Braut und Bräutigam sagen: „Evet!“

Ich bin vorhin aus H., einer der Nachbarstädte, zurückgekehrt, wo ich bei einer Hochzeitsfeier war. Einer meiner Kollegen, Özcan, hat heute seine Verlobte Sevgi geheiratet, und all meine Kolleginnen und ich waren eingeladen.

Von uns allen war ich die Einzige, die überhaupt schon einmal an einer türkischen Feier und Zeremonie teilgenommen hatte, wenn es auch keine Hochzeitsfeier gewesen war, damals in Aachen. Doch dazu später.

Immerhin war ich somit diejenige, die die meisten „Vorkenntnisse“ hatte, auch bezüglich der Geschenkübergabe an die zu Feiernden, die sich sehr von dem, was meine Kolleginnen und ich von klein auf kennen, unterscheidet. Wie sich so einiges unterscheidet.

Ich greife vorweg: Es war eine wunderschöne Feier, auch wenn uns vieles ungewohnt und fremdartig erschien, aber das ist ja nun beileibe kein Hinderungsgrund, etwas schön zu finden. Ich fand es jedenfalls klasse und freue mich sehr, dass ich daran teilnehmen durfte.

Gegen 18:30 h sollte die Trauzeremonie in einem türkischen Festsaal in H. stattfinden. Ich kenne mich – obwohl meine Heimatstadt direkt an H. grenzt – dort nicht wirklich aus, und so musste das Smartphone als Navi herhalten. Um 17:45 h fuhren der kleine Monty und ich vom Hof. Ich kam zügig voran, aber die Strecke, die das Navi mir wies, war nicht mein Favorit, zumal ich über eine größere Distanz über eine komplett unbeleuchtete und einsame Straße fahren musste – war ich in der Walachei gelandet? Ich habe für so etwas ein Händchen … Ausgestiegen wäre ich dort jedenfalls nicht gern, hätte ich eine Reifen- oder Motorpanne gehabt, zumal weder hinter noch vor mir andere Autos fuhren.

Endlich kam das Ortseingangsschild, und ich war froh, wieder in der Zivilisation zu sein, und so nahm ich das 30-Schild am rechten Fahrbahnrand nur peripher wahr. Ich fuhr 55, als ich plötzlich vor mir eine Polizeikontrolle sah. Und schon winkten sie mich an den Rand!  Nun ja, es wunderte mich nicht sehr, und doch rief ich: „Scheiße!“

Einer der Polizisten, der, der mich an den Rand gewinkt hatte, machte mir Zeichen, ich solle das Fenster auf der Beifahrerseite hinunterlassen, was ich auch tat und dann schnell meine Brieftasche aus meiner Tasche zog, da ich dachte, man wolle meine Papiere sehen. Doch der Polizist rief entschuldigend: „Tut mir leid – wir müssen das machen! Die Papiere können Sie ruhig wieder wegtun!“ Und schon leuchtete er Montys Innenraum mit einer Taschenlampe ab, während ich rief: „Kein Problem – Sie machen nur Ihre Arbeit!“ Dann musste ich noch den Kofferraum öffnen, der dann auch ausgeleuchtet wurde, wofür sich der Polizist erneut entschuldigte. Ich vergaß, zu fragen, was eigentlich kontrolliert oder gesucht werde, war aber auch froh, dass ich weiterfahren konnte und niemand sagte: „Äääh – einen Moment noch! Sie waren viel zu schnell …“

Ich war nur etwa 500 Meter weiter, als ich schon in die nächste Polizeikontrolle fuhr. Was zum Henker war hier los? Netterweise ließ man mich passieren, und ich bog links ab – wo schon das nächste Polizeiaufgebot wartete. Ich komme ja selber aus einer Stadt, die nicht ganz unproblematisch ist, manchmal zumindest, aber H. scheint – zumindest heute – noch „interessanter“ zu sein. Was war hier los? Rasterfahndung? Razzia? War jemand aus dem Knast ausgebrochen, war ein Schwerkrimineller auf der Flucht? Ich aktivierte lieber die Zentralverriegelung.

Glücklicherweise war ich dann auch bald da und parkte bei einem Einkaufsmarkt, da ich davon ausging, dass direkt vor dem Festsaal die Parksituation eher ungünstig sein würde. Zu Fuß legte ich dann den Rest der Strecke zurück und fand meine Kolleginnen schon im Saal vor. Dann harrten wir der Dinge, die da kommen sollten. Genauer: der Braut. Endlich fuhr der Wagen vor, und Sevgi betrat den Saal bzw. blieb in der Tür stehen. Ihr Kleid musste noch zurechtgezupft und -gerückt werden. Sie sah sehr schön aus und wurde dann von ihrem Vater in den Saal geführt, wo sie von Özcan in Empfang genommen wurde. Zu zweit gingen sie zu einem Tisch vor der Bühne. Kollegin Rita meinte: „Kommt jetzt gleich der Rabbi?“ Wir anderen fingen zu lachen an, und ich meinte: „Rita, wenn ich gleich mitten in der Zeremonie herausplatze, bist du schuld!“ Und sehr gedämpft rief ich: „Rabbi!“ Und ich kniff Rita ein Auge zu. Die lachte auch und meinte: „Verdammt! Klar, Rabbi ist natürlich falsch! Aber ich komme ums Verrecken nicht auf den Namen des muslimischen Pendants – das kann doch nicht wahr sein!“ – „Imam!“ riefen Jana, Steffi und ich, und das unisono und leider einen Tick zu laut. Einige Hochzeitsgäste sahen uns irritiert an, aber Steffi, Jana und ich lächelten gewinnend, und da wurde zurückgelächelt.

Die Zeremonie war dann sehr schön, durchgeführt von einem Imam. 😉 Das Brautpaar wurde eine vor dem anderen gefragt, ob sie aus freien Stücken und ohne Zwang die Ehe eingehen würden, und beide sagten laut: „Evet!“ Also Ja. Und auch die beiden Trauzeugen sagten: „Evet!“ Und wir alle freuten uns und applaudierten.

Danach kam der Brauttanz, und zuvor lüftete Özcan Sevgis Schleier und küsste sie auf die Stirn. Wirklich schön, und es freute mich für die beiden.

Inzwischen wurden die Vorspeisen serviert, und die waren hervorragend. Später gab es das Hauptgericht, Rindergeschnetzeltes mit Reis und Fladenbrot, und das war ebenfalls hervorragend und schmeckte exakt so wie der Gulasch, den meine Mutter kocht. Also sehr gut. 😉

Wir waren alle pappsatt, als Özcan an unseren Tisch kam und besorgt fragte, ob wir denn auch alle hinreichend zu essen bekommen hätten – endlich könne er uns auch begrüßen. Wir versicherten ihm, alles sei hervorragend, und dann standen wir auf, gratulierten ihm, drückten ihn und versicherten ihm, dass es sehr schön sei und wir sehr freundlich fänden, dass er eigens zu uns gekommen sei. „Aber ihr seid doch meine Kolleginnen und immer nett – natürlich komme ich da zu euch! Ich möchte doch, dass es euch gut geht!“ Wir versicherten ihm, es gehe uns sehr gut.

Später gab es dann auch noch Gelegenheit, Sevgi zu beglückwünschen, und wir wurden gedrückt, geküsst und geherzt und drückten, küssten und herzten zurück, kurz bevor Steffi und ich uns verabschiedeten. Sie fror, und ich merkte, dass ich Kopfschmerzen bekam, weil die Musik derart laut war, dass ich sicher war, dass sie mich noch im Traum verfolgen würde. Doch zunächst bestand einer der zahlreichen Fotografen darauf, dass noch ein Foto des Brautpaares mit Özcans sämtlichen Kolleginnen gemacht werde. 😉 Und so bauten wir uns rund ums Brautpaar auf, das in einem Pavillon auf zwei thronartigen Polstersesseln Hof hielt. Wie gut, dass ich mir noch ein neues Kleid gekauft hatte (ja, ich trug ein Kleid! 😉).

Es war ungewohnt, aber wirklich eine wunderschöne Feier. 😊

Den Taki haben Steffi und ich nicht mehr mitgemacht, die feierliche Geschenkübergabe, bei der dem oder den zu Feiernden die Geschenke, meist in Gestalt von Geld, angesteckt werden, während per Mikrophon mitgeteilt wird, wer was bzw. wieviel gegeben habe.

