Wenn das Jahr so weitergeht …

… bin ich über kurz oder lang – eher über kurz – ergraut. 😉

Es fing bereits Silvester an, als ich mich am späten Nachmittag mit dem Auto auf den Weg machen wollte. Ich war eingeladen zu einem Fondue und einem netten Abend.

Hektisch wie immer, wenn ich einen Termin habe, schloss ich den kleinen Monty auf – ich war schon etwas spät dran -, und ich warf meine Klamotten hinein, darunter diverse pyrotechnische Objekte. 😉 Mich selber warf ich auf den Fahrersitz, und dann startete ich den Motor. Besser gesagt: Ich wollte den Motor starten. Denn alles, was ich hörte, war ein sehr greises Geräusch, eine Art Stottern, ein Todesröcheln, das alsbald erstarb … Nicht so mit mir! Und erneut startete ich. Zumindest den Versuch, zu starten. Röcheln, altersschwach, in den letzten Zügen liegend, war die Antwort.

O Gott! Ausgerechnet jetzt! Was sollte das? Warum? Und wieso ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt? Etwas unbeherrscht schnauzte ich den arglosen kleinen Monty an: „Was soll der Scheiß, bitte? Du bist eineinhalb Jahre alt!“ Zum Glück kam mir recht schnell der Gedanke, dass ich mit einem unbelebten Gegenstand – zum damaligen Zeitpunkt sogar im doppelten Sinne – sprach, und so riss ich mich zusammen.

Ich atmete tief ein und wieder aus. Hier war Besonnenheit gefragt. (Ja, auch ich bin deren durchaus bisweilen mächtig! 😉 ) Und so versuchte ich mit ganz besonnener rechter Hand und insgesamt völlig entspannt, die Karre ans Laufen zu bekommen. Sachte trat ich nach dem etwa dritten Versuch zusätzlich aufs Gas. Ganz sachte.

Beim etwa zwanzigsten Versuch (zwei Fenster des Hauses, vor dem ich stand, waren zwischenzeitlich zweimal geöffnet und wieder geschlossen worden – beim zweiten Mal mit etwas mehr Schwung) klang das Röcheln nicht mehr ganz so moribund, und beim zweiundzwanzigsten Startversuch dann endlich sprang der Motor an! „Halleluja!“ dachte ich laut, als der Motor auch schon heftigst aufheulte – ich hatte in meiner Freude das Gaspedal wohl doch etwas fester getreten, als beabsichtigt. Sofort ging wieder eines der beiden Fenster im Haus, vor dem ich stand, auf, und ein erboster Mann blickte heraus. Ich lächelte und winkte fröhlich, und der Mann knallte das Fenster noch erboster zu. „Hehe,“ dachte ich fröhlich für mich hin, „Knallen erst ab Mitternacht, bitte schön.“

Und ich habe sogar die ganze Strecke bis zu meinen Gastgebern problemlos bewältigt. Und am nächsten Tag sprang der Wagen auch relativ zügig an. (Im Geiste notierte ich: „Dringend Termin in der Werkstatt machen!“) Mein einziger ernstgemeinter Vorsatz für 2018 – zumindest bis jetzt. 😉

In der Werkstatt war ich am Freitag und wurde vom Meister so richtig dämlich abgebügelt, als ich das Szenario von Silvester beschrieb. „Dann kann es ja wohl kaum an der Batterie liegen, gute Frau!“ – „Die ‚gute Frau‘ habe ich jetzt zu Ihren Gunsten mal überhört! Und ich hatte auch gar nicht von der Batterie gesprochen, als ich den Termin vereinbarte. Ihr Mitarbeiter sprach von der Batterie. Dem hatte ich alles genauso geschildert wie Ihnen jetzt eben.“ Brummelnd zog der Meister mit meinem Autoschlüssel ab. Es war dann letzten Endes nichts zu finden. Aber die Batterie hatte ich mit keinem Wort erwähnt, nur, um das noch einmal zu betonen. 😉

Meine Wochenendeinkäufe hatte ich getätigt, während der launische Wagen durchgecheckt wurde, und so konnte ich danach direkt nach Hause fahren. Monty sprang ganz problemlos an, als wollte er mir eins auswischen … 😉 So ein kleines Arschloch! 😉

