„Lurchis Abenteuer“ mitten in meinem Auge!

Kennt ihr noch Lurchis Abenteuer? Oder Salamander-Schuhe, die den Ursprung von Lurchis Abenteuer bilden? Eine Schuhmarke von anno Pief, und das einzig wirklich Schöne daran die kleinen Hefte über die Abenteuer des kleinen Feuersalamanders Lurchi, stets in Reimform und Schreibschrift verfasst. Unvergessen seine Wegbegleiter namens Mäusepiep, Unkerich, Hopps und Igelmann. 😉

Diese Hefte wurden Kindern in Schuhgeschäften immer dann ausgehändigt, wenn es langweilig war – wenn zum Beispiel die Eltern für sich selber Schuhe auswählten. Ich besitze einen ganzen Stapel dieser Hefte, die ich niemals abgeben würde. 😉

Man kann also sagen, dass meine Vorliebe für Feuersalamander schon im kindlichen Stadium geprägt wurde. (Würde ein solches Tier mich in echt berühren, an mir hochklettern oder so etwas in der Art, bin ich mir ziemlich sicher, dass ihr meine entsetzten Schreie – zunächst zumindest – bis an euren Standort, völlig gleich, wo der ist, hören würdet … Ich sehe Amphibien wie Reptilien gern – nur eben in gewisser Distanz zu mir. 😉 )

Heute früh fuhr ich tapfer gen Arbeitsstätte, und das trotz meiner Augen-Malaise. Ich trug allerdings vorsichtshalber Brille und reiste mit dem ÖPNV an. Man weiß in diesem Zustand nie, ob nicht alsbald ein weiterer spontaner Augenarzt-Notfalltermin angetreten werden muss, zumal seit gestern ganz neue visuelle Phänomene vor bzw. in meinen Augen herumschwirrten: ein vermeintlicher Mückenschwarm in hohem Tempo, in sich rotierend und stets seine Richtung wechselnd – extrem nervend. Und dann – nicht weniger nervend – ein Gebilde, das sich wie eine große Blase oder Wasserwelle stets in mein Gesichtsfeld schob, wenn ich etwas ganz genau betrachten wollte. Ich glaube kaum, dass ich jemals zuvor derart oft geblinzelt habe wie gestern – unter anderem bei der Europawahl – und heute …

Ich konnte heute zumindest länger an meinem Arbeitsplatz verharren als am Freitag: ganze zwei Stunden! Im Verlaufe dieser sah ich dann partiell verzerrte Bilder und wurde ziemlich hibbelig. (Das Ganze hatte bereits in der Straßenbahn begonnen, in der extrem lärmende Schüler mitfuhren. Die, die links von mir lärmten, waren zwar nervend, aber eher zu ertragen als die auf meiner rechten Seite. Dafür schien mein Gehör rechts erheblich besser und aufnahmefähiger zu funktionieren als sonst. Nicht schön, was da unter anderem zu hören war, aber offenbar stellte sich mein Gehör schon darauf ein, unter Umständen demnächst den wegfallenden Sehsinn zu ersetzen … 😉 ) Doof nur, dass alle meine Klienten zu meiner Rechten Platz nehmen müssen, um beraten zu werden … 😉

Meine Chefin hatte ich bereits über mein Augenproblem aufgeklärt, nachdem sie sich gewundert hatte, wieso ich heute mit einer Brille antrat – ich hätte es auch ohne diese Tatsache getan, da ich mir nicht sicher war, ob ich den gesamten Arbeitstag überstehen würde.

Und gegen halb 11 waren die visuellen Phänomene dann so heftig, dass ich mich schnurstracks auf den Weg zum Augenarzt machte. Dort war alles derart überfüllt, dass man mich bat, um 14 Uhr wiederzukommen. Das tat ich dann auch, und obwohl ich keinen Termin hatte, kam ich ziemlich schnell dran – danke an die Arzthelferinnen!