Das habe ich in Aachen einmal miterlebt, als ich zu einer türkischen Beschneidungsfeier eingeladen war, zusammen mit meinem damaligen Freund, Frank. Keine Sorge, die beiden kleinen Jungen, Brüder, waren bereits operiert worden, und die Feier fand einige Wochen danach statt …

Frank und ich waren die einzigen nichttürkischen Teilnehmer der Feier, und wenn wir auch das Prozedere als recht fremd empfanden, fanden wir sehr nett, eingeladen zu sein. Ich erkundigte mich jedoch lieber vorher bei den Eltern des kleinen Ömer und des kleinen Ünal, wie denn so eine Feier vonstattengehe. Harun und Şengül erklärten mir alles, und Frank und ich beschlossen, beim Taki je 25 DM zu geben – wir studierten beide noch.

Als dann unsere beiden Namen mitsamt der Höhe des Geldgeschenks per Mikrophon verkündet wurden, schossen alle Köpfe zu uns herum: „Ali und Frank“ hatten 50 DM gegeben – zwei Männer! In einem Atemzug genannt, als wären sie ein Pärchen! Die Gäste konnten ja nicht ahnen, dass „Ali“ hier kein Männername war … 😉 Schnell sagte ich zu Frank: „Komm, lass uns aufstehen und uns kurz verneigen, denn ich habe den Eindruck, dass hier gerade ein Missverständnis entstanden sei!“

Gesagt – getan. Und da lächelten uns alle zu. Als mich hinterher jedoch jemand ansprach und sich darüber wunderte, dass ich „Frank“ hieße, was er immer für einen Männernamen gehalten hatte, wurde mir klar, dass noch immer ein Missverständnis vorzuliegen schien … 😉

Wie auch immer: Eine schöne Feier war es heute – aber meine Ohren klingen noch immer von der (zu) lauten Musik. Nun ja – ich werde es sicher überleben. 😊

Im Tierpark

Da ich Tiere sehr liebe, halte ich mich auch gern in ihrer Nähe auf und sie sich vice versa offenbar auch gern in meiner. Daher besuche ich auch Tierparks durchaus gern, und im Zuge meiner Eselsbrücken-„Abhandlung“ fiel mir plötzlich ein Jahre zurückliegender Besuch des Aachener Tierparks zusammen mit meinem guten Freund Fridolin wieder ein. Ein sehr abwechslungsreicher Besuch dieses Tierparks, der keineswegs als Zoo durchgeht, obwohl es dort sogar Erdmännchen gab und hoffentlich noch immer gibt.

Es war ein Sonntag, und irgendwann vormittags rief Fridolin mich an und meinte: „Hättest du Lust, mit mir in den Tierpark zu gehen?“ Ich rief: „Ja!“ Und kurz darauf fuhr auch schon Fridolins weißer Suzuki-Kleintransporter vor, in dem man sich immer wie in einer Konservenbüchse fühlte. 😉 Seine Firma war damals noch am Anfang – inzwischen fährt er andere Autos. 😉

Am Eingang des Tierparks kaufte ich vorsorglich drei Tüten Tierfutter, obwohl Fridolin meinte, ich würde wohl übertreiben. Ich lächelte nur – Fridolin war noch nie mit mir im Tierpark gewesen. 😉

Es ging harmlos los. Wir schritten zum Enten- und Gänseteich, wo ich bereits einen kleinen Teil des Futters loswurde. Als eine große Kanadagans auf mich zuschritt, die sehr zahm wirkte, gab ich ihr das Futter von der Hand. Man musste die Körner, aus denen es bestand, nur auf die flache Hand legen – schon kam die Gans heran, legte ihren Schnabel flach auf die Hand und fraß sehr vorsichtig das Futter auf. Reizend. 😊

Wenige Meter neben uns tauchte ein Pärchen auf, das Mädel mit einer Kamera in der Hand, der junge Mann mit einer Tüte Tierfutters. Und die Frau meinte: „Los, Thorsten, ich will Fotos machen, wie du eine der Gänse fütterst!“ Thorsten spurte, und an Gänsen, die gefüttert werden wollten, gab es keinen Mangel. Doch die junge Frau fügte noch hinzu: „Aber nicht einfach hinstreuen – füttere die Gans mit der Hand, so wie die Frau da!“ Sie meinte mich. 😉

Thorsten ging in die Knie und streute sich Futter auf die ausgestreckte Hand. Eine der Kanadagänse, die ziemlich große „Brocken“ sind, nahte unverzüglich und machte bereits Anstalten, das Futter von Thorstens Hand zu nehmen. Doch da sprang Thorsten auf und rannte einige Meter weit weg! Die Gans staunte. Die andere Gans kreischte: „Thorsten! Verdammt nochmal! Was soll das? Warum rennst du weg? Los! Nochmal!“

Und Thorsten begab sich erneut in die Knie. Die Gans näherte sich. Und es passierte das Gleiche wie zuvor … Ein dritter Versuch scheiterte desgleichen, und Thorstens Freundin kreischte: „Wo ist das Problem? Du sollst einfach nur diese doofe Gans füttern, damit ich ein Foto machen kann, wie du die Gans fütterst!“ – „Aber … Ich habe Angst!“ – „Mein Gott! Angst! Die Frau da [ich war gemeint] macht das doch auch ohne Problem, und die ist viel kleiner als du!“

Da mir Thorsten leid tat, und das nicht nur wegen der Kanada-, sondern auch der anderen „Gans“, erhob ich mich, und Fridolin und ich gingen weiter, zunächst verfolgt von einer Graugans, die mit unserem spontanen Aufbruch und der damit abrupt abgebrochenen Fütterung so gar nicht einverstanden war. Ich musste rennen, da sie mich empört schreiend und flügelschlagend verfolgte …

Vorbei am Nandu-Gehege, an dessen Zaun Schilder standen, die darüber informierten, dass die Nandus nicht nur bissen, sondern auch stahlen! 😉 Vorbei an den Emus, die aussahen, als wäre ihr „Designer“ im Drogenrausch gewesen, als er ihre „Frisuren“ kreierte. Am Gehege der Helmkasuare blieben wir stehen.

Helmkasuare sind große, flugunfähige Vögel, Laufvögel, die eine absurd wirkende Hornplatte vertikal auf dem Schädel haben, weswegen sie ohnehin etwas albern aussehen. Dieser zutrauliche Geselle, der ganz dicht ans Gitter kam, verfügte obendrein auch noch über eine recht intensive und bunte „Gesichtskolorierung“. Wirklich leuchtende Farben, die dem ansonsten eher hässlichen Vogel eine gewisse Attraktivität verliehen. Ich vermutete, dass er wohl sogar im Dunkeln leuchte. Fridolin meinte: „Guck mal, Ali, wie überschminkt! Naja, manche meinen wohl auch, dass sie dadurch attraktiver wirkten!“ Und er lachte laut.

Neben uns ertönte: „Frechheit!“ Als wir hinsahen, standen da Thorsten und seine Freundin, die sich wohl angesprochen gefühlt hatte. Zu Recht, denn sie war dermaßen geschminkt, als stünde sie auf einer Theaterbühne. 😉 Und so meinte ich: „Entschuldigung, aber er meinte den Vogel. Also – diesen hier!“ Als hätte es mehrere Vögel zur Auswahl gegeben … Doch ich deutete auf den Helmkasuar, der prompt nach meiner Hand schnappte. Fridolin zog mich lieber weg, und wir schritten vorbei an dem Gehege mit den Sattelschweinen und hin zum „Kinderbauernhof“.

Aaah! Das war etwas für mich, denn den „Kinderbauernhof“ durfte man betreten. Esel, Ziegen, Hühner, Enten und Gänse lebten dort. Sofort öffnete ich das Gatter und betrat den „Kinderbauernhof“, das Gatter hinter mir sorgfältig verschließend. Da ich meine Futtertüten noch immer in der Hand hielt, schritt gleich ein Esel auf mich zu, den ich auch sofort fütterte und dann seinen Hals klopfte. Staubschwaden stiegen auf, und ich musste mehrfach niesen. Und so sagte ich lachend zu dem Esel: „Was für eine Mogelpackung! Du bist gar kein Esel – du bist ja ein Schwein!“

Der Esel schien zu überlegen und interpretierte das Gesagte als Beleidigung, und zur Strafe versetzte er mir einen massiven Schubser mit seinem Kopf, so dass ich Mühe hatte, mich auf den Füßen zu halten und mich etliche Meter weiter entfernt vom Esel wiederfand. Lektion gelernt: Beleidige niemals einen Esel – das sind sehr sensible und intelligente Tiere! Dieser hier war so sensibel, intelligent und gekränkt, dass er sich auch nicht mehr umstimmen ließ, sondern mir nur noch die Kehrseite zuwandte. Seitdem bin ich bei Eseln stets vorsichtig – offenbar verstehen sie mehr, als man gemeinhin annehmen würde. 😉

