Das richtige Outfit fürs Kino

Gestern war einmal mehr ein anstrengender Tag. Von morgens bis mittags prüfte ich Unterlagen der zahlreichen Bewerber, die mir ihre Anträge zwecks Fort- und Weiterbildung gesendet hatten, die inzwischen geprüft und die Bewerber somit zugelassen waren und von mir eingeschrieben werden konnten. Es war der einzige Tag in dieser Woche, da ich einen solchen Zulassungstermin hatte. Und es war der einzige Tag, da es eine Netzwerkstörung gab …

Das war – um mal mit einem bekannten Sozialdemokraten zu sprechen – suboptimal, denn zwar hatte ich mir die nötigen Prüfunterlagen schon am Vortage ausgedruckt, da ich a) gerne vorbereitet und b) morgens immer etwas später dran bin – und meine ersten beiden Bewerber kamen bereits um halb neun.

Leider hatte ich zwei wichtige Unterlagen in all dem Stress vergessen. Und die liegen auf dem Laufwerk unserer Abteilung – ohne Netzwerkzugriff kam ich nicht dran. (Habe mir schon vorgemerkt, diese Unterlagen und alles, was ich sonst so brauche, an anderer Stelle zusätzlich abzuspeichern … Aber erst am Dienstag.) So begann meine Zulassungs-Session etwas hektisch und strubbelig, aber zum Glück hatte eine Kollegin noch einen Schwung dieser Formulare, die ich brauchte, auf Halde liegen …

Um 11:45 h war dann zum Glück auch der letzte Bewerber abgefrühstückt, und ich ging mit Kerstin eine rauchen. Danach hängte ich mit Jana einige Poster im ganzen Gebäude aus, die auf eine Veranstaltung unserer Abteilung hinwiesen. Wir holten uns etwas zu essen aus der Cafeteria und gingen dann – das Aufhängen der Poster war so anstrengend gewesen – auch noch einmal eine rauchen.

Danach arbeitete ich alles, was noch anlag, soweit ab, dass ich wieder etwas „Luft“ hatte – weiter geht es am Dienstag. Jana hatte sich bereits in den Urlaub verabschiedet, aber ich war abends noch mit ihr zum Essen verabredet, und danach wollten wir ins Kino.

Beim Verlassen meines Arbeitsplatzes winkte der diensthabende Pförtner mir noch zu und rief: „Frau B. – kommen Sie doch bitte mal her!“ Und als ich zu ihm ging, überreichte er mir eine österlich dekorierte Packung Raffaello, die in einem Eierbecher stak und mit Klarsichtfolie und einem Geschenkband versehen war. Wohl eine Osteraktion des Herstellers, die Herr A. gekauft hatte, und ich freute mich sehr über die nette Geste und bedankte mich. Daraufhin meinte Herr A.: „Ja, ich bin mit Ihnen aber auch noch nicht fertig, Frau B.! Sie haben mir neulich so nett geholfen, und ich fahre bald in den Urlaub in meine Heimat. Da bringe ich Ihnen noch etwas Schönes mit.“ – „Aber ich habe doch nur ein paar Seiten korrekturgelesen, Herr A.! Das ist doch nicht nötig! Ich freue mich doch schon sehr über das hier – auch wenn selbst dies nicht nötig gewesen wäre.“ – „Bekommen hier auch nur die liebsten Mitarbeiter.“ Ich sah noch drei weitere Gebinde dieser Art an seinem Arbeitsplatz stehen, grinste und bedankte mich.

Dann raste ich los, denn ich wollte noch kurz in einen Einkaufsmarkt, der in der Nähe des örtlichen Konglomerats aus mehreren Systemgastronomie-Niederlassungen verschiedener Couleur und dem Kinocenter gelegen ist. Schnell noch einkaufen, denn der Tisch in der systemgastronomischen Niederlassung italienischer Ausrichtung war für 18:30 h reserviert, die Kinovorstellung begann um 20:30 h. Falls es so klingen sollte: Ich habe nichts gegen Systemgastronomie – und das Essen war gut!

Ich war vor Jana da und nahm schon einmal Platz und bekam zur normalen Karte auch noch die Wochenkarte, auf der hauptsächlich Pastagerichte vermerkt waren. Da kam auch schon Jana, und wie üblich lächelte sie fröhlich und rief: „Hey, da bist du ja!“ Ich stand auf, und sie drückte mich und meinte: „Du warst aber doch nicht bis jetzt noch im Büro, oder?“ – „Nee, noch kurz einkaufen, aber zu Hause war ich bis dato noch nicht. Daher auch nur dieses hier – ich konnte nicht mehr nach Hause, sonst bekämst du jetzt schon ein richtiges Osternest. Kommt dann halt erst nach deinem Urlaub.“ Und ich überreichte ihr einen güldenen sitzenden Schokoladenhasen mit einer roten Schleife und einem Glöckchen daran um den Hals. Seit meiner Kindheit mein all-time-favourite unter den Schokoladen-Osterhasen. Sie rief: „Das wäre doch nicht nötig gewesen! Und ein Osternest? Das ist ja süß, da freue ich mich schon! Aber das musst du doch nicht!“ – „Also: Ich musste nicht, aber ich wollte, denn ich mag dich, und darüber hinaus hilfst du mir auch sehr viel.“ – „Naja, du bist ja auch völlig überlastet mit deinen zwei neuen Tätigkeitsfeldern, denn du musst ja auch noch die Sachen deiner Vorgängerstelle machen! Ich sehe doch, dass du rotierst! Aber: Ich mag dich auch – direkt von Anfang an. Ich glaube, wir haben denselben Humor und auch sonst einiges gemeinsam. Danke!“ – „Ich habe zu danken.“ – „Ach, Unsinn. Wir machen uns jetzt erst einmal einen netten Abend!“

Und schon studierte sie die Karte. Und wir bestellten zweimal Pasta. Jana Spaghetti mit Bärlauchpesto, ich eine meiner Lieblings-Pastasorten mit Rindfleischstreifen, Pilzen und einer Marsalasauce, die ich aufgrund ihrer Form und ihres Namens besonders mag: Strozzapreti. Das heißt aus dem Italienischen übersetzt: „Würg den Priester!“ Ich fand, das passe hervorragend zum Gründonnerstag. 😉 Jana lachte, als ich ihr den Namen übersetzte, meinte ebenfalls, das passe perfekt, und wir aßen, tranken und lachten sehr viel. Jana meinte einmal: „Wir haben sogar eine ähnliche Lache!“ – „Ja. Dreckig.“ – „Aber von Herzen kommend.“ Da lachten wir noch mehr.

Fast hätten wir darüber das Kino vergessen, und so zahlten und brachen wir schleunigst auf. Kerstin hatte uns bei der Arbeit zwar schon für eindeutig verrückt oder wenigstens, naja, experimentierfreudig erklärt, als wir ihr von dem Film erzählten, dessen Trailer sie sich angesehen und befunden hatte, das sei nichts für sie, und ich solle sie ja nicht nachts anrufen, weil ich vor Angst nicht schlafen könne, wie sie lachend sagte. Denn wir wollten uns Unsane ansehen, einen Film, der mit einem Smartphone gedreht worden war. Und wir waren schon sehr gespannt.

Da wir etwas spät dran waren, waren die besten Plätze schon besetzt, und so kamen Jana und ich recht weit vorn zu sitzen. Ich glaube, ich habe im Kino noch nie so weit vorn gesessen, aber das kommt davon, wenn man lachend und mit Logorrhoe bei Spaghetti und Strozzapreti sitzt und die Zeit vergisst. 😉 Dennoch waren die Plätze in Ordnung – ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.

Wir pellten uns aus Jacke bzw. Mantel und nahmen Platz. Ich hatte einen Loop-Schal um den Hals und überlegte noch, ob ich ihn auch abnehmen solle, folgte aber, als mir Kerstins Worte wieder einfielen, einem Impuls und behielt ihn um.

Der Film war in dem Sinne kein Horrorfilm, aber er wirkte sehr dicht und bedrückend, teils bedrohlich, und es gab einige Szenen, die unvermittelt heftig waren. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Jana plötzlich nach ihrem Mantel griff und ihn wie eine Decke über sich legte. Und als ich bei einer wirklich unvermittelt auftretenden und erschreckenden Szene meinen Loop-Schal vors Gesicht riss, nahm ich noch wahr, dass Jana das Gleiche mit ihrem Mantelkragen machte. Und da musste ich trotz der erschreckenden Szene lachen. Jana lachte auch und meinte: „Gut, dass ich meinen Mantel und du deinen Schal hast!“ Und wir lachten noch mehr – es lockerte die bedrückend-bedrohliche Grundstimmung des Films zumindest ein bisschen auf … 😉

Die richtige Kleidung ist wichtig, wenn man sich Filme ansieht. 😉 Eine Komödie kann man sich problemlos ansehen, aber bei bedrückenden, bedrohlichen Filmen, Horror- oder Psychothrillern ist es ganz gut, wenn man Kleidungsstücke trägt, die man sich zur Not vors Gesicht ziehen kann. Hoodies sind da auch sehr praktisch, denn ich erinnere mich, als Studentin mal mit meinem damaligen Freund einen wirklich heftigen Horrorfilm gesehen zu haben, bei dem ich einen Hoody trug. Eigentlich kann ich gar nicht sagen, dass ich diesen Film wahrhaftig gesehen habe, denn es gab so viele Stellen, da ich mir die Kapuze auf den Kopp und deren Rand über die Augen zerrte. Das ist zwar albern, sieht aber noch besser aus, als ständig mit den Händen vor dem Gesicht dazusitzen oder gar unter dem Kinositz Zuflucht zu suchen, wie ich einmal im Kino mitbekam, als sich ein Mädel in meiner Reihe unter dem Vordersitz zu verkriechen versuchte … So eine Kapuze ist sehr praktisch, dämpft sie doch zumindest ein wenig auch die furchtbaren Geräusche, die bei einer Gewaltszene entstehen können. 😉

Und wie ich gestern feststellte: Auch Loop-Schals oder ein Mantelkragen sind sehr geeignet, dämpfen auch erschreckte Ausrufe … 😉

Nach dem Film beschlossen Jana und ich, alsbald wieder ins Kino zu gehen. Ein französischer Film soll es beim nächsten Mal sein. Noch eine Gemeinsamkeit: Wir mögen beide französische Filme. 😉 Da es kein Horrorfilm ist, können wir uns ganz normal gekleidet hineinsetzen … 😉

In diesem Sinne: Auch bei Kinobesuchen immer pragmatisch handeln! 😉