keine Mücke. 😉 Und das Protokoll habe ich bestmöglich ausgefüllt. Als ich gestern EKG-Gerät und Protokoll abgab, sagte man mir, der Arzt werde mich anrufen, läge etwas Bedrohliches vor. Er rief nicht an, und ich vermute, mein Herz scheine doch recht normal zu funktionieren. Ebenso vermute ich, dass der Arzt das Protokoll gar nicht so bescheuert fand wie ich, die ich nachts wirklich explizit angegeben hatte, weswegen die Haupt-Sinuskurve gar so lebhaft gewesen sei. 😉Vermutlich hält der Arzt meine wohlgewählten Worte für eine Ausrede für etwas ganz anderes. Ganz falsch! 😉

Am 25. folgt das Belastungs-EKG. Hoffentlich sinke ich da nicht bewusstlos vom Ergometer, mangels Kondition. Vielleicht sollte ich vorher noch ein wenig laufen oder endlich mal wieder mein Fahrrad aus dem Keller holen. Wäre ja sonst peinlich. 😉

Immerhin hat sich der sogenannte Vergnügungsausschuss meines Arbeitgebers schon präzise Gedanken gemacht, als es um den diesjährigen Betriebsausflug ging, und der hält vor allem massives Kreislauf- und sonstiges Training vor: Es geht in eine Skihalle in der Nachbarstadt. Tolle Idee! 😉 Sicherlich fällt danach die halbe Belegschaft aufgrund von Knochenbrüchen und Zerrungen oder sonstiger Traumata aus. 😉 Ich war auf alle Fälle ein wenig erleichtert, als ich sah, dass der Ausflug just am Geburtstag meiner Mutter stattfindet – da kann ich ganz unmöglich fehlen! 😉 Ich wollte zwar immer gern Skifahren können, bin aber zu feige – ich gebe es zu. Lieber setzte ich mich auf ein stimmungsschwankendes und ausflippendes Pferd – da weiß ich wenigstens, was zu tun ist.  😉 Und den Geburtstag meiner Mutter kann ich bei allem Trainingsgedanken – bei mir würde beim alleinigen Gedanken, Skifahren lernen zu sollen, sicherlich der Blutdruck massiv gesteigert – keineswegs absagen. Dabei hatte der Vergnügungsausschuss sicherlich Gutes im Sinne und auch an die körperliche Ertüchtigung der Belegschaft gedacht. 😉

Ich glaube, ich fange dann doch besser erst einmal wieder mit Laufen an … 😉

Ein schönes Wochenende! 😊

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