Öl auf die Wogen …

Ja, einer größeren Menge Öles – mehr als 5 l – auf die Wogen hätte es von vorgestern an mehrfach bedurft.

Warum? Und wie entstanden die Wogen? Und warum sehen nicht nur meine Kolleginnen mich mit völlig anderen Augen, sondern ich auch? 😉

Es fing ganz harmlos an. Ich machte einen Termin für die alljährliche Inspektion meines Wagens in meiner Vertragswerkstatt. Eigentlich sollte die Inspektion morgen stattfinden – doch zum Glück musste der Termin werkstattseitig verschoben werden, und nun muss ich am siebten Juni hin.

Wie – zum Glück? Man ist doch froh, wenn das auch erledigt ist. Ich zumindest. Aaaber …

Ich hatte diesmal nachgefragt, ob ich das für den Ölwechsel benötigte Motoröl mitbringen dürfe, denn das kostet, selber erworben, etwa ein Drittel dessen, was die Werkstatt für Öl aus ihrem Bestand veranschlagt, und ich habe exakt zweimal je 90 Euro für je fünf Liter Öl in der Werkstatt bezahlt und sah und sehe nicht mehr ein, dies auch weiterhin zu tun. Ich pflücke das Geld ja auch nicht vom Baum. 😉

Selbstverständlich dürfe ich das, erfuhr ich seitens der Werkstatt, und so bestellte ich fünf Liter des für meinen kleinen Fiesta vorgesehenen Öles online. Rasch bekam ich eine Bestellbestätigung, auf der exakt das stand, was ich ganz korrekt bestellt hatte. Sicherheitshalber fragte der Händler auch noch zweimal nach – einmal per Mail, einmal telefonisch – ich hätte da schon hellhörig werden sollen. 😉

Am letzten Sonntag – an einem Sonntag! – bekam ich dann die Nachricht, dass das Öl versendet worden sei und spätestens am Dienstag bei meinem Arbeitgeber ankommen werde. Denn dorthin hatte ich es schicken lassen, seit die Packstation in Nähe meiner Wohnung immer häufiger defekt ist.

Am Dienstag rief mich der Pförtner an: „Frau B. – hier ist ein Paket für Sie!“ Ich freute mich – endlich war das Motoröl da und ich perfekt auf die Inspektion vorbereitet. Und so schritt ich fröhlich zur Pforte und holte das Paket ab, das ich im Büro öffnete und den 5-Liter-Kanister herauszog.

Ich zog ihn nicht sehr weit heraus, denn ich sah sofort, dass der Inhalt völlig falsch war: „Stop-Start 0W-30 D“ stand auf dem Etikett, das ganz anders aussah als das Etikett der Sorte, die ich völlig korrekt bestellt und zweimal bestätigt hatte – auf Anfrage des Händlers.

„Das kann ja wohl nicht wahr sein,“, grummelte ich zornig, „wozu fragt ihr eigentlich per Mail und telefonisch nach, ich bestätige euch den richtigen Typ – und ihr schickt mir dann etwas völlig Falsches! Wollt ihr mich veräppeln?“

Kollegin Jana sah mich besorgt an: „Was ist passiert?“ – „Die haben mir ein komplett falsches Motoröl geschickt! Ich habe keinen Diesel! Ich brauche kein Stop-Start-Öl! Wozu fragen die zweimal nach und schicken mir dann doch etwas völlig Falsches? Ich hasse es, wenn ich für blöd verkauft werde.“ – „Aber vielleicht kann man das Öl ja trotzdem verwenden?“ – „Ja, sicher. Ich könnte mir natürlich noch rasch einen Diesel kaufen und meinen Wagen dafür verschachern. Dann könnte ich mit dem Öl etwas anfangen. Ich finde aber, dass das der falsche Weg sei.“ – „Bist du dir sicher, dass das nur für Dieselmotoren ist?“ – „Ja.“

