„Décoluchisée“

Heute, am Karsamstag, hatte ich endlich Zeit, mal wieder zum Friseur zu gehen – meine Haare reichten schon fast bis zu den Schultern, ließen sich morgens nicht mehr so recht bändigen, und meinen Pony hatte ich bereits zweimal höchstselbst ein wenig gekappt, weil er schon weit über die Augen reichte, zumindest im nassen Zustand, und sich seinen Weg bis zur Nase bahnen wollte. Ich erinnerte im Aussehen mehr und mehr an den Bobtail meiner Patentante – Gott habe es selig, das liebe, wenn auch ein wenig unbedarfte Tier, das einmal vor meinen Augen versehentlich gegen eine Wand rannte, weil sein „Pony“ rassetypisch weit über die Augen reichte, die man nur sehen konnte, wenn man den Schopf des Hundes anhob. Da es so schnell ging, hatte ich leider nicht mehr eingreifen können. Zum Glück aber war ich da, den armen Kerl zu trösten, als er nach der Kollision weinend durch die Gegend taumelte … Und er erholte sich auch glücklicherweise schnell und hatte fortan immer einen echten Pony, so geschnitten, dass man nicht nur seine Augen, sondern er auch ungehindert aus denselben sehen konnte … 😉 (Wenn ich es recht überlege, ist es total pervers, einem Hund die Rute derart zu kupieren, dass er, wenn er mit dem Schwanz wedeln will, mit dem gesamten Hinterteil wackeln muss, aber seine Stirnhaare derart lang wachsen lässt, dass er dauernd Gefahr läuft, gegen Hindernisse zu rennen. Meine Patentante, die sehr an dem lieben Tier hing, schnitt ihm daraufhin höchstselbst immer einen Pony, der ihn ein bisschen wie Coluche aussehen ließ. Es fehlte nur die Brille.)

Ein bisschen erinnerte auch ich – vor dem Friseurbesuch – an diesen französischen Humoristen, wenn auch sein Pony erheblich kürzer war als meiner und an seiner Stirn klebte, als hätte man ihn dort mit Sekundenkleber fixiert. Das tat meiner nicht, ganz im Gegenteil – er verfügte eher über ein flatterhaftes Wesen. 😉 Ansonsten aber sahen meine Haare ähnlich sauerkrautartig aus wie die seinen. Nur dass meine nicht dunkel und auch nicht lockig sind.

Nachdem ich gestern einen Film gesehen hatte, in dem dieser leider bei einem Motorradunfall tödlich verunglückte, recht krasse und provokante, mir aber nicht zuletzt daher sehr sympathische Humorist mitspielte, war mir klar, dass ich heute keineswegs ausschlafen, sondern schnurstracks zum Friseur eilen würde. Ich sah den Film zunächst auf Deutsch, dann auf Französisch, da ich meine brachliegenden Fertigkeiten in der französischen Sprache, die ich einst fast fließend sprach, ein wenig aufpeppen wollte. Und wenn ich auch Coluche seiner provokanten und kompromiss- wie furchtlosen Art dem sogenannten Establishment gegenüber schätze, wollte ich doch nicht so aussehen wie er. 😉

Als ich beim Friseursalon eintraf, war ich mir nicht sicher, ob ich auch wirklich drankommen würde – es war Samstag, und da sitzen sehr gern Rentnerinnen da. Ausgerechnet am einzigen Tag, da auch Berufstätige die Dienste der Inhaberin dieses Unternehmens ohne Einschränkungen in Anspruch nehmen können. Obwohl Rentnerinnen jeden Tag in der Woche – abgesehen von Montag, da Friseure traditionell frei haben – Zeit für den Friseurbesuch haben.

Und exakt so war es, als ich eintraf: Im Wartebereich saßen bereits eine Rentnerin und eine Frau, die nicht viel älter als ich gewesen sein mag, aber offenbar ein inniges Verhältnis zu Sonnenbänken und sehr, sehr lange blondierte Haare hatte. Etwas zögerlich rief ich: „Guten Morgen!“ Und Frau K., die Inhaberin des Salons, ihres Zeichens Friseurmeisterin, grüßte zurück und rief gleich, als sie mein zögerliches Verhalten sah: „Nein, nix da – nicht weggehen. Es kann etwas dauern, aber Sie kommen auf jeden Fall noch dran, Frau B.!“ – „Gehen auch noch Strähnchen – oder nur Schneiden?“ Schneiden war zwar vorrangig vonnöten, aber ich konnte meinen Ansatz auch nicht mehr ertragen – er sah aus wie eine Start- oder Landebahn auf einem Flughafen … 😉 Frau K. meinte: „Kommt ganz darauf an, wann Sie drankommen – ich kann das im Moment nicht genau abschätzen.“ Denn sie und Melly, die heute Dienst hatte, hatten da einige Damen jenseits des Erwerbstätigenalters sitzen, und eine meinte mit Blick auf mich: „Ach herrje, Frau K.! Da sollen Sie auch noch strähnen! Sie wollen doch auch mal Feierabend haben! Ach, könnten Sie mir bitte noch die Augenbrauen färben, wenn Sie mit meinen Haaren fertig sind? Die Haare bitte gründlich waschen, denn ich habe das jetzt seit zwei Wochen nicht gemacht.“ Die Dame hatte ziemlich kurze Haare, und ich fragte mich, weshalb sie überhaupt dort saß, indem ich meine Haare ordnete, die sich erneut coluchemäßig verselbstständigt hatten, nachdem ich meinen Schal abgenommen hatte. Und im Spiegel sah mein recht dunkler Haaransatz noch mehr wie eine Landebahn aus. Einzig die Bahnbefeuerung fehlte … Und da regte sich eine Rentnerin, die von Dienstag bis Freitag jeden Tag nutzen könnte, an einem Samstag auf, dass eine Berufstätige sich um kurz vor 10 erdreistete, sich Strähnchen machen und die Haare schneiden zu lassen, weil sie sonst keine Zeit dazu hat … 😉

Die Frau mit den langen blondierten Haaren und dem gegerbten Antlitz sah mich grinsend an, und ich hob die Schultern und meinte: „Ich kann nur samstags.“ Sie grinste noch mehr und meinte: „Ich auch. Und ich hätte auch gern so richtig ausgeschlafen. Aber einige alte Damen sind zeit ihres Lebens immer samstags zum Friseur gegangen, weil der Samstag ja auch der Badetag war. Das kriegen Sie und ich denen nicht mehr ausgetrieben. Die kommen gar nicht auf die Idee, dass der Samstag im Grunde anderen vorbehalten sein sollte, die sonst nicht können, weil die Arbeit es nicht zulässt. Die meisten von denen kennen das wahrscheinlich gar nicht. Der Höhepunkt ist allerdings, dass dann auch noch Bemerkungen kommen, die besagen, dass sie es ungeheuerlich finden, dass Sie oder ich sich erdreisten, eine umfangreichere Behandlung vornehmen lassen zu wollen, während sie – nachdem sie jeden anderen Tag Zeit hätten – an einem Samstag mit ihrem Hintern einen Platz blockieren.“ Und sie kniff mir ein Auge zu. Ich platzte in einem Lachanfall heraus. Die Rentnerin, die mit uns im Wartebereich saß, warf uns vorwurfsvolle Blicke zu, und ich meinte schnell: „Wir meinen nicht Sie – Sie sitzen ja genauso hier wie wir und warten.“ Da meinte die alte Dame: „Wenn ich es recht überlege, haben Sie Recht! Ich könnte auch an jedem anderen Tag. Ich werde mir das merken. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Übrigens … ich fand die Bemerkung der Dame da, die offenbar auch Rentnerin ist und kritisierte, dass Sie sich Strähnchen machen lassen wollen, auch doof.“ Und sie strahlte mich an, ich strahlte zurück. Und sie meinte: „Ich werde künftig nicht mehr samstags zum Friseur gehen. Eine muss ja den Anfang machen, junge Frau! Immerhin arbeiten Sie auch für meine Rente!“ Ich grinste sie an und bedankte mich, und die Langmähnige bedankte sich ebenfalls.

Immerhin brachte der Friseurbesuch heute neben der Aufhübschung meiner sogenannten Frisur und Haarfarbe ein Erfolgserlebnis mit sich. Aber nicht nur eines: Ich hatte hinreichend Zeit, mich über die neuesten Trends zu informieren, und gleich am Dienstag werde ich mir violetten Lidschatten besorgen. Der dernier cri – einmal wieder. Einen kleinen Rest dieses dernier cri , quasi den avant-dernier cri habe ich noch im Badezimmerschrank, denn als ich den Friseursalon verließ, hatte der Drogeriemarkt leider schon geschlossen. So muss der Rest aus dem Badezimmerschrank bis Dienstag reichen. Endlich ein Ende dieser Nude- und Erdton-Phase! Violett passt auch viel besser zu meinen Augen, da Rot darin enthalten ist, und das ist die Komplementärfarbe zu meiner Augenfarbe. 😉

Höchst befriedigt verließ ich den Friseursalon und tauchte ein in den Wahnsinn, der sich im nächstgelegenen Supermarkt abspielte. Denn morgen und übermorgen droht ja Ostern – und da muss man sich bevorraten … Ich wollte doch nur Kaffee, All-in-one-Lösung für meine Kontaktlinsen, die dieser Supermarkt erfreulicherweise führt, Mineralwasser sowie Sardellenfilets, Kapern und Tomaten, da ich morgen als Osteressen Spaghetti alla puttanesca zubereiten möchte. Strozzapreti am Vorabend des Karfreitags, Spaghetti alla puttanesca am Ostersonntag: Merkt man, dass ich zu Kirche und Religion ein gespaltenes Verhältnis habe? 😉

Nein, nicht wahr? 😉 Ich muss jedoch sagen, dass Strozzapreti zu meinen Lieblings-Pastasorten gehören und dass ich alla puttanesca einfach nur gern esse. 😊

Euch ein schönes Osterfest!

