Verfolgt von der „Zuckerfee“ … ;-)

Noch vier Tage, dann fängt der Weihnachtsurlaub an. Er ist dringend nötig, wie es scheint und ich heute feststellen musste.

Nun ist der Montag noch nie mein Lieblingstag gewesen. Bereits früher, als Kind und Jugendlicher, graute mir bereits am Sonntag vor dem Montag. Da fing die Woche an, und man musste wieder zur Schule. Obwohl ich keine schlechte Schülerin war, bin ich nie sonderlich gern zur Schule gegangen. Es half auch nicht, dass mein Vater immer sagte, das bereite aufs spätere Arbeitsleben vor. Ich dachte nur: „Tolle Motivation – Hut ab, Papa, echt!“ Und da mir sonntags schon immer vor Montag graute und bereits der Tag vor dem Horrortag überschattet war, war auch der Sonntag nie mein Lieblingstag. 😉 Hinzu kam, dass meine Schwester Stephanie sich stets stolz in die Brust warf, sie sei an einem Sonntag geboren worden, somit ein echtes Sonntagskind und damit etwas Besonderes – als wäre sie die Sonne selbst, nach der der Wochentag, an dem sie das Licht der Welt erblickte, benannt wurde und um die die Planeten zu kreisen verdammt sind. 😉

Ich wurde an einem ordinären Freitag geboren, kam pünktlich zum Spätfilm um 22:30 h an einem heißen Augustabend zur Welt und war wohl aufgrund der hohen Tagestemperaturen und der soeben am eigenen Leib verspürten Strapazen so ermattet, dass ich zunächst nicht einmal schreien wollte, als ich das grelle Licht des Kreißsaals wahrnahm. Erblickte wäre falsch, da ich laut meiner Mutter meine Augenlider so fest zusammenpresste, dass man beinahe annehmen konnte, sie wären zusammengewachsen. Und – wie es auch heute noch meine Art ist, wenn ich schlechte Laune oder mich besonders massiv geärgert habe – ich schwieg beredt. Mehrere sanfte Klapse waren notwendig, um festzustellen, dass ich offenbar durchaus lebendig war, denn da holte ich wohl Luft, aber man musste mich wohl auch noch vorsichtig zwicken, damit ich auch eine Lautäußerung von mir gab, das dann aber sehr intensiv und offenbar sehr, sehr verärgert. Eher empört. Dieses Unterfangen, auch Leben genannt, fange ja schon gut bzw. höchst bescheiden an, schien ich zum Ausdruck bringen zu wollen.

Montage sind vor allem frühmorgens für mich offenbar ähnlich wie jener Moment im Kreißsaal einer Essener Klinik. Der Wecker klingelt, und ich mag die Augen nicht aufmachen, nachdem mir, schlaftrunken, schmerzhaft zu Bewusstsein gedrungen ist, dass Montag sei. Dieser Moment, da ich exakt dies feststelle, ist annähernd von Verzweiflung und Trauer umfangen. Nein, ich arbeite gern, aber der Wochenbeginn ist seit jeher so grauenhaft, dass ich fast überzeugt bin, dass Menschen durch den Wochentag, an dem sie geboren wurden, doch ein wenig beeinflusst wurden. Ich meine, ich bin an dem Tag geboren worden, an dem das Wochenende beginnt! Kein Wunder, dass mich der Montag schreckt – was will man auch anderes erwarten? 😉

Doch zurück. Der heutige Montag war wie alle Montage. Kurz: grauenhaft. Das einzige, was mich tröstete, war das Bewusstsein, dass es der letzte Montag vor dem Weihnachtsurlaub sei, und so schleppte ich mich mit halbgeschlossenen Augen ins Bad und unter die Dusche, machte mich alltagstauglich und sauste schließlich in den Hof, wo Monty seit Anfang September seinen Stellplatz hat.

Murrend und knurrend schwang ich mich hinters Steuer und startete den Motor. Bzw. versuchte, den Motor zu starten, denn dieser gab röchelnde Geräusche von sich. Nein! Bitte nicht! Ich war eh schon spät dran! Keine Ahnung, wie vieler Versuche es bedurfte, bis ich es geschafft hatte und der Motor wie gewohnt vor sich hinbrummte. Das war mir schon einmal passiert – bei ähnlicher Witterung, so dass sich mir die Frage stellte, ob der kleine Monty vielleicht Rheumatiker sei, der allzu feuchte Witterung nicht vertrage. Immerhin war er wegen der Ausfallerscheinung vor knapp einem Jahr schon einmal eigens in der Werkstatt gewesen, wo man nichts Lebensbedrohliches feststellte. Genauer: Man stellte gar nichts fest. Vermutlich ist der kleine Wicht einfach wetterfühlig. Ich kann ihn verstehen – ich fand das Wetter heute auch scheiße. 😉

Ich raste gen Arbeit, ich war wirklich spät dran. Immerhin fand ich sofort einen Parkplatz und sauste ins Büro, wo ich pünktlich zum Beginn der Öffnungszeiten – wir haben Publikumsverkehr – eintraf.

