Ali – très énervée

Ja, auch ich habe schlechte Phasen in meinem Leben, und heute meinte meine (Ex-)Kollegin Kerstin zu mir: „Boah, du redest seit deinem Wechsel nur noch über die Arbeit – ich fange an, mir Sorgen zu machen!“ Ich starrte sie bewusst irre grinsend an und meinte: „Woran könnte das wohl liegen? Zwei komplett neue Stellen binnen etwa viereinhalb Monaten, -zig neue Portale, die ich kennenlernen muss, -zig neue Themengebiete – und erst die ganzen Passwörter! Aber sieh mal, wie fröhlich ich lächle!“ Und ich grinste noch irrer, bis sie – für gewöhnlich hart im Nehmen – rief: „Bitte hör sofort damit auf! Das ist nicht die Ali, die ich kennengelernt habe!“ Und dann lachten wir beide dreckig, ich noch dreckiger als Kerstin. 😉

Denn ich bin derzeit wirklich ein bisschen „fratze“. Es ist nicht nur so, dass ich mich nun binnen kurzer Zeit in ein erneut völlig unbekanntes Gebiet einarbeiten müsse, was keine Probleme bereitet. Nein, ich muss auch noch das Aufgabengebiet der „alten“ „neuen“ Stelle mitmachen, da diese nicht so schnell neu besetzt werden kann. Und bezüglich dieser Aufgaben war oder bin ich ja auch noch in der Einarbeitungsphase … Derzeit fühle ich mich bisweilen wie auf einem Dreimaster, dessen Steuermann plötzlich ins Koma gefallen ist, und der unerwartet in einen Hurrikan geraten ist … 😉

Gestern Abend hatte ich nach Feierabend dann auch noch einen zünftigen Auffahrunfall, an dem ich auch noch schuld bin. Nicht, dass ich geschlafen hätte – beileibe nicht! Es war nur eine sehr hektische Situation auf einem engen Supermarkt-Parkplatz, und ich setzte in meiner matschigen Verfassung auch nur ein Stück zu weit zurück, um einen Idioten durchzulassen, der mich schon bei Einfahren auf den Parkplatz bedrängt hatte, viel zu dicht auffuhr. Ich fuhr eine halbe Runde vor ihm her und fand eine Parklücke, in die ich rückwärts einparken wollte. Hinter mir stand ein anderes Auto. Hatte ich alles gesehen, und so setzte ich an, einzuparken. Aber der Idiot, der zuvor hinter mir gewesen war, kam vor mir nicht vorbei und fing wie ein Bescheuerter zu hupen und aufzublenden an – dazu gestikulierte er in einer Weise, die sogar mir zu obszön vorgekommen wäre. Ich – ohnehin schon „um“ und „in der Wurst“ – wollte den blöden Kerl vorbeilassen, um ihn loszuwerden, und ich drehte mich noch um und befand, da sei noch viel Platz zwischen mir und dem bis dato unbeteiligten Dritten, der in der Parklücke hinter mir stand. Aber es war bereits dunkel, und ich verschätzte mich – und dann machte es bumm!

Ich hatte das Glück, einen netten Unfallgegner zu haben, der sofort meinte: „Der Typ hat Sie genötigt und bedrängt – ich konnte das genau sehen!“ – „Ja, aber der ist nun weg, und im Endeffekt bin ich Ihnen in die Karre gefahren und ganz eindeutig schuld. Ich hätte mich einfach so verhalten sollen wie sonst und mich nicht irritieren lassen sollen. Die Schuld liegt bei mir, das ist ganz klar.“ Und wir riefen vorschriftsmäßig die Polizei, aber der Motorradpolizist, der dann auftauchte, lachte nur und meinte: „Was erwarten Sie nun von mir?“ – „Dass Sie den Unfall aufnehmen?“ meinte ich ein wenig irritiert, aber da lachte er schon und meinte: „Ich bin gerade hierhergefahren, weil ich von der Zentrale darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es einen Unfall auf diesem Parkplatz gebe, bei dem die Parteien offenbar nicht einig seien. Ganz ehrlich: Ich bin hierhergekommen in dem Bewusstsein, dass sich hier zwei Parteien die Köppe einschlügen und ich einen Platzverweis, eine Verwarnung aussprechen sowie ein Verwarngeld erheben müsse! Und ich komme hier an und sehe die beiden Beteiligten dastehen, freundlich plaudern, lachen und zusammen eine rauchen! Merken Sie sich: Wir kommen im Grunde zu Unfällen nur noch raus, wenn es hart auf hart kommt.“ Der Unfallgegner und ich starrten einander irritiert an, und ich meinte: „Jahrzehntelange Indoktrination, bei einem Unfall ja sofort die Polizei zu rufen, für die Wurst!“ Der Unfallgegner lachte sich scheckig und meinte: „Sie und ich stammen offenbar aus derselben Zeit.“ So sah es aus. 😉

Die Sache läuft nun, seitdem ich gestern noch meine Versicherung in Kenntnis gesetzt habe.