Das richtige Outfit fürs Kino

Gestern war einmal mehr ein anstrengender Tag. Von morgens bis mittags prüfte ich Unterlagen der zahlreichen Bewerber, die mir ihre Anträge zwecks Fort- und Weiterbildung gesendet hatten, die inzwischen geprüft und die Bewerber somit zugelassen waren und von mir eingeschrieben werden konnten. Es war der einzige Tag in dieser Woche, da ich einen solchen Zulassungstermin hatte. Und es war der einzige Tag, da es eine Netzwerkstörung gab …

Das war – um mal mit einem bekannten Sozialdemokraten zu sprechen – suboptimal, denn zwar hatte ich mir die nötigen Prüfunterlagen schon am Vortage ausgedruckt, da ich a) gerne vorbereitet und b) morgens immer etwas später dran bin – und meine ersten beiden Bewerber kamen bereits um halb neun.

Leider hatte ich zwei wichtige Unterlagen in all dem Stress vergessen. Und die liegen auf dem Laufwerk unserer Abteilung – ohne Netzwerkzugriff kam ich nicht dran. (Habe mir schon vorgemerkt, diese Unterlagen und alles, was ich sonst so brauche, an anderer Stelle zusätzlich abzuspeichern … Aber erst am Dienstag.) So begann meine Zulassungs-Session etwas hektisch und strubbelig, aber zum Glück hatte eine Kollegin noch einen Schwung dieser Formulare, die ich brauchte, auf Halde liegen …

Um 11:45 h war dann zum Glück auch der letzte Bewerber abgefrühstückt, und ich ging mit Kerstin eine rauchen. Danach hängte ich mit Jana einige Poster im ganzen Gebäude aus, die auf eine Veranstaltung unserer Abteilung hinwiesen. Wir holten uns etwas zu essen aus der Cafeteria und gingen dann – das Aufhängen der Poster war so anstrengend gewesen – auch noch einmal eine rauchen.

Danach arbeitete ich alles, was noch anlag, soweit ab, dass ich wieder etwas „Luft“ hatte – weiter geht es am Dienstag. Jana hatte sich bereits in den Urlaub verabschiedet, aber ich war abends noch mit ihr zum Essen verabredet, und danach wollten wir ins Kino.

Beim Verlassen meines Arbeitsplatzes winkte der diensthabende Pförtner mir noch zu und rief: „Frau B. – kommen Sie doch bitte mal her!“ Und als ich zu ihm ging, überreichte er mir eine österlich dekorierte Packung Raffaello, die in einem Eierbecher stak und mit Klarsichtfolie und einem Geschenkband versehen war. Wohl eine Osteraktion des Herstellers, die Herr A. gekauft hatte, und ich freute mich sehr über die nette Geste und bedankte mich. Daraufhin meinte Herr A.: „Ja, ich bin mit Ihnen aber auch noch nicht fertig, Frau B.! Sie haben mir neulich so nett geholfen, und ich fahre bald in den Urlaub in meine Heimat. Da bringe ich Ihnen noch etwas Schönes mit.“ – „Aber ich habe doch nur ein paar Seiten korrekturgelesen, Herr A.! Das ist doch nicht nötig! Ich freue mich doch schon sehr über das hier – auch wenn selbst dies nicht nötig gewesen wäre.“ – „Bekommen hier auch nur die liebsten Mitarbeiter.“ Ich sah noch drei weitere Gebinde dieser Art an seinem Arbeitsplatz stehen, grinste und bedankte mich.

Dann raste ich los, denn ich wollte noch kurz in einen Einkaufsmarkt, der in der Nähe des örtlichen Konglomerats aus mehreren Systemgastronomie-Niederlassungen verschiedener Couleur und dem Kinocenter gelegen ist. Schnell noch einkaufen, denn der Tisch in der systemgastronomischen Niederlassung italienischer Ausrichtung war für 18:30 h reserviert, die Kinovorstellung begann um 20:30 h. Falls es so klingen sollte: Ich habe nichts gegen Systemgastronomie – und das Essen war gut!

Ich war vor Jana da und nahm schon einmal Platz und bekam zur normalen Karte auch noch die Wochenkarte, auf der hauptsächlich Pastagerichte vermerkt waren. Da kam auch schon Jana, und wie üblich lächelte sie fröhlich und rief: „Hey, da bist du ja!“ Ich stand auf, und sie drückte mich und meinte: „Du warst aber doch nicht bis jetzt noch im Büro, oder?“ – „Nee, noch kurz einkaufen, aber zu Hause war ich bis dato noch nicht. Daher auch nur dieses hier – ich konnte nicht mehr nach Hause, sonst bekämst du jetzt schon ein richtiges Osternest. Kommt dann halt erst nach deinem Urlaub.“ Und ich überreichte ihr einen güldenen sitzenden Schokoladenhasen mit einer roten Schleife und einem Glöckchen daran um den Hals. Seit meiner Kindheit mein all-time-favourite unter den Schokoladen-Osterhasen. Sie rief: „Das wäre doch nicht nötig gewesen! Und ein Osternest? Das ist ja süß, da freue ich mich schon! Aber das musst du doch nicht!“ – „Also: Ich musste nicht, aber ich wollte, denn ich mag dich, und darüber hinaus hilfst du mir auch sehr viel.“ – „Naja, du bist ja auch völlig überlastet mit deinen zwei neuen Tätigkeitsfeldern, denn du musst ja auch noch die Sachen deiner Vorgängerstelle machen! Ich sehe doch, dass du rotierst! Aber: Ich mag dich auch – direkt von Anfang an. Ich glaube, wir haben denselben Humor und auch sonst einiges gemeinsam. Danke!“ – „Ich habe zu danken.“ – „Ach, Unsinn. Wir machen uns jetzt erst einmal einen netten Abend!“

Und schon studierte sie die Karte. Und wir bestellten zweimal Pasta. Jana Spaghetti mit Bärlauchpesto, ich eine meiner Lieblings-Pastasorten mit Rindfleischstreifen, Pilzen und einer Marsalasauce, die ich aufgrund ihrer Form und ihres Namens besonders mag: Strozzapreti. Das heißt aus dem Italienischen übersetzt: „Würg den Priester!“ Ich fand, das passe hervorragend zum Gründonnerstag. 😉 Jana lachte, als ich ihr den Namen übersetzte, meinte ebenfalls, das passe perfekt, und wir aßen, tranken und lachten sehr viel. Jana meinte einmal: „Wir haben sogar eine ähnliche Lache!“ – „Ja. Dreckig.“ – „Aber von Herzen kommend.“ Da lachten wir noch mehr.

Fast hätten wir darüber das Kino vergessen, und so zahlten und brachen wir schleunigst auf. Kerstin hatte uns bei der Arbeit zwar schon für eindeutig verrückt oder wenigstens, naja, experimentierfreudig erklärt, als wir ihr von dem Film erzählten, dessen Trailer sie sich angesehen und befunden hatte, das sei nichts für sie, und ich solle sie ja nicht nachts anrufen, weil ich vor Angst nicht schlafen könne, wie sie lachend sagte. Denn wir wollten uns Unsane ansehen, einen Film, der mit einem Smartphone gedreht worden war. Und wir waren schon sehr gespannt.

Da wir etwas spät dran waren, waren die besten Plätze schon besetzt, und so kamen Jana und ich recht weit vorn zu sitzen. Ich glaube, ich habe im Kino noch nie so weit vorn gesessen, aber das kommt davon, wenn man lachend und mit Logorrhoe bei Spaghetti und Strozzapreti sitzt und die Zeit vergisst. 😉 Dennoch waren die Plätze in Ordnung – ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.

Wir pellten uns aus Jacke bzw. Mantel und nahmen Platz. Ich hatte einen Loop-Schal um den Hals und überlegte noch, ob ich ihn auch abnehmen solle, folgte aber, als mir Kerstins Worte wieder einfielen, einem Impuls und behielt ihn um.

