Harmonie und Einklang pur? Von wegen! Hauen und Stechen …

Gestern unterhielt ich mich zum Thema Musik. Ich bin ja des Klavierspielens mächtig, und ich liebe Musik. Passiv wie aktiv. Da ähneln meine Kollegin Kerstin und ich einander sehr, und es ist – an Tagen, an dem im Büro wenig los war – sogar schon vorgekommen, dass wir neue oder alte Songs von allen möglichen Interpreten auf YouTube hörten und laut mitsangen. Wir haben damit sogar unseren stets unerschrockenen SysAdmin verschreckt, der zwischenzeitlich hereinkam, um meine beiden neuen Monitore zu installieren. Als die Tür aufging, rief ich: „Hey, Frederick, komm rein! Du kannst gleich mitsingen!“ Frederick, ansonsten ziemlich cool, starrte mich entgeistert an, und als ich eine leicht freche Bemerkung machte, schüttelte er nur sein weises, dreißigjähriges Haupt und meinte: „Ali, was ist passiert? Du warst ja immer schon ein wenig … frech. Aber seit du hier in diesem Büro sitzst, ist es noch heftiger geworden. Wo soll das noch hinführen?“ Und zu Kerstin gerichtet: „Ich glaube, du übst einen schlechten Einfluss auf Ali aus!“ Kerstin protestierte und meinte: „Klar, ich soll es wieder gewesen sein! Ich glaube, wir sind einander nur recht ähnlich, was das anbelangt.“ Ich protestierte, ich sei nicht frech, und Frederick sagte schnell, nein, aber sehr direkt. Und schon sangen Kerstin und ich laut und fröhlich Ironic von Alanis Morissette, auch schon älter, aber ein Lied, angesichts dessen Texts ich immer behaupte, es sei exakt für mich geschrieben worden. Ich hatte den Eindruck, Frederick arbeitete schneller als sonst – er wollte auch gar keinen Kaffee, und er verabschiedete sich schnell, er habe so viel zu tun … 😉

Zunächst ging es im gestrigen Gespräch um einfache Dinge, zum Beispiel, dass ein Klavier leichter wiege als ein Flügel, und ich streute noch einige Aspekte ein, die sich zwischen dem Spielen auf einem Klavier und einem Flügel (ich hätte immer gern einen eigenen Flügel gehabt, aber wohin mit dem Monster? 😉 ) unterschieden. Schließlich kenne ich beides, denn ich spielte zu Hause auf einem Klavier, gehörte damit zu den Unglücklichen, die im Musikunterricht an der Schule vor jedweden Ferien den „nicht instrumentalisierten“ und feixenden Mitschülern etwas vorspielen mussten, zur Feier der beginnenden Ferien … Dort spielte ich auf einem Flügel, den der ein wenig sonderlich-versponnene Musiklehrer, Herr Lenz, zur Feier des Tages sogar öffnete! (Damit man die eventuell auftretenden falschen Töne möglichst laut und donnernd hörte … 😉 ) Ich muss zugeben, ich habe exakt dreimal als Solo-Pianistin dort vorgespielt, und alles klappte gut, aber meine Hände waren vor Nervosität klatschnass. Danach suchte ich mir – geteiltes Leid ist halbes Leid! – immer eine Mitspielerin. Mehrfach spielte ich mit meiner Freundin Gunilla, die Geige, Verzeihung, Violine spielte, zweimal auch mit meiner Freundin Nicola, deren Instrument mein Lieblingsinstrument und damit die Querflöte war. So ließ sich die grässliche Zwangsvorführung leichter ertragen, und wir bekamen sogar noch Lob, weil wir uns besonders viel Mühe gegeben hatten … 😉 Immerhin mussten wir uns mehrfach treffen und zusammen proben, bis alles saß. Die Treffen fanden nachvollziehbarer Weise stets bei mir statt – eine Violine und eine Querflöte lassen sich leichter transportieren als ein Klavier. 😉 (Einziger Nachteil bei meiner Querflötistinnen-Freundin Nicola: Ihr Flötenlehrer bestand darauf, dass wir ihm das Ganze in der Musikschule in D. noch einmal vortrugen. Was für ein Mist – ein Vor-Vorspiel und erneute Nervosität! Ich gurkte also hin und setzte mich dort nervös an den Flügel, und Nicola und ich trugen unser Stück vor. Der Flötenlehrer war sehr angetan, und er ließ mir durch Nicola später auch noch ausrichten, ich könne aber sehr gut Klavier spielen. Hach – ich wuchs gleich gefühlt um diverse Zentimeter! Hatte sich das zähe Üben doch gelohnt … 😉 )

