Das Kind in sich bewahren … ;-)

Heute fand ich bei der Arbeit im Eingangspostfach meiner Abteilung ein an mich persönlich adressiertes Päckchen vor, das mich bei erster Betrachtung ein wenig irritierte. Manchmal bekomme ich bei der Arbeit ja völlig ungefragt Werbematerial zugesandt, und erst neulich habe ich zwei von drei Kartons dieses Werbematerials einer recht teuren Fremdsprachen-Lehrinstitution ins Altpapier geworfen, den dritten jedoch aufgehoben. Darin: etwa einhundert Werbekataloge. Im Grunde sind schon die zuviel, zumal die Institution sehr stolze Preise hat, aber ich wollte nicht gleich alles wegwerfen. Man weiß nie, ob man diese Kataloge nicht noch einmal braucht. Sollte sich diese Annahme als unbegründet erweisen, sind auch diese Kataloge dem Papierrecycling-Prozess geweiht. 😉

Aber das Päckchen, das ich heute aus unserem Eingangspostfach holte, war doch etwas anders. Es war explizit an mich gerichtet, und der Absender verhieß, dass es sich um eine Institution handelte, die mit gebrauchten Waren handelte. Ich war noch nie so schnell in meinem und Janas Büro!

Als ich das Päckchen öffnete, bahnte sich ein breites Grinsen Bahn in mein Gesicht. Ich hatte – wiewohl dem passenden Alter eigentlich entwachsen – Die Märchenbraut bestellt!

Keine Ahnung, ob ihr das (noch) kennt, aber diese Serie ist so herrlich, dass man sie sich – sofern man das Kind in sich bewahrt hat – auch als Erwachsene noch ansehen kann. Und endlich ist mir bewusst, wer daran „schuld“ ist, dass ich solch ein Monty-Python-Fan bin! Die Märchenbraut ist schuld! Die Tschechen! 😉 Denn das ist ein derart zwar nicht absurdes, aber groteskes „Theater“, dass jeder, der einen Hang zu Sarkasmus, Galgenhumor und auch Phantasie hat, seine helle Freude daran hat. 😉 Ich bin mir sicher, dass ich auf Monty Python’s Flying Circus niemals so begeistert reagiert hätte, hätten meine Eltern mir Die Märchenbraut verweigert.

Bei uns war es – au contraire! – eher so, dass meine Mutter mit mir damals vor dem Fernseher saß, laut und schallend lachte und immer wieder sagte: „Die Tschechen haben es echt drauf! Deren Kinder- und Märchenfilme sind die besten!“ Und damit hatte sie – meiner Meinung nach – absolut recht! 😊

Mein Vater und meine Schwester fanden Dinge wie Die Märchenbraut immer recht albern. Ihnen erschloss sich wohl dieser spezielle Humor nicht, über den meine Mutter und ich uns vor Lachen immer bogen. Was für ein herrlicher und liebenswerter „Schwachsinn“! 😉 (Meine Schwester hat wohl weniger slawische Charakteristika mitbekommen, denn im Grunde sind wir mütterlicherseits beide sowohl nicht nur fränkisch-, sondern auch polnisch- und tschechischstämmig. Meine Schwester hat wohl mehr Westfälisches mitbekommen. 😉)

In Wirklichkeit ist Die Märchenbraut tatsächlich total albern, aber auf eine derart liebenswert-groteske Art, dass ich mich neulich vor Lachen bog, als ich während meines Weihnachtsurlaubs durch Zufall eine Folge davon sah, die mal wieder ausgestrahlt wurde.

Und – ich gestehe es! – ich habe mir dann die beiden DVDs der Ursprungsserie bestellt. Und heute kamen sie an! Meine Kollegin Jana rief: „Was hast du denn da bekommen? Du strahlst, als hättest du einen Sechser im Lotto gewonnen!“ Ich erklärte ihr, dass ein Sechser im Lotto mich wahrscheinlich noch mehr zum Jubeln gebracht hätte – dies hier sei nur die Vorstufe, aber auch hervorragend. Und nun werde ich ihr und ihren Kindern die DVDs umgehend leihen müssen, sobald ich damit „durch“ bin. 😉

Vorhin rief meine Mutter mich an. Ich sagte: „Schnell, schnell – ich muss Die Märchenbraut sehen!“ (Ein Satz, der in seiner Absurdität dem gleichnamigen tschechischen OEuvre höchstselbst hätte entsprungen sein können – man passt sich offenbar an. 😉 ) Meine Mutter meinte: „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Ich erinnerte sie an den Zauberer Zweiter Kategorie bzw. Raben Rumburak, und da sagte sie: „Ich erinnere mich – das war doch so eine tschechische Serie!“ Dann schien sie zu überlegen und lachte auch schon los. „Gute Wahl!“ rief sie, fügte jedoch hinzu: „Meinst du nicht, dass du dem Alter ein bisschen entwachsen bist?“ – „Niemals!“ rief ich zurück, und da lachte sie wieder und meinte: „Wahrscheinlich hast du recht! Außerdem haben die Tschechen es wirklich drauf, was Kinderfilme anbelangt, die auch Erwachsene noch gut sehen können.“