Meine Bürokollegin, die immer viel früher da ist, grinste mir zu und meinte: „Moin!“ Ich japste: „Moin! Schönes Wochenende gehabt?“ – „Ja, und du? Du wirkst etwas unentspannt.“ Ich lachte und berichtete, verlieh ebenso meiner Hoffnung Ausdruck, dass mein Wagen nach Feierabend zügig anspringen möge (was er übrigens tat – er scheint einfach auch kein Montagstyp zu sein, zumindest morgens).

Dann arbeiteten wir friedlich vor uns hin. Bis ich meinte: „Am Sonntag gehe ich mit Kerstin zum Weihnachtssingen auf Schalke!“ – „Echt? Cool!“ – „Ja, hoffentlich wird es das!“

Und da meinte Jana: „Wann ist das?“ – „Am Sonntag,“, rief ich fröhlich, „um 16:30 h!“ Da sah sie mich an und meinte: „Aber am Sonntag um 16 h ist doch Der Nussknacker im Musiktheater!“

Ich sah sie an, freundlich lächelnd. Ja, okay, Tschaikowskys Nussknacker ist am kommenden Sonntag um 16 h im Musiktheater. Schön. Was aber hatte das mit mir zu tun? Keine Frage: Ich liebe Tschaikowskys Nussknacker, ich mag Ballett, und dieses hier mag ich ganz besonders.

Ich schaltete leider noch immer nicht, bis Jana sagte: „Da wolltest du doch mit!“ – „Ich?“ – „Ja!“

Nebulös tauchte in meinem Gehirn eine Unterhaltung auf, in der es um diese Veranstaltung ging. Offenbar hatte ich gesagt, ich wolle mit. Es wundert mich auch nicht – wie gesagt: Ich liebe dieses Ballett. Aber mir wurde auch klar, dass diese Unterhaltung vor längerer Zeit stattgefunden hatte – und das Ergebnis hatte ich wohl nicht abgespeichert, obwohl ich die Veranstaltung in meinem Outlook-Kalender eingetragen hatte, wie sich herausstellte. Nur leider benutze ich diesen Kalender mehr bei der Arbeit, und das auch nur im Modus „Arbeitswoche anzeigen“, ergo nur Montag bis Freitag …

Ich fühlte mich wie jeder, der vor dem Problem steht, simultan an zwei verschiedenen Orten sein zu sollen, was sich zumeist schwierig gestaltet. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Einer würde ich absagen müssen, entweder Jana oder Kerstin. (Mir graute davor, Kerstin absagen zu müssen – die würde alles andere als gnädig reagieren. Und ich hätte es ihr nicht einmal verdenken können.)

Jana war, wie ich sie auch kennengelernt habe, sehr liebenswert und machte es mir leichter. Als ich mir die Haare raufte, meinte sie: „He! Keinen Kopp machen! Du kennst das Ballett! Geh mit Kerstin zum Weihnachtssingen!“ – „Aber das tut mir so leid! Wie konnte ich das nur vergessen!“ – „Keinen Kopp machen, sagte ich gerade! Hörst du mir eigentlich zu?“ – „Meist schon.“ – „Gerade eben wohl nicht – hör auf, dir Vorwürfe zu machen. Bestimmt geht meine Mutter gern mit – der würde das sicherlich auch Spaß machen.“ Ich machte mir darob noch mehr Vorwürfe, aber Jana schimpfte mich lachend aus.

Grauenhaft! Wie hatte ich das vergessen können! Dieser Montag war mit einem Schlag noch gruseliger geworden. Ich hasse solche Situationen, in denen man einen zugunsten eines anderen enttäuschen muss. Jana hat mir allerdings wirklich sehr geholfen – ich bin ihr wirklich sehr dankbar. Und dieser Dank äußerte sich bei mir darin, dass ich den Rest des Tages einen Ohrwurm hatte. Einen schlimmen Ohrwurm, denn Tschaikowskys Tanz der Zuckerfee aus dem Nussknacker ist – zumindest als Ohrwurm – sehr eigen, und das nicht zuletzt seiner Instrumentierung wegen, denn der dominierende Part erfolgt auf einer Celesta. 😉 Ich ertappte mich sogar dabei, dass ich das Stück vor mich hin pfiff, als ich zwei Buchungen tätigte …

Auf alle Fälle weiß ich nun, dass ich doch wieder einen Taschenkalender werde führen müssen. 😉

Der allergrößte Witz ist, dass ich erst gestern – völlig untypisch für mich – einen Märchenfilm im TV sah, der mittags im Ersten lief: Nussknacker und Mausekönig von bzw. nach E.T.A. Hoffmann, ein Kunstmärchen, das der Ursprung des Tschaikowsky’schen Balletts ist. Und nicht einmal da fiel der Groschen!

Ich muss wirklich urlaubsreif sein … 😉

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