„Per aspera ad astra“

„Weg mit der Putzwolle!“

So sagte ich heute, als ich den Friseursalon meines Vertrauens – und das seit neun Jahren – betrat.

Meine Haare werden dort in unregelmäßigen (!) Abständen zweifarbig gesträhnt und gekappt, bis sie zu dem geworden sind, was man als Bob bezeichnet. Ein Haarschnitt, der derart klassisch ist, dass er bis in die Roaring Twenties zurückreicht, in denen er erfunden wurde und den es in ganz verschiedenen Längen gibt.

Ich bin aus dem Friseursalon seit neun Jahren immer mit einem Bob hinausgegangen. In ganz verschiedenen Längen. Heute ist er genau so, wie ich ihn immer haben wollte: vorne „lange“ Spitzen, die bis zum Mundwinkel reichen. Durchgestuft und hinten besonders kurz gestuft. Das ist der kürzeste und beste Bob, mit dem ich den Salon jemals verließ! 😉 Dabei hatte ich immer ganz genau angegeben, wie das Ganze auszusehen habe!

Wie kam es dazu, dass just heute der Haarschnitt exakt so geriet, wie ich ihn seit jeher haben wollte? Nun ja, das ist einfach erklärt … 😉

Ich war irgendwann vor Weihnachten – vermutlich vier bis fünf Wochen davor – das letzte Mal zum Strähnen und Schneiden gewesen. Danach war erst einmal Ruhe und mein Haar in erträglicher Länge.

Irgendwann Mitte Januar wollte ich zum Schneiden, aber es passte zeitlich nicht. Mein letzter Versuch Ende Januar – aber es kam etwas dazwischen. Und ab dann haben sich meine Haare verselbstständigt, zumal ich ein neues Haarspray benutzte, das meine Haare, auf die wohl jemand nachts, wenn ich schlief, Wachstumsdünger gestreut haben muss, binnen kurzem aussehen ließ, als wolle man sie als Borsten für ein Kehrwerkzeug à la Reisigbesen einsetzen.

Ich opferte daher heute Überstunden, indem ich das Arbeitszeitmodell Spät kommen, dafür früh abhauen anwendete und zum Friseur eilte. Es war nicht mehr auszuhalten.

Melly, die Friseurin, die mich heute in ihre Obhut nahm, rief, als sie mir die Haare kämmte, entgeistert: „Um Gottes Willen – was ist mit Ihren Haaren los! Was für ein Haarspray haben Sie benutzt?“ Ich nannte den Namen, und sie schrie: „Machen Sie das nie wieder, Frau B.! Das Zeug ist die Hölle! Da können Sie sich gleich Silikon zum Abdichten direkt aufs Haar drücken!“

Ich verstand sofort, was sie meinte. Immerhin muss ich mich ja jeden Morgen kämmen und frisieren, und ich bin keine Masochistin, fuhr allerdings seit den längerfristigen Auswirkungen der Silikon-Attacke immer relativ angenervt und nicht ganz so gutgelaunt zur Arbeit. Die Kopfhaut brannte, weil ich mir bei jedwedem Kämmen gleich diverse Haare mitsamt Wurzel ausriss … 😉

Melly verlor also in puncto Haarspray deutliche Worte und ordnete an: „Sofort wegwerfen!“ – „Zu spät! Habe ich schon erledigt.“

Das Strähnen dauerte etwas länger. Und als die Farbe ausgewaschen wurde, rief Melly mehrfach: „Cool! Ihr Haar fühlt sich auf fünf Zentimeter Länge von unten wie Stroh an!“

Dann ging es ans Schneiden. Es fielen diverse Zentimeter, und als mein Haar schließlich – nach Zugabe eines Mittels, das bei besonders hoffnungslos spröden Haaren Wunder bewirke, da wohl fetthaltig – geföhnt wurde, sah ich: Das war der ultimative Bob! So kurz war er noch nie gewesen, aber genauso, wie ich ihn immer gewollt hatte! 😉

Im Grunde meine eigene Schuld: Ich hätte den Friseurinnen zuvor einfach nur sagen müssen, dass sie noch ein, zwei Zentimeter mehr abschneiden sollten, aber sie waren immer so stolz auf ihr Werk gewesen, dass ich es nicht übers Herz brachte. Nun weiß ich, was zu tun ist. 😉 Ich muss nur mein Haar mit einem extrem silikonhaltigen Haarspray eines namhaften Herstellers kontaminieren. Schon  – schwupp! – komme ich mit der Frisur aus dem Salon, die ich schon immer haben wollte! 😉

Das war es doch wert, oder nicht? Gut, ich soll mein Haar in der nächsten Zeit einmal über Nacht mit Olivenöl tränken und gut einwickeln, damit die Bettwäsche nicht benetzt werde. Und in spätestens vier Wochen zum Schneiden kommen. (Was auch immer beruflich anliegen mag: Das werde ich einhalten, denn diesen genial kurzen Bob möchte ich in der Tat gern beibehalten. 😉 )

Ich habe nur vergessen, ob das Olivenöl zum Braten oder nur für Salatdressings geeignet sein müsse – vielleicht muss es ja extra vergine sein … 😉

Immerhin ist nun die spröde weißlichblonde Putzwolle weg, als die sich die Haare im unteren Bereich gestalteten. 😉

Offenbar muss man manchmal – unwillkürlich – Dinge ganz falsch machen, um ans erklärte Ziel zu kommen. Auf Anfrage gebe ich Interessierten auch gern den Namen des „toxischen“ Haarsprays preis.

Wie auch immer: Ich sehe wieder aus wie ein halbwegs normaler Mensch. 😉

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