Das ganze Desaster und Durcheinander beginnt damit, dass Karl Majer, neben seiner Bestimmung als Familienvater beruflich als relativ bedeutungsloser Schauspieler und – seit neuestem! – auch Märchenerzähler (dem „Sandmännchen“ nicht unähnlich) im Fernsehen tätig, der kleineren Kindern kurz vor dem Zubettgehen noch „Das Märchen zur guten Nacht“ vorlesen soll, seinem kleinen Sohn Hansi einen Besuch auf dem Rummel verspricht. Doch erst das Schauspiel und die Märchen. Gleich bei der Vorlese-Premiere geht einiges schief, und zusätzlich hat er bei seinem schauspielberuflichen Einsatz ein messingnes Glöckchen gefunden, das bei jedem Läuten einen Herrn in einem altmodischen Kutschermantel und einem Zylinder auf dem Haupt erscheinen lässt, der Herrn Majer stets fragt, was sein Wunsch sei, was Herr Majer zunächst jedoch gar nicht versteht. Außerdem muss er erst auf den Rummel mit Hansi und dessen kleiner Freundin Gretchen, der er versprochen hat, an der Schießbude einen Teddybären zu erschießen.

Dies gelingt nicht, und abends im ehelichen Schlafzimmer erzählt Herr Majer seiner Frau, dass er am nächsten Tag mit den beiden Kleinen erneut auf den Rummel müsse, da er dem kleinen Gretchen doch diesen Teddybären versprochen habe. Und was man speziell Kindern verspreche, müsse man auch halten – koste es, was es wolle, komme, was wolle! (Diese Einstellung finde ich wirklich liebenswert. 😊) Und dann sagt er zu seiner Frau: „Ach, sieh mal, was ich am Filmset gefunden habe!“ Und schon zückt er das messingne Glöckchen und läutet. Prompt erscheint der Herr mit dem Kutschermantel und Zylinder, der fragt, was der Wunsch Herrn Majers sei. Nach erster Irritation („Mein Herr! Es ist eine Dame anwesend!“) sieht Herr Majer seine Chance gekommen, und er sagt: „Ich würde gern das Schießen lernen!“ Und schon stülpt der kutschermantel- und zylinderbewehrte Herr, der sich später als Zauberer Zweiter Kategorie Rumburak vorstellt, Herrn Majer seinen Mantel über den Kopf, und die beiden verschwinden zu Frau Majers Entsetzen spurlos …

Und in einem verwunschen wirkenden Land tauchen sie wieder auf. Genauer: im Märchenreich. Eine Hexe auf ihrem Besen fliegt über sie hinweg, und die sieben Zwerge marschieren an ihnen vorbei, dabei laut „Hi-ho, hi-ho!“ singend. 😉

Herr Majer hat sich noch nicht ganz von der Überraschung erholt, da drückt Rumburak ihm auch schon ein Gewehr, eine Büchse, in die Hand und gebietet ihm, auf einen zufällig in Schussrichtung stehenden Bären – wahrscheinlich aus Schneeweißchen und Rosenrot – zu schießen, was jedoch misslingt. Der Bär läuft weg, und es gibt eine kleine Diskussion zwischen Herrn Majer und Rumburak.

Da der Bär weg ist, gebietet Rumburak Herrn Majer, auf einen Wolf zu schießen, der soeben ans Ufer des Sees, unweit dessen sie stehen, getreten ist, um dort zu trinken. Herr Majer schießt – und trifft. Der Wolf beschwert sich und bekundet, er sei schwer verwundet: „Was soll das? Hilfe! Ich bin schwer verwundet! Ruft sofort jemanden!“ Rumburak ist entsetzt, denn ihm schwant, dass Unheil blühe, da das Märchenreich auf den sprechenden Wolf, Bestandteil von Rotkäppchen, nicht verzichten kann. Herr Majer, der zunächst aufgrund seines unerwarteten Treffers noch stolz war, reist mit Rumburak ins Menschenreich zurück, um den Tierarzt zu holen, der den Majer’schen Familiendackel Waldi stets behandelt. Der jedoch verweigert die Behandlung eines Wolfs, und als die beiden ins Märchenreich zurückkehren, begraben gerade die sieben Zwerge den Wolf, der zwischenzeitlich verstorben ist. Und mit all dem beginnt das ganze Unheil und eine Abfolge vollkommen absurd-grotesker Vermischungen aus „Märchen“ und „Realität“, inklusive Intrigen. Und man lehnt sich beruhigt zurück und denkt: „Gut, zu wissen, dass keine Welt die wirklich bessere ist – Intrigen allüberall!“ 😉

Nein. Es ist zwar albern, aber geistreich und immens lustig für Menschen, die sich an hintergründigem Humor erfreuen können. Es ist keine geistlos-alberne Kinderbespaßung, sondern wirklich witzig, witty, wie man im Englischen sagen würde. Witz durch und durch, mit vielen dezenten Seitenhieben. Offenbar traute man Kindern früher mehr zu. 😉

Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. 😉

Ich kann nur eines sagen, was ich seit meiner Kindheit sage: „Die Tschechen machen die besten Kinderfilme überhaupt!“ 😉

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