Was man im Dreieck gemeinsam haben kann

Ich bin vorhin von einer Dienstreise zurückgekehrt. Von einer Fortbildung in Bonn, und die war richtig klasse! 😊 (Im Gegensatz zum Bonner Hauptbahnhof, von dem ich schon berichtete – eine Zumutung. Und in einem halben Jahr – dem vergangenen – hat sich dort rein gar nichts geändert … 😉 )

Am Mittwochmorgen war ich losgefahren, natürlich mit der Bahn, und ich war viel zu früh da, obwohl zwei Beförderungsmittel Verspätung gehabt hatten. Das Tagungshotel kannte ich schon vom April und war quasi ein „alter Hase“ – schade nur, dass ich nicht direkt einchecken konnte … Ich war wirklich viel zu früh da. (Aber zum Glück gibt es bei derlei Seminaren etwa eine bis zwei Kaffeepausen, und in einer solchen raste ich zur Rezeption und bekam meine Keycard.)

Ich war in der Tat ein „alter Hase“, denn zu Beginn verkündete die Organisatorin des Seminars, um einander besser kennenzulernen, würden wir nunmehr keine altbackene Vorstellungsrunde zelebrieren, sondern das „Dreieck der Gemeinsamkeiten“ praktizieren. Dazu teilt sich die große Gruppe so auf, bis jeweils drei Teilnehmer zusammen sind. Einer malt ein Dreieck auf ein großes Blatt Papier, und an die drei Spitzen wird jeweils ein Name der Teilnehmer aus der Gruppe geschrieben. Dann unterhalten sich die drei Gruppenmitglieder über ihre beruflichen Gegebenheiten, Vorlieben und Besonderheiten, und man hält Eigenes fest, schreibt aber an den jeweiligen Dreiecksschenkel auch, wenn Gemeinsamkeiten bestehen. In die Mitte des Dreiecks kommt dann das, was alle drei gemeinsam haben. Das kannte ich schon von meinem letzten Bonner Seminar …

Bei Verena, Martina und mir stand mittig: „Reisen gern / Wandern gern / Haben ein sprach- und kommunikationslastiges Studium absolviert“.

Das „Dreieck der Gemeinsamkeiten“ klingt zwar wie eine Art „Stuhlkreis“-Beschäftigung, aber just bei uns in der Gruppe geschah das, was der absolute Glücksfall war: Zwei Teilnehmerinnen, die einander noch nie zuvor gesehen hatten, stellten fest, dass sie erstaunlich viel gemeinsam haben! Und das waren just Martina und ich! (Ich gebe zu, dass ich, als ich Martina in den ersten Minuten erlebte, dachte: „Mit der wirst du sicherlich wenig zu tun haben – ist nicht so dein Fall …“ Und dann das! 😉)

Denn nicht nur, dass Martina schon Sprachdienstleistungen vollbracht hat, sie allerdings als Dolmetscherin, ich als Übersetzerin, hat sie wie ich Beziehungen zu Franken, obwohl sie Saarländerin ist und ich im rheinischen Teil des Ruhrgebiets zur Welt kam. Einer ihrer Söhne liebt Schalke, ich lebe in direkter Nachbarschaft dazu … Ihr Mann ist Franke, meine Mutter ist ebenfalls in Franken beheimatet. Das Beste jedoch war: Wir haben beide im Sommer Urlaub in Polen gemacht, obwohl wir sonst andere Urlaubsziele anstreben. Beide aus dem gleichen Grund: „Irgendwie zog es mich dahin,“, sagte Martina, „und dann musste die Familie mit!“ Beide haben wir angefangen, Polnisch zu lernen, weil es uns im Land so gut gefiel – jetzt mal im Ernst: Wer macht das schon? 😉 Mir kam es auch nicht mehr wie ein Zufall vor …

Verena schien zu Martina und mir wenig Gemeinsames zu haben. Bis sie in der Kaffeepause zu mir meinte: „Ich muss jetzt erst einmal dringend eine rauchen!“ Ich starrte sie an, dann begann ich zu lachen: „Das hätten wir an den Ali-Verena-Dreiecksschenkel setzen können, wussten es aber da nicht besser.“ Sie starrte mich an und fing plötzlich zu grinsen an: „Du rauchst also auch! Cool! Immerhin zwei aus diesem Seminar! Sollen wir eben eine rauchen?“ – „Klar! Ich bin ja froh, dass außer mir noch eine Raucherin da ist!“

Zuvor hatten wir jedoch – wie alle anderen auch – unsere Erkenntnisse präsentieren müssen, was in unserer Gruppe ich übernahm. Als ich gerade Martinas und meine – völlig unerwarteten – Gemeinsamkeiten erläuterte, zu Franken kam, von der Seminarleiterin gefragt, ob wir das fränkische Essen oder Bier bevorzugen würden, was ich mit: „Alles, vor allem die Menschen“ beantwortete und von der Seminarleiterin Applaus bekam – offenbar war die Seminarleiterin auch schon in Franken gewesen und wusste, was gemeint war -, dann zu Polen überging, strahlte mich eine der anderen Teilnehmerinnen an, die im Auditorium saß und hielt mir ihre ausgestreckten Daumen entgegen.