Der Film war in dem Sinne kein Horrorfilm, aber er wirkte sehr dicht und bedrückend, teils bedrohlich, und es gab einige Szenen, die unvermittelt heftig waren. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Jana plötzlich nach ihrem Mantel griff und ihn wie eine Decke über sich legte. Und als ich bei einer wirklich unvermittelt auftretenden und erschreckenden Szene meinen Loop-Schal vors Gesicht riss, nahm ich noch wahr, dass Jana das Gleiche mit ihrem Mantelkragen machte. Und da musste ich trotz der erschreckenden Szene lachen. Jana lachte auch und meinte: „Gut, dass ich meinen Mantel und du deinen Schal hast!“ Und wir lachten noch mehr – es lockerte die bedrückend-bedrohliche Grundstimmung des Films zumindest ein bisschen auf … 😉

Die richtige Kleidung ist wichtig, wenn man sich Filme ansieht. 😉 Eine Komödie kann man sich problemlos ansehen, aber bei bedrückenden, bedrohlichen Filmen, Horror- oder Psychothrillern ist es ganz gut, wenn man Kleidungsstücke trägt, die man sich zur Not vors Gesicht ziehen kann. Hoodies sind da auch sehr praktisch, denn ich erinnere mich, als Studentin mal mit meinem damaligen Freund einen wirklich heftigen Horrorfilm gesehen zu haben, bei dem ich einen Hoody trug. Eigentlich kann ich gar nicht sagen, dass ich diesen Film wahrhaftig gesehen habe, denn es gab so viele Stellen, da ich mir die Kapuze auf den Kopp und deren Rand über die Augen zerrte. Das ist zwar albern, sieht aber noch besser aus, als ständig mit den Händen vor dem Gesicht dazusitzen oder gar unter dem Kinositz Zuflucht zu suchen, wie ich einmal im Kino mitbekam, als sich ein Mädel in meiner Reihe unter dem Vordersitz zu verkriechen versuchte … So eine Kapuze ist sehr praktisch, dämpft sie doch zumindest ein wenig auch die furchtbaren Geräusche, die bei einer Gewaltszene entstehen können. 😉

Und wie ich gestern feststellte: Auch Loop-Schals oder ein Mantelkragen sind sehr geeignet, dämpfen auch erschreckte Ausrufe … 😉

Nach dem Film beschlossen Jana und ich, alsbald wieder ins Kino zu gehen. Ein französischer Film soll es beim nächsten Mal sein. Noch eine Gemeinsamkeit: Wir mögen beide französische Filme. 😉 Da es kein Horrorfilm ist, können wir uns ganz normal gekleidet hineinsetzen … 😉

In diesem Sinne: Auch bei Kinobesuchen immer pragmatisch handeln! 😉

Die berühmte Duplizität der Ereignisse Nummer II oder: Telefonieren mit verheirateten Frauen …

Heute fiel mir wieder einmal etwas auf, das mir schon öfter begegnet war. Ein interessantes Phänomen, über welches viel zu selten berichtet wird: die berühmte Duplizität der Ereignisse. Ich schrieb schon einmal darüber.

Hier jedoch in einem besonderen Rahmen, über den – wohl mit Grund – auch viel zu selten berichtet wird: Telefonate. Telefonate mit anderen Frauen. Genauer: mit verheirateten Frauen. Denn bereits mehrfach fiel mir auf, dass Telefonate mit unverheirateten Frauen oft ganz anders ablaufen. Seltener als bei Telefonaten mit den Verheirateten kommt es hierbei zu Unterbrechungen, die entweder spontan geschehen oder aber durch ein hektisches: „Warte einen Moment!“ eingeleitet werden.

Just heute trat dieses Phänomen erneut auf den Plan. Denn meine Mutter rief an, um mir etwas zu erzählen. Wir plauderten, lachten und alberten ein wenig, als ich sie plötzlich sagen hörte: „Einen Moment!“ Und schon hörte ich sie in ganz anderem, viel strengerem und rigiderem Tonfall etwas äußern, das da lautete: „Hast du etwa wieder aus irgendwelchen Kelchen getrunken?“

Automatisch drängte sich mir die Frage auf: „Wer hat aus meinem Becherchen getrunken?“ Aber das ist wieder etwas völlig anderes.

Und so starrte ich nur mit hochgezogenen Augenbrauen mein Smartphone an, als könne es mir diese merkwürdige Kelchfrage erläutern und beantworten, während meine Mutter insistierend nachbohrte: „Nun sag schon – ich hoffe, nicht! Wir wollen nächste Woche nach Franken!“

Ich rief: „Ich trinke nicht aus Kelchen! Und schon gar nicht um diese Uhrzeit! Was bedeutet das überhaupt?“ Sie antwortete: „Ach! Du warst doch gar nicht gemeint! Dein Vater ist vom Gottesdienst zurück, und neulich hat er sich dabei eine heftige Magen-Darm-Grippe eingefangen.“ – „???“

Dann fiel der Groschen! Mein Vater ist evangelisch, und er geht sonntags öfter in den Gottesdienst. Und nimmt als echter Protestant natürlich auch am Abendmahl teil, wo dann ein Kelch mit Wein oder Traubensaft kreist. (Mein Vater geht allerdings, wenn er mit meiner katholischen Mutter in deren Gottesdienst geht, auch dreist mit zur Kommunion – er meint, vor Gott seien alle Menschen gleich, und dazu grinst er immer etwas sarkastisch. Ich finde das gut: „Protestant“ in des Wortes reinstem Sinne … 😉 )

Offenbar hatte er sich beim Abendmahl vor einiger Zeit in der Tat einen Magen-Darm-Infekt eingehandelt, da wohl in der Runde der Abendmahl-Teilnehmer jemand – wahrscheinlich selber noch ahnungslos – irgendein Virus mit sich schleppte und munter per Gemeinschaftskelch ganz gerecht in der Gemeinde verteilte. Nun war mir die Kelchproblematik klarer, und ich lachte schallend.

Danach ging das Telefonat fast ohne Unterbrechung weiter. Nur zweimal noch rief meine Mutter streng irgendwohin: „Nein, lass das bitte stehen!“ bzw. „Das gehört nicht in den Restmüll, Karl-Heinz!“ Ich lachte in mich hinein – es ist bei jedem Telefonat das Gleiche.

Dann rief Mama plötzlich: „Ali, hier blinkt: Anruf wartet! Was bedeutet das?“ – „Dass parallel jemand anzurufen versucht.“ – „Was muss ich denn jetzt machen?“ – „Ich kenne mich mit eurem Telefon nicht so aus – vielleicht ist es aber wichtig. Ich lege auf – wir können ja immer noch telefonieren. Vielleicht ist es ja Stephie.“ Denn meine Schwester ging in diesem Falle vor. Sie wollte sicherlich meinen Eltern mitteilen, ob sie heute tatsächlich aus Sachsen zu ihnen reisen wollte, um dann ein paar Tage zu bleiben und meine Eltern dann nach Franken zu fahren – und von dort aus nach Sachsen zurück.

Wir legten auf. Zwei Minuten später ertönte erneut die Melodei meines Smartphones, und als ich dranging, meldete sich meine Schwester. Sie wunderte sich, dass bei meinen Eltern niemand drangehe, und ich klärte sie auf.

Aber dann hatte sie mir doch noch einiges zu erzählen. Und sie plauderte und plauderte. Plötzlich zuckte ich zusammen, denn sie schrie unvermittelt: „Nein! Lass das liegen! Das brauche ich fürs Essen! Ich muss doch gleich noch vorkochen!“ Und zu mir sagte sie: „Schöne Grüße von Harald.“ Derweil versuchte ich, das Klingeln und Pfeifen in meinem linken Ohr zu ignorieren, denn meine Schwester gehört zu den verheirateten Frauen, die einen nicht vorwarnen, wenn sie ihren Mann anzuschreien oder sonstwie zurechtzuweisen trachten … 😉

Binnen einer Viertelstunde zweimal dieses Phänomen, das ich auch aus Telefonaten mit Ehefrauen kenne, die nicht mit mir blutsverwandt sind. 😉 Ich lachte albern in mich hinein und dachte: „Wie gut, dass du nicht verheiratet und derzeit allein bist. Ob du auch so klingen würdest?“

Ich strengte mich an und überlegte, wie ich denn bei Telefonaten mit Verwandten und Freunden mit meinem jeweiligen Ex umgegangen war. Ich glaube fast, ich bin da etwas anders. Ich tendierte wohl eher zu nonverbalen Signalen, wenn ich mitteilen wollte, dass ich etwas nicht wolle oder man bitte warten solle, bis ich aufgelegt hätte. Ich bin eher der Typ, der wild herumgestikuliert und mimisch darstellt, was ich – telefonierte ich nicht gerade – verbal äußern würde. Ich erinnerte mich immerhin, einmal auf diese Weise mit wildem Gesichtsausdruck mit meinem rechten Zeigefinger vor meinem Hals eine rasche Bewegung von links nach rechts gemacht zu haben, die international so gedeutet wird, dass man jemanden ins Jenseits befördern wolle, um mir danach ebenso energisch mit demselben Zeigefinger wild gegen die Stirn zu tippen, als mein Ex Giacomo laut rief: „O Gott! Ist da etwa deine unmögliche Freundin Lena dran?!? Och nee! Die labert immer so lange und hat immer Probleme, und wir wollen doch noch weg!“ Und während ich dies tat, sprach ich mit etwas lauterer Stimme, aber so liebreizend-harmonisch wie zuvor mit Lena, die mich fragte: „Was hat der gesagt?“ – „Er erinnerte mich gerade daran, dass wir jetzt gleich zu einer Geburtstagsfeier aufbrechen müssen …“ So sagte ich mit sanfter Stimme und bedachte Giacomo mit Blicken, die empfindlichere Naturen sofort lang und tot hätten hinschlagen lassen. Ja, Lena redet viel, und sie pflegt stets in unpassenden Momenten anzurufen, aber sie hatte Liebeskummer, und ich mag sie.

