Von „slingerschijt“ und „mierenneukers“

Vorgestern fand das erste Treffen des Niederländischkurses für groentjes en beginnelings statt, für den Jana und ich uns angemeldet haben – beide große Fans der Nederlandsche taal. Leider ohne mich, denn ich musste an jenem Mittwoch überstürzt und ohne mein tägliches Arbeitspensum geschafft zu haben, die Stätte der Fron verlassen. Mir ging es gar nicht gut. Ich hatte von halb 9 bis halb 12 Weiterbildungswillige eingeschrieben und war heilfroh, dass Jana – leise zwar, aber hörbar – Musik laufen hatte, denn ich hatte mir wohl am Tage zuvor etwas eingefangen, das nun Magen-Darm-Konsequenzen hatte. Mein Bauchbereich sonderte Geräusche ab, als kämpften zwei verfeindete Wolfsrudel oder sonstige Raubtiere miteinander … Ich hoffe, es lag nicht an der Veranstaltung vom Tage zuvor, da im internationalen Austausch befindliche Kunden uns kulinarische Spezialitäten ihrer jeweiligen Heimat kredenzt hatten. Falls doch, bin ich mir nicht ganz sicher, ob die getrocknete Mango aus Vietnam oder nicht doch der auf einer Eigenkreation beruhende „Auflauf“ aus den Vereinigten Staaten, der sehr viel Tabasco enthielt, dafür verantwortlich war.

Fakt war: Es ging mir gar nicht gut, und ich musste überstürzt nach Hause, teilte Jana aber noch mit, ich würde ihr Bescheid geben, wenn mit meiner Teilnahme am NL-Kurs wirklich nicht zu rechnen sei.

Gegen 17:15 h schickte ich ihr eine WhatsApp-Nachricht. Es ging so gar nicht, zumal ich quasi auf zwei Rädern mit dem Auto zu Hause eingetroffen war und meine Zeit danach hauptsächlich im Badezimmer fristete … Jana schickte mir liebe Grüße und Genesungswünsche, während ich mich ärgerte: Wie gerne wäre ich in die Nachbarstadt zum Kurs gefahren, auf den ich mich schon lange gefreut hatte!

Ich gebe zu, ich hatte schon ein bisschen überlegt, wie ich die Nachricht schicken sollte, nachdem ich recht schnell festgestellt hatte, dass meine Teilnahme an der ersten Stunde nicht gegeben sein würde (allerspätestens ab 17 h). Sollte ich ihr eine markige niederländische Bezeichnung meines Zustandes übermitteln, die sie dem Kursleiter gleich ebenso markig mitteilen könnte? Ich eruierte – wozu gibt es Online-Wörterbücher? -, dass mein Zustand ganz langweilig auch im Niederländischen als diarree bezeichnet werde. Langweilig.

Doch was war das? Da standen noch diverse Synonyme! Und eines davon war slingerschijt! Ich brach vor Lachen fast zusammen, wobei ich zum Glück ja schon saß. Und dachte einmal mehr: „Wie liebenswert-direkt diese Sprache doch ist – wie für mich geschaffen!“ Übersetzt das doch mal wörtlich ins Deutsche (was man eigentlich und normalerweise nicht so 1:1 darf – hier aber schon … 😉 )! Einfach grandios! 😉

Gestern bin ich eigentlich nur zur Arbeit gegangen, weil ich keine Lust darauf hatte, dass mein ohnehin schon immenses Arbeitspensum noch mehr zunähme, mein Schreibtisch, den ich derzeit ohnehin schon bisweilen gern einfach in die Luft sprengen würde, noch voller wäre. Richtig gut ging es mir immer noch nicht, und ich habe den ganzen Tag statt Kaffees nur Tee getrunken, schwarzen Tee, echten englischen schwarzen Tee mit viel Tannin. Der scheint auch geholfen zu haben. (Rührend war aber, wie meine Kolleginnen reagierten: „Das liegt alles nur an deiner Doppelbelastung!“ Fand ich richtig lieb, sagte jedoch: „Ich denke eher, es war die getrocknete Mango. Ich scheine darauf allergisch zu reagieren.“)
Jana meinte: „Ich glaube, du hast nicht so viel verpasst bei dem Kurs – ich denke, das, was wir gelernt haben, kanntest du schon. Wir haben Farben und Uhrzeiten gelernt.“ Die Farben kannte ich in der Tat schon, aber hinsichtlich der Uhrzeiten musste ich feststellen, dass meine Niederländisch-Dozentin an der RWTH da etwas hat schleifen lassen … 😉