Dann ging das Gespräch in Richtung Singen. Ich habe in meinem bisherigen Leben in zwei Chören gesungen: im Unter- und Mittelstufenchor meines Gymnasiums bei einer sehr rabiaten Chorleiterin und im Zweiten Sopran. Später dann in Aachen in einem durchaus renommierten Chor und dort – meine Stimme war ziemlich nachgedunkelt – im Zweiten Alt. Tiefer geht für Frauen nicht. 😉

Das machte – fast – immer Spaß, und viele Menschen denken bei Chören: „Was für eine wunderbare Harmonie! Einklang pur!“

Ich denke da etwas anders – ich kenne die Situation hinter den Kulissen. 😉 Einklang pur? Ha! Bisweilen Hauen und Stechen! Auf alle Fälle sehr viel Konkurrenzkampf und Rivalität. Und das wohl nicht nur in den beiden Chören, denen ich meine Stimme lieh.

Man muss als Außenstehender wissen, dass die einzelnen Stimmen im Chor zwar im Endergebnis optimaler Weise harmonieren, aber zwischenmenschlich bzw. -stimmlich gibt es – zumindest so meine Erfahrungen – nicht selten durchaus Rivalität. So war bei uns der gesamte Sopran eine Ansammlung von Diven – Ausnahmen bestätigten die Regel. Die Sopranistinnen waren die „lieben Mädchen“, die mit silber- und glockenhellen Stimmen herausragten. Die drei Tenöre, die wir hatten – nein, die Rede ist nicht von den prominenten Drei Tenören – waren zu zwei Dritteln ähnlich wie die Sopranistinnen, weil sie ihre höheren Stimmen für eine besondere Gabe Gottes hielten. Einzig Christoph fiel aus dem Raster, der immer in Motorradklamotten mit seinem Moped zu den Proben kam und in der Pause immer mit den anderen Rauchern – alle aus dem Alt und dem Bass, denn man muss ja die Tiefe der Stimme irgendwie „fördern“ – eine rauchen ging, was Chorleiter Peter mit missmutigem Ausdruck betrachtete. Interessanterweise aber hatte Christoph trotz des Rauchens die klangreinste und schönste Stimme im Tenor … 😉 Seine beiden Tenorkollegen betrachtete er stets mit ironischem Grinsen: Vor allem Gernot Gottwald, ein etwas spilleriges Männchen mit einem weichgespülten Prinz-Eisenherz-Haarschnitt und ebenso spillerigem Stimmchen, der stets ein seidenes Tüchlein um seinen kostbaren Kehlkopf geschlungen hatte. Und auch die Sopranistinnen kamen großenteils nicht so gut weg, speziell Serena, die ab und an mal ein Solo singen durfte, dabei aber immer gar furchterregend grimassierte und entsetzliche Fratzen zog, was auf falsche Sing- und Atemtechnik hinweise, wie Christoph grinsend anmerkte. Dabei war sie Logopädin und Sprachtherapeutin – hätte es eigentlich besser wissen müssen. Aber sie bildete sich nicht wenig auf ihre gottgleichen Soli ein.

Ich gebe zu, wir waren einmal entsetzlich unfair, aber das nicht mit Absicht. Wir sangen in einer Ostersonntagsmesse oben auf der Orgelempore. Das Fass mit dem Weihrauch wurde geschwenkt, der sich – hervorragend! – aufs Possierlichste auf unsere Stimmbänder legte, weswegen wir zunächst alle husten mussten, aber – vorbildlich und im Chor darauf getrimmt – alle zeitversetzt und möglichst leise, damit es nicht so auffalle. Dann trat Serena für ihr Solo vor uns, und leider, leider wandte sie uns ihr edles Antlitz zu. Hätte sie mal lieber nach vorn ins Kirchenschiff geblickt! Denn als sie loslegte und ihre Grimassen schnitt, von denen ich annahm, frau würde solche, ohne sich zu schämen, höchstens unter den Presswehen im Kreißsaal offenbaren, wo einem – Erzählungen vieler Mütter zufolge – ohnehin alles scheißegal sei, sogar das Abbrennen von Haus und Hof, starrten wir sie zunächst fasziniert an, und dann breitete sich ein zwar sehr, sehr leises und unterdrücktes Kichern aus – natürlich zeitversetzt. Ute, meine Alt-Kollegin zu meiner Linken, flüsterte mir frotzelige Dinge ins Ohr, die grimassierende Darbietung betreffend, und ich rammte ihr mit Nachdruck den Ellbogen in die Seite – aufhören, sofort! Ein Lachanfall drohte. Gemein, das alles, ich weiß, aber es ließ sich leider nicht umgehen. Und für eine Sache zog ich meinen Hut vor Grimassen-Serena: Sie sang einfach weiter und ließ sich nicht irritieren. Möglich jedoch, dass sie gar nichts mitbekam, da sie ihre Augen derart zusammenkniff, dass sie uns gar nicht sehen konnte … Und sie sang sehr laut und hörte uns wohl auch nicht …