Ich glaube fast – wenn auch nicht ganz im Ernst -, dass aufgrund meiner Telefonerfahrungen dieses Phänomen besonders häufig bei schon länger verheirateten Frauen auftrete … 😉 Egal, ob sie Kinder haben oder nicht. Denn solche Telefonate sind für gewöhnlich bei Müttern von Kleinkindern nicht ungewöhnlich. 😉 Wahrscheinlich ist es einfach eine Reminiszenz an das vielgerühmte Kind im Manne.

So dachte ich grinsend, als meine Mutter erneut anrief, weil sie mich noch etwas fragen wollte. Auch hier wieder zwei Unterbrechungen mit Zurufen an meinen Vater, und ich wies sie darauf hin, dass ich beim Telefonat mit Stephanie Ähnliches erlebt hatte. Und ich meinte: „Wenigstens muss ich beim Telefonieren niemanden anschreien oder energisch auf etwas hinweisen.“ Sie lachte, und da schrie ich plötzlich: „Hey! Nein! Gehst du hier raus! Sofort! Aber zackig! Zurück!“

Meine Mutter rief: „Was ist denn da los?“ – „Ach, wieder das Eichhörnchen! Ich habe die Balkontür zum Durchlüften offen – und das kleine Vieh kommt einfach ungeniert herein, und das nicht zum ersten Mal! Ich muss auflegen!“

Ich hörte noch, wie meine Mutter lachte und mich nachäffte: „Wenigstens muss ich beim Telefonieren niemanden anschreien oder energisch auf etwas hinweisen …“

Meine Theorie war also Unsinn. Man muss gar nicht verheiratet sein. Manchmal reicht eine offene Balkontür, um beim Telefonieren andere anherrschen zu müssen … 😉

Euch einen schönen Sonntag und einen harmonischen Wochenanfang. 😊

Blöde mehr oder minder naturgegebene Dinge, die anders viel besser wären …

Heute bin ich nach einem extrem anstrengenden Tag nach Hause gekommen und habe gedacht: „Es wäre viel einfacher, wenn manche Dinge nicht so wären, wie sie naturgegeben sind!“

Der Tag fing schon bescheiden an, als meine Kontaktlinsen sich – anders als sonst – nicht so geschmeidig in die Klüsen bringen ließen, wie sie es für gewöhnlich tun. Nein, ehrlich gestanden, sogar schon eher: Ich erwachte heute zum harmonischen Weck-Gedudel meines Smartphones. Harmonisch und von mir selber ausgewählt – und mich Morgen für Morgen ob seiner Harmonie verhöhnend. Aber ich war nicht recht bei mir und dachte: „Wie gut, dass Wochenende ist!“ Warum ich das dachte, wird auf ewig ein Mysterium bleiben, da es absolut unlogisch ist, dass am Wochenende der Wecker klingelt … Kaum hatte ich mich für eine nette weitere Runde Power Napping auf die rechte Seite gedreht, wurde mir dieser Umstand auch schon klar, und ich verfluchte nicht nur die Existenz und Notwendigkeit der Erwerbsarbeit, sondern das gesamte Dasein. 😉 Und mit wenig harmonischen Lauten erhob bzw. wälzte ich mich aus dem Bett. Danach dann im Bad nach der Dusche die Zicken der kleinen Silikon-Sehhilfen. Spätestens da war mir klar, dass dieser Tag nicht derjenige sein würde, den ich zu preisen gedächte.

Und in der Tat: Es ging bescheiden weiter. Extra viel früher aufgestanden als sonst – denn es gibt eine neue Baustelle auf der Hauptstraße meines und des Nachbarstadtteils – fuhr ich nicht aufs Beste gelaunt gen Fron. Und stand prompt auf jener Hauptstraße im Stau, der wohl dadurch entstanden war, dass einige Leute, die in der Schlange weit vor mir und an deren Anfang waren, offenbar noch schlimmere Nicht-Morgenmenschen sind als ich und ungerührt an den Schildern vorbeigerast waren, auf denen stand: „Hauptstraße gesperrt – bis Lessingstraße frei!“ Es stehen da alle paar hundert Meter diese Schilder, und doch hatten einige sie offenbar übersehen und waren fast in die Gleisbaustelle hineingerast. Zum Glück hatten sie und die hinter ihnen Fahrenden rechtzeitig gebremst – aber nun mussten die Fahrer ganz vorn wenden, und die dahinter Stehenden warteten sich einen Wolf … Als es weiterging, bog ich vor der Lessing- in die Droste-Hülshoff-Straße rechts ein, und ich gestehe, ich fuhr 40 statt der vorgegebenen 30 Stundenkilometer, und das in der Hoffnung, den treudoof in die Lessingstraße (Zwangs-)Abgebogenen zuvorzukommen. Aber die waren wohl auch alle schneller gefahren, als erlaubt, und so stand ich nach der Einmündung auf den Westring erneut im Stau …

Ich mache es kurz: Das frühere Aufstehen und Losfahren hat sich überhaupt nicht gelohnt!

Bei der Arbeit erwartete mich das übliche Chaos. Zwar ist die Frist sämtlicher Anträge, die ich zu bearbeiten habe, abgelaufen, aber die Frequenz der Anrufe hat sich seither gesteigert. Interessanterweise rufen just die besonders oft an, die auf dem letzten Drücker ihre Anträge eingereicht haben und eigentlich die Füße stillhalten sollten. Und einer, der mich seit Anfang jeglicher Fristen bis aufs Blut gereizt hat, indem er dauernd anrief und behauptete, es handelte es sich „nur um eine kurze Frage“, was dann regelmäßig in etwa zehnminütige Telefonate unschöner Art ausartete, in der mir der Bewerber wiederholt erklärte, er wolle mich keineswegs nerven und schätze meine Bemühungen – eine Behauptung, die er durch seine ewigen Neuauflagen möglicher Szenarien, die er aus dem Hut zauberte, um wider die Vorgaben doch zum seinerseits gewünschten Resultat zu kommen, Lügen strafte – rief mich angesichts seiner Zulassung, die für ihn nur wenig Spielraum ließ, dann an. Etwa zum zwanzigsten Mal, obwohl ich ihm in der Mail, die seine Zulassungsbescheide enthielt, schon geschrieben hatte, er möge bitte per Mail antworten. Zum Glück hatte ich – und das ganz in echt! – einen Termin vor der Brust, und so meinte ich: „Herr […] – ich habe jetzt einen Termin. Schreiben Sie mir bitte eine Mail!“ Das tat er auch, und er erklärte, dass das ja alles so gar nicht in seinem Sinne sei – da würde er verzichten. Dafür hatte ich etwa fünfzehnmal mit ihm telefoniert und sehr viel Zeit verschwen…, ääh, investiert … 😉

Irgendwann waren Jana und ich eine rauchen, und wir sprachen über Kinder, Gott und die Welt. Ich habe zwar keine Kinder, aber viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, und so meinte ich: „Wenn man mit Kindern umgeht, steht man schnell vor den eigenen Grenzen. Warum – zum Beispiel – haben Menschen nur zwei Arme und Hände? Warum nicht mehr – vor allem, wenn es um Kinder geht? Da bräuchte man durchaus mehr – acht wie diese indischen Göttinnen!“ Jana stimmte mir zu und meinte, es dürften auch gerne zehn sein. Ich grinste und pflichtete ihr bei. (Im Moment könnte ich – auch ganz ohne die Arbeit mit Kindern – auch ein paar Hände und damit Arme mehr gebrauchen …)

Warum hat ein Tag nur 24 Stunden? Für mich dürften es derzeit gern mehr sein. Gut, ich könnte an meinem Arbeitsplatz übernachten – aber ein Tag mit mindestens 25 Stunden wäre derzeit auch nicht schlecht. 😉

Warum funktionieren Dinge meist dann nicht richtig, wenn man so gar keine Zeit hat? Und warum nölen grundsätzlich die Antragssteller herum, die auf dem letzten Drücker alles mit Müh und Not eingereicht haben, während andere, die gleich zu Beginn der Bewerbungsfrist ohne großes Lamento tätig wurden, keinen Piep von sich geben und geduldig abwarten, bis sie an der Reihe sind?

