Ali shoppt online

Ich bin ja oft ein wenig skeptisch – zumindest in manchen Fällen -, was Online-Shopping anbelangt. Klar, bei namhaften Firmen kaufe auch ich ab und zu und habe bis dato nur geringfügig das zu verzeichnen gehabt, was man als Schuss in den Ofen bezeichnet.

Blöd ist, wenn man beim Surfen im Internet immer wieder Werbung vor die Nase gehalten bekommt, zumal eine meiner Schwächen – ich muss es leider zugeben – darin besteht, dass ich der Traum des Gemeinen Marketingspezialisten bin. Der Traum jedes Werbers und damit der Traum diverser Kunden von Werbeagenturen. 😉 Ja, ich weiß … Das ist nicht klug, vor allem, wenn man schon, wenn auch selten, der Ernüchterung anheimgefallen ist. Aber wir haben ja alle irgendwelche Schwächen. 😉 Man muss halt nur über sich selber lachen können – dann geht alles gleich viel leichter. 😉

Seit einiger Zeit wurde ich nun beim Surfen im Internet bereits von einer Firma quasi „bombardiert“. Egal, was ich gerade tat: Dauernd tauchte Werbung dieser Firma auf! Normalerweise ignoriere ich dergleichen standhaft, zumindest zunächst, aber hier knickte ich irgendwann ein, denn es ging um Klamotten

Was für schöne Tops, im früheren Leben auch einfach Oberteile genannt – die waren wirklich klasse. Auf den Bildern auf alle Fälle. Und wirklich nicht teuer …

Da ich seit einiger Zeit etwas im Stress bin, gelang es den Werbetreibenden irgendwann in einem schwachen Moment meinerseits: Ich bestellte zwei Oberteile. Die Firma ist in England beheimatet, und was kann es Besseres geben? 😉

Nun, da ich etwas schlauer bin, weiß ich: Die Firma gibt ihren Hauptsitz als in England befindlich an! Wahrscheinlich hat sie einen Briefkasten dort gemietet … Denn in Wirklichkeit sitzt die Zentrale in Asien, genauer: in China. Seit ich das weiß, seit ich irgendwann recherchiert hatte – relativ früh, wenn auch nicht früh genug, da ich ja bereits aus mir zwischenzeitlich und generell absolut nicht nachvollziehbaren Gründen bestellt hatte -, war mir klar, womit ich zu rechnen hatte, rein qualitativ; vor allem, nachdem ich im Internet gelesen und herausgefunden hatte, dass diverse Kundinnen – aber auch Kunden – sich geprellt fühlten. Entweder hatten sie die völlig falsche Ware bekommen. Oder die Größe stimmte nicht. Oder – diverse weitere Fälle – sie wären froh gewesen, auch nur einen Wischlappen zu bekommen. Aber: Sie bekamen gar nichts. Abgesehen von der Tatsache, dass sie eifrig Geld überwiesen hatten, hatten sie rein gar nichts bewirkt, und wahrscheinlich warten sie noch heute auf die Ware – obwohl sie sogar lange vor mir bestellt hatten … 😉

Zum Glück gibt es aber einen customer service, der offenbar dazu da ist, die Kunden hinzuhalten. Warum auch nicht und völlig normal – es geht ja um den Vorteil der Firma, nicht wahr? Ich wandte mich recht früh an diesen und monierte, die Ware sei noch nicht da – etwa drei Wochen nach Bestellung. Man schrieb mir eine sehr blumige Mail, fast poetisch wirkte sie, was daran lag, dass man wohl auf Mandarin schrieb und das Ganze per Translator übersetzen ließ. Solch blumiges Englisch hatte ich von keinem einzigen Muttersprachler erfahren – und ich kenne mich damit aus. Man beschied mir wiederholt, ich solle mir bitte, bitte keine Sorgen machen, und es sei eine Schande für die Firma, dass Wünsche offen geblieben seien …  (Ich rate übrigens dringend von automatisierten Übersetzungen ab – möglich, dass der Kunde sich zu allem anderen Ärger auch noch verarscht fühlt. Zumindest dann, wenn er mit der englischen Sprache wirklich vertraut ist. 😉 )

Ich machte mir zwar keine Sorgen, war aber sehr verärgert – auch über mich selber, denn was um alles in der Welt hatte mich nur bewogen, da zu bestellen und derart naiv zu handeln? Ich pflücke mein Einkommen ja nicht vom Baum und bin normalerweise kritischer – ich war enttäuscht von mir selber. 😉

Die nächste Mail schrieb ich testhalber auf Deutsch, und der Ertrag war noch viel witziger, denn das Ergebnis war noch schriller als das, was im „Englischen“ herausgekommen war: Man sei untröstlich, dass ich trotz aller Anstrengungen nicht befriedigt worden sei – man habe alles darangesetzt, zumal man inzwischen mitbekommen habe, dass ich in „gewisser Hinsicht“ sehr anspruchsvoll sei und gerne vor Vergnügen jauchzte! (Da habe ich in der Tat gejauchzt, und ich pries einmal mehr den menschlichen Faktor beim Übersetzen – ich habe lange genug als Übersetzerin gearbeitet und weiß, was bei Einsatz billiger Übersetzungssoftware herauskommen kann … Nicht selten Dinge, die immerhin als Partygag geeignet sind. 😉 )

Man beschied mir – zumindest verstand ich es so -, dass meine Bestellung alsbald bei mir eintreffe, und man schickte mir eine Trackingnummer und den Namen des Transportunternehmens. Ein chinesisches war es, und alsbald erfuhr ich, dass meine Bestellung am Flughafen Schiphol in Amsterdam gelandet sei, den Zoll passiert habe und nun „auf direktem Wege“ mittels eines LKW nach Deutschland und zeitnah zu mir transportiert werde.

Der LKW muss unterwegs mehrfach liegengeblieben sein, denn nachdem nach einer Woche noch immer derselbe Status zu lesen war, informierte ich die Fa. Bloomy Days Forever darüber, dass ich – würde ich mich gleich ins Auto setzen – in etwa zweieinhalb Stunden in Amsterdam sein könne. Ob sich der Fahrer verfahren habe – ich könne gern kostengünstig ein Navi anbieten. Und ich nannte die Summe, die ich für die Bestellung aufgewendet hatte.

Daraufhin sandte man mir eine Nachricht, die da besagte, ich solle mir bitte, bitte keine Sorgen machen, und ich bekam eine DHL-Trackingnummer. Ich war gar nicht sehr überrascht, dass diese ins Nirwana führte, zumal der von China aus gedungene LKW noch immer im Niemandsland zwischen Deutschland und den Niederlanden umherzuirren schien.

Ich muss gestehen, ich rechnete gar nicht mehr damit, den von mir in einem Akt von Wahnsinn und mangelnder Vorsicht bestellten Tand noch zu bekommen – ich wollte ihn auch gar nicht mehr haben. Doch inzwischen war ich von der Kommunikation mit dem fernen Unternehmen irgendwie fasziniert, und ich probierte aus, was passieren würde, würde ich eine Beschwerde auf des Unternehmens Homepage posten, nachdem ich bereits versucht hatte, meinen Auftrag zu stornieren. (Ich muss zu diesem billigen Versuch sicherlich nicht viel sagen: Man beschwor mich, mir um Himmels willen bitte keine Sorgen zu machen – aber die Ware sei unterwegs, und leider und zu des Unternehmens größtmöglicher Pein sei da ein Storno nicht mehr möglich. Damit hatte ich gerechnet – ich hätte es ja nicht anders gehalten.)

Es hatte zur Folge, dass man mich komplett ignorierte. Und so schrieb ich eine Rezension auf einem Verbraucherportal … Und – zack! – nach Tagen kompletter Funkstille bot man mir einen Tag nach Posten der Rezension per Mail eine „top solution“ an! Man wollte mir einen vergleichsweise kleinen Teil des von mir aufgewandten Kaufbetrages („including tax and customs“!) erstatten! Sollte die Ware noch eintreffen (man war sich offenbar selbst nicht sicher), dürfe ich diese natürlich behalten! Das alles natürlich nur, würde ich meine miese Bewertung aus dem Verbraucherportal entfernen. Erpressung in Reinform – darauf fahre ich ja total ab! 😉

Ich schrieb eine recht harsche Mail – diesmal wieder auf Englisch – zurück, in der auch der kurze, aber prägnante Satz: „Enough is enough!“ Anwendung fand, den ich einst so liebenswert in Irland von einer irischen Mutter in dialektaler Aussprache gehört hatte, als ich gerade zum Rock of Cashel hinaufstieg, während Mummy mit einem Kleinkind im Buggy hinter ihrem ungebärdigen Erstgeborenen her schrie: „James! Enough is enough!“ (Es hörte sich an wie: „Dschaims! Inuff is inuff!“ Ich habe es nie vergessen … 😉 )

Und „inuff is inuff“ sowie einige andere sehr deutliche Worte, die auch die Begriffe solutionabsolutely inacceptable, full und refund sowie sehr autoritär wirkende Anweisungen enthielten, führten dann dazu, dass man mir eine weitere „top solution“ anbot! Den gesamten von mir aufgewandten Betrag wolle man mir erstatten! Und sollte die Ware noch eintreffen, solle ich diese, bitte, behalten. Okay – das war ein Angebot, das ich annahm. Ich rechnete ja nicht damit, dass überhaupt etwas eintreffen würde, werde nun aber meine Kontobewegungen sehr genau beobachten.

Aber wie erstaunt war ich, als ich nach Hause kam! Da war in meinem Briefkasten etwas, das ich erst für Müll hielt – eine zusammengeknüllte DHL-Transporttüte! Ich nahm sie heraus, grinste und ging damit in meine Wohnung, wo ich das Gebinde öffnete. Ein Oberteil war darin. Und es passt sogar und sieht aus wie auf den Bildern. Ich sollte es nur nicht bei hohen Temperaturen tragen – nicht, dass sich das Material untrennbar mit meiner Haut verbindet! 😉 Aber mal im Ernst – „für umme“ ist das doch okay. 😉 Und ich soll es ja – komme, was wolle – unbedingt behalten, trotz der Erstattung des vollen Betrages! Ich bin gespannt, wann er auf meinem Konto eingeht – und ob überhaupt. Und meine Rezension werde ich nicht löschen …

Dennoch bin ich noch immer schockiert über mich selber. Wie konnte ich je so verstrahlt sein, überhaupt etwas zu bestellen? Vermutlich hatte ich noch nicht genug Stress, denn: „Wer keine Probleme hat, schafft sich welche.“ Nicht wahr? 😉

Die Firma heißt übrigens ganz anders … 😉

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