Dem Alt stand der Sopran stets mit einer gewissen Überheblichkeit gegenüber. Wir hatten ja alle nur so tiefe Stimmen und konnten nicht einmal das hohe C! Und auch der Chorleiter hatte ständig etwas auszusetzen. Wir waren – zusammen mit dem Bass – die Stiefkinder des Chors. Und so fühlten wir uns auch. Ute meinte nach einer besonders kritikreichen Probe mal zu mir: „Ich habe schon keine Lust mehr, überhaupt noch zur Probe zu kommen! An uns wird ja sowieso immer nur herumgemeckert.“ Ich pflichtete ihr bei, während die schlimmsten zwei Sopran-Diven uns hämisch angrinsten. Sie erinnerten mich irgendwie an die beiden Siamkatzen im Disney-Film „Susi und Strolch“ … 😉

Eines Tages, eine der letzten Proben fand statt, bevor wir ein „Gastspiel“ in einer Essener Kirche hatten, wurde erneut heftig an uns herumgemäkelt, als wir einmal mehr Schiffbruch an einer besonders heiklen Partie der Johannes-Passion erlitten: „Jetzt reißt euch doch mal zusammen! So geht das nicht! Verdammt nochmal – wie oft muss ich euch noch sagen …“ Hämisch-triumphales Grinsen aus dem Sopran, während wir Altistinnen bedrückt und frustriert dasaßen, mit gesenkten Köpfen. Aber da muss Chorleiter Peter wohl ein schlechtes Gewissen bekommen haben, denn er fing sich und meinte: „Naja, mal im Ernst! Ich bin vielleicht zu euch immer etwas strenger, aber ihr müsst bedenken, ihr seid zusammen mit dem Bass das Fundament, ohne das nichts geht! Ohne euch klingt der Sopran nur wie ein Haufen hoher Stimmchen – ihr gebt dem Ganzen doch erst die Fülle. Ohne euch ist der Sopran und auch der Tenor so gut wie nichts. Deshalb bin ich mit euch etwas strenger.“ Na, toll! Benachteiligt wegen tieferer Stimme – wo war der Antidiskriminierungs-Beauftragte? 😉

Sofort regte sich der gesamte Sopran auf: „Frechheit! Wir können singen – die machen dauernd Fehler!“ Doch Peter fuhr den kreischenden Künstlerinnen sofort über den Mund: „Ruhe jetzt! Ja, ihr denkt, ihr könntet hier als Einzige singen! Das ist Unsinn. Ihr habt oft die einfachsten Partien von allen, und ohne die tiefen Stimmen klingt ihr nach nichts! So sieht das aus – und jetzt ist hier Ruhe! Weitermachen!“

Danach war eine ganze Zeit wirklich Ruhe im Karton. Und das war auch gut so. Und Christoph, der Tenor, meinte irgendwann, als mal wieder der Sopranstolz sich durchsetzen wollte: „Das nervt! Bis auf einige sehr nette Ausnahmen nur Zicken im Sopran, die ständig die Besten sein müssen, sonst Zoff! Eins muss ich sagen: Im Alt sind die cooleren Mädels.“ Und darauf tranken er, Ute und ich erst einmal ein lecker‘ Pilsken! 😉 Die Stimmen mussten geölt werden. 😉

Musik ist toll, Chöre wirken sehr harmonisch.  Jedoch nicht mehr ganz so, wenn man hinter die Kulissen blickt … 😉 Es sind halt alle nur Menschen. 😉

Nachtrag: Es gibt natürlich auch nette Sopranistinnen. Die, die – anders als ihre Stimmen – auf dem Boden geblieben sind. Und es gibt auch blöde Altistinnen, Tenöre und Bassisten. Ich gebe hier nur wieder, was ich erlebte … 😉

Der vorletzte Tag des Jahres …

… fing sehr gemächlich an, zumindest bei mir. Ich schlief länger als gewöhnlich, setzte mich dann an den PC, beantwortete einige Mails, drückte mich erfolgreich darum, eine Hörverständnisübung für meine Studis – selbst vorgelesen – in ein