Warum nun wieder diese neue Baustelle, die bis Mitte April bestehen soll? Ah – das verstehe ich! 😉 Ich soll jeden Morgen durchs sogenannte „Dichterviertel“ fahren müssen und mir sagen: „Siehste, Ali! Hätteste mal einen MINT-Studiengang absolviert, könntest du hier wohnen!“ Denn das „Dichterviertel“ ist wunderbar ruhig (Tempo-30-Zone), und da stehen zum Teil echt schöne Villen.

Ich merke es mir mal fürs nächste Leben vor. Und vielleicht habe ich dann auch serienmäßig acht Arme und Hände, und der Tag hat 48 Stunden. Wer weiß das schon? 😉

„Being for the Benefit of Mr Kite”

Das ist ein Lied der Beatles, und sein Text geht direkt zu Anfang so:

For the benefit of Mr Kite
There will be a show tonight on trampoline
The Hendersons will all be there
Late of Pablo Fanques Fair – what a scene
Over men and horses, hoops and garters
Lastly through a hogshead of real fire!
In this way Mr K. will challenge the world!

Dieses Lied geht mir seit Dienstag durch den Kopf. Es ist nicht verwunderlich, dass ich immer irgendein Lied im Kopf habe, und es ist auch nicht verwunderlich, dass es eines der Beatles ist, da meine Mutter mir zu meinen Kleinkindzeiten statt Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein wieder und wieder Beatles-Songs vorsang (oder welche von den Rolling Stones, und obwohl ich musikalisch eher von den 80ern/90ern geprägt wurde, habe ich diese Lieder immer geliebt und kann viele davon auswendig mitsingen – melodie- und textsicher), zumal ich ja ohnehin weder ein Prinzchen, noch ein Prinzesschen war – in der Rolle habe ich mich nie wiedergefunden.  😉 Nicht einmal zu Karneval, der Zeit, da viele meiner Freundinnen und Mitschülerinnen verzückt in langen und bauschigen rosafarbenen Synthetikkleidern herumliefen, mit einem güldenen oder – besser –  goldfarbenen Krönchen aus Plastik auf dem Kopp, das mittels eines Gummibandes unter dem Kinn auf selbigem Kopp gehalten wurde. Oder auch nicht. Denn spielen konnte man in dem Fummel mit dem Kronending auf der Birne nicht, und rannten die Prinzessinnen beim Fangenspielen los, schnalzte nicht selten das Gummiband unterm Kinn weg, und das Krönchen landete im Dreck. Oder es verrutschte beim Laufen und hing dann entweder über dem rechten oder linken Ohr oder unterm Kinn. Und dann war das Geschrei groß, zumal die nicht als Prinzessinnen Verkleideten – ca. drei oder vier von uns – auch keineswegs den Hofstaat mimen und das Krönchen wieder aufheben und der Königlichen Hoheit aufs Haupt setzen bzw. wieder geraderücken wollten. 😉 Ich fand diese Aufmachung schon immer irgendwie unpraktisch, und sie führte auch nicht selten zu Streit, da die temporären Prinzessinnen irgendwie nicht einsehen wollten, dass andere nicht einsehen wollten, ihnen zu huldigen, obwohl sie ein bauschiges rosafarbenes Synthetikkleid und ein goldfarbenes Plastikkrönchen trugen. Es erinnerte immer ein bisschen an Schützenvereinsbrüder in ihren Operetten-Uniformen, denen man gefälligst huldigen sollte … 😉 (Obwohl ich durchaus gern zum Schützenfest gegangen bin, früher, als ich noch zur Schule ging – das war immer lustig. Als Kind mochte ich das, und ich habe auch heute nichts dagegen.)

Doch ich schweife ab. Am Dienstag war ich nicht bei der Arbeit, da ich die Nacht von Montag auf Dienstag großenteils im Bad verbracht hatte, wenn ich nicht leidend und mit einer Wärmflasche auf dem Bauch im Bett gelegen habe. Irgendwann abends hatten sie mich überfallen: richtig widerliche Magenkoliken. Mir war im doppelten Sinne ganz anders, denn zunächst befürchtete ich, die Koliken könnten eine Folge meiner Tarte Tatin aux poires gewesen sein, die ich am Montag zur Arbeit mitgebracht hatte … (Und ich muss sagen: Sie kam wider meine Befürchtungen gut an, und sogar Kollegin Gina, die ungern sehr süß isst, meinte: „Ich weiß gar nicht, was du hast – die ist nicht zu süß, sondern schmeckt sehr gut! Schön saftig und vor allem so schön karamellig. Kannst du gerne öfter machen!“ Und als ich am Dienstagmorgen meine Bürokollegin Jana anrief, um mich krankzumelden und sie fragte, ob es ihr denn gut gehe, lachte sie und meinte: „Ali, es lag gewiss nicht an deiner Tarte Tatin – Gina und mir geht es gut, und wir essen – wenn wir dürfen – gleich noch ein Stück davon!“ Natürlich durften sie, und ich war froh, dass es ihnen gut ging. 😉 )

Ich kauerte danach auf der Couch, Wärmflasche auf dem Bauch und Laptop auf dem Schoß. Und ich las die Onlineausgabe einer überregionalen Zeitung, in der ich einen Artikel fand, wie für mich geschaffen. Es ging um Sport. Sport für Leute mit wenig Zeit, Sport für Leute, die es hassen, sich immer nur aus schlechtem Gewissen zum Yoga, Pilates oder Lauftreff schleppen zu müssen. Denn der Verfasserin des Artikels geht es wohl genauso, und sie schrieb über ihre Erfahrungen mit einem Trend, der einmal mehr – zumindest bisher – an mir vorbeigetreidelt ist: Sie hatte sich ein Indoor-Trampolin gekauft und getestet, und sie war so begeistert, dass ich gleich angesteckt und getriggert wurde: ein Trampolin – wunderbar, und auch noch indoor!

Und ich dachte: „Wenn ich mir schon finanziell keine allzu großen Sprünge erlauben kann … Und der Fitnessaspekt wird auch so gelobt! Und wie gern bin ich früher als Kind schon in meinem Bett herumgesprungen und habe getestet, ob ich bis zur Zimmerdecke komme, wider das Verbot durch meinen Vater – bis das Bett irgendwann ermattet zusammenbrach. Und im Schulsport fand ich das Trampolin auch schon immer so toll – man reiche mir ein Trampolin!“ Da naturgemäß niemand da war, mir den Wunsch zu erfüllen, musste ich selber tätig werden, und schon recherchierte ich auf einem größeren Internethandelsportal. Und wurde fündig. Und nicht nur das …

Inzwischen ist in der Tat ein reizendes, kleines Indoor-Trampolin auf dem Weg zu mir. 😉 Morgen soll es ankommen. Da es in die nahegelegene Packstation passen soll, gehe ich davon aus, dass ich bereits Unmengen an „Karolinen“, wie mein bester Freund Kalorien im Scherz nennt, beim Aufbau und der Installation verbrennen werde. Somit dürfte dieses Trampolin bereits vor seiner vollumfänglichen Gestaltnehmung der Fitness Vorschub leisten. Und auch beim herzhaften Fluchen sollen angeblich so einige „Karolinen“ verbrannt werden – das sind doch schöne Aussichten! 😉

Kaum hatte ich das Ding bestellt, fiel mir ein, dass der demnächst unter mir wohnende Nachbar sich sicherlich einen Ast freuen würde, würde ich meine Trampolin-Workouts regelmäßig vollführen. Aber dann lachte ich dreckig: Der neue Nachbar plagt mich nun seit Wochen mit der Renovierung seiner Wohnung, insbesondere am Wochenende, da ich endlich mal ausschlafen könnte, was im Moment dringend nötig wäre. Und schon war es vorbei mit meinem schlechten Gewissen. Und ich dachte: „Ich beschwere mich auch nicht, wenn der Nachbar über mir sich immer aufregt, wenn Schalke nicht so gut gespielt hat! Und ich hätte allen Grund dazu!“ (Denn dann brüllt der Nachbar immer laut herum, und mehrfach klang es, als würde er das Inventar seiner und seiner Frau Wohnung kurz und klein sägen …)

Rücksichtsvoll, wie ich bin, werde ich das faltbare Gerät wohl in der Küche in Betrieb nehmen. Der neue Nachbar sieht nicht so aus, als hielte er sich über Gebühr lange dort auf. 😉

Dennoch muss ich feststellen, dass sich Magenkoliken bisweilen etwas merkwürdig auf Menschen auswirken können – hätte ich diese nicht gehabt, hätte ich mir nie ein Trampolin gekauft … 😉

In diesem Sinne: Bleibt schön gesund! 😉

„Hoffentlich ist niemand Diabetiker!“ Ali backt …

Auf den Tag genau vor drei Jahren habe ich das letzte Mal gebacken. Beziehungsweise: Ich hatte bis heute vor drei Jahren exakt letztmalig gebacken. Damals gab es etwas zu feiern, und ich stand am 11. März 2015 abends in meiner Küche (in Bleu) und rührte müde, aber eifrig einen Teig für Muffins zusammen. Genauer: Mandarinen-Muffins. Ein neues Rezept, das ich aus dem Internet hatte. Nicht so süß sollten die Muffins sein, und wer mich kennt, weiß: Süß ist nicht mein „Element“.