Zu Hause packte ich gerade die Einkäufe weg, als mich ein menschliches Bedürfnis heimsuchte. Ich ließ alles stehen und liegen und eilte gen Bad. Aber irgendwie scheint auf der Region um mein Bad herum irgendein böser Fluch zu lasten, denn nicht nur habe ich mir einst am Türrahmen einen kleinen Zeh gebrochen, sondern bin auch einmal so heftig umgeknickt, dass es mich zu Boden riss. Und so auch nun. Mein linker Knöchel knickte mittig, und ich konnte mich gerade noch abfangen, aber es knackte im Knöchel, und ich dachte nur: „Bitte nicht! Bitte keinen gebrochenen Knöchel!“ Aber er ist wohl nicht gebrochen, sieht aber auch heute noch immer ein wenig anders aus, als er dies für gewöhnlich tut. Nur ein bisschen, denn ich habe ihn sofort gekühlt. Und ich musste an meinen früheren Orthopäden denken, der mir schon zu meiner Jugendzeit erklärt hatte, dass meine Bänder wohl nicht die Glanzleistung seien, die derjenige, der mich schuf, vollbrachte. Wahrscheinlich bin ich bändermäßig ein Montagsprodukt. 😉 Und zahnmäßig. Zum Glück funktionieren die meisten anderen Dinge an mir (mal abgesehen von den Augen – die sind zwar, wie ich selber finde, das Schönste an mir, was jetzt auch nicht so doll klingt -, aber leider auch kurzsichtig und hornhautverkrümmt) einwandfrei. Vor allem meine Ohren – ich habe ein sehr gutes Gehör! Es ist so gut, dass ich manchmal sogar das Gras wachsen höre! 😉

Der Samstag war vergleichsweise ruhig, und nur einmal geriet ich in Aufregung. Ich hatte gerade das Wohnzimmer ver- und die Balkontür zum Lüften offengelassen. Ich wollte eigentlich nur kurz etwas in der Küche machen. Tat ich auch. Als ich die Wohnzimmertür auf meinem Rückweg öffnete, hörte ich ein merkwürdiges Rascheln. Nun bin ich es ja fast schon gewohnt, dass Rotkehlchen und Kohlmeisen, entweder singulär oder im Paarverbund, wie auch Amselmännchen auf Freiersfüßen mein Wohnzimmer von Zeit zu Zeit heimsuchen, und so dachte ich zunächst: „Es wird wieder einer dieser Vögel sein. Hoffentlich kapiert er schnell, wo es wieder hinausgeht.“ 😉 (Denn wenn sie auch den Weg hinein ganz leicht zu finden scheinen, haben sie offenbar ein kurzes Gedächtnis: Die Luke zu finden, durch die sie hineinkamen, scheint – geht es um den Auszug – erheblich schwieriger zu sein. 😉 )

Doch weit gefehlt! Es war kein Vogel! Es war ein Kleinsäuger! „Mein“ Eichhörnchen, das mich öfter auf dem Balkon besucht, der kleine Pit, wie ich ihn getauft habe, schoss bei meinem Betreten durchs Wohnzimmer! Die Tür! Der Ausgang! Wo war er nur? Und wie „zielgerichtet“ raste der kleine Pit, der ganz offenbar nicht die hellste Kerze auf der Torte ist (ich mag ihn aber trotzdem – ich habe auch so einen bescheidenen Orientierungssinn), da er sich kürzlich sogar von einer winzigen Blaumeise vom Futter vertreiben ließ (das wäre mir an seiner Stelle nie passiert!), stets rechts und links an der weitgeöffneten Tür vorbei! (So ähnlich ergeht es mir übrigens beim Lottospielen: Ich liege immer dicht an den schließlich gezogenen Zahlen dran. Entweder rechts oder links daneben auf dem Lottoschein … Wirklich! Wie ferngesteuert. 😉 Wie der kleine Pit auf der Suche nach dem Ausgang! 😉 )

Ich humpelte in seine Richtung und versuchte, ihn nach draußen zu treiben, ihm den Weg zu weisen. Der kleine Pit jedoch geriet in Panik und raste in bemerkenswerter Geschwindigkeit die Wand hoch (ich habe Rauhfasertapete an den Wänden – das ist für ein Eichhörnchen quasi ein Boulderparadies) … Dann hechtete er in eines meiner Bücherregale und richtete dort Chaos an … Über meine Couch ins DVD-Regal, was ihm auch nicht sehr viel Platz bot. Aber was nicht passt, wird passend gemacht – und schon flogen die DVD-Hüllen aus dem Regal … Binnen kurzem machte der kleine Pit eine Achterbahn aus meinem Wohnzimmer … Und ich stand mittendrin wie ein Dompteur, der seinen Beruf verfehlt hat, jedoch mit liebreizender Stimme auf das unartige Tier einspricht: „Pittilein, ich tue dir doch nichts! Ganz ruhig! Es passiert dir nichts!“ Irgendwann hat „Pittilein“ sich dann todesmutig an mir vorbeigestürzt, und das sogar über den Boden! Und er fand die Tür! Das Letzte, das ich – wahrscheinlich für längere Zeit – von ihm sah, war sein buschiger Schweif, als er kopfüber an der Hauswand herab flüchtete. 😉 Armes Kerlchen! Ich konnte trotz des Chaos‘ nicht einmal böse auf ihn sein. 😉

