„Ich sehe tote Raupen …“

Ich muss hier ein Zitat aus einem US-amerikanischen Film mit Bruce Willis ein wenig verfremden. Ich bin ein wirklich tierlieber Mensch, und mir tat es ja auch leid, aber diesen gefräßigen und zahllosen Zünslerraupen, die ich zu meinem Entsetzen kürzlich in meiner Eltern Garten entdeckte, wie sie sich völlig hemmungslos über den Buchsbaum, den Ort ihrer Geburt, hermachten, konnte nur Einhalt geboten werden. Und leider helfen da keine liebevoll-energischen Ansprachen. Wäre mir ja auch lieber gewesen, aber hier mussten andere, schwerere Geschütze aufgefahren werden. Nicht einmal ein Wutanfall hätte genutzt. Und so nebelte ich sämtlichen Buchsbaumbestand mit einer Brühe ein, die verboten riecht, aber immerhin gebrauchsfertig in Flaschen mit einer Sprühpistole erhältlich ist. Nicht besonders günstig, man muss Handschuhe tragen, sollte darauf achtgeben, dass man nicht gegen den Wind sprühe – aber sie sei nützlingsfreundlich. Sprich: Sie killt weder Vögel, noch Bienen, noch andere nützliche Insekten.

Vorgestern war die Erstanwendung gewesen, und der freundliche Herr im Gartencenter hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich alle zwei Tage tätig werden müsse, und das am besten abends. Ergo fuhr ich heute gegen 17:30 Uhr los und raste gen D., parkte schwungvoll vor der Garage meiner Eltern und hechtete voller Spannung aus dem Auto, denn im Vorgarten stehen auch drei Buchsbaum-Kugeln, die ich am Freitag behandelt hatte. Wie mochten sie wohl aussehen?

Ich mache es kurz: Sie sahen noch immer ziemlich scheiße aus … Aber aus jeder wuchsen hellgrüne Blättchen! Ich ging erst einmal ins Haus, zog mir die Pest-Handschuhe an und eilte auf die Terrasse, wo ich die Zerstäuber mit Zünslerkiller deponiert hatte. Ich machte mich gleich ans Werk, re-imprägnierte die eine der beiden kleinen Zierhecken. Beim letzten Mal war daraufhin wilde Bewegung in das zuvor ruhige Blattwerk gekommen – so noch Blattwerk vorhanden war. Heute: nichts. Auch bei der anderen kleinen Hecke: nichts. Und ebenso verhielt es sich mit den anderen Buxus-Objekten. 😉 Entweder waren die kleinen Plagen wirklich tot, oder sie hatten hinzugelernt und verhielten sich einfach nur ruhig.

Sogar im Vorgarten. Doch ich entdeckte diverse tote Raupen, die mir zwar nicht alle Viere, aber all ihre Extremitäten – ich habe keine Ahnung, wie viele Stummelfüßchen Raupen so haben – entgegenstreckten.

Einerseits war ich geneigt, laut: „Strike!“ zu rufen, als ich die kleinen Leichen sah, von denen einige sich bereits im Zustand der Zersetzung befanden. Andererseits dachte ich: „Schöne Scheiße, wenn man als Zünsler zur Welt kommt. Zum Abschuss freigegeben.“ Ein bisschen tat es mir leid. Aber die neuen Triebe des Buchsbaums, ja auch ein Lebewesen, die so ganz ohne Verbissspuren aus dem gemarterten Buchsbaumgesträuch wuchsen, trösteten mich.

Ich hoffe, sie trösten auch meine Mutter! 😉

Und wenn ich am Dienstag zum Rasenmähen nach D. fahre, werde ich garantiert Algenkalk über das zwischenzeitlich raupenbefreite Gesträuch schütten. 😉 Als längerfristige Lösung.

Wenn es so weitergeht, entwickle ich – ausgerechnet! – mich noch zur Gartenexpertin. Oder Schädlingsbekämpferin. Aber wie alles im Leben fällt wohl auch das unter die Rubrik: „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.“ Meine Mutter war zumindest zwischenzeitlich bass erstaunt, wie viel ich über Buxus sempervirens und alles, was damit zu tun hat – ergo auch den Buchsbaumzünsler – wisse. Und das binnen weniger Tage! Nun ja – sie hat ihren Garten noch nicht gesehen … Hier war rasches Handeln gefragt. Rasches, aber nicht kopfloses Handeln. 😉

Am Donnerstag kommen meine Eltern aus Franken zurück. Ich sollte wahrscheinlich Urlaub nehmen und ohne Angabe meines Ziels verreisen … 😉