Der vorletzte Tag des Jahres …

… fing sehr gemächlich an, zumindest bei mir. Ich schlief länger als gewöhnlich, setzte mich dann an den PC, beantwortete einige Mails, drückte mich erfolgreich darum, eine Hörverständnisübung für meine Studis – selbst vorgelesen – in ein Audiofile zu fassen (meine Stimme klingt immer so blöd bei so etwas, und ich konnte mich heute nicht überwinden). Ich mache es entweder morgen, was ja – blicke ich auf die Uhr – im Grunde schon ist, oder ich mache es im neuen Jahr … 😉 Erschreckender Weise ist das ja auch schon ganz bald …

Dann beging ich den Fehler, in einer überregionalen Tageszeitung bzw. deren Online-Version zu lesen. Ich hätte es vielleicht lassen sollen, denn was ich las, bereitete mir keine Freude: Nahe Stuttgart am Vortage eine junge Frau von einem Mann an den Haaren zur Bahnsteigkante gezerrt und fast ins Gleisbett gestoßen, kurz bevor der Zug einfuhr. Messerattacke in Hamburg – wie ein Déjà vu. „Was sich für Autofahrer 2018 ändert“ – sicherlich nichts Erfreuliches.

Und dann las ich von einem grandiosen Plan für die Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin! Dahin kommen immer sehr viele Menschen, und Massenveranstaltungen sind dieser Tage bisweilen ein bisschen problematisch, wie man leider auch immer wieder lesen mu…, äh, kann. Doch in Berlin hat man eine ganz tolle Idee gehabt! Man hat eine Schutzzone für belästigte und angegrabschte Frauen geplant! Ein Schutzzelt! Dorthin sollen sich bedrängte Frauen flüchten. Vor meinem geistigen Auge erschienen UN-Blauhelm-Soldaten, die den Bedrängten, die da mühsam und beladen Richtung rettende Zone flüchteten, Zutritt zum Schutzzelt gewährten, einige vielleicht sogar aus der brodelnden Menge zerrten und ihnen dann Wasser und Schutz zukommen ließen …

Dann brach das Lachen aus mir heraus, und mir schoss durch den Kopf, dass der Begriff Schutzzelt doch vielleicht besser durch Gemeinschafts-Burka ersetzt werden solle – eine riesige Burka halt, unter der alle Bedrängten, Begrabschten, ergo die, die tatsächlich Schutz suchen, verschwinden könnten, somit für etwaige „Interessenten“, völlig wurscht, welcher Herkunft, unattraktiv würden. Und der Gedanke brachte mich zu einem sehr dreckigen Lachen. Ich bitte um Verzeihung dafür, dass das politisch sicherlich nicht korrekt ist, aber ehrlich gesagt: Ich pfeife darauf, denn ich halte eine solche Frauen-Schutzzone für unsäglich, da sie die Freiheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe empfindlich beschneidet. Und was für ein Signal wird da gezeigt? Ich schüttelte meinen Kopf und lachte entfesselt. Es gibt Momente, da lacht man, weil eine Situation derart grotesk ist, nicht aus Freude. Mehr, weil man kaum für möglich hielt, was einem Tag für Tag von neuem so vorgesetzt wird.

Mit Staunen sah ich, wie sich unter dem soeben publizierten Artikel die Kommentare binnen kürzester Zeit vervielfältigten. Als ich vorhin das letzte Mal nachsah, aus Neugier, wie viele Kommentare da wohl nun stehen würden, sah ich die respektgebietende Zahl 914 … Und die meisten davon in dem Tenor, dass man diese Idee für fehlgeleitet halte. Nun ja …