Jana sah mich überwältigt an und meinte: „Ich gestehe, ich habe gar keine Ahnung, was für Öl welcher Wagen braucht – ich lasse das immer die Werkstatt machen. Wie finde ich denn heraus, ohne die Werkstatt anzurufen, welches Öl mein Wagen braucht?“ – „Entweder im Betriebshandbuch oder unter der Motorhaube. Da findest du ein Etikett, auf dem die richtige Ölsorte angegeben ist.“ – „Und du hast es aus dem Betriebshandbuch?“ – „Nee, aus dem Motorraum. Mein Betriebshandbuch habe ich erst kürzlich unter dem Sitz wiedergefunden. Ist wohl bei einem heftigeren Bremsvorgang dorthin geschlittert. Und ich musste ja ohnehin Scheibenwaschflüssigkeit nachfüllen.“ – „Guckst du öfter unter die Motorhaube?“ – „Ja, immer dann, wenn der Scheibenwaschtank leer ist und ich auffüllen muss. Dann kontrolliere ich auch schon mal den Ölstand und die Bremsflüssigkeit.“ – „Wow – das habe ich noch nie selber gemacht.“ Jana sah mich an wie eine Erscheinung, und ich fing zu lachen an: „Du hast ja auch eine Garage und musst wahrscheinlich nicht so oft die Scheibenwaschanlage benutzen.“ – „Ich wüsste gar nicht, wo und wie man den Tank auffüllt!“ – „Das ist beileibe kein Hexenwerk – sogar ich kann das!“ – „Ich bin überwältigt – du scheinst das ja alles total unerschrocken anzugehen.“ – „Naja, wenn es sein muss. Ich finde so etwas eigentlich auch recht interessant.“ – „Und das Öl kannst du also überhaupt nicht gebrauchen?“ – „Absolut nicht – und jetzt rufe ich da an!“

Das Telefonat gestaltete sich – für den Hotline-Mitarbeiter – nicht sonderlich angenehm, denn ich war ziemlich kiebig, vor allem, als der Herr nachfragte, ob ich als Frau denn wirklich sicher sei, dass das das falsche Motoröl sei. Da wurde ich richtig giftig und meinte: „Was erlauben Sie sich eigentlich, wenn ich mal fragen darf?! Natürlich bin ich mir sicher! Eine Unverschämtheit, erst trotz zweimaliger Nachfrage, trotz einer korrekten Bestellbestätigung etwas total Falsches zu schicken und dann auch noch die Bestellerin für unfähig zu halten! Was für eine Geschäftspolitik ist das denn?!? Und es mag Sie enttäuschen, dass nicht alle Frauen hinsichtlich ihrer Autos so dämlich sind, wie manche Männer offenbar gern glauben, Herr … ich habe Ihren Namen vergessen, aber fühlen Sie sich angesprochen!“

„Frau B., entschuldigen Sie bitte – das tut mir leid. Ich dachte, ich mache einen kleinen Witz …“ – „Falsch! Sie dachten: ‚Ich mache mal einen schlechten Witz vom Stammtisch, und die dumme Tussi lacht dann sicher dümmlich und arglos!‘ Leider ganz falsch gedacht!“ Und ich verkniff mir den Satz: „Deswegen arbeiten Sie sicherlich auch im Callcenter!“ Das wäre sehr unfair und nicht korrekt gewesen, denn abseits dieses Herrn arbeiten auch sehr viele nette und intelligente Menschen als Callcenter-Agenten. Vor diesem Wissenshintergrund hielt ich mich auch zurück. Aber es war nicht ganz einfach – ich gebe es zu … 😉

Hui! Ich erkannte mich selbst kaum wieder – so giftig war ich bisher selbst bei absoluten Unverschämtheiten nicht gewesen, wenn es etwas „Geschäftliches“ zu klären gab. Eigentlich eher besonnen, aber der Typ war gar zu unverschämt in seinem Sinnen und Trachten, mir die Verantwortung für den Fehler der Firma unterzujubeln. Und da verstehe ich echt keinen Spaß. Das ist unfair.

Der Mitarbeiter versprach, die Bestellung zu stornieren – er werde mir sofort das richtige Motoröl bestellen. Ich schnaubte leicht und sagte: „Nein, danke. Ich kaufe es lieber woanders. Stornieren Sie bitte ohne Neubestellung und sagen mir bitte, wie ich die Retoure in die Wege leite, denn ich habe gesehen, dass kein Retourenschein im Paket war.“ – „Frau B. – das geht alles elektronisch bei uns. Sie brauchen das Paket nur dem Fahrer des Paketdienstes wieder mitzugeben.“ – „Tatsächlich? Das erscheint mir etwas einfach, und ein Schritt scheint zu fehlen.“ – „Nein, das funktioniert immer so bei uns.“ – „Nun gut. Sollte es nicht klappen, hören Sie wieder von mir.“

Kurz darauf sagte meine Vertragswerkstatt den Termin für Freitag ab – irrrtümliche Doppelbelegung -, und nun habe ich bis zum siebten Juni Zeit, endlich das richtige Öl zu kaufen.