Weiter ging es zu den Erdmännchen und Luchsen. Vor dem Luchsgehege stand ein junger Vater mit seinem kleinen Sohn. Der Kleine rief laut und begeistert: „Kuckma, Papa – Löwen!“ – „Das sind keine Löwen – das sind Luchse!“ – „Nein! Löwen!“ beharrte der Kleine. Der Vater tat erneut sein Bestes, dem Kleinen zu erklären, dass dies keine Löwen, sondern Luchse seien und damit erheblich kleiner. Davon wollte der kleine Junge aber gar nichts wissen, und es endete damit, dass er sich schreiend auf den Boden warf und darauf beharrte, dass die Luchse Löwen seien! 😉

Und weiter ging es, Richtung Waschbären- und Polarfuchsgehege. Die Polarfüchse trugen ihr Winterfell ganz in Weiß, und sie lagen allesamt auf einem Haufen, schliefen und sahen süß aus. Man sah hauptsächlich weiß – bis auf die schwarzen Näschen. Nebenan im Waschbärengehege hingegen war es weniger süß. Denn einer der Waschbären hing am Gitter, hatte wohl etwas klettern wollen, und das möglichst ungestört. Aber ein alter Herr, der wohl mit seinem Enkelsohn im Tierpark war, fand es wohl witzig, den noch relativ kleinen Waschbären mit seinem Spazierstock zu sekieren. Keine Ahnung, was er damit erreichen wollte, aber mich packte der kalte Zorn, als ich sah, wie er mit dem Spazierstock wieder und wieder den Waschbären piekte, und das nicht einmal vorsichtig. Der Waschbär hing da hilflos am Gitter, versuchte ebenso hilflos, die Attacken abzuwehren, was aber nicht gelang. Und da platzte mir der Kragen! Ich rief: „Ja, toll und so mutig, eingesperrte Tiere zu quälen! Was soll das? Lassen Sie sofort den Waschbären in Ruhe!“ – „Was geht Sie das an? Der Waschbär gehört Ihnen nicht! Dumme Pute!“ – „Ihnen auch nicht! Und was wollen Sie damit sagen? Dass man Lebewesen, die einem ‚gehören‘, ruhig quälen darf? Was für ein Vorbild sind Sie eigentlich für Ihren Enkel – das ist ja echt peinlich!“

Fridolin zog mich schnell weiter, aber im Weggezogenwerden sah ich noch, wie Opa und Enkel ihrerseits hastig weitergingen. 😉 Wenigstens hatte der Waschbär nun seine Ruhe.

„Warum zerrst du mich eigentlich weg? Bin ich dir peinlich?“ fragte ich Fridolin. „Nein. Du hattest recht, aber der Alte ging mir auf den Keks. Der wurde dir gegenüber ja auch noch frech. So ein Blödmann!“

Da ich noch eine ganze Tüte Tierfutter übrig hatte, ging es zum Ziegengehege, und die Ziegen – eine Tierart, die ich auch sehr mag – wurden mit viel Hingabe gefüttert. Nur war ich kurz abgelenkt, und da riss mir einer der frechen Paarhufer die Tüte aus der Hand! Ich griff danach, aber die Ziege zog, als ich die Tüte beinahe erreicht hatte, ihren Kopf ein wenig zurück, so dass ich so gerade eben nicht mehr heranreichte. Das geschah mehrfach, und hilflos musste ich mitansehen, wie die Ziege gleichmütig das Futter mitsamt der Tüte fraß … 😉 Zum Glück war es eine Papiertüte.

Danach wurden wir durch lautes und durchdringendes Eselgeschrei angelockt. Genauer: zum Stall, in dem die Esel die Nacht verbrachten. Ein einsamer Esel stand darin, der laut schrie. Da gerade ein Pfleger in der Nähe war, fragte ich, was es mit dem offenkundigen Protestgeschrei des Esels auf sich habe.

Der Pfleger lächelte und meinte: „Das ist unsere Lotti. Sie steht im Stall, weil sie trächtig ist und kurz vor der Niederkunft steht. Es ist ihr erstes Fohlen, und da dachten wir, dass es sicherer sei, wenn sie im Stall stehe. Wahrscheinlich vermisst sie ihre Kollegen, aber wir haben ihr extra eine Ziege in den Stall gestellt, damit sie nicht so einsam ist.“

Nun, offenbar erfüllte die Ziege nicht die Anforderungen, die die arme Lotti an ihre Umgebung stellte und daraufhin laut und eselartig penetrant schrie. Ich blieb am Stall stehen und sprach mit dem unglücklichen Esel, der daraufhin die bis dato angelegten langen Ohren aufstellte, nach vorn klappte und sich zu mir umdrehte. Da war jemand, der sich für sie, Lotti, interessierte! Und sie lauschte gebannt.

Ich sprach etwa fünf Minuten zum Esel, dann wandte ich mich zum Gehen, da Fridolin ungeduldig wurde. Doch kaum wandte ich mich zum Gehen, legte Lotti erneut die Ohren an und erhob wieder ihr Wehgeschrei. Wir blieben fünf weitere Minuten …

Und unter den klagenden Schreien der armen Lotti eilten wir gen Ausgang. Kaum waren wir draußen, meinte Fridolin: „Was für ein ereignisreicher Nachmittag! Ich hatte mir das Ganze ruhiger vorgestellt, aber so war es viel interessanter. Verfolgt von einer Gans, eine Frau vermeintlich beleidigt, du wirst von einem Esel quer durchs Gelände katapultiert, Löwen, die eigentlich Luchse sind, und dann schreist du diesen doofen Opa an … Nicht zu vergessen die diebische Ziege. Und zum Schluss noch die gelangweilte werdende Eselmutter. Ein schöner Nachmittag und ganz und gar nicht langweilig.“

Ich war danach noch einmal mit Fridolin in einem Zoo, einem echten. Aber im Tierpark in Aachen war es erheblich spannender. 😉

Pons asinorum

Ich liebte ja speziell den Lateinunterricht in der Schule – und wie! 😉 Selbst Mathematik war spannender, was möglicherweise jedoch auch daran lag, dass ich da von einem Adrenalinflash in den nächsten fiel, da ich mathematisch nicht ganz so begabt bin wie anderweitig. 😉

In Latein war ich wirklich gut, was das althergebrachte Vorurteil ad absurdum führt, dass Menschen, die Latein beherrschen, auch in Mathematik gut seien. Kompletter Unsinn, wenn man mich kennengelernt hat! Kompletter Unsinn auch ohne dies. 😉 In Latein wirklich gut, in Mathematik das genaue Gegenteil. Und so ist es für mich auch irgendwie irritierend, dass der Begriff „pons asinorum“ ausgerechnet im Fach Mathematik verwandt wird. 😉 Gut, in eher einfacheren Kontexten, aber dennoch …

Übersetzt heißt es schlicht „Brücke der Esel“, kurz: „Eselsbrücke“. Und die ist ja durchaus landläufig und durch alle Disziplinen bekannt für Dinge, die man sich nur mit Hilfsmitteln merken kann.

Bekannte Eselsbrücken sind zum Beispiel Geh, Du Alter Esel, Hole Fische, um sich im Bereich der Musik und des dort verorteten Quintenzirkels die Reihenfolge der Dur-Tonarten mit Kreuz-Vorzeichen besser merken zu können. Jeder, der als Kind ein Musikinstrument erlernte, erlernen musste oder gar das Fach Musik in der Schule hatte, kennt diese Eselsbrücke. Ebenso das Gegenstück für die Dur-Tonarten mit einem b statt eines Kreuzes davor, denn das heißt heutzutage offenbar: Frische Brötchen Essen Asse Des Gesangvereins. Als ich noch klein war und zur Schule ging, hieß es – eher splattermäßig – noch: Faule Bären Essen Aas Des Gestorbenen. Aber das kann man Kindern heute wohl nicht mehr zumuten, was ich für eine eklatante Fehleinschätzung halte. 😉

Im Gegensatz zur erstgenannten Eselsbrücke ist die zweite sogar noch logisch nachvollziehbar. Die erste ist ein wenig irreleitend, denn zumindest ich habe noch nie einen Esel Fische holen sehen, was wohl daran liegt, dass Esel an Fischen zumeist weniger interessiert sind. Vermutlich dient daher der „Esel“ eher als Schimpfwort für den Deppen, der ausgeschickt wird, das zu holen, was andere für unter ihrer Würde halten. 😉

Praktisch – zumindest für alle, die sich frei- oder unfreiwillig mit Musik befassen (müssen) – sind die Eselsbrücken jedoch allemal, und so kann sich auch der absolute Musikbanause merken, dass Fis-Dur über exakt sechs Kreuz-Vorzeichen verfügt, vergleichbar mit Ges-Dur mit sechsfachen b-Vorzeichen. 😉 Übrigens freut sich jeder Musikinstrument-Eleve mit jedem Vorzeichen mehr, bei dem entweder um einen Halbton erhöht – Kreuz – oder erniedrigt – b – werden muss … (Beim Klavier ist das noch vergleichsweise einfach – wofür gibt es die schwarzen Tasten, die im Gegensatz zu den weißen soviel schmaler, kürzer und allgemein kleiner sind?) 😉 Ich erinnere mich noch mit Schaudern an mein erstes Stück mit sechs Kreuzen! Aber das war noch angenehm, denn kurz darauf spielte ich ein Stück in Ges-Dur mit sechsmal b. Das war noch schlimmer … 😉

Ebenso beliebt, hier allerdings in eher geographischer Hinsicht, ist: Welcher Seemann Liegt Bei Nanni Im Bett … Damit kann man sich hervorragend die Ostfriesischen Inseln von Wangerooge bis Borkum merken, wobei das I in „Im“ allerdings als „J“ für „Juist“ zu interpretieren ist. 😉 Wurde in alten Zeiten auch wie „J“ geschrieben, glaube ich.

Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unsere Neun Planeten ist seit 2006 veraltet, nachdem der Pluto offiziell nicht mehr als Planet gilt, sodass es nun heute Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unseren Nachthimmel heißt, wenn es um Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun geht.

Man kann auch ganz persönliche Eselsbrücken kreieren. Der Begriff, so lernte ich einst, stamme übrigens aus sehr alten Zeiten, als Kaufleute ihre Waren noch mit Tragtieren durch die Lande brachten (vor der Motorisierung, egal ob Diesel, Benziner oder E-Auto). Da Pferde weniger geeignet schienen, da man auch durchs Gebirge musste, schnallte man Eseln die Lasten auf den Rücken. Im Gegensatz zu Pferden haben diese jedoch relativ kurze Beine und hassen es – so erklärte man es zumindest in der Doku -, Wasserstraßen durchschwimmen oder -waten zu müssen. Esel gelten – im Gegensatz zu Pferden – als relativ schlechte Schwimmer, was sie, sehr klug, daher nach Möglichkeit vermeiden. Dafür sind sie sehr trittsicher und aufgrund ihrer kleinen, aber harten Hufe gute Kletterer im Gebirge. Um einen Kompromiss einzugehen, nachdem Esel vor zu querenden Wasserstraßen stets wie festgetackert stehenblieben und sich weigerten, weiterzugehen, baute man schmale Brücken, damit die Esel ohne Angst und trockenen Hufes weitergehen konnten. Zeit ist Geld! Das galt damals wohl auch schon. 😉

Ich liebe Esel sehr. 😊 Wenn sie sich weigern, etwas zu tun, haben sie meist einen guten Grund dafür. Es ist Klugheit, nicht das Gegenteil, was sie bisweilen stur wirken lässt. Und darüber hinaus sind sie auch einfach nur sympathisch anzusehen – diese dicken Köpfe und diese Ohren! Man muss sie doch einfach gernhaben. Finde ich jedenfalls.

Und das trotz des Grauens, das mir als Kleinkind widerfuhr – und das mit einem Esel!

Es war ein Sonntag, und ich war dazu verdammt, nachmittags mit dem Rest meiner Familie einen Spaziergang zu machen. Viel lieber hätte ich weiter mit Lego gespielt, aber meine Mutter lockte mich mit der Aussicht, auch am Tiergehege vorbeizugehen, das sich in dem Park befand, der besucht werden sollte. Ja, dann! Sofort war ich bereit! 😉

In dem Gehege gab es drei Esel und zwei gescheckte Ponys, und ich lief so schnell wie noch nie, als wir schließlich den Park erreichten. Ich hatte einen kleinen Trenchcoat an, mit einem Gürtel, wie er zu jedem Trench gehört …

Und schon waren wir am Tiergehege. Die Ponys grasten, zwei der drei Esel auch. Der dritte jedoch kam gemächlich an den Zaun geschritten, wo ich mich halb verrenkte, um ihn auf mich aufmerksam zu machen. Der Esel ließ sich dann auch streicheln, und ich war glücklich.

Doch plötzlich riss er sein Maul auf und schnappte nach dem Gürtel meines kleinen Trenchcoats. Und er erwischte ihn auch und fing ganz gemütlich und gemächlich an, ihn „aufzufressen“, wobei er mich immer näher an den Zaun zog, und das recht ruckartig. Ich stemmte mich dagegen, war jedoch erheblich schwächer als der Esel … Und was machte meine Mutter? Sie konnte kaum an sich halten und lachte sich scheckig! 😉 (Ich kann es ihr nicht einmal verdenken – ich wäre wahrscheinlich ebenso gefangen von der völlig absurden Situation gewesen und hätte gelacht.) Die anderen Leute, die am Gehege standen, lachten ebenfalls – es war mir wirklich peinlich …

Zum Glück hatte sie sich wieder im Griff, als ich bereits wie festgetackert mit der Brust am Zaun klebte, kurz bevor meine Knochen gebrochen wurden, weil der Esel weiterhin ruckartig am Gürtel zerrte, der bereits bis zum Anschlag in seinem Maul verschwunden war. 😉

Meine Mutter stürzte herbei und versuchte, dem Esel den Gürtel, zumindest das Stück, das er sich bereits einverleibt hatte, wieder zu entreißen bzw. aus seinem Maul zu winden, was gar nicht einfach war, da er es ums Verrecken nicht hergeben wollte. 😉 Aber meine Mutter ist sehr tierlieb und hartnäckig obendrein, und irgendwie hat sie es durch freundliches Zureden geschafft, dass der Esel den Gürtel wieder freigab. Iih! Ich hätte meinen kleinen Trenchcoat am liebsten sofort ausgezogen, denn der Gürtel war nicht nur vollgesabbert, sondern zeigte auch diverse grünliche Abdrücke erschreckend großer Zähne! Ein Wunder, dass ich bis heute keine Angst vor Eseln oder anderen (Huf-)Tieren habe. 😉

Ein wahrhaft traumatisches Erlebnis hätte es sein können. Aber nicht für mich – ich liebe Esel nach wie vor. Ich hätte ja auch vorsichtiger sein können, zumal meine Mutter immer wieder gesagt hatte: „Ali, der Esel ist freundlich, aber geh trotzdem nicht so nah ran!“

All das fiel mir gestern wieder ein, als mein Kollege Peter erzählte, dass der Esel, der als Haustier auf dem großen Grundstück lebte, das ihm und seiner Frau gehört, vor einigen Tagen eingeschläfert werden musste. Ich kenne Peter nun schon seit 15 Jahren, und er ist ein echter Ruhrgebiets-Haudegen. Aber gestern, als wir mit unserer Arbeitsgruppe in einer Tapas-Bar die ausgefallene Weihnachtsfeier nachholten, sah ich so etwas wie Tränen in Peters Augen, als er erzählte, dass die erst neunjährige „Frieda“ tot sei, wahrscheinlich vergiftet durch wohl wenig tierfreundliche Menschen, und sich drei Tage trotz diverser Visiten durch den Tierarzt nichts gebessert hätte, so dass man sie schließlich habe einschläfern lassen, damit sie sich nicht mehr quäle. Mir kamen selber die Tränen, obwohl ich „Frieda“ gar nicht persönlich kannte. Ich sagte nur: „Neun Jahre sind für einen Esel doch kein Alter – armes Ding!“ Da meinte Peter: „Nee, die können bis zu 40 Jahre alt werden. Da hing echt unser Herz dran – die war so lieb!“

Und er schluckte, und ich wollte rasch das Thema wechseln. Doch er erzählte: „Immerhin – sie is‘ au’m Grundstück begraben!“ – „Echt?“ – „Ja. Wir haben ein sehr großes und tiefes Loch gegraben – dat hat echt lang gedauert. Abba dat war se uns weeaat.“ Da meinte ich: „Darf ich mal?“ Und ich nahm Peter in den Arm und drückte ihn, weil ich das so liebenswert fand. Und Peter meinte: „Dat waa klaa, datt du dat verstehss. Danke.“

Wer würde das nicht verstehen? 😊 Esel sind so freundliche und sympathische Tiere und so wichtig, dass man sogar Brücken für sie baute, die dann dazu führten, dass man die Brücken für Esel zu einem geflügelten Wort für jegliche Denk-Hilfsmittel machte.

