„Eile mit Weile“ oder: „Hasse ma ‘nen Euro?“, die Zweite …

Es gibt Tage, da denke ich, es könnte an der Zeit sein, eines dieser hochfrequent beworbenen gedächtnisfördernden Ginkgo-Präparate nicht nur zu kaufen, sondern auch regelmäßig einzunehmen.

Ich hatte schon als Kind ein Herz für den Ginkgo, da dieser auch als „Elefantenohr-Baum“ geführt wird, und jeder, der mich kennt, weiß, wie tierverrückt ich bin. Nein, ich bin dennoch keine „Aktivistin“ der besonderen Art, jedenfalls keine der Art, die das Gefühl den Verstand – sofern vorhanden – komplett verdrängen lässt. Mir geht vieles nicht nur gegen den Strich, sondern macht mich auch stinkwütend, und ich habe auch durchaus Petitionen mitgezeichnet, die sich inhaltlich gegen das Schreddern kleiner männlicher Küken oder das anästhesielose Kastrieren armer rosa Ferkel, die das Pech hatten, als kleiner Eber zur Welt zu kommen, aussprachen. Oder gegen Massentierhaltung oder andere Tierquälereien.

Doch meist sehe ich doch von Kauf und Einnahme ab, da ich nicht vom Grunde her vergesslich bin, sondern oft einfach in Eile oder in Gedanken. Kommt beides zusammen, wird es bisweilen richtig übel. 😉

Das musste ich auch gestern wieder erfahren. Ich war am späten Nachmittag bei Kollegin Jana zu einer Neujahrsparty mit vielen ihrer Freunde und Bekannten nebst vieler Kinder eingeladen, hatte einen Salat angefertigt, ein paar Süßigkeiten erworben und wollte mich dann rechtzeitig mit dem Auto auf den Weg machen. Ich musste zuvor noch zur Sparkasse, denn dort, wie man mir zuvor per Mail auf meine Anfrage mitgeteilt hatte, lagere meine neue EC-Karte, die man – die Mail war in der Hinsicht etwas inkonsistent – angeblich bereits im Oktober abgeschickt habe, zusammen mit ihren vielen „Schwestern“, die an andere Kunden gingen. Da ich jedoch in der letzten Zeit nicht umgezogen bin, erstaunte mich dies sehr, denn dann hätte ich sie doch im Briefkasten vorfinden müssen, wie dies bei der Kreditkarte, die ich kaum noch benutze, ganz reibungslos geklappt hatte. Doch egal – Hauptsache, ich kam an meine neue Debitkarte. Man ist finanziell ja so hilflos und quasi handlungsunfähig ohne derlei Einrichtungen … 😉

Als ich das Haus verließ, um in den Garagenhof zu gehen, fuhr gerade ein Nachbar vom selbigen. Wir hatten einander nach dem Jahreswechsel noch nicht gesehen, und so winkte er mir fröhlich zu, ich winkte ebenso fröhlich zurück, als er das Fenster auf der Fahrerseite herunterfuhr. Offenbar wollte er mir noch etwas sagen. Ich eilte hin, und er rief mir: „Ein frohes neues Jahr, Frau B.!“ zu. Ich erwiderte die guten Wünsche, und schon waren wir mitten in einem netten Nachbarschaftsgespräch. Dies hatte ein bisschen Zeit in Anspruch genommen, wie ich nach einem Blick auf meine heißgeliebte Junkers-Fliegeruhr mit Schrecken sah, als ich schließlich gen Auto strebte. Und so war auch meine Abfahrt eine relativ forsch-dynamische, und schon „raste“ ich gen Zentrum des Nachbarstadtteils.

Jetzt aber schnell, dachte ich, als ich den kleinen Monty auf dem Aldi-Parkplatz abgestellt hatte, und schnellen Schrittes eilte ich zur Sparkasse. Dort händigte man mir nach Vorlegen meines Personalausweises meine neue Debitkarte aus und behielt die alte, die schon diverse Jahre auf dem Buckel hatte (obwohl sie gar keinen Buckel hatte), ein.

