Bestens gerüstet und voller Spannung

Zumindest theoretisch bin ich bestens gerüstet für den bald anstehenden Urlaub in Polen, denn gestern befreite ich meinen niedlichen neuen Pocket-Sprachführer Polnisch aus der Packstation. Ich liebe Sprache und Sprachen – wenn auch nicht alle, denn es gibt einige, die mir nicht so gefallen -, und so stürzte ich mich zu Hause voller Begeisterung auf das wehrlose, kleine Ding, um mich in die Sprache eines Teils meiner Vorfahren ein wenig „einzufühlen“.

Ganz vorn, auf der Innenseite des Buchdeckels, standen schon sehr interessante Infos, genannt: „Das Wichtigste in Kürze“. Und so weiß ich nun, dass es im Polnischen, anders als in anderen slawischen Sprachen, tak heißt, wenn man ja sagen will – nicht etwa da. (Ich hoffe, ich komme nicht durcheinander, denn aus dem Schwedischen kenne ich tack, und das heißt dort danke. 😉 ) Und nein heißt nie und spricht sich ähnlich wie njä. Bitte, danke und Entschuldigung! folgten.

Was mich ein wenig irritierte – aber wirklich nur ein wenig! – ist die Tatsache, dass auf Position 6 gleich: Hilfe! rangiert. Ich verdrängte den Gedanken, warum das wohl schon so schnell und so weit oben erwähnt sei, da ich das Wort so reizend finde. Und so stellte ich mir vor, wie jemand überfallen wird – natürlich ohne jedwede Klischees, denn das kann ja überall passieren – und laut: „Ratunku! Ratunku!“ ruft. Natürlich mit schönem gerolltem Zungenspitzen-R! 😉 Ich liebe dieses Wort, hoffe jedoch, dass ich es nie werde benutzen müssen. 😉 Aber falls jemand in meiner Nähe Ratunku! ruft, weiß ich wenigstens, was gemeint ist und halte es weder für ein Schimpfwort, noch für einen Zauberspruch, mit dessen Hilfe man unbescholtene Mitmenschen in hässliche, warzenübersäte Kröten verwandelt … 😉

Nun gehe ich davon aus, dass in den größeren und großen Städten, die wir heimsuchen werden – Warschau (Warszawa) und Krakau (Kraków), aber auch Racibórz (auf Deutsch: Ratibor, was aber auch irgendwie gar nicht so deutsch klingt … 😉 ), nicht wenige Leute des Englischen mächtig sein werden. Aber in den kleineren Orten, die wir besuchen wollen, ist das vielleicht nicht so gegeben. Und ich hoffe, dass Stephie und ich in den kleineren Orten niemals in die Verlegenheit geraten werden, einen Tisch für zwei Personen reservieren zu müssen … 😉

Denn ich finde die deutsche Sprache – im Vergleich zum Englischen – bisweilen schon etwas „raumgreifend“. Aber nachdem ich heute in meinem kleinen Sprachführer las, wie der Satz: „Reservieren Sie uns bitte für heute Abend einen Tisch für zwei Personen“ auf Polnisch lautet und wieviel Raum er nimmt, leistete ich im Stillen Abbitte. 😉 Da ich davon ausgehe, dass im Zweifel ich in einem Umfeld, das weder anglo-, franko-, noch germanophon ist, eine derartige Bitte werde aussprechen müssen, sollte ich schon einmal üben, schnell und einigermaßen akkurat folgenden Satz zu äußern: „Proszę zarezerwować dla nas na dziś wieczór stolik dla dwóch osób!“ 😉

So lang ist der Satz eigentlich gar nicht. Er kommt einem nur so lang vor, vor allem in der Lautschrift, die hilfreich unter dem im Sprachführer angegebenen höflichen Satz angeführt ist. Vielleicht sollte ich einfach besonders liebreizend lächelnd die weniger höfliche Form benutzen: „Poproszę stolik dla dwóch osób.“ – „Einen Tisch für zwei Personen, bitte.“ Und wenn all das nicht hilft, sage ich einfach: „Stól!“ und zeige auf meine Schwester und mich, dabei ganz besonders lieblich lächelnd. Stól heißt Tisch. Das ist dann zwar total unhöflich und hinsichtlich der Grammatik falsch, aber sicherlich wird man meine Bemühungen zu schätzen wissen. 😉