Ein wunderbarer Duft zog durch die Wohnung, als die zwölf netten Muffins in meinem Muffinblech, das ich früher oft genutzt hatte, immer mehr an Volumen zunahmen und in entzückender Weise erst goldgelb, dann goldbraun wurden, als sie fertig gebacken waren. Ich schaltete den Backofen aus und ließ die kleinen Kerlchen noch einige Minuten drin.

Kaum draußen an der frischen Luft, zeigte sich, dass irgendetwas anders war als sonst. Denn die Muffins, die im Ofen noch so wunderschön ausgesehen hatten, prall und drall, begannen draußen peu à peu, zu schrumpfen, als versuchten sie, zur Gänze wieder in die Muffinformen zurückzukriechen. Ich raufte mir die Haare – so etwas war mir noch nie passiert. Und als sie dann ausgekühlt waren und ich einen probierte, steigerte sich – sofern überhaupt möglich – die Frustration noch: Sie waren in der Tat nicht sonderlich süß, und sie hatten die Konsistenz von Gummi. Hätte ich mal eines der Rezepte verwendet, die ich sonst immer benutzte! Aber nun war nichts mehr zu ändern, und ich musste die Muffins mitnehmen, von denen ich annahm, sie würden von der Wand zurückspringen, wenn man sie dagegen würfe. 😉

Sie waren dann auch kein großer Erfolg, und ein Kollege bezeichnete sie als Türstopper. Normalerweise wäre ich wahrscheinlich etwas beleidigt gewesen, aber in diesem Falle nicht – und er hatte ja Recht. Und seitdem habe ich die Finger von selbst hergestellten Backwaren gelassen … Ich backe ohnehin nicht so gern – ich liebe es dafür, zu kochen.

Nach diesen drei Jahren freiwilligen Verzichts habe ich mich heute doch mal wieder daran gemacht, mich der hohen Kunst des Backens hinzugeben. Etwas ganz Einfaches zum Wiedereinstieg sollte es sein … Und da ich ja die französische Küche sehr liebe, erschien auch sogleich ein Bild vor meinen Augen. Ein Bild von einem saftigen Kuchen, den ich stets bewundert habe. Ein Kuchen, der seinerseits aus einem Küchenunfall entstanden sei, wie es immer wieder heißt. Genauer: Es handelt sich um eine Tarte Tatin, jene Tarte, die als renversée et caramélisée bekannt ist. Das heißt, der Belag wird zunächst karamelisiert und dabei schon einmal halb weich gegart, und dann kommt der Boden aus Mürbeteig auf den Belag, wird seitlich schön festgedrückt, um die Früchte herum – und dann backt man das Ganze eine halbe Stunde im Ofen, bis der Boden goldbraun ist, was man gut sehen kann, da die Tarte ja auf dem Kopf steht. 😉

Klassischerweise macht man diese Tarte mit Äpfeln, am besten säuerlichen solchen. Ich hatte keine Äpfel. Aber Birnen, denn ich wollte eine Tarte Tatin aux poires machen, eine Birnen-Tarte. Und schon schritt ich zur Tat, setzte einen Mürbeteig an, den ich – zu einer Kugel geformt – für eine Stunde in den Kühlschrank legte. Dann schälte ich die Birnen, vierteilte sie brutal und entfernte das Kerngehäuse. Sehr, sehr saftige Birnen … Parallel schmolz ich 80 Gramm Butter in einem Topf (denn ich besitze leider keine echte Tarte-Tatin-Form), gab die im Rezept angegebene Menge Zucker hinzu, sowie – ganz raffiniert – etwas Salz, da Karamel (ich weigere mich, das mit zwei L zu schreiben …) mit einem Hauch Salz noch besser schmeckt. Ich rührte in dem Gebräu herum, auf dass der Zucker sich auflöse, dann gab ich die Birnenviertel hinzu, die 12 Minuten auf mittlerer Stufe vor sich hinschmoren und karamelisieren sollten. Inzwischen butterte ich die Form aus – eine Original-Pyrex-Form aus feuerfestem Glas, in die ich schließlich die Birnen und das wild blubbernde Karamel gab. Die Birnen noch hübsch mit der Wölbung nach unten drehen und nett anordnen, dabei etwas Platz für den Teigrand lassen. Mensch, das ging mir alles flott von der Hand – ich war begeistert! 😉

Schnell den Teig ausgerollt, etwas größer als die Form, und ihn dann zügig – er durfte ja nicht reißen – über die noch immer behäbig blubbernden Birnen gebreitet und mittig leicht festgedrückt. Dann auch seitlich in den schmalen Raum zwischen Birnen und Rand gedrückt, toll, wie das klappte … Aua! Was zum Henker …

Mist! Ich war wohl in der Herstellung des Karamels etwas zu großzügig verfahren – es blubberte an einigen Stellen unter dem Rand hervor und mir auf die empfindsamen Fingerchen … Wer je Karamel gemacht hat, weiß, wie höllenmäßig heiß das ist und wie exzellent man sich damit verbrennen kann. Ich wusste das auch … Jetzt ist es mir noch klarer als zuvor.

Schnell noch mit einer Gabel den Teig eingestochen, und noch schneller hinein in den vorgeheizten Ofen mit dem Gesamtkunstwerk.

Binnen kurzem roch es einfach nur betörend in meiner Wohnung, und ich warf zwischendurch immer wieder einige Blicke auf die Tarte, deren Boden hervorragend bräunte. An einigen Stellen blubberte Karamel hervor und bräunte seinerseits. Nach 30 Minuten schaltete ich den Ofen aus, und schließlich holte ich das karamelisierte OEuvre heraus. Es darf nicht zu lange in der Form bleiben, weil sonst das Karamel fest wird und man zwar den Boden aus der Form bekommt, der Belag aber darin kleben bleibt.

Tarte etwas abkühlen lassen, dann eine Tortenplatte auf die Form legen, Platte und Form fest aufeinanderdrücken und mit Schwung umdrehen – dann löst sich die Tarte ganz leicht.

So stand es im Rezept. Ganz einfach. Ich jedoch stand vor einem Problem. Ich habe keine Tortenplatte … Wozu auch? Ich backe ja nie … Was nun? Die Zeit drängte.

Immerhin besitze ich ein Kuchengitter, auf das ich – vorausschauend – eine Lage Backpapier legte, da die Tarte nicht nur sehr saftig, sondern auch sehr klebrig wirkte. Und mit vorsichtigem Schwung stülpte ich die Tarte aus der Form. Vorsichtig, weil es eine sehr rutschige Angelegenheit war und ich weder den Kuchen zerstören, noch die relativ teure Pyrex-Hyper-Super-Form fallenlassen wollte. 😉

Nun ja. Abgesehen davon, dass der Teigrand an einer Seite nicht ganz so hoch ist und beim Lösen aus der Form kleinere Teile an Mr Pyrex hängenblieben, so dass an diesen Stellen der Eindruck entstehen könnte, Mäuse – möglicherweise die Weihnachtsmaus von James Krüss – hätten sich am Teig zu schaffen gemacht, sieht das Gesamtergebnis gar nicht so schlecht aus …

Wie gesagt: Es sieht gar nicht so schlecht aus. Dann probierte ich ein noch in der Form befindliches Stück Mürbeteig, an dem noch ein Birnenfragment hing. Und ich erstarrte. Nicht zu einer Salzsäule. Eher zu einem Zuckerhut. Denn: Dieser Kuchen ist das Gegenstück zu den wenig süßen Türstoppern, die ich auf den Tag genau heute vor drei Jahren gebacken habe … Er ist so süß, dass man Angst um seinen Blutzuckerspiegel bekommt! Dabei habe ich mich exakt an die Angaben im Rezept gehalten …

Er ist so süß, dass mir vor Schreck wahrscheinlich die Augen halb aus dem Kopf traten, als ich ihn testete. Und obwohl ich mir danach die Hände gewaschen habe, blieb zunächst sowohl das Backpapier, das ich ins Regal zurückräumte, als auch der Rezeptausdruck, den ich ins Altpapier befördern wollte, an meinen Fingern hängen …

Immerhin weiß ich nun, warum man diese Tarte am besten mit möglichst säuerlichen Äpfeln machen sollte. Und ich habe vorhin erst einmal die Küche gereinigt – irgendwie schien alles zu kleben, und das mag ich absolut nicht.

Da ich nun nichts mehr ändern kann, muss ich die Tarte so, wie sie ist, mit zur Arbeit nehmen. Dummerweise hatte ich sie bereits angekündigt. Und nun hoffe ich, dass keine meiner Kolleginnen Diabetikerin ist. Ich befürchte jedoch fast, diese Tarte könnte glatt in der Lage sein, einen spontanen Diabetes auszulösen …

Umso weniger verstehe ich, warum im Rezept noch angegeben ist, am besten schmecke die Tarte lauwarm mit Sahne oder einer Kugel Vanilleeis. Damit wäre eine irreversible Lähmung der Geschmacksnerven garantiert.