Nur: Gestern erklärte mir der sehr hilfsbereite Pförtner, dass der Paketdienstfahrer mein Paket mangels Retourenschein nicht hatte mitnehmen wollen. Es war kurz vor Feierabend, und ich schrieb dann zu Hause eine ziemlich erzürnte Mail an den KFZ-Ausstatter. Sie war nicht freundlich.

Kurz darauf ging eine Mail meines Vertragspartners ein: Man bedauere die Umstände, und man schickte mir eine Paketnummer – nur für einen völlig anderen Paketdienst als den, den mir der fröhliche Hotline-Mitarbeiter genannt hatte. Einen ganz anderen als den, der das falsche Produkt geliefert hatte … Ich solle mit dem Paketdienst Kontakt aufnehmen.

Und heute früh im Büro bekam ich einen Anruf vom KFZ-Ausstatter: „Hallo, Herr B. – es tut uns leid, dass Sie Unannehmlichkeiten hatten!“ – „Hatten? Haben! Und nachdem ich mich am Telefon gemeldet habe, sollte Ihnen eigentlich klar sein, dass ich nicht Herr, sondern Frau B. bin, zumal ich gestern schon in einer Mail auf diesen Umstand hinwies. Sorry, aber mein Eindruck von Ihrer Firma ist nicht der beste!“ – „Vielleicht kann ich Sie mit einem kleinen Witz aufmuntern, Frau B.: Was ist die Steigerung von Mai?“ – „Wie bitte?“ – „Was ist die Steigerung von Mai?“ – „Ist alles in Ordnung? Was hat das jetzt mit der Angelegenheit zu tun, über die wir hier sprechen?“ – „Ach, bitte! Ich finde den Witz so witzig!“ – „Maier!“ rief ich – der „Witz“ war leicht zu durchschauen. Und fügte hinzu: „Und der Superlativ ist dann am maisten! Haben Sie sonst noch irgendwelche Probleme? Oder wollten Sie mir etwas mitteilen, das mir irgendwie von Nutzen sein könnte?“ – „Ja, Frau B.! Wir haben total tolle Sommerreifen im Angebot!“ – „Bitte – was?“ – „Total tolle Sommerreifen …“ –

„Jetzt reicht’s aber!“ schnaubte ich in den Hörer und bekam noch mit, wie der Herr meinte: „Aber – das war wirklich ernst gemeint – Sie bekämen Sie der Unannehmlichkeiten wegen auch günstiger. Das war nur nett gemeint …“ – „Hören Sie! Was ich Ihnen jetzt sage, ist auch total nett und überdies extrem ernst gemeint: Ihr Geschäftsmodell ist Scheiße! Sie sind offenbar nicht in der Lage, Ihre Kunden zufriedenzustellen, wie ich inzwischen aufgrund gewisser Recherche herausgefunden habe. Dafür versuchen Sie es dann mit abgestandenen Herrenwitzen und höchst albernen Aktionen. Ein Fehler. Ich erwarte, dass Sie mir mein Geld umgehend erstatten. Falls das nicht geschehen sollte, können Sie sich gewiss sein, dass Sie von meinem Anwalt hören.“ – „Aber – Sie bekommen Ihr Geld natürlich wieder. Wir würden Sie nur nicht gern als Kundin verlier..“

Da legte ich auf. Und sah mich nach etwaigen versteckten Kameras um. Stattdessen erschienen meine Kolleginnen, und sie meinten: „Wow! So kennen wir dich gar nicht! Du bist doch immer so freundlich. Manchmal zu freundlich, wenn unsere Klientel anderes verdient hätte. Jetzt sehen wir: Du kannst auch anders!“ Und sie lachten und beglückwünschten mich. 😉

Ich war selber erstaunt. Offenbar bedarf es manchmal nur eines Kanisters mit 5 Litern Motoröl, meine besonderen Fähigkeiten hervorzulocken. 😉 Öl in die Wogen? Ha! Öl erzeugte diese Wogen erst! 😉

Und auf Anfrage nenne ich Euch gerne den KFZ-Ausstatter, der in einer – von meinem Standort aus gesehen – etwas weiter nördlich gelegenen Landeshauptstadt sein Gewerbe betreibt und bei dem man niemals bestellen sollte – es sei denn, man steht auf Herrenwitze, abgestandenen Humor und schlechte Geschäfts- und Kundenpolitik. 😉

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