Erst später erfuhr ich, dass auch sie im Sommerurlaub in Polen gewesen war und das alles extrem schön gefunden hatte. Sie meinte zu mir: „Darf ich dich mal drücken? Du hast das so lebendig und liebenswert herübergebracht, wie ich das auch empfunden habe! Bist du Polin? Und darf ich dich drücken?“ – „Zum ersten Punkt: nein. Zum zweiten: klar! Ich fand es einfach nur so entspannt und schön da!“ rief ich fröhlich und wurde ganz fest gedrückt. 😊 Und die andere Teilnehmerin und ich schwärmten danach von der polnischen Küche, der Herzlichkeit dort, bis die Seminarleiterin eingriff. Denn immerhin ging es nicht um Polonisierung, sondern um Internationalisierung … 😉

Gestern hatten wir volles Programm – von morgens bis abends Vorträge … Die waren wirklich sehr interessant, aber wir alle hatten den Höhepunkt des Tages vor Augen: einen Museumsbesuch mit Führung. Keineswegs fakultativ, sondern obligatorisch. 😉

Ich war hinterher heilfroh, dass die anderen genauso geschafft waren wie ich – ansonsten hätte ich mich noch alt gefühlt. 😉 Aber Verena, Martina und ich – alle unterschiedlich alt – schlappten vom Museum aus los, in Erwartung, irgendeine gastronomische Einrichtung in der Nähe zu finden, während der Rest von uns laut plappernd in die Innenstadt strebte …

Wir drei sind irgendwo vom richtigen Weg abgekommen und mussten dann kilometerweit latschen, bis das nächste Restaurant auftauchte. Verena meinte: „Inzwischen ist mir die Richtung oder Nationalküche wurscht – ich muss einfach irgendetwas essen!“ Und so hatten wir irgendwann die Terrasse eines asiatischen Restaurants erklommen, und zwei von uns hatten ihre Hintern aufatmend schon fast auf den Stühlen der Außengastronomie plaziert, als der Inhaber des Restaurants kam und erklärte, es tue ihm leid, aber sie hätten eine geschlossene Gesellschaft …

Wir sind dann weitergelaufen, bis zum Italiener, der nicht weit vom Tagungshotel entfernt beheimatet ist. Dort sind wir allerdings in Ungnade gefallen, wie es schien, denn nachdem wir schon grimmig begrüßt worden waren, hatte Verena dann auch noch die Stirn, ihre Pizza „Primavera“ statt mit Champignons mit Paprika zu bestellen – und mich muss der Wirt per se gehasst haben, denn als ich ein Kölsch – echtes Bier gab es dort nicht – bestellte, brachte er mir gleich ein großes! Also kein Trinkgeld, denn wenn ich ein Kölsch, Pils, Wasser oder eine Cola bestelle, bedeutet das allgemein immer die kleinste Größe.  Als würde ich ein großes Kölsch bestellen! 😉

Das Seminar war hervorragend, der Zusammenhalt ebenso – mit Verena bin ich zweimal zur ARAL-Tanke gegangen, um Wasser, Zigaretten und Süßigkeiten zu kaufen. Martina habe ich heute aufgetragen, den einen ihrer beiden Söhne unbekannterweise zu grüßen – ganz Gelsenkirchen hoffe, dass Schalke das Ruder herumreißen könne (einer von Martinas Söhnen, sieben Jahre alt, ist Schalke-Fan – ganz allein entschieden, was ich süß fand, und so ließ ich ihn grüßen und behauptete, es werde sicherlich alles besser. Zumindest verlieh ich meiner Hoffnung auf Änderung der Lage Ausdruck.) Das fand Martina nett, und sie meinte: „Das finde ich total rührend – du glaubst doch offenbar selber nicht dran!“ – „Das stimmt. Aber das sollte man deinen Sohn nicht wissen lassen. In dem Alter glaubt man noch an Wunder. Und manchmal passieren die sogar!“ Da nahm Martina mich in den Arm und meinte: „Es ist total schön, dich kennengelernt zu haben! Anfangs dachte ich, dass wir keine Gemeinsamkeiten hätten …“ – „Das dachte ich auch.“ – „Aber das hat sich ja wohl ganz schnell geändert!“ 😉

Schönes Seminar, schönes Resümee – was will man mehr? 😉

Euch ein schönes Wochenende! 😊

P.S.: Gerade bekam ich eine Mail von Martina, ihr Sohn lasse mich auch grüßen. Sie schrieb noch, ich sei nun eine Art Idol für ihn. O je …

Zum Glück habe ich nicht explizit gesagt, dass ich gar kein Schalke-Fan bin, sondern dass meine Präferenzen woanders liegen. Aber Auswärtige setzen stets voraus, dass man als Gelsenkirchener ganz automatisch Schalke-Fan sei – ich muss da jetzt nicht hingehen und das Ganze richtigstellen … Oder? Es ist ein Kind! 😉

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