Heute geriet ich an eine sehr nette Augenärztin, die mich zunächst mit rechts Zahlen lesen ließ, nichts Außergewöhnliches feststellte – offenbar noch kein massiver Netzhautschaden -, mir dann Atropintropfen ins rechte Auge träufelte und meinte: „Das dürfte schnell gehen – Ihre Pupillen sind ja eh schon ziemlich groß!“ – „Liegt wohl daran, dass ich wirklich Angst habe, weil das Ganze seit Freitag noch schlimmer geworden ist.“ – „Kann sein. Aber keine Sorge – wir kriegen das ganz sicher hin.“ – „Mir tut es leid, dass ich so ohne Termin noch dazwischengrätsche – aber ich kam am Freitag schon als Notfall.“ – „Frau B. – Sie sind ein wirklicher Notfall, und deswegen wurden Sie auch vorgezogen! Sie sind ein echter Notfall – anders als so viele ‚Notfälle‘, die hier vorgegeben werden. Ich habe doch aufgrund Ihrer Datei gesehen, dass Sie gewiss nicht aus Spaß kommen. Nehmen Sie draußen noch Platz – ich rufe Sie dann wieder herein.“

Ich wartete eine Weile, bis jedwede Lichtquelle von meinem rechten Auge mit einer Art Aureole versehen worden war; dann rief mich die Ärztin wieder ins Behandlungszimmer und gebot mir, schon einmal Platz zu nehmen, während sie noch einmal hinauslief. Recht schnell kam sie durch eine andere Tür, die mir wohl aufgrund meiner Aufregung gar nicht aufgefallen war, wieder herein, in der Hand ein derart großes Lupenglas, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte, und sie rief fröhlich: „Sie scheinen mir genau die richtige Patientin zu sein, dieses völlig neue Lupenglas auszuprobieren! Das haben wir ganz neu!“

Ich rief ebenso fröhlich: „Es freut mich, dass ich Ihnen behilflich sein kann!“ Sie meinte: „O Gott, nein, Frau B., bitte fühlen Sie sich nicht benutzt! Sie sind einfach nur so erfreulich ruhig und cool, dass ich dachte, das sei okay!“ – „An mir soll es nicht liegen, danke für das Kompliment. Legen Sie einfach los! Wenn uns beiden damit geholfen ist, ist doch alles prima!“

Das gigantische Lupenglas nebst Lichtquelle ließ die sehr nette Augenärztin dann sogleich ausrufen: „Wahnsinn, was man damit alles sieht! Das Ding, das Sie dauernd so stört, wenn Sie etwas genauer betrachten wollen, ist eine ziemlich große Glaskörpertrübung – mitten auf dem Auge! Und – ach, das ist ja originell! – sie hat die Form eines Salamanders! Aber keine Angst – das ist nichts Schlimmes, nur störend.“ Da ich die Augenärztin nett fand, lachte ich und meinte: „Na, dann ist ja alles gut – und ich bin auch sehr tierlieb. Nicht auszudenken, wäre es eine Flugabwehrrakete gewesen! Ein Salamander – also quasi Lurchis Abenteuer direkt in meinem Auge! Aber Sie kennen Lurchis Abenteuer sicher gar nicht mehr!“ – „Doch!“ rief die sympathische Augenärztin. „Das kenne ich – das ist total süß! Und ich finde richtig klasse, dass Sie das Ganze mit soviel Humor nehmen! Sie sind eine richtig nette Patientin!“ – „Mal im Ernst – was bleibt mir denn übrig!“ – „Ach, alles wird gut! Da bin ich mir ganz sicher.“

Dann ophthalmoskopierte sie mein rechtes Auge und fand heraus, dass mein rechter Glaskörper – mal abgesehen von Lurchis Abenteuern – seit Freitag so weit gesackt sei, dass eine Region meiner Netzhaut rechts mit Bordmitteln gar nicht mehr einzusehen sei. Und mit leichter Hand vereinbarte sie für morgen um 9 einen Termin in der Augenklinik …

Hurra! Ich muss morgen zum Augen-Ultraschall! Und – falls dabei Risse oder Löcher in der Netzhaut gefunden werden – dann werde ich auch gleich gelasert und/oder kryobehandelt … Ich freue mich jetzt schon! Und Lurchi auch … 😉

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