Rasch wollte ich noch eine Überweisung an einem der Kundenterminals tätigen – zum Glück war gerade eines frei geworden, und ich stürzte zur Tat. Danach ließ ich mir noch einen Beleg ausdrucken und packte dann Beleg sowie Rechnung in meine Tasche. Und auch die Karte steckte ich ins Portemonnaie …

Das zumindest glaubte ich. Als ich jedoch nach der Feier noch rasch an der Tanke Zigaretten kaufen wollte und mein Portemonnaie öffnete, lugten da, wo die rote Debitkarte normalerweise steckt, nur mein Personalausweis, die DHL-Packstationkarte, mein Führerschein, die Stempelkarte meines Arbeitgebers sowie die Kreditkarte hervor. Ich hatte zum Glück noch Bargeld bei mir, war aber ziemlich unruhig und leerte erst einmal meine Taschen aus. Durchwühlte das Portemonnaie – vielleicht hatte ich die Karte an eine andere Stelle … Nein. Die Karte war nicht da …

Ich rief sofort den Karten-Sperrnotruf an und raufte mir dabei zünftig die Haare. Der junge Mann meinte: „Machen Sie sich keine Gedanken – wissen Sie, wie oft so etwas passiert? Dauernd. Sie würden lachen!“ – „Mir ist nicht so zum Lachen – wie dämlich kann man sein?“ – „Hat damit nix zu tun, Frau B., geschieht meist in hektischen Momenten.“ – „Ja, aber wie absurd ist das! Da habe ich die Karte nicht einmal fünf Minuten in meiner Obhut – und dann so etwas!“ Der junge Mann lachte und meinte: „Auch das passiert. Waren Sie denn in Eile?“ – „Und wie!“ – „Sehen Sie?“ Und er sperrte die Karte, erklärte, nunmehr sei ich auch gegen Fremdnutzung versichert, und er fand noch einmal Worte des Trostes. 😉

Ich schlief schlecht letzte Nacht und machte mir furchtbare Vorwürfe.

Morgens stand ich auf und rief beim Service- und Kundencenter der Bank an, wo ich ja erst gestern gewesen war. Ich war ziemlich klein mit Hut und versicherte der Angestellten, dass mir so etwas noch nie passiert sei – was ja auch stimmt! Sie meinte, sie werde mal in ihrem Bestand nachsehen, ob meine Karte dort sei, und sie würde mich zurückrufen. Keine fünf Minuten später meldete sich mein Handy und damit auch die Bankangestellte, die sagte: „Frau B. – Ihre Karte ist hier! Keine Sorgen mehr machen, sie ist wohlbehalten hier. Wahrscheinlich haben Sie in Eile vergessen, sie aus dem Slot des Terminals zu nehmen. Bei solch einer Zeitüberschreitung zieht der Automat die Karte automatisch ein und behält sie ein. Alles gut!“ – „Das ist mir noch nie passiert.“ – „Mir schon. Sehen Sie – Sie haben sie zum Glück nicht verloren. Und Sie haben dann auch alles richtig gemacht. Schnellstmöglich sperren lassen und sich bei uns melden. Sie können die Karte bis 13 Uhr bei uns abholen, und dann wird sie auch wieder entsperrt. Und noch einmal: Solche Fälle haben wir hier Tag für Tag – ärgern Sie sich nicht zu sehr.“

Ich holte die Karte somit innerhalb zweier Tage zum zweiten Mal ab, und als ich danach noch Kontoauszüge drucken ließ, verstaute ich die Karte sofort im Anschluss im Portemonnaie, sah sicherheitshalber aber noch zweimal nach, ich gebe es zu … 😉 Sicher ist sicher. 😉

Grauenhaft. Ich sollte dringend mal daran arbeiten, weniger in Gedanken zu sein. Und weniger in Eile. Mein erster und ganz ernstgemeinter Vorsatz für 2019. 😉

Wird schon schiefgehen … 😉

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