Ich vermute, der kleine Pit muss sich erst noch an mich gewöhnen. 😉

Gestern dann quasi im „Kundendienst“ bzw. Servicebereich meiner Dienstabteilung. Auch da können einem die Haare schnell ergrauen. Denn unter den Menschen, an denen meine Kollegen und ich Dienst leisten, sind auch einige, die einfach nur dreist sind. Gestern kamen mehrere davon an. Zwei davon werde ich sicherlich in der nächsten Zeit nicht vergessen, denn einer meinte: „Ah! Ich will mein Fach wechseln!“ Ich lächelte zuvorkommend und meinte: „Sehr schön! Am einfachsten ist es, gehen Sie auf unsere Homepage. Unter Punkt […] finden Sie alles, was Sie wissen müssen, ebenso das Antragsformular. Am besten wird sein, Sie lesen sich das erst einmal durch, und wenn dann noch Fragen bestehen sollten, wenden Sie sich gern wieder an mich.“ Und ich verschluckte, was ich eigentlich sagen wollte: „Das ist alles selbsterklärend. Sie müssen es sich halt nur ansehen, durchlesen und verstehen … wollen.“ Ich verkniff es mir, obwohl mir sehr danach war – die Kundschaft zuvor hatte zwar zu nicht geringem Teil schon ungläubiges Staunen bei mir verursacht, aber ich gehöre ja dem Servicebereich an. 😉

Daraufhin meinte der junge Mann: „Aberrr ich brrrauche doch wohl keine Crrredits, wenn ich wechseln will?“ Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen sollte und starrte ihn überwältigt an. Durch meinen Kopf schossen diverse sehr spontane Antwortmöglichkeiten, darunter auch: „Aber nein! Wozu Leistungsnachweise! Die Angabe Ihrer Schuhgröße reicht völlig!“ Leistungsnachweise! Credits! Werden im Allgemeinen doch völlig überschätzt … 😉 Ich sagte mit ins Gesicht gemeißeltem freundlichen Lächeln: „Ja, sicher brauchen Sie Leistungsnachweise – das ist die Voraussetzung für einen Wechsel …“ – „Ja, wissen Sie – ich habe verrrgessen, mich zu den Prrrüfungen anzumelden.“ – „Wie bitte?“ – „Ja, habe ich gedacht, da können Sie etwas machen!“ – „Nein, das ist nicht meine, sondern Ihre Aufgabe. Wenn Sie – wie auch immer – vergessen, sich zu Ihren Prüfungen anzumelden, bin ich dafür nicht zuständig. Klären Sie das, bitte, selbst – und auch nicht hier. Das hier ist der falsche Ort.“ Und ich nannte ihm den richtigen Ort, aber er schätzte sich selber wohl als so unwiderstehlich und mich offenbar so dumm ein, dass er mich angrinste und meinte: „Aberrr … Sie sind doch eine so nette Frrrau …“ – „Ja. Bin ich. Aber nicht zuständig. Wir sind hier der falsche Ansprechpartner, und es kommt hinzu, dass das Ihre eigene Aufgabe ist.“ Maulend zogen der junge Mann und sein Begleiter ab, und ich blickte zu meiner Kollegin Kerstin hinüber und griff mir an den Kopp. Die grinste nur und meinte: „Ja, ich fand die auch interessant. Aber sieh nur – da kommen schon die Nächsten …“

Ziemlich weich in der Birne nach all diesen Fällen, bisweilen sogar so etwas Ähnliches wie fassungslos, fuhr ich dann zu meiner Dozentenfron an die Uni in einer der Nachbarstädte, und zum Glück war Tobias im Seminar nicht anwesend … Tobias weiß alles besser, kann alles besser und hält sich für sehr kritisch und die Welt hinterfragend. Er sollte Journalist werden … Nein! Tobias ist nett, aber extrem nervig und nervend. Ein wirklich netter Kerl – aber irgendwie war das Seminar gestern erheblich entspannter als sonst. 😉

Trotzdem war ich erst spät zu Hause – die Bahn hatte mal wieder beschlossen, für Überraschungsmomente zu sorgen und einige Bahnen nicht nur zu spät, sondern gar nicht fahren zu lassen. Natürlich ohne Hinweis – es wäre ja auch sonst nur halb so lustig für die, die in eisiger Kälte am Bahnsteig ausharren und auf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten – was sie aber noch gar nicht wissen … Mangels eines entsprechenden Hinweises … 😉

Das klingt alles recht harmlos. Zu harmlos, darüber zu ergrauen. Aber ihr wisst ja: Kleinvieh macht auch Mist. 😉

Auf ein angenehmes Jahr 2018!  Es kann nur besser werden. Hoffe ich. 😊

42 Gedanken zu “Wenn das Jahr so weitergeht …

  1. Chaosvater schreibt:

    es kann ab jetzt ja nur noch bergauf gehen …
    Ali – aber Kopf hoch, wie sagte Mama:
    Wir schaffen das – jaaaa, wir schaffen das!
    ich drücke Dir auf jeden Fall schon mal die Daumen dafür

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s