Nachdem ich noch einige Beiträge zu zumeist unerfreulichen Themen gelesen hatte – es gab leider kaum erfreuliche, und dennoch möchte man ja auf dem Laufenden bleiben -, gab ich die frustrierende Lektüre lieber dran und widmete mich anderen Aufgaben. Mein Bad blitzt und blinkt seither, mein Schlafzimmer desgleichen; morgen kommt die Küche dran, in der ich heute noch fleißig tätig war und unter anderem Sizilianische Balsamico-Schalotten zubereitet habe, die ich zur morgigen Silvestereinladung mitnehmen werde (es gibt Fondue), ebenso einen Salat für mich, den ich heute zu mir nahm. 😉 Die Balsamico-Schalotten klangen harmlos, aber mein Herd bedarf nach der heutigen Spontan- noch einer gründlicheren Rundumreinigung. Ich finde, man sollte in Kochbüchern vermerken, dass manche harmlos und unkompliziert zu erstellen scheinenden Gerichte einen höheren Spritzfaktor mit sich bringen. 😉 Und aceto balsamico hat die wunderbare Eigenschaft, recht klebrig zu sein. Ich reinigte heute grund und beschloss, die gründliche Reinigung auf morgen zu verschieben, da noch das Fenster im Treppenhaus geputzt werden musste, obwohl ich mit der Treppenhausreinigung gar nicht dran war. Nur sah das Fenster inzwischen verboten aus, und Herr Einhorn, mein etwas sonderlicher Nachbar, ignoriert das Fenster hartnäckig. Das Treppenhaus besteht für ihn halt nur aus: Treppe.

Alles in allem ein total spannender Tag! 😉

Vorhin stellte ich auch noch fest, dass ich keine Zigaretten mehr hatte – auf zur Tanke! Ich trat aus dem Haus – und erschrak zu Tode! Ein schwarzes Etwas kam auf mich zugeflogen und sprang mir fast ins Gesicht! Hatte der Teufel Besitz von meiner schwarzen Seele genommen und wollte diese nun abholen?

„Aaaaaaah!“ schrie ich gepeinigt. „Hinfort!“ (Wo war die verdammte Schutzzone?) Doch da eine neuerliche Attacke des schwarzen Dings, obwohl eine etwas rauhe Stimme aus dem Hintergrund mahnend rief: „Aus! Nicht springen!“ Das schwarze Ding pfiff auf den Einwand und begann einen weiteren Sturm nicht auf die Bastille, aber auf mich, wobei es merkwürdig quietschende Geräusche von sich gab. Da endlich ging das Licht vor dem Hauseingang an – es ist leider ein bisschen unzuverlässig -, und ehe ich mich versah, hatte ich das fluffige, kleine schwarze Ding schon auf dem Arm! Dank Beleuchtung erkannte ich gerade noch, worum es sich handelte, als auch schon mein Gesicht abgeknutscht wurde. Es war die kleine Bella aus dem Nachbarhaus, ein schwarzer Kleinspitz, gerade ein halbes Jahr alt und zum Niederknien süß! (Und sie ist so klein, dass man sich – normalerweise und wenn sie einem nicht gerade auf den Arm springt, was ich angesichts ihrer geringen Größe kaum für möglich gehalten hatte – in der Tat meist niederknien muss, wenn man sie streicheln und knuddeln will … 😉 ) Hinter ihr stand Frau Sieling, die sich sogleich entschuldigte: „Frau B., das tut mir total leid! Entschuldigen Sie, bitte! Bella hat Sie offenbar ins Herz geschlossen, weil Sie immer so nett mit ihr spielen, wenn wir Ihnen begegnen. Normalerweise darf sie nicht springen, aber sie ist noch klein und etwas impulsiv …“ – „Guten Abend, Frau Sieling! Kein Problem, ist wirklich nicht schlimm. Ich wusste nur zunächst nicht, wie mir geschah, weil ich nichts sehen konnte.“ – „Ja, das tat mir leid, weil Sie so geschrien haben. Bella mag Sie sehr.“ – „Ich mag Bella auch sehr, nein, Bella, aus!“ rief ich, als das putzige Tierchen mir über die Nase leckte. Sie unterließ es auch sofort und machte sich lieber über mein linkes Brillenglas her – zur Feier des wahnsinnig spannenden Tages trug ich heute meine Brille und weiß nun wieder, warum ich Kontaktlinsen bevorzuge … 😉