Heute hatte ich einen Termin bei meinem Bis-dato-Chef, der aber immer noch irgendwie mein Chef ist, da ich ja auch die Sachen aus seiner Abteilung noch voll bearbeite. (Die ich auch zum allerersten Male mache …) Es ging um Klärung des weiteren Prozesses. Ich kam mit einer hübschen Liste und hatte alles im Griff. Ehrlich gestanden, wunderte es mich, dass ich den Termin überhaupt hatte – es lief doch alles.

Man erklärte mir jedoch, dass ich ja so wenig Rückfragen gehabt hätte – offenbar erwartete man Chaos und das Schlimmste. Aber ich hatte ja meine hübsche Liste, und ich konnte auch alle Fragen beantworten. Der Chef starrte mich überrascht an und meinte: „Warum hat Frau N. mich dann angesprochen, dass sie die Befürchtung hätte, irgendetwas laufe nicht so gut?“

Ich sah den Chef an, mit sehr großen Augen, und ich meinte: „Ja, das kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Da müssen Sie Frau N. fragen.“ Er sah noch einmal auf meine Unterlagen, rief das Ganze auf dem Server ab und meinte: „Ist doch alles prima! Was will sie denn?“ Ich lächelte und meinte: „Wie gesagt – ich kann Ihnen das nicht beantworten.“ – „Sie meinte, Sie hätten kaum Rückfragen gehabt, und das sei doch nicht normal.“ – „Ach, ich finde, dass der Begriff normal ohnehin über- und bisweilen ganz falsch strapaziert werde.“ – „Ich werde Frau N. darauf ansprechen. Frau B. – mir tut das mit Ihrem Unfall sehr leid. Ich befürchte, dass die von uns induzierte Doppelbelastung daran einen großen Anteil habe – Sie fahren doch immer so umsichtig.“ – „Äääh …“ – „Ich bin mehrfach hinter Ihnen gefahren, als Feierabend war, und Sie waren immer sehr umsichtig.“ – „Ja, das bin ich normalerweise auch. Gestern wohl nicht.“ – „Ja, wahrscheinlich ist diese Mehrfachbelastung schuld.“ – „Aber nein!“ rief ich, obwohl ich ein ähnliches Gefühl hege. 😉 „Ich hätte halt besser aufpassen müssen!“ – „Aber das tun Sie sonst doch. Es tut mir sehr leid!“ – „Jetzt hören Sie aber auf! Sie können nichts dafür – immerhin bin ich gefahren! Ich möchte davon jetzt auch nichts mehr hören.“ – „Na gut.“

Mit Frau N. werde ich auch noch sprechen und mich bedanken, dass sie mich unnötigerweise in eine für mich unangenehme Situation gebracht hat. Ich kenne sie ja nun schon recht lange, wenn wir auch nie direkte Kolleginnen waren. Ich werde jegliche Frage nach ihrem Befinden vermeiden, da ich die Antwort aufgrund jahrelanger Erfahrung ohnehin schon kenne: Seufzen. Stöhnen. Und dann der Satz: „Es geht mir nicht gut …“ Das kenne ich nun schon seit vielen Jahren und staune immer wieder, dass es einem Menschen geschlagene 15 Jahre am Stück nicht ein einziges Mal gut gehen könne …

Da bin ich mit meinem mutmaßlichen 1000-Euro-Schaden am Auto doch noch gut bedient! Und auch, wenn es teurer wird, werde ich auf die Frage, wie es mir gehe, gewiss nicht mit: „Es geht mir nicht gut …“ antworten. 😉 Zumal ich ja nicht Opfer, sondern Täter bin. 😉

Morgen muss ich Zahlungsanweisungen machen und buchen. Drückt mir die Daumen … 😉

5 Gedanken zu “Ali – très énervée

  1. Chaosvater schreibt:

    Freitag: der Tag der Zahlungsanweisungen; ich hatte bislang vergeblich auf meine heutigen Kontobewegungen geschaut- da ist nix, Frau Ali… kann es sein, dass Sie die 1000 €-Überweisung für die Schadensregulierung des Autos versehentlich nicht auf mein Konto transfiriert haben?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.