Was wären wir nur ohne Esel? 😉

 Kritik des Herzens
Es stand vor eines Hauses Tor
Ein Esel mit gespitztem Ohr,
Der käute sich ein Bündel Heu
Gedankenvoll und still entzwei.Nun kommen da und bleiben stehn
Der naseweisen Buben zween,
Die auch sogleich, indem sie lachen,
Verhaßte Redensarten machen,
Womit man denn bezwecken wollte,
Daß sich der Esel ärgern sollte. –

Doch dieser hocherfahrne Greis
Beschrieb nur einen halben Kreis,
Verhielt sich stumm und zeigte itzt
Die Seite, wo der Wedel sitzt.

Wilhelm Busch

 

Das Kind in sich bewahren … ;-)

Heute fand ich bei der Arbeit im Eingangspostfach meiner Abteilung ein an mich persönlich adressiertes Päckchen vor, das mich bei erster Betrachtung ein wenig irritierte. Manchmal bekomme ich bei der Arbeit ja völlig ungefragt Werbematerial zugesandt, und erst neulich habe ich zwei von drei Kartons dieses Werbematerials einer recht teuren Fremdsprachen-Lehrinstitution ins Altpapier geworfen, den dritten jedoch aufgehoben. Darin: etwa einhundert Werbekataloge. Im Grunde sind schon die zuviel, zumal die Institution sehr stolze Preise hat, aber ich wollte nicht gleich alles wegwerfen. Man weiß nie, ob man diese Kataloge nicht noch einmal braucht. Sollte sich diese Annahme als unbegründet erweisen, sind auch diese Kataloge dem Papierrecycling-Prozess geweiht. 😉

Aber das Päckchen, das ich heute aus unserem Eingangspostfach holte, war doch etwas anders. Es war explizit an mich gerichtet, und der Absender verhieß, dass es sich um eine Institution handelte, die mit gebrauchten Waren handelte. Ich war noch nie so schnell in meinem und Janas Büro!

Als ich das Päckchen öffnete, bahnte sich ein breites Grinsen Bahn in mein Gesicht. Ich hatte – wiewohl dem passenden Alter eigentlich entwachsen – Die Märchenbraut bestellt!

Keine Ahnung, ob ihr das (noch) kennt, aber diese Serie ist so herrlich, dass man sie sich – sofern man das Kind in sich bewahrt hat – auch als Erwachsene noch ansehen kann. Und endlich ist mir bewusst, wer daran „schuld“ ist, dass ich solch ein Monty-Python-Fan bin! Die Märchenbraut ist schuld! Die Tschechen! 😉 Denn das ist ein derart zwar nicht absurdes, aber groteskes „Theater“, dass jeder, der einen Hang zu Sarkasmus, Galgenhumor und auch Phantasie hat, seine helle Freude daran hat. 😉 Ich bin mir sicher, dass ich auf Monty Python’s Flying Circus niemals so begeistert reagiert hätte, hätten meine Eltern mir Die Märchenbraut verweigert.

Bei uns war es – au contraire! – eher so, dass meine Mutter mit mir damals vor dem Fernseher saß, laut und schallend lachte und immer wieder sagte: „Die Tschechen haben es echt drauf! Deren Kinder- und Märchenfilme sind die besten!“ Und damit hatte sie – meiner Meinung nach – absolut recht! 😊

Mein Vater und meine Schwester fanden Dinge wie Die Märchenbraut immer recht albern. Ihnen erschloss sich wohl dieser spezielle Humor nicht, über den meine Mutter und ich uns vor Lachen immer bogen. Was für ein herrlicher und liebenswerter „Schwachsinn“! 😉 (Meine Schwester hat wohl weniger slawische Charakteristika mitbekommen, denn im Grunde sind wir mütterlicherseits beide sowohl nicht nur fränkisch-, sondern auch polnisch- und tschechischstämmig. Meine Schwester hat wohl mehr Westfälisches mitbekommen. 😉)

In Wirklichkeit ist Die Märchenbraut tatsächlich total albern, aber auf eine derart liebenswert-groteske Art, dass ich mich neulich vor Lachen bog, als ich während meines Weihnachtsurlaubs durch Zufall eine Folge davon sah, die mal wieder ausgestrahlt wurde.

Und – ich gestehe es! – ich habe mir dann die beiden DVDs der Ursprungsserie bestellt. Und heute kamen sie an! Meine Kollegin Jana rief: „Was hast du denn da bekommen? Du strahlst, als hättest du einen Sechser im Lotto gewonnen!“ Ich erklärte ihr, dass ein Sechser im Lotto mich wahrscheinlich noch mehr zum Jubeln gebracht hätte – dies hier sei nur die Vorstufe, aber auch hervorragend. Und nun werde ich ihr und ihren Kindern die DVDs umgehend leihen müssen, sobald ich damit „durch“ bin. 😉

Vorhin rief meine Mutter mich an. Ich sagte: „Schnell, schnell – ich muss Die Märchenbraut sehen!“ (Ein Satz, der in seiner Absurdität dem gleichnamigen tschechischen OEuvre höchstselbst hätte entsprungen sein können – man passt sich offenbar an. 😉 ) Meine Mutter meinte: „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Ich erinnerte sie an den Zauberer Zweiter Kategorie bzw. Raben Rumburak, und da sagte sie: „Ich erinnere mich – das war doch so eine tschechische Serie!“ Dann schien sie zu überlegen und lachte auch schon los. „Gute Wahl!“ rief sie, fügte jedoch hinzu: „Meinst du nicht, dass du dem Alter ein bisschen entwachsen bist?“ – „Niemals!“ rief ich zurück, und da lachte sie wieder und meinte: „Wahrscheinlich hast du recht! Außerdem haben die Tschechen es wirklich drauf, was Kinderfilme anbelangt, die auch Erwachsene noch gut sehen können.“

Das ganze Desaster und Durcheinander beginnt damit, dass Karl Majer, neben seiner Bestimmung als Familienvater beruflich als relativ bedeutungsloser Schauspieler und – seit neuestem! – auch Märchenerzähler (dem „Sandmännchen“ nicht unähnlich) im Fernsehen tätig, der kleineren Kindern kurz vor dem Zubettgehen noch „Das Märchen zur guten Nacht“ vorlesen soll, seinem kleinen Sohn Hansi einen Besuch auf dem Rummel verspricht. Doch erst das Schauspiel und die Märchen. Gleich bei der Vorlese-Premiere geht einiges schief, und zusätzlich hat er bei seinem schauspielberuflichen Einsatz ein messingnes Glöckchen gefunden, das bei jedem Läuten einen Herrn in einem altmodischen Kutschermantel und einem Zylinder auf dem Haupt erscheinen lässt, der Herrn Majer stets fragt, was sein Wunsch sei, was Herr Majer zunächst jedoch gar nicht versteht. Außerdem muss er erst auf den Rummel mit Hansi und dessen kleiner Freundin Gretchen, der er versprochen hat, an der Schießbude einen Teddybären zu erschießen.

Dies gelingt nicht, und abends im ehelichen Schlafzimmer erzählt Herr Majer seiner Frau, dass er am nächsten Tag mit den beiden Kleinen erneut auf den Rummel müsse, da er dem kleinen Gretchen doch diesen Teddybären versprochen habe. Und was man speziell Kindern verspreche, müsse man auch halten – koste es, was es wolle, komme, was wolle! (Diese Einstellung finde ich wirklich liebenswert. 😊) Und dann sagt er zu seiner Frau: „Ach, sieh mal, was ich am Filmset gefunden habe!“ Und schon zückt er das messingne Glöckchen und läutet. Prompt erscheint der Herr mit dem Kutschermantel und Zylinder, der fragt, was der Wunsch Herrn Majers sei. Nach erster Irritation („Mein Herr! Es ist eine Dame anwesend!“) sieht Herr Majer seine Chance gekommen, und er sagt: „Ich würde gern das Schießen lernen!“ Und schon stülpt der kutschermantel- und zylinderbewehrte Herr, der sich später als Zauberer Zweiter Kategorie Rumburak vorstellt, Herrn Majer seinen Mantel über den Kopf, und die beiden verschwinden zu Frau Majers Entsetzen spurlos …

Und in einem verwunschen wirkenden Land tauchen sie wieder auf. Genauer: im Märchenreich. Eine Hexe auf ihrem Besen fliegt über sie hinweg, und die sieben Zwerge marschieren an ihnen vorbei, dabei laut „Hi-ho, hi-ho!“ singend. 😉

Herr Majer hat sich noch nicht ganz von der Überraschung erholt, da drückt Rumburak ihm auch schon ein Gewehr, eine Büchse, in die Hand und gebietet ihm, auf einen zufällig in Schussrichtung stehenden Bären – wahrscheinlich aus Schneeweißchen und Rosenrot – zu schießen, was jedoch misslingt. Der Bär läuft weg, und es gibt eine kleine Diskussion zwischen Herrn Majer und Rumburak.