Ich habe beschlossen, diese Tarte nie, nie wieder mit Birnen zu machen. Nur noch mit Äpfeln. Oder sauren Gurken. 😉

„Wat leuk!“ Oder: Warum ich reagiere, wenn jemand: „Mevrouw de Boer!“ ruft

Irgendwie kamen meine neue Kollegin Jana und ich kürzlich darauf, dass wir beide Niederländisch sehr mögen und diese Sprache unheimlich gern selber beherrschen würden. Sie meinte: „Hey! Wir können doch zusammen einen Kurs machen, wenn du magst!“ Ich rief: „Sehr gern!“ Aber irgendwie dachte ich gar nicht, dass es ihr so ernst sei …

Doch heute griff sie das Thema tatsächlich erneut auf und erzählte ganz eifrig, sie habe bereits recherchiert (hatte ich, ehrlich gesagt, auch schon) – leider habe der Kurs für mehr oder minder Ahnungslose, groentjes und beginnelings, der A1-Kurs, bereits im Februar begonnen. Zumindest in der hiesigen Volkshochschule. Das hatte ich auch schon gesehen. Und so recherchierten wir auch in den Nachbarstädten. Überall hatten die Kurse schon begonnen. Während Jana in B. recherchierte, tat ich dies in M. – und dort wurde ich auch fündig, denn der A1-Kurs beginnt dort erst Mitte April. Hurra! Wir waren begeistert – dem Naturereignis „Niederländisch für Newbies“ stand nichts mehr im Wege. Da Jana zwei Kinder hat, musste sie sich allerdings zunächst nach einer Betreuungsperson für die Mittwochabende umsehen, war sich aber ziemlich sicher, dass sich da jemand finde. Da ich Jana bis dato als sehr toughe und entschlossene Person kennengelernt habe, mache ich mir keine allzu großen Sorgen darüber, dass ich nun gegebenenfalls doch allein hinfahren müsse. (Falls doch: Feuert mich an, da auch wirklich mittwochs immer brav hinzufahren – allein ist es immer doof … 😉 )

Da Sprachkurse schnell ausgebucht sind, meldete zumindest ich mich schon einmal definitiv an. (Wehe dir, Jana, wenn du mir morgen sagst, dass es bei dir nicht gehe … 😉 )

Jana sah allerdings kein Problem – warten wir es ab. Sie meinte: „Wahrscheinlich kann ich gegen dich ohnehin nicht anstinken – ich habe den Eindruck, du kennst dich schon besser aus. Vielleicht solltest du besser in den A2-Kurs? O je – dann wäre ich allein im A1-Kurs.“ – „Keine Sorge! Ich fange auch mal lieber bei A1 an, obwohl ich tatsächlich mal einen Niederländisch-Kurs an der Uni gemacht habe. Naja … zumindest zur Hälfte. Dann war es mir zu doof. Und ich muss das Ganze ja auch mal wirklich fundiert und von der Pike auf lernen.“ – „Wieso ‚doof‘? O je – ob wir dann wirklich einen solchen Kurs machen sollen?“ – „Nein, keine Sorge! Es lag nur an der Unterrichtsgestaltung. Es war in einem Sommersemester, und wir trafen uns jeden Donnerstag im Fo7, einem Hörsaal im Kármán-Auditorium. Unsere Dozentin kam aus Groningen, und sie war sehr nett …“

Das war sie wirklich gewesen. Meine Freundin Marie-Louise und ich stießen erst zur zweiten Stunde dazu – bei der ersten Seminarsitzung waren wir beide verhindert gewesen. Ich hatte mit einer heftigen Bronchitis darnieder gelegen, Marie-Louise hatte einen anderen Termin. Aber zur zweiten Stunde waren wir präsent, wenngleich meine Stimme dies noch nicht so war – nach der Bronchitis klang sie gewöhnungsbedürftig, sehr kratzig und viel tiefer als sonst. Es war nicht ganz einfach, zu sprechen, und es reizte zu Lachanfällen, wenn ich meine Stimme erhob, denn ich klang wie ein etwa 70-jähriger männlicher Kettenraucher, der obendrein täglich eine Flasche Whisky konsumiert und danach mit Reißnägeln gurgelt. 😉 Richtig gut konnte ich nicht sprechen, und als Marilu, wie sie genannt wurde, und ich neu im Kurs eintrafen und uns vorstellen mussten, übernahm Marilu meinen Part und erklärte, ich hätte erkältungsbedingt eine Stimme wie ein rostiges Reibeisen. Marjolein, die Dozentin, lachte und meinte: „Die optimale Voraussetzung, wenn man Niederländisch lernen möchte! Keine Sorge – alles wird gut!“

Die erste Hälfte der jeweiligen Doppelstunde bestand daraus, dass wir im Hörsaal saßen und Lektionen lernten – dazu auch die zugehörige Portion grammatica, ein Wort, das mit einem wunderbar velaren Laut, genauer: dem CH wie in Lachen, auch Ach-Laut genannt, anlautet. 😉

Nach einer Dreiviertelstunde meinte Marjolein dann immer ganz reizend in ihrer naturgemäß kehligen Aussprache: „Vooruit dan maar! De zon schijnt! Wij willen op de trap gaan zitten!“ Oder aber: „Het zonnetje schijnt zo mooi!“

Schon immer liebte ich den Hang, Dinge so reizend zu verniedlichen. Jedenfalls im Niederländischen. Was ich jedoch nicht liebte und im Grunde auch keiner von uns wollte, war, den Hörsaal zu verlassen, um draußen in der so schön scheinenden Sonne auf der Treppe vor dem Kármán-Auditorium zu sitzen, wo gefühlt hunderte Passanten vorbeikamen, die Zeugen unserer praktischen Sprachübungen wurden, denn die Übungen mussten wir immer „op de trap“ machen, mit verteilten Rollen.

Es gab da stets diese „reizenden“ Dialoge, die sich zwischen Meneer Gonzalez, einem fiktiven mexikanischen Touristen – er kann auch Spanier gewesen sein -, und Mevrouw de Boer abspielten. Meneer Gonzalez kannte sich als Tourist grundsätzlich nicht aus, aber zum Glück war stets die allwissende und hilfsbereite Mevrouw de Boer präsent, eine Niederländerin und Einheimische, die fortan die Wege und Geschicke von Meneer Gonzalez leitete und lenkte. 😉 Marilu hatte sich spontan für die Rolle von Meneer Gonzalez entschieden.

Wir saßen da immer auf dieser starkfrequentierten Treppe und vollführten peinlich berührt diese Dialoge, während die Passanten entsprechende Bemerkungen machten. Einige zweifelten an unserem Verstand und lästerten, was das Zeug hielt. Unter diesen Voraussetzungen macht das Ganze nicht so viel Spaß – das kann sicherlich jeder nachvollziehen … 😉 Und spätestens nach einer halben Stunde hatte ich der ungewohnten stimmlos-velaren Laute bzw. uvularen Frikative oder Reibelaute (der Name „Reibelaut“ kommt nicht von ungefähr) wegen Halsschmerzen … Und so gingen Marilu und ich irgendwann nicht mehr hin. Immerhin hat ihr Mann, seines Zeichens Niederländer, sich sehr erfolgreich um die korrekte Aussprache unserer niederländischen Nasallaute verdient gemacht, die wir mit Hilfe einiger Biere dann irgendwann auch annähernd authentisch beherrschten.

Ich habe mich jedoch oft geärgert, das Ganze nicht einfach durchgezogen zu haben, denn Niederländisch ist wirklich eine ganz sympathische Sprache. Was im Deutschen extrem bürokratisch klingt, klingt im Niederländischen in vielen Fällen einfach nur … knuddelig. Ihr kennt doch sicherlich diese Verkehrsschilder, auf denen ein Auto zu sehen ist, das an einem Abschleppwagen hängt. Im Deutschen steht darunter immer ganz spröde: „Widerrechtlich parkende Fahrzeuge werden kostenpflichtig abgeschleppt.“ In den Niederlanden sieht das Schild zwar genauso aus, aber unter der bildlichen Darstellung las ich dort mehrfach: „Fout gestaan – in de kraan!“ Widerrechtliches Parken hat dort zwar die gleichen Konsequenzen wie hierzulande, aber mal ehrlich: Das klingt doch einfach nur süß und wie mit Augenzwinkern gesagt. (Obwohl es absolut ernst gemeint ist.) 😊

Und ich brach vor Lachen in Maastricht mal beinahe zusammen, als ich die Beschriftung an einer Verkehrsinsel las, auf der sich ein versenkbarer Poller befand. Denn dort hieß es: „Attentie! Beweegbaar obstakel!“ Es war das „obstakel“, das den Lachanfall auslöste, da ich dieses Wort aus dem Lateinischen, Englischen, Französischen und Italienischen kannte. Hier, mitten in den Niederlanden, überfiel es mich unerwartet, und es klang so herrlich altmodisch-gespreizt und damit auch ein bisschen albern. Da ich selber zu Albernheiten tendiere, lachte ich mich fast schlapp. Nicht laut, mehr innerlich. 😉 Beweegbaar obstakel hatte im Erwachsenenalter die gleiche Wirkung auf mich wie die erstmalige Konfrontation mit dem Begriff bromfiets als Kind. Fiets ist das Fahrrad, und brommen bedeutet brummen – ergo ein brummendes Fahrrad. Kurz und in deutscher Sprache: ein Moped oder Mofa! Wer angesichts des Begriffs bromfiets nicht lacht oder beschließt, diese Sprache einfach nur zu lieben, hat kein Herz. 😉 Finde ich jedenfalls. 😉

Aber zum Glück weiß ich Sprachen zu schätzen, und ich lache im Grunde zumeist auch nur über den Klang, beileibe nicht über die Aussage. Es klingt oft einfach niedlich, auch wenn es todernst gemeint ist. Und ich möchte gern diese Sprache sprechen können, weil sie so sympathisch klingt und der Erwerb von Fremdsprachen ohnehin immer lohnend ist. Und weil wir ja hier nicht weit von den Niederlanden entfernt leben.