Die Grammatik ist ohnehin so eine Sache in den slawischen Sprachen – allein die Kasus und die Deklination -, und ganz besonders im Polnischen. Neben der Artikulation – die Aussprache ist, wenn man sich damit noch nie beschäftigt hat, auch ein Buch mit sieben Siegeln. Hoffentlich bleiben wir mit dem Mietwagen nie im Hinterland liegen, denn sonst müsste ich fragen: „Gdzie tu jest w pobliźu warsztat naprawczy?“ („Wo gibt es hier in der Nähe eine Werkstatt?“ Praktischerweise wurde das deutsche Wort Werkstatt polonisiert in warsztat und würde mir sicherlich die wenigsten Probleme bereiten. 😉 Das größte Problem würde sicherlich die Antwort des so Angesprochenen darstellen … )

Aber nach all dem, was ich von Bekannten und Freunden hörte, die bereits einmal oder mehrmals in Polen waren, würden Stephie und ich sicherlich sofort – insbesondere in eher ländlichen Bezirken – in die Familie aufgenommen, mit einer zünftigen zakuska bewirtet, das Auto in die nächste warsztat geschleppt und repariert. So, wie ich das aus den slawischen Ländern kenne, die ich bisher bereist habe. 😊 Und von all den Polen, mit denen ich bisher hierzulande zu tun hatte. 😊

Und wenn alle sprachlichen Bemühungen nicht helfen, stelle ich mich hin und singe ein polnisches Volkslied, das ich vor vielen Jahren im Chor singen musste bzw. durfte: „Hej, bystra woda“! Ich gebe zu, man musste uns den Text phonetisch nahebringen – eine polnische Muttersprachlerin tat dies, und so klang das Ergebnis dann wohl zumindest so ähnlich wie Polnisch. Mit Ruhrgebietsakzent. Aber das machte nichts, denn das Ruhrdeutsche wurde ja auch durch Polen „mitentwickelt“. 😉 Den Text kann ich heute noch – vor allem den der ersten Strophe. Wenn wir damit nicht punkten können, weiß ich es auch nicht … 😉

Als ich heute einer polnischen Bekannten erzählte, ich würde im Urlaub nach Polen fahren, freute sie sich. Und als ich dann einen Satz, den ich zuvor aus meinem niedlichen Pocket-Sprachführer auswendig gelernt hatte, zitierte: „Ten lek jest tylko na receptę“, was soviel heißt wie: „Dieses Mittel ist verschreibungspflichtig“ und dann noch aberwitzig ergänzte: „O której godzinie jest śniadanie?“ [„Um welche Zeit ist das Frühstück?“], meinte sie: „Czy mówisz po polsku?“

Ich starrte sie an, dann grinste ich und sagte: „Nie. [Njä]“ Und da lachte sie sich halbtot und meinte: „Cool, Ali! Ich frage, ob du Polnisch sprichst, und du sagst nein. Aber auf Polnisch! Und das klang echt gut!“ (Ich hatte die Frage wohl richtig interpretiert. 😉 )

Na, also! Ich muss mir gar keine Sorgen machen. 😉 Am besten wird sein – zumindest für nicht-anglo-, franko- und germanophone Regionen –, ich merke mir strategisch sinnvolle Vokabeln und präge mir deren Aussprache ein. Und wenn mich einer fragt, ob ich Polnisch beherrsche, antworte ich besser nicht mit: „Nie.“ Sondern besser nonverbal und durch Hochziehen meiner Schultern. Alles andere könnte sonst verarschend wirken.

Der Urlaub wird sicherlich toll, und ich freue mich schon – zumal ich auch sprachlich inzwischen zumindest ansatzweise gerüstet bin. Oder so etwas Ähnliches. 😉

Eines weiß ich aber schon jetzt: Meinen Lieblingsfluch haben die Polen aus dem Deutschen übernommen, wie ich durch Googeln erfuhr. Er schreibt sich szajs! Und wie er sich ausspricht, könnt ihr dann ganz einfach googeln. 😉

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