Da der Bär weg ist, gebietet Rumburak Herrn Majer, auf einen Wolf zu schießen, der soeben ans Ufer des Sees, unweit dessen sie stehen, getreten ist, um dort zu trinken. Herr Majer schießt – und trifft. Der Wolf beschwert sich und bekundet, er sei schwer verwundet: „Was soll das? Hilfe! Ich bin schwer verwundet! Ruft sofort jemanden!“ Rumburak ist entsetzt, denn ihm schwant, dass Unheil blühe, da das Märchenreich auf den sprechenden Wolf, Bestandteil von Rotkäppchen, nicht verzichten kann. Herr Majer, der zunächst aufgrund seines unerwarteten Treffers noch stolz war, reist mit Rumburak ins Menschenreich zurück, um den Tierarzt zu holen, der den Majer’schen Familiendackel Waldi stets behandelt. Der jedoch verweigert die Behandlung eines Wolfs, und als die beiden ins Märchenreich zurückkehren, begraben gerade die sieben Zwerge den Wolf, der zwischenzeitlich verstorben ist. Und mit all dem beginnt das ganze Unheil und eine Abfolge vollkommen absurd-grotesker Vermischungen aus „Märchen“ und „Realität“, inklusive Intrigen. Und man lehnt sich beruhigt zurück und denkt: „Gut, zu wissen, dass keine Welt die wirklich bessere ist – Intrigen allüberall!“ 😉

Nein. Es ist zwar albern, aber geistreich und immens lustig für Menschen, die sich an hintergründigem Humor erfreuen können. Es ist keine geistlos-alberne Kinderbespaßung, sondern wirklich witzig, witty, wie man im Englischen sagen würde. Witz durch und durch, mit vielen dezenten Seitenhieben. Offenbar traute man Kindern früher mehr zu. 😉

Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. 😉

Ich kann nur eines sagen, was ich seit meiner Kindheit sage: „Die Tschechen machen die besten Kinderfilme überhaupt!“ 😉

„Eile mit Weile“ oder: „Hasse ma ‘nen Euro?“, die Zweite …

Es gibt Tage, da denke ich, es könnte an der Zeit sein, eines dieser hochfrequent beworbenen gedächtnisfördernden Ginkgo-Präparate nicht nur zu kaufen, sondern auch regelmäßig einzunehmen.

Ich hatte schon als Kind ein Herz für den Ginkgo, da dieser auch als „Elefantenohr-Baum“ geführt wird, und jeder, der mich kennt, weiß, wie tierverrückt ich bin. Nein, ich bin dennoch keine „Aktivistin“ der besonderen Art, jedenfalls keine der Art, die das Gefühl den Verstand – sofern vorhanden – komplett verdrängen lässt. Mir geht vieles nicht nur gegen den Strich, sondern macht mich auch stinkwütend, und ich habe auch durchaus Petitionen mitgezeichnet, die sich inhaltlich gegen das Schreddern kleiner männlicher Küken oder das anästhesielose Kastrieren armer rosa Ferkel, die das Pech hatten, als kleiner Eber zur Welt zu kommen, aussprachen. Oder gegen Massentierhaltung oder andere Tierquälereien.

Doch meist sehe ich doch von Kauf und Einnahme ab, da ich nicht vom Grunde her vergesslich bin, sondern oft einfach in Eile oder in Gedanken. Kommt beides zusammen, wird es bisweilen richtig übel. 😉

Das musste ich auch gestern wieder erfahren. Ich war am späten Nachmittag bei Kollegin Jana zu einer Neujahrsparty mit vielen ihrer Freunde und Bekannten nebst vieler Kinder eingeladen, hatte einen Salat angefertigt, ein paar Süßigkeiten erworben und wollte mich dann rechtzeitig mit dem Auto auf den Weg machen. Ich musste zuvor noch zur Sparkasse, denn dort, wie man mir zuvor per Mail auf meine Anfrage mitgeteilt hatte, lagere meine neue EC-Karte, die man – die Mail war in der Hinsicht etwas inkonsistent – angeblich bereits im Oktober abgeschickt habe, zusammen mit ihren vielen „Schwestern“, die an andere Kunden gingen. Da ich jedoch in der letzten Zeit nicht umgezogen bin, erstaunte mich dies sehr, denn dann hätte ich sie doch im Briefkasten vorfinden müssen, wie dies bei der Kreditkarte, die ich kaum noch benutze, ganz reibungslos geklappt hatte. Doch egal – Hauptsache, ich kam an meine neue Debitkarte. Man ist finanziell ja so hilflos und quasi handlungsunfähig ohne derlei Einrichtungen … 😉

Als ich das Haus verließ, um in den Garagenhof zu gehen, fuhr gerade ein Nachbar vom selbigen. Wir hatten einander nach dem Jahreswechsel noch nicht gesehen, und so winkte er mir fröhlich zu, ich winkte ebenso fröhlich zurück, als er das Fenster auf der Fahrerseite herunterfuhr. Offenbar wollte er mir noch etwas sagen. Ich eilte hin, und er rief mir: „Ein frohes neues Jahr, Frau B.!“ zu. Ich erwiderte die guten Wünsche, und schon waren wir mitten in einem netten Nachbarschaftsgespräch. Dies hatte ein bisschen Zeit in Anspruch genommen, wie ich nach einem Blick auf meine heißgeliebte Junkers-Fliegeruhr mit Schrecken sah, als ich schließlich gen Auto strebte. Und so war auch meine Abfahrt eine relativ forsch-dynamische, und schon „raste“ ich gen Zentrum des Nachbarstadtteils.

Jetzt aber schnell, dachte ich, als ich den kleinen Monty auf dem Aldi-Parkplatz abgestellt hatte, und schnellen Schrittes eilte ich zur Sparkasse. Dort händigte man mir nach Vorlegen meines Personalausweises meine neue Debitkarte aus und behielt die alte, die schon diverse Jahre auf dem Buckel hatte (obwohl sie gar keinen Buckel hatte), ein.

Rasch wollte ich noch eine Überweisung an einem der Kundenterminals tätigen – zum Glück war gerade eines frei geworden, und ich stürzte zur Tat. Danach ließ ich mir noch einen Beleg ausdrucken und packte dann Beleg sowie Rechnung in meine Tasche. Und auch die Karte steckte ich ins Portemonnaie …

Das zumindest glaubte ich. Als ich jedoch nach der Feier noch rasch an der Tanke Zigaretten kaufen wollte und mein Portemonnaie öffnete, lugten da, wo die rote Debitkarte normalerweise steckt, nur mein Personalausweis, die DHL-Packstationkarte, mein Führerschein, die Stempelkarte meines Arbeitgebers sowie die Kreditkarte hervor. Ich hatte zum Glück noch Bargeld bei mir, war aber ziemlich unruhig und leerte erst einmal meine Taschen aus. Durchwühlte das Portemonnaie – vielleicht hatte ich die Karte an eine andere Stelle … Nein. Die Karte war nicht da …

Ich rief sofort den Karten-Sperrnotruf an und raufte mir dabei zünftig die Haare. Der junge Mann meinte: „Machen Sie sich keine Gedanken – wissen Sie, wie oft so etwas passiert? Dauernd. Sie würden lachen!“ – „Mir ist nicht so zum Lachen – wie dämlich kann man sein?“ – „Hat damit nix zu tun, Frau B., geschieht meist in hektischen Momenten.“ – „Ja, aber wie absurd ist das! Da habe ich die Karte nicht einmal fünf Minuten in meiner Obhut – und dann so etwas!“ Der junge Mann lachte und meinte: „Auch das passiert. Waren Sie denn in Eile?“ – „Und wie!“ – „Sehen Sie?“ Und er sperrte die Karte, erklärte, nunmehr sei ich auch gegen Fremdnutzung versichert, und er fand noch einmal Worte des Trostes. 😉

Ich schlief schlecht letzte Nacht und machte mir furchtbare Vorwürfe.