Ich setzte Bella wieder auf den Boden, aber sie sprang erneut an mir hoch, und ich meinte: „Frau Sieling, haben Sie mal nachgeschaut, ob Bella Spiralfedern unter ihren Füßen hat? Wie kann es sein, dass ein so kleines Hündchen so hoch springen kann?“ – „Bei uns in der Wohnung kommt sie bis an die Türklinken …“ – „Na, super, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis sie Türen öffnen kann!“ – „Das fehlte noch! Obwohl … Sie ist sehr intelligent und lernt schnell.“ – „Tja, sie ist ein Spitz!“ rief ich, ein erklärter Spitz-Fan, fröhlich, und Frau Sieling erzählte mir dann, dass Bella bereits gelernt habe, dass sie vor jedem Wechsel der Straßenseite „Sitz“ zu machen und abzuwarten habe, bis es weitergehe. Dafür bekomme sie stets ein Leckerchen zur Belohnung. „Und, Frau B., Sie werden mir das nicht glauben, aber binnen kürzester Zeit hatte sie das heraus, und inzwischen will sie, nachdem sie das Leckerchen bekommen hat, unbedingt noch auf die andere Straßenseite. Und wenn wir dann wieder wechseln müssen, setzt sie sich ganz brav hin und guckt mich total herausfordernd an: Na, wo bleibt das Leckerchen? Ich habe doch alles richtig gemacht! Sie provoziert den Wechsel der Straßenseite! Aber das glauben Sie mir sicherlich nicht. Oder?“ – „O doch!“ rief ich lachend und meinte: „Ich bin quasi mit Hunden großgeworden – ich kenne diese Tricks, und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die Hunde für dumm halten. Das sind sie ganz gewiss nicht, und gerade Spitze kriegen sehr schnell Dinge spitz. Daher wahrscheinlich auch der Ausdruck.“ Bella fand das wohl nett und kam direkt wieder zu mir und sprang erschreckend hoch an mir hoch … 😉 Ich packte sie und meinte: „Na, du kleines Schlitzohr?“ Das fand sie so nett, dass sie auch noch über mein rechtes Brillenglas leckte. Schlieren nun nicht nur links, sondern auch rechts – herrlich … 😉 Aber ich bin sehr hundeaffin und verzeihe solche Dinge, die aus Zuneigung entstehen, obwohl ich doch noch ein mahnendes „Aus!“ von mir gab, was Bella auch gleich akzeptierte und befolgte. Sie leckte mir dann doch lieber wieder über die Nase. Sofort kapiert, dass „Aus!“ sich auf das Brillenglas bezog und das nächstliegende Objekt genommen. Halt ein echter Spitz und damit spitzfindig. 😊

Mit ziemlich verschmierten Brillengläsern kaufte ich dann die Zigaretten. Egal – Frau Sieling und Bella begegne ich immer wieder gern. 😊

Euch wünsche ich einen guten Rutsch und alles Liebe und Gute für 2018! 😊

5 Gedanken zu “Der vorletzte Tag des Jahres …

  1. Chaosvater schreibt:

    Guten Morgen; auch die Tanke hatte ich schon seit 7.15 Uhr hinter mir … so ist das, wenn vergessen wurde, ‚unbedingtnotwenige Dinger‘ rechtzeitig zu kaufen! Viel Spass beim Fondue und einen guten Rutsch in’s KOmmende …
    der Chaosvater

    • ali0408 schreibt:

      Guten Tag! 😉 Wäre ich erst heute früh zur Tanke gegangen – um 07:15 h schlief ich noch den Schlaf der Gerechten -, wäre ich der kleinen Bella wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht begegnet – und ich mag die kleine Bella sehr. 🙂 Nicht ganz so, wenn sie mir unerkannt fast ins Gesicht springt, aber es war ja lieb gemeint. 😉 Dir auch einen guten Rutsch und alles Gute.

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