Gleich fragte ich Jana nach den anderen Teilnehmern und dem Kursleiter. Kaum überraschend, teilte sie mir mit, dass bis auf einen Teilnehmer nur Frauen anwesend wären. Und der Kursleiter sei Niederländer und total nett, obendrein Sprachwissenschaftler. „Und da ist so eine Frau dabei, die wie eine Bibliothekarin oder Archivarin wirkt – eine echte Korinthenkackerin.“ – „Ah, so eine gab es in meinem früheren NL-Kurs auch – das scheint eine Art Standard in Sprachkursen zu sein. Die schien zum Lachen in den Keller zu gehen und schüttelte immer ihr weises Haupt, wenn wir alle mal wieder über einen knuddeligen niederländischen Begriff lachten – sogar die niederländische Dozentin. […] Was heißt eigentlich Korinthenkacker auf Niederländisch?“

Und schon bemühte ich eines der Online-Wörterbücher, und dies in Erwartung eines neuen erheiternden Begriffs, während Jana, genauso niederländischverrückt wie ich, mich gespannt ansah. Ich las laut: „Mierenneuker!“ Dann lachte ich. Jana rief: „Los! Was heißt das?!?“ – „Nun ja, was neuken heißt, weiß jeder, der schon mal den Spruch: Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen gehört hat. Oder: Lekker neuken in de keuken!“

Jana sah mich an, dann fing sie heftig zu lachen an. Sie hatte sofort verstanden … Dann meinte sie: „Zumindest der hintere Teil des Wortes ist klar. Aber was sind mieren?“ – „Keine Ahnung – ich kenne nur Nieren. Aber warte …“ Und schon gab ich mieren ein. Sekundenbruchteile später versank ich in einer Art Lachflash …

„Los! Was heißt das? Was sind mieren?!?“ schrie Jana. „Nun sag schon – das ist unfair! Den hinteren Wortteil habe ich verstanden – aber warum lachst du jetzt so? Es muss etwas völlig Bescheuertes sein!“ Ich sah sie an und meinte: „Ja! Mieren sind Ameisen! Und nun kombiniere das eine mit dem anderen Wort – das ist ja noch besser als unser Korinthenkacker, obwohl ich den Begriff schon sehr schön finde!“ Und ich schüttete mich erneut vor Lachen aus. Jana meinte nur: „O Gott!“ Dann lachte auch sie hemmungslos. Und meinte schließlich: „Ali, wir sind genau richtig in einem Kurs, der uns diese Sprache lehrt – das ist einfach nur grandios und witzig!“ – „Einer der Gründe, weswegen ich diese so plastische Sprache lernen will.“

Jana erklärte mir dann noch, dass nächste Woche primär an der Aussprache gearbeitet werden würde, und dass der Kursleiter schon gesagt habe, dass das niederländische ui etwas schwieriger sei. Aber wenn man die korrekte Aussprache des Begriffs Feuilleton beherrsche, könne gar nichts schiefgehen. Merke: Man sollte die französische Sprache beherrschen, wenn man Niederländisch korrekt lernen will. Da sind Jana und ich zum Glück richtig.

Und selbst wenn unsere Aussprache vom Kursleiter moniert werden sollte, können Jana und ich nun immerhin dem Kursleiter sagen: „Hey! Wil je een mierenneuker zijn?“

Das ist doch schon einmal ein guter Anfang. 😉 Oder nicht?

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