Morgens stand ich auf und rief beim Service- und Kundencenter der Bank an, wo ich ja erst gestern gewesen war. Ich war ziemlich klein mit Hut und versicherte der Angestellten, dass mir so etwas noch nie passiert sei – was ja auch stimmt! Sie meinte, sie werde mal in ihrem Bestand nachsehen, ob meine Karte dort sei, und sie würde mich zurückrufen. Keine fünf Minuten später meldete sich mein Handy und damit auch die Bankangestellte, die sagte: „Frau B. – Ihre Karte ist hier! Keine Sorgen mehr machen, sie ist wohlbehalten hier. Wahrscheinlich haben Sie in Eile vergessen, sie aus dem Slot des Terminals zu nehmen. Bei solch einer Zeitüberschreitung zieht der Automat die Karte automatisch ein und behält sie ein. Alles gut!“ – „Das ist mir noch nie passiert.“ – „Mir schon. Sehen Sie – Sie haben sie zum Glück nicht verloren. Und Sie haben dann auch alles richtig gemacht. Schnellstmöglich sperren lassen und sich bei uns melden. Sie können die Karte bis 13 Uhr bei uns abholen, und dann wird sie auch wieder entsperrt. Und noch einmal: Solche Fälle haben wir hier Tag für Tag – ärgern Sie sich nicht zu sehr.“

Ich holte die Karte somit innerhalb zweier Tage zum zweiten Mal ab, und als ich danach noch Kontoauszüge drucken ließ, verstaute ich die Karte sofort im Anschluss im Portemonnaie, sah sicherheitshalber aber noch zweimal nach, ich gebe es zu … 😉 Sicher ist sicher. 😉

Grauenhaft. Ich sollte dringend mal daran arbeiten, weniger in Gedanken zu sein. Und weniger in Eile. Mein erster und ganz ernstgemeinter Vorsatz für 2019. 😉

Wird schon schiefgehen … 😉

„Hasse ma ‘nen Euro?“

Ja, ich finde auch, dass: „Hasse ma ‘ne Mark?“ viel netter klinge. Irgendwie nostalgisch. So heimelig-kumpelhaft. 😉 Wie eine liebgewonnene Tradition, gewissermaßen. Aber die Mark ist ja nun schon seit geraumer Zeit Geschichte.

Hasse ma ‘ne Mark? schoss mir heute durch den Kopf, als ich feststellte, dass ich viel zu selten auf meine EC-Karte schaue. Denn das sollte man viel öfter tun, finde ich (seit heute). Denn mir war doch glatt durchgegangen, dass meine Debitkarte nur bis zum 31. Dezember 2018, 23:59:59 h gültig war. Es liegt wohl daran, dass ich immer irgendwie ein bisschen in Gedanken bin. Und auch ein bisschen wurschtig – ich gebe es zu.

Es liegt aber auch daran, dass das Geldinstitut, bei dem ich Kundin bin, mir weder eine Ankündigung, dass es eine neue Karte geben werde, noch die Karte, noch die PIN zugesendet hat. Also sind wir beide irgendwie schuld.

Ich merkte es heute, als ich – seit Silvester – das erste Mal wieder einkaufen war. Glücklicherweise hatte ich, bevor ich mich ans Einkaufen machte, noch einen Kontoauszug ziehen wollen („mein“ Einkaufsmarkt hat im Eingangsbereich einen Geldautomaten meines Geldinstitutes, ebenso ein Kundenterminal), was mir jedoch verweigert wurde, da meine Karte abgelaufen sei. O nein! Und ich musste einkaufen, da ich morgen am späten Nachmittag eingeladen bin und einen Salat mitzubringen versprochen habe, dessen Zutaten ich bei diesem Besuch des Einkaufsmarktes käuflich erwerben wollte …

Mir brach ein bisschen der Schweiß aus, denn der Salat musste heute Abend zubereitet werden und über Nacht im Kühlschrank ruhen und durchziehen! Ich riss mein Portemonnaie aus der Tasche und sah: Im Scheinfach waren exakt 15 Euro (ich habe nie viel Bargeld bei mir – wofür gibt es die praktischen Karten?). Im Fach für die Münzen fand ich noch 7 Euro und ein paar Zerquetschte. Nun ja, der Einkauf würde der wohl am präzisesten kalkulierte seit einiger Zeit werden …

Ich kaufte sehr sparsam ein und erzielte eine Summe von exakt fünfzehn Euro einundzwanzig. Wow – noch sieben Euro und ein paar Cents, die ich auf den Kopp hauen konnte! Abheben kann ich ja nun nichts, zumindest nicht bequem am EC-Automaten. Ich beschloss, diese fürstliche Summe lieber aufzuheben.

Dann fiel mir ein, dass meine Eltern mir zu Weihnachten ein Geldgeschenk hatten zukommen lassen, und das glücklicherweise und anders als gewöhnlich in bar! 😉 Die nächsten Tage sind somit gesichert. 😉

Auf der Fahrt nach Hause fluchte ich im Auto ganz reizend vor mich hin. Hatte ich das wirklich übersehen? Nee! Gewiss nicht.

Dann fiel mir ein: „MO-MENT! Das war ja schon einmal so!“ In der Tat. Das Kreditinstitut mit dem großen S hatte schon einmal verbaselt, mir die Nachfolgekarte zukommen zu lassen! Als ich mich damals beschwerte, schoben sie es auf die Post …

Ich weiß jetzt schon, wer der bzw. die Schuldige sein wird, wenn ich morgen meinem sogenannten Kreditinstitut einen freundlichen Besuch abstatten werde. Nein. Nicht ich. Es wird die Post sein. Die lässt zwar auch zu wünschen übrig, aber das ist nun schon das zweite Mal, dass das Geldinstitut mich im Stich gelassen hat. Ob die mich loswerden wollen? 😉

(Nein, ich weiß, ich hätte mal einen genaueren Blick auf meine EC-Karte werfen sollen – ich bin mitverantwortlich. 😉)

Drückt mir die Daumen, dass ich bald meine neue Karte bekomme. Nicht, dass ich wirklich aufgrund der Tatsache, dass ich mangels Karte nichts mehr abheben noch sonstige Transaktionen tätigen kann, eines Tages hohlwangig vor euch sitze und mit rauher Stimme: „Hasse ma ‘nen Euro?“ oder gar: „Hasse ma ‘ne Kippe?“  frage … 😉

Happy New Year! :-)

Gestern oder vielmehr letztes Jahr habe ich mit meiner Kollegin und inzwischen guter Freundin Jana Silvester gefeiert. Es war ein wunderschöner Abend! Und sehr lustig obendrein. 😊

Um kurz vor halb fünf am Nachmittag setzte ich mich in die Straßenbahn und raste gen zentrale Haltestelle im benachbarten Stadtteil. Bereits während der Fahrt stellte ich – einmal mehr – fest, dass das Publikum im ÖPNV an Tagen wie diesem ein ganz besonderes ist, zumindest zu größeren Teilen. Man könnte auch sagen: speziell. 😉 Ich nehme mich selten aus, führe jedoch im öffentlichen Raum nicht unbedingt Selbstgespräche oder schimpfe unkontrolliert vor mich hin, wobei ich wütende Blicke auf die Umsitzenden schieße. Oder sonstige Dinge, die ich gestern in der Bahn erlebte. Nun ja, ich würde ja bald aussteigen.

Von der zentralen Haltestelle aus marschierte ich weiter, bis ich um 16:50 Uhr an Janas Haustür klingelte. Sie öffnete und rief: „Hey, du hast mich erwischt! Ich bin noch nicht fertig. Moment! Du bist zehn Minuten zu früh! Was ist passiert?“ Die Frage war berechtigt, da zu meinen persönlichen Schwächen gehört, eher zu spät als zu früh aufzuschlagen. Und Jana kennt mich nun seit fast einem Jahr. Ich rief fröhlich: „Ich wollte dich am letzten Tag des Jahres überraschen! Ich komme doch nie zu früh.“ – „Überraschung gelungen,“, lachte Jana, „komm herein!“

Wir wollten erst gemeinsam kochen und dann nach Bochum fahren, wo wir in den Kammerspielen ein Theaterstück ansehen wollten, um danach im Foyer des Schauspielhauses an der Silvesterparty teilzunehmen. Während Jana sich fertigmachte, las ich mir schon einmal das Rezept durch. Ein schnelles Gericht, aber sehr lecker: Steaks mit gebackenen Rosmarin-Knoblauch-Kartoffeln, geschmorten Tomaten und Salat sollte es geben, und wir bereiteten alles schließlich zusammen zu und aßen dann gemeinsam. Anschließend fuhren wir nach Bochum.