Was auch immer Jana mir morgen sagt: Ich werde ab Mitte April mittwochs nach M. fahren, aus einem Buch mit dem Titel Wat leuk! lernen und sicherlich erneut regelmäßig unter Halsschmerzen leiden. 😉

Im Zuge meines ersten Niederländischkurses hatte ich in Aachen bei einigen Leuten dann den Spitznamen Mevrouw de Boer, und ich schwöre, ich würde auch heute noch reagieren bzw. zusammenzucken, würde man mich oder eine Person, die wirklich so heißt, so rufen … 😉 )

There is something fishy about it …

„Ali, was hältst du von Fischen?“

So fragte mich kürzlich eine Freundin. „Wie meinst du das?“ fragte ich zurück. „Meinst du Fische als Nahrungsmittel oder in anderer Weise? Oder meinst du die Tätigkeit?“

„Mehr das Sternzeichen,“, bekam ich zur Antwort. Wie peinlich! Ich gebe zu, ich habe ein Faible für derartige Dinge, aber eigentlich mehr in der Art, dass ich den Verdacht hege, dass einige grundsätzliche Wesenszüge in der Tat das widerspiegeln könnten [!], was so gern als „vollumfänglich typisch“ für das eine wie das andere Sternzeichen angenommen wird. Bei mir spricht allerdings mehr die Erfahrung und weniger die Sterne.

Als ich jedoch über das Sternzeichen Fische nachdachte, fiel mir auf, dass ich zwar einige Fische kenne, mit denen mich jedoch in der Tat wesenstechnisch nichts verbindet. Meine letzte nähere Bekanntschaft ist auch Fische, und unsere Wege trennten sich alsbald. Ich vermute zwar, dass dies auch anderweitig eingetreten wäre, da er Sarkasmus nicht verstand, nicht verstand, wenn ich eine frotzelnde Bemerkung machte, denn er nahm alles bierernst und wollte dann diskutieren. Ein Alptraum für jeden Menschen, der gern frotzelt und Sarkasmus liebt! 😉

Ich kenne auch einige sehr nette Menschen dieses Sternzeichens, aber mit keinem bin ich näher befreundet. Nicht etwa, weil ich derart abergläubisch wäre, das nun wirklich nicht. Nein – es sind eher Menschen, mit denen ich spreche und dann feststelle, dass man, hier: ich, sich wunderbar übers Wetter austauschen kann, ansonsten aber keine Gemeinsamkeiten habe.

Und nun stand Jasmin da und bedurfte eines Ratschlages. Und so lachte ich und meinte, ich könne nur von mir ausgehen, und für mich seien Fische aufgrund einiger Erfahrungen nicht geeignet. Und genauso umgekehrt, und ich beschrieb, warum, beschrieb die Sarkasmusresistenz des Fischs, mit dem ich zuletzt zu tun gehabt hatte. Jede sarkastisch-frotzelige Äußerung meinerseits wurde aufs Absolute ernstgenommen, und dann sollte diskutiert werden. Und das trotz der Vorwarnung meinerseits, dass ich sehr sarkasmus- und frotzelaffin sei.

Jasmin meinte: „O Gott! Das kommt mir erschreckend bekannt vor. Ich habe dich jetzt gefragt, weil du ja ziemlich offen bist und wir uns neulich über Sternzeichen unterhalten haben. Im Grunde bestätigst du nur meine Befürchtung.“ Wir klangen wie zwei Opfer einer Wahrsagerin, die in ihrem Zelt auf dem Jahrmarkt in eine dieser Briefbeschwerer-Glaskugeln starrt – vorgeblich eine echte und magische Kristallkugel – und den Verzweifelten, die zu ihr eilen, dramatisch-dräuenden Blicks etwas vom Pferd erzählt … 😉

Ich winkte ab, da die Sache ja nun wirklich individuell zu sehen ist und man das Ganze ohnehin nicht bierernst nehmen kann, aber Jasmin fragte weiter, was denn mit meinem Fisch gewesen sei, denn meinen Humor verstände sie recht gut, auch sarkastische Bemerkungen meinerseits. Und dann meinte sie: „Und ich mag dich obendrein.“ – „Ich dich auch.“ Und wir stellten fest, dass wir über einen ähnlichen Humor verfügen – aber trotzdem wollte Jasmin, Sternzeichen Waage, doch eine Antwort.

Ich sagte: „Ich kann dir wirklich nur sagen, wie das bei mir gelaufen ist. Aber ich bin mir sicher, wenn ich dir das Ganze erzähle, fangen wir beide zu lachen an. Also: nur Mut! Vielleicht ist dein Fisch ja auch ganz anders!“

Und ich erzählte. Jasmins Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr, so dass ich irgendwann rief: „Jasmin! Astrologie ist keine ernstzunehmende Wissenschaft! Sie ist im Grunde überhaupt keine solche!“ Doch sie sah mich nur leicht melancholisch an und meinte: „Was du gerade erzählt hast, trifft zu hundert Prozent auf meinen Fisch zu! Alles! Ich war ja ohnehin schon im Zweifel … Und nun hast du mir noch eine Bestätigung gegeben, dass das nicht passe.“ – „Du hast mich gefragt, und ich habe dir gesagt, ich könne nur für mich sprechen. Aber warte! Ich hatte früher einen Freund, der auch Fische war – der war ganz anders!“ – „Und wieso bist du nicht mehr mit ihm zusammen?“ – „Weil wir nicht zusammenpassten. Aber der war wenigstens nicht so ätherisch wie der letzte Fisch. Wahrscheinlich war er Aszendent Lumberjack. Auch wenn es nicht passte: Seine direkte Art fand ich zumindest nett. Blöd war halt nur, dass er sehr empfindlich war, was seine Person anbelangte. Aber auch nur im Hinblick auf die. Aber warte! Da war noch Anthony! Ein Neuseeländer, den ich sehr mochte. Ich habe so viele schöne Gespräche mit Tony geführt. Ich dachte damals, er sei Informatiker, da er in einer IT-Firma arbeitete. Er dachte das Gleiche von mir, da auch ich in einer IT-Firma arbeitete. Und es stellte sich heraus, dass wir beide in der Tat dasselbe studiert hatten. Nur eben nicht das, was wir vom Gegenüber dachten. Er war auch Anglist! Der war auch Fische!“ – „Warst du mit dem zusammen?“ – „Nee.“ – „Warum nicht?“ – „Weil ich damals mit einem Skorpion zusammen war. Davon rate ich übrigens dringend ab. Zumindest dir und mir. Ich glaube, im Vergleich zu diesem Skorpion wäre jedweder Fisch harmlos.“ Und ich grinste Jasmin an und meinte, und das mit einem Augenzwinkern: „Manchmal sind Fische im Vergleich gar nicht so schlimm. Es könnte zumindest schlimmer kommen.“ Jasmin meinte: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt mit dieser Sternzeichen-Kategorie zu tun haben möchte. Mein Fisch ist so sensibel! Knallt einem dann aber Dinge quer über die Rübe, bei denen man nur schlucken muss – total unsensibel!“ Ich grinste und rief: „When you have to deal with pisces, there’s always something fishy about it!”

Jasmin hat einige Zeit in England gelebt, und als sie meinen Spruch hörte, platzte sie heraus und konnte sich kaum noch beruhigen. „Was für ein Wortspiel!“ rief sie, und dann erklärte sie, sie würde noch einmal in sich gehen …

Liebe Fische– und Skorpion-Geborene: Ich mag euch! 😊 Aber beste Freunde waren wir nie so recht. Es liegt an der Wellenlänge. Zumindest habe ich bis dato diese Erfahrung gemacht. Ob es am Sternzeichen liegt, vermag ich natürlich nicht zu sagen. 😉

Kleiner Nachtrag: Nein, ich bin nicht gar so abergläubisch, wie es hier scheint. It was just for the fun of it … 😉