Blöde mehr oder minder naturgegebene Dinge, die anders viel besser wären …

Heute bin ich nach einem extrem anstrengenden Tag nach Hause gekommen und habe gedacht: „Es wäre viel einfacher, wenn manche Dinge nicht so wären, wie sie naturgegeben sind!“

Der Tag fing schon bescheiden an, als meine Kontaktlinsen sich – anders als sonst – nicht so geschmeidig in die Klüsen bringen ließen, wie sie es für gewöhnlich tun. Nein, ehrlich gestanden, sogar schon eher: Ich erwachte heute zum harmonischen Weck-Gedudel meines Smartphones. Harmonisch und von mir selber ausgewählt – und mich Morgen für Morgen ob seiner Harmonie verhöhnend. Aber ich war nicht recht bei mir und dachte: „Wie gut, dass Wochenende ist!“ Warum ich das dachte, wird auf ewig ein Mysterium bleiben, da es absolut unlogisch ist, dass am Wochenende der Wecker klingelt … Kaum hatte ich mich für eine nette weitere Runde Power Napping auf die rechte Seite gedreht, wurde mir dieser Umstand auch schon klar, und ich verfluchte nicht nur die Existenz und Notwendigkeit der Erwerbsarbeit, sondern das gesamte Dasein. 😉 Und mit wenig harmonischen Lauten erhob bzw. wälzte ich mich aus dem Bett. Danach dann im Bad nach der Dusche die Zicken der kleinen Silikon-Sehhilfen. Spätestens da war mir klar, dass dieser Tag nicht derjenige sein würde, den ich zu preisen gedächte.

Und in der Tat: Es ging bescheiden weiter. Extra viel früher aufgestanden als sonst – denn es gibt eine neue Baustelle auf der Hauptstraße meines und des Nachbarstadtteils – fuhr ich nicht aufs Beste gelaunt gen Fron. Und stand prompt auf jener Hauptstraße im Stau, der wohl dadurch entstanden war, dass einige Leute, die in der Schlange weit vor mir und an deren Anfang waren, offenbar noch schlimmere Nicht-Morgenmenschen sind als ich und ungerührt an den Schildern vorbeigerast waren, auf denen stand: „Hauptstraße gesperrt – bis Lessingstraße frei!“ Es stehen da alle paar hundert Meter diese Schilder, und doch hatten einige sie offenbar übersehen und waren fast in die Gleisbaustelle hineingerast. Zum Glück hatten sie und die hinter ihnen Fahrenden rechtzeitig gebremst – aber nun mussten die Fahrer ganz vorn wenden, und die dahinter Stehenden warteten sich einen Wolf … Als es weiterging, bog ich vor der Lessing- in die Droste-Hülshoff-Straße rechts ein, und ich gestehe, ich fuhr 40 statt der vorgegebenen 30 Stundenkilometer, und das in der Hoffnung, den treudoof in die Lessingstraße (Zwangs-)Abgebogenen zuvorzukommen. Aber die waren wohl auch alle schneller gefahren, als erlaubt, und so stand ich nach der Einmündung auf den Westring erneut im Stau …

Ich mache es kurz: Das frühere Aufstehen und Losfahren hat sich überhaupt nicht gelohnt!

Bei der Arbeit erwartete mich das übliche Chaos. Zwar ist die Frist sämtlicher Anträge, die ich zu bearbeiten habe, abgelaufen, aber die Frequenz der Anrufe hat sich seither gesteigert. Interessanterweise rufen just die besonders oft an, die auf dem letzten Drücker ihre Anträge eingereicht haben und eigentlich die Füße stillhalten sollten. Und einer, der mich seit Anfang jeglicher Fristen bis aufs Blut gereizt hat, indem er dauernd anrief und behauptete, es handelte es sich „nur um eine kurze Frage“, was dann regelmäßig in etwa zehnminütige Telefonate unschöner Art ausartete, in der mir der Bewerber wiederholt erklärte, er wolle mich keineswegs nerven und schätze meine Bemühungen – eine Behauptung, die er durch seine ewigen Neuauflagen möglicher Szenarien, die er aus dem Hut zauberte, um wider die Vorgaben doch zum seinerseits gewünschten Resultat zu kommen, Lügen strafte – rief mich angesichts seiner Zulassung, die für ihn nur wenig Spielraum ließ, dann an. Etwa zum zwanzigsten Mal, obwohl ich ihm in der Mail, die seine Zulassungsbescheide enthielt, schon geschrieben hatte, er möge bitte per Mail antworten. Zum Glück hatte ich – und das ganz in echt! – einen Termin vor der Brust, und so meinte ich: „Herr […] – ich habe jetzt einen Termin. Schreiben Sie mir bitte eine Mail!“ Das tat er auch, und er erklärte, dass das ja alles so gar nicht in seinem Sinne sei – da würde er verzichten. Dafür hatte ich etwa fünfzehnmal mit ihm telefoniert und sehr viel Zeit verschwen…, ääh, investiert … 😉

Irgendwann waren Jana und ich eine rauchen, und wir sprachen über Kinder, Gott und die Welt. Ich habe zwar keine Kinder, aber viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, und so meinte ich: „Wenn man mit Kindern umgeht, steht man schnell vor den eigenen Grenzen. Warum – zum Beispiel – haben Menschen nur zwei Arme und Hände? Warum nicht mehr – vor allem, wenn es um Kinder geht? Da bräuchte man durchaus mehr – acht wie diese indischen Göttinnen!“ Jana stimmte mir zu und meinte, es dürften auch gerne zehn sein. Ich grinste und pflichtete ihr bei. (Im Moment könnte ich – auch ganz ohne die Arbeit mit Kindern – auch ein paar Hände und damit Arme mehr gebrauchen …)

Warum hat ein Tag nur 24 Stunden? Für mich dürften es derzeit gern mehr sein. Gut, ich könnte an meinem Arbeitsplatz übernachten – aber ein Tag mit mindestens 25 Stunden wäre derzeit auch nicht schlecht. 😉

Warum funktionieren Dinge meist dann nicht richtig, wenn man so gar keine Zeit hat? Und warum nölen grundsätzlich die Antragssteller herum, die auf dem letzten Drücker alles mit Müh und Not eingereicht haben, während andere, die gleich zu Beginn der Bewerbungsfrist ohne großes Lamento tätig wurden, keinen Piep von sich geben und geduldig abwarten, bis sie an der Reihe sind?

Warum nun wieder diese neue Baustelle, die bis Mitte April bestehen soll? Ah – das verstehe ich! 😉 Ich soll jeden Morgen durchs sogenannte „Dichterviertel“ fahren müssen und mir sagen: „Siehste, Ali! Hätteste mal einen MINT-Studiengang absolviert, könntest du hier wohnen!“ Denn das „Dichterviertel“ ist wunderbar ruhig (Tempo-30-Zone), und da stehen zum Teil echt schöne Villen.

Ich merke es mir mal fürs nächste Leben vor. Und vielleicht habe ich dann auch serienmäßig acht Arme und Hände, und der Tag hat 48 Stunden. Wer weiß das schon? 😉

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