Das Theaterstück war interessant, die Hauptdarstellerinnen, minderjährige Laiendarstellerinnen, machten ihre Sache großartig, wirklich. Aber das Stück war nicht meins, und während der Vorstellung sah ich mehrere Leute eilig zu einem der Ausgänge streben, durch den sie ebenso eilig verschwanden. Wir jedoch wollten das Stück bis zu Ende sehen, das keinem gängigen Genre entsprach und mich am ehesten an Experimentelles Theater erinnerte, dessen Fan ich nicht bin. Was auch immer es war, es war eindeutig avantgardistisch gemeint. Wir blieben also sitzen, was jedoch zu einem gewissen Teil auch daran lag, dass wir mitten im Publikum saßen, wo ein Aufbruch mittendrin immer etwas unangenehm ist, da dann alle aufstehen müssen, an denen vorbei man dann eiligst gen Ausgang strebt. 😉 Aber ich bin ohnehin eine Verfechterin der Einstellung, dass man sich mit Dingen erst befassen müsse, um sie beurteilen zu können. Und die Mädels haben das zähe Spektakel wirklich großartig umgesetzt – das kann man anders nicht sagen, und ich war wirklich voller Bewunderung für die noch sehr jungen Mädchen. Die hatten den Applaus auf alle Fälle mehr als verdient. Die Regisseurin und ich – da bin ich mir jedoch sehr sicher – würden sicherlich nicht auf einen Nenner kommen, würden wir über das Stück diskutieren, aber Geschmäcker und Ansichten sind nicht selten total verschieden, und das ist auch gut so! 😊

Als Jana und ich unsere Mäntel abholten und auf die Straße gingen, um erst einmal eine zu rauchen, meinte sie: „Ali, wie fandest du das Stück?“ Sie klang zögerlich, und ich meinte: „Ich fand es … interessant. Die Mädels waren großartig – das muss gesagt werden. Warum fragst du?“ – „Weil ich das Stück sehr merkwürdig fand und keine eigene Interpretation für mich finde. Du kennst dich mit sowas wohl besser aus.“ Ich lachte und meinte: „Nein, wie kommst du darauf? Ich bin nicht so der Schauspiel-Typ – frag mich etwas über Musiktheater, dann könnte ich eher meine Meinung sagen.“ – „Aber du hast doch u. a. Literaturwissenschaften studiert.“ – „Ja, zu Literatur könnte ich noch etwas sagen – bei diesem Stück hier ist mir nicht einmal das Genre klar, was wahrscheinlich beabsichtigt ist. Aber von Theaterwissenschaft, was ja in den 80ern und 90ern neben Ökotrophologie ein total angesagter Studiengang war, habe ich keine Ahnung. Ich bin auch ratlos. Und bitte: Ich habe zwar irgendwas studiert, aber das heißt beileibe nicht, dass ich mich überall auskennen würde. Im Vertrauen: Du überschätzst mich!“ Da lachte Jana, und ich meinte grinsend: „Und beim nächsten Mal gehen wir in eine Wagner-Oper!“ Jana sah mich an und meinte: „Das ist nicht dein Ernst!“ – „Nein. Ich mag Wagner-Opern nicht. Und wir sollten auch besser in einen Teil des Opernzyklus‘ Licht von Karlheinz Stockhausen gehen. Das wäre sicherlich ein geeignetes Pendant zu diesem Stück hier.“ Und ich lachte laut. Seit jeher frage ich mich, was Stockhausen-Begeisterte zu Stockhausen-Begeisterten mache. Ich finde seine Musik grauenhaft.

Fröhlich machten wir uns auf zum Schauspielhaus. Und die Party war auch prima, und wir tanzten und lachten viel. Leider war der Jahreswechsel dann etwas verdorben, und das nicht nur für Jana und mich, sondern auch für andere Partygäste, denn eine ganze Gruppe von Menschen, die sich auf dem Vorplatz zum Schauspielhaus zusammengefunden hatten, verwandelten den Vorplatz in eine Art Kriegsgebiet, indem sie bereits ab 23 Uhr intensiv herumböllerten. Mit großen Recyclingtaschen diverser Discounter und Supermärkte, randvoll mit Pyrotechnik, kamen sie an und hantierten obendrein auf sehr riskante Weise mit den Knallern. Sogar etwa sechsjährige Kinder liefen mit Chinaböllern in der Hand herum, die sie dann anzündeten und unbesehen sonstwohin warfen. Das fand ich ein bisschen fragwürdig, vor allem, als ein kleiner Junge rief: „Eine Bombe, eine Bombe! Geil!“ Ja, total geil, so eine Bombe …

Glücklicherweise teilte uns vor dem Theater Wartenden, die Sektgläser startbereit in der Hand, dann das Schauspielhaus via Lautsprecher mit, dass es nur noch eine Minute bis zum Jahreswechsel sei – angesichts der exorbitanten Knallerei hätte man schon annehmen können, der Zeitpunkt sei bereits überschritten -, und dann gab es den Countdown. Jana und ich stießen mit unseren Sektgläsern an, umarmten und drückten einander ganz fest und wünschten einander Glück und Gesundheit, und das kam wirklich von Herzen. 😊 Das Feuerwerk wurde noch intensiver – es fühlte sich wirklich an, als wären wir mitten in einem Kriegsgebiet, aber wir betrachteten gerührt die wunderbaren Bilder, die da an den Himmel gemalt wurden. Und trotz des Lärms hörten wir die Kirchenglocken läuten. Wahrscheinlich hat Bochum besonders leistungsstarke Glocken … Wir nahmen allerdings auch nur die tiefgestimmten, größten Glocken wahr über all dem Geheule, Gepfeif und den Detonationsgeräuschen. 😉

Und zum Glück gab es keine Verletzten, niemand wurde von einem Blindgänger getroffen oder einer Rakete angeflogen.

Wie sich Letzteres anfühlt, weiß ich übrigens. Vor Jahren feierte ich mit meinem damaligen Freund Henrik auf einer Privatparty mit vielen Teilnehmern in Essen. Es gab viel zu essen, es gab Bier, Wein, Sekt, Glühwein und Feuerzangenbowle. Kurz vor Mitternacht stürmten wir auf die Straße, dabei mehrere leere Sektflaschen als „Abschussrampen“ für Raketen. Und es war ein wunderbares Feuerwerk! Der Veranstalter der Party, ein ehemaliger Kollege von Henrik und mir, hatte jedoch gesagt: „Nur auf der Straße – nicht auf dem Bürgersteig. Sicher ist sicher.“ Und so standen wir vorne am Rand des Bürgersteigs, und wir alle ah-ten und oh-ten angesichts der wunderbaren Effekte am Himmel und auf der Straße.

Plötzlich schlug mir jemand von hinten auf die rechte Schulter, und das sehr heftig. Zumindest dachte ich dies, und als ich meinen Kopf nach rechts drehte, sauste unter lautem Geheul eine Rakete an meinem rechten Ohr vorbei! Offenbar war sie es gewesen, die den Schlag auf meine Schulter verursacht hatte … Ich erschrak fast zu Tode, und ich schrie vor Schreck laut auf. Der Gastgeber, mit dem ich zwei Jahre in einem Büro gesessen hatte, kam zu mir und fragte, was passiert sei. Es stellte sich heraus, dass einer der Gäste hinten auf dem Bürgersteig eine eigene „Abschussbasis“ installiert, aber wohl zuviel Feuerzangenbowle konsumiert hatte, denn er war, als die Zündschnur schon fast bis zum Anschlag durchgeglommen war, gegen die Sektflasche getaumelt, die dann umkippte und die Rakete dann, während die Flasche kippte, schräg und in Richtung meiner rechten Schulter abgeschossen wurde. Der Gastgeber hat dann dem Verantwortlichen die Hölle heißgemacht, nachdem er sich um mich gekümmert hatte, die jedoch versicherte, nur einen gigantischen Schrecken erlitten zu haben, und man möge kein allzu großes Fass aufmachen. „Doch, Ali! Das muss man! Du hättest schwer verletzt sein können! Deine Haare hätten in Flammen aufgehen, sonstwas hätte passieren können! Und ich hatte eigens gesagt: Nur auf der Straße!“ – „Ja, du hast ja Recht, ich will nur keinen allzu großen Aufriss meinetwegen.“ – „Doch!“ rief Volker. Und dann stauchte er den Herrn zusammen, der das Ganze verursacht hatte, und er rief ihm ein Taxi. Und die nächsten Tage dachte ich umso mehr, dass das absolut richtig gewesen sei, denn was ich im ersten Schrecken nicht gemerkt hatte, war die Tatsache, dass ich ein durchdringendes Pfeifen im rechten Ohr hatte. Es dauerte drei Tage, wurde dann schwächer und verschwand. Aber es war sehr unangenehm – als würde ich mich noch immer im Zentrum des Silvesterfeuerwerks befinden. 😉

Aber gestern war es – abgesehen von kleinen Ärgernissen – wirklich sehr schön. So viel hatte ich schon lange nicht mehr getanzt und gelacht.

Euch auch ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr! 😊