Die berühmte Duplizität der Ereignisse Nummer II oder: Telefonieren mit verheirateten Frauen …

Heute fiel mir wieder einmal etwas auf, das mir schon öfter begegnet war. Ein interessantes Phänomen, über welches viel zu selten berichtet wird: die berühmte Duplizität der Ereignisse. Ich schrieb schon einmal darüber.

Hier jedoch in einem besonderen Rahmen, über den – wohl mit Grund – auch viel zu selten berichtet wird: Telefonate. Telefonate mit anderen Frauen. Genauer: mit verheirateten Frauen. Denn bereits mehrfach fiel mir auf, dass Telefonate mit unverheirateten Frauen oft ganz anders ablaufen. Seltener als bei Telefonaten mit den Verheirateten kommt es hierbei zu Unterbrechungen, die entweder spontan geschehen oder aber durch ein hektisches: „Warte einen Moment!“ eingeleitet werden.

Just heute trat dieses Phänomen erneut auf den Plan. Denn meine Mutter rief an, um mir etwas zu erzählen. Wir plauderten, lachten und alberten ein wenig, als ich sie plötzlich sagen hörte: „Einen Moment!“ Und schon hörte ich sie in ganz anderem, viel strengerem und rigiderem Tonfall etwas äußern, das da lautete: „Hast du etwa wieder aus irgendwelchen Kelchen getrunken?“

Automatisch drängte sich mir die Frage auf: „Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“ Aber das ist wieder etwas völlig anderes.

Und so starrte ich nur mit hochgezogenen Augenbrauen mein Smartphone an, als könne es mir diese merkwürdige Kelchfrage erläutern und beantworten, während meine Mutter insistierend nachbohrte: „Nun sag schon – ich hoffe, nicht! Wir wollen nächste Woche nach Franken!“

Ich rief: „Ich trinke nicht aus Kelchen! Und schon gar nicht um diese Uhrzeit! Was bedeutet das überhaupt?“ Sie antwortete: „Ach! Du warst doch gar nicht gemeint! Dein Vater ist vom Gottesdienst zurück, und neulich hat er sich dabei eine heftige Magen-Darm-Grippe eingefangen.“ – „???“

Dann fiel der Groschen! Mein Vater ist evangelisch, und er geht sonntags öfter in den Gottesdienst. Und nimmt als echter Protestant natürlich auch am Abendmahl teil, wo dann ein Kelch mit Wein oder Traubensaft kreist. (Mein Vater geht allerdings, wenn er mit meiner katholischen Mutter in deren Gottesdienst geht, auch dreist mit zur Kommunion – er meint, vor Gott seien alle Menschen gleich, und dazu grinst er immer etwas sarkastisch. Ich finde das gut: „Protestant“ in des Wortes reinstem Sinne … 😉 )

Offenbar hatte er sich beim Abendmahl vor einiger Zeit in der Tat einen Magen-Darm-Infekt eingehandelt, da wohl in der Runde der Abendmahl-Teilnehmer jemand – wahrscheinlich selber noch ahnungslos – irgendein Virus mit sich schleppte und munter per Gemeinschaftskelch ganz gerecht in der Gemeinde verteilte. Nun war mir die Kelchproblematik klarer, und ich lachte schallend.

Danach ging das Telefonat fast ohne Unterbrechung weiter. Nur zweimal noch rief meine Mutter streng irgendwohin: „Nein, lass das bitte stehen!“ bzw. „Das gehört nicht in den Restmüll, Karl-Heinz!“ Ich lachte in mich hinein – es ist bei jedem Telefonat das Gleiche.

Dann rief Mama plötzlich: „Ali, hier blinkt: Anruf wartet! Was bedeutet das?“ – „Dass parallel jemand anzurufen versucht.“ – „Was muss ich denn jetzt machen?“ – „Ich kenne mich mit eurem Telefon nicht so aus – vielleicht ist es aber wichtig. Ich lege auf – wir können ja immer noch telefonieren. Vielleicht ist es ja Stephie.“ Denn meine Schwester ging in diesem Falle vor. Sie wollte sicherlich meinen Eltern mitteilen, ob sie heute tatsächlich aus Sachsen zu ihnen reisen wollte, um dann ein paar Tage zu bleiben und meine Eltern dann nach Franken zu fahren – und von dort aus nach Sachsen zurück.

Wir legten auf. Zwei Minuten später ertönte erneut die Melodei meines Smartphones, und als ich dranging, meldete sich meine Schwester. Sie wunderte sich, dass bei meinen Eltern niemand drangehe, und ich klärte sie auf.

Aber dann hatte sie mir doch noch einiges zu erzählen. Und sie plauderte und plauderte. Plötzlich zuckte ich zusammen, denn sie schrie unvermittelt: „Nein! Lass das liegen! Das brauche ich fürs Essen! Ich muss doch gleich noch vorkochen!“ Und zu mir sagte sie: „Schöne Grüße von Harald.“ Derweil versuchte ich, das Klingeln und Pfeifen in meinem linken Ohr zu ignorieren, denn meine Schwester gehört zu den verheirateten Frauen, die einen nicht vorwarnen, wenn sie ihren Mann anzuschreien oder sonstwie zurechtzuweisen trachten … 😉

Binnen einer Viertelstunde zweimal dieses Phänomen, das ich auch aus Telefonaten mit Ehefrauen kenne, die nicht mit mir blutsverwandt sind. 😉 Ich lachte albern in mich hinein und dachte: „Wie gut, dass du nicht verheiratet und derzeit allein bist. Ob du auch so klingen würdest?“

Ich strengte mich an und überlegte, wie ich denn bei Telefonaten mit Verwandten und Freunden mit meinem jeweiligen Ex umgegangen war. Ich glaube fast, ich bin da etwas anders. Ich tendierte wohl eher zu nonverbalen Signalen, wenn ich mitteilen wollte, dass ich etwas nicht wolle oder man bitte warten solle, bis ich aufgelegt hätte. Ich bin eher der Typ, der wild herumgestikuliert und mimisch darstellt, was ich – telefonierte ich nicht gerade – verbal äußern würde. Ich erinnerte mich immerhin, einmal auf diese Weise mit wildem Gesichtsausdruck mit meinem rechten Zeigefinger vor meinem Hals eine rasche Bewegung von links nach rechts gemacht zu haben, die international so gedeutet wird, dass man jemanden ins Jenseits befördern wolle, um mir danach ebenso energisch mit demselben Zeigefinger wild gegen die Stirn zu tippen, als mein Ex Giacomo laut rief: „O Gott! Ist da etwa deine unmögliche Freundin Lena dran?!? Och nee! Die labert immer so lange und hat immer Probleme, und wir wollen doch noch weg!“ Und während ich dies tat, sprach ich mit etwas lauterer Stimme, aber so liebreizend-harmonisch wie zuvor mit Lena, die mich fragte: „Was hat der gesagt?“ – „Er erinnerte mich gerade daran, dass wir jetzt gleich zu einer Geburtstagsfeier aufbrechen müssen …“ So sagte ich mit sanfter Stimme und bedachte Giacomo mit Blicken, die empfindlichere Naturen sofort lang und tot hätten hinschlagen lassen. Ja, Lena redet viel, und sie pflegt stets in unpassenden Momenten anzurufen, aber sie hatte Liebeskummer, und ich mag sie.

Ich glaube fast – wenn auch nicht ganz im Ernst -, dass aufgrund meiner Telefonerfahrungen dieses Phänomen besonders häufig bei schon länger verheirateten Frauen auftrete … 😉 Egal, ob sie Kinder haben oder nicht. Denn solche Telefonate sind für gewöhnlich bei Müttern von Kleinkindern nicht ungewöhnlich. 😉 Wahrscheinlich ist es einfach eine Reminiszenz an das vielgerühmte Kind im Manne.

So dachte ich grinsend, als meine Mutter erneut anrief, weil sie mich noch etwas fragen wollte. Auch hier wieder zwei Unterbrechungen mit Zurufen an meinen Vater, und ich wies sie darauf hin, dass ich beim Telefonat mit Stephanie Ähnliches erlebt hatte. Und ich meinte: „Wenigstens muss ich beim Telefonieren niemanden anschreien oder energisch auf etwas hinweisen.“ Sie lachte, und da schrie ich plötzlich: „Hey! Nein! Gehst du hier raus! Sofort! Aber zackig! Zurück!“

Meine Mutter rief: „Was ist denn da los?“ – „Ach, wieder das Eichhörnchen! Ich habe die Balkontür zum Durchlüften offen – und das kleine Vieh kommt einfach ungeniert herein, und das nicht zum ersten Mal! Ich muss auflegen!“

Ich hörte noch, wie meine Mutter lachte und mich nachäffte: „Wenigstens muss ich beim Telefonieren niemanden anschreien oder energisch auf etwas hinweisen …“

Meine Theorie war also Unsinn. Man muss gar nicht verheiratet sein. Manchmal reicht eine offene Balkontür, um beim Telefonieren andere anherrschen zu müssen … 😉

Euch einen schönen Sonntag und einen harmonischen Wochenanfang. 😊

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