Von „slaatje“, „koelkastjes“ und „silveruitjes“

Gestern war ich nach zwei Wochen Auszeit – einmal fiel der Kurs wegen der Pfingstferien aus, letzte Woche hatte ich am Mittwoch bis Viertel nach 7 abends im Büro zu tun – wieder bei meiner mittwöchlichen Lieblingsbeschäftigung – dem Niederländischkurs. Jana war letzte Woche anderer Verpflichtungen wegen auch nicht dagewesen, und so waren wir ob der Tatsache, dass wir völlig „außen vor“ zum Kurs fahren sollten, ein wenig verunsichert. Für gewöhnlich ist zumindest eine von uns dort anwesend und kann dann die andere auf dem Laufenden halten.

Normalerweise wären wir zusammen gefahren, aber ich hatte noch einiges im Büro zu tun, und so meinte ich zu Jana: „Ich fahre ausnahmsweise selber direkt von hier nach M. – wir treffen uns dann dort.“ Und so fuhr ich dann auch gegen Viertel nach 5 los – und war viel zu früh da. Aber ich kalkuliere lieber großzügig, denn ich kenne mich und meinen Orientierungssinn. Den sogenannten, denn wenn ich auch einige erfreuliche Sinne habe, gehört der Orientierungssinn leider nicht dazu. Daher benutze ich ja auch auf ungewohnten Strecken immer mein Smartphone, mich zu leiten – und inzwischen habe ich diverse und ganz verschiedene Wege nach M. erkundet und war stets sehr erstaunt, aus welcher Richtung und über welch verschlungene Pfade ich am Zielpunkt eintraf. Viele Wege führen nach Rom – die Richtigkeit dieser Redensart kann ich nur bestätigen. Immerhin bin ich vor drei Wochen auf der Rückfahrt aufgrund des leeren Akkus meines Smartphones ganz eigenständig gefahren – und war sogar schneller zu Hause als mit dem Navi. Vielleicht bin ich orientierungsmäßig doch begabter, als ich dachte … 😉

Wie auch immer: Gestern war ich zu früh da, und das führte dazu, dass ich nun ein Paar neuer Ohrringe besitze, ein neues Armband und einen neuen Armreifen, denn irgendwie muss man sich doch die Zeit vertreiben, und da die VHS von M. in einem zu großen Teilen etwas deprimierenden Einkaufscenter beheimatet ist – in einer Mall -, flanierte ich dort ein bisschen und fand zielsicher eine Filiale von Pierreries Pierrette. Und was ich da im Schaufenster sah, fand ich einfach nur reizend … Und als ich wieder herauskam, hatte ich drei neue Teile an Modeschmuck – und wenn man die Ohrringe einzeln zählt, sogar vier! 😉

Bevor ich noch weiteren Talmi und Tinnef kaufen konnte – dieses Einkaufscenter bietet diesbezüglich viele Möglichkeiten -, begab ich mich lieber in den Außenbereich, wo ich zwei Zigaretten rauchte. Und dann war es auch schon Zeit für den NL-Kurs, doch als ich vor dem Kursraum eintraf, saß dort nur eine Kurskollegin, Jackie, die mich gleich nett begrüßte und meinte: „Außer uns ist noch niemand da. Habe ich beim letzten Mal viel verpasst?“ Ich lachte und meinte: „Gerade wollte ich dich das Gleiche fragen – ich war auch nicht da.“ – „O je. Ich tue mich ohnehin noch so schwer – dabei ist meine Mama Holländerin. Aber weil wir immer hier in Deutschland gewohnt haben, haben wir immer auf Deutsch miteinander gesprochen. Ich muss sicherlich viel aufholen, und erst neulich, als ich bei offenem Fenster Sprechübungen machte, rief ein Nachbar herüber, ob denn alles in Ordnung sei!“ Ich lachte mich fast schlapp. Jackie lachte auch und meinte: „Bei dir fragt sicher niemand, oder?“ Ich lachte noch mehr, denn ich musste daran denken, wie kürzlich meine Nachbarin gefragt hatte, was ich da eigentlich übte und ob ich übte oder nicht vielmehr Bauchschmerzen gehabt hätte … (Da hatte ich gerade einige Übungen hinsichtlich des heiklen ui-Lautes gemacht, und das leichtsinnig bei geöffneter Balkontür, und es klingt nun einmal so wie die Laute, die Seelöwen oder -hunde von sich geben, wenn sie das tun, was man bei diesen Tieren euphemistisch als „bellen“ bezeichnet. Es klingt im Grunde so, als übergebe sich gerade jemand. Und die Nachbarin sah mich so richtig zweifelnd an, als ich ihr sagte, dass ich gerade Niederländisch lernte. Genauer: Sie sah mich derart misstrauisch an, als hätte ich ihr erklärt, dass ich das nur lernte, um in NL ganz professionell Drogen käuflich erwerben zu können. Manche Leute verbinden mit den Niederlanden, vulgo: Holland, eben nur eines …)

Als ich Jackie das erzählte, lachte sie noch lauter als ich und war dann beruhigt. 😉

Kurz darauf kamen auch die anderen an, auch Jana, und schon ging es los. Inzwischen sind wir bei les drie angelangt, Lektion 3, und im Laufe der eineinhalb Stunden wurde mir klar, dass ich besser zuvor noch etwas Essbares zu mir genommen hätte, denn es ging um Essen und Trinken, ebenso darum, wie man in einem Lokal etwas bestelle. Wir lernten, dass ein großer Salat, ein Salat als Hauptgang, salade heiße, ein Beilagensalat hingegen slaatje, und den gab es gemäß Lehrbuch mit ganz verschiedenen Zutaten, sowohl mit tomaat oder tomaten (das N bitte nie artikulieren, sonst erkennt man euch gleich als Deutsche und könnte euch beim Drogenkauf infolgedessen über den Tisch ziehen … 😉 ), als auch wortels oder wortelen („Möhren“ bzw. „Wurzeln“) bzw. augurken (Gewürzgurken – Schlangengurken heißen schlicht komkommers, und wer Englisch und/oder Französisch sprechen kann, hat hier eindeutig Vorteile, da er zumindest cucumber und concombre kennt … 😉 ).

Wir lasen diverse Dialoge, in denen im Restaurant Bestellungen aufgegeben werden sollten – und immer war ich beim slaatje an der Reihe, das an mir klebte wie hondenpoep aan de schoen, wie (Hunde-)Scheiße am Schuh! Und het slaatje wurde stets abwandelnd angeboten, met wortels oder met rucola oder met garnalen, was sich mit diesem reizenden Ccchhhh im Anlaut spricht. Und als ich glaubte, über het slaatje erhaben zu sein, war ich erneut an der Reihe, als im Dialogverlauf jemand just dieses kalorienarme Gericht bestellte. Und als Krönung dann mit einer Zutat, die ich niemals in einen Salat, auch nicht in einen Beilagensalat, befördern würde: Denn dieses letzte slaatje um 19:42 h, das erneut bestellt werden musste, als ich mit Lesen (lezen) dran war, wurde met silveruitjes serviert! Ich bitte euch: Silberzwiebeln in einem Salat! Oder Salätchen! Die isst man doch so und dann gleich das ganze Glas leer! 😉 Mache ich zumindest so – die wären schon vernichtet, bevor sie auch nur ein Salatblatt erblickt hätten! 😉 Und wenn es sich um frische Perlzwiebeln handelte, würde ich im Handumdrehen Balsamicozwiebeln daraus kochen! 😉 Niemals kämen sie in einen salade und auch nicht in een slaatje. 😉

Im Verlauf dieser Stunde fing mein Magen empfindlich zu knurren an, und um das Ganze zu übertönen, fragte ich, wann denn nach der Sommerpause der A2-Kurs beginne. Thijs freute sich und meinte: „Immerhin eine Interessentin! Es ist immer etwas frustrierend mit die Kurse in het Nederlands. Die meiste komme und finde het Nederlands so süß! Und dann merke sie, dass das gar nicht so süß ist – und dann komme sie gar nicht mehr. Es freut mir, dass du fragst, wann die A2-Kurs anfängt!“ – „Ja, klar – ich möchte die Sprache wirklich lernen – und das ganz ernsthaft, obwohl ich sie auch irgendwie süß finde. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel!“ – „Nee – helemaal niet! Es freut mich, dass die Kurs dann stattfinde kann.“

Na, immerhin habe ich gestern jemandem eine Freude gemacht. 😉

Und gerade überlege ich mir, wie meine gruselige Datenschutzerklärung wohl auf Niederländisch klingen würde … Wahrscheinlich auch irgendwie knuffig. Würde besser zu meinem Blog passen als das, was da seit dem 25. Mai zu lesen ist und worin Dinge stehen, bei denen ich mich frage, ob ich sie überhaupt und wirklich nutze oder nicht aus Vorsicht lieber alles angab, um auf der sicheren Seite zu sein. Vielleicht sollte ich diesen juristischen Wust mal ins Niederländische übersetzen lassen – das läse sich sicherlich netter. 😉

Einen schönen Abend! 😊

Nachtrag: Und wenn man het slaatje nicht zur Gänze aufisst, stellt man es in de koelkast. Oder – so typisch niederländisch – in het koelkastje. In den Kühlschrank. Oder in den kleinen Kühlschrank. Und wenn ihr in einem niederländischen Hotel seid, das nicht alles auf Englisch gepolt hat, ist het koelkastje das, was anderswo als Minibar bezeichnet wird. Koelkastje hat aber viel mehr Charme. Finde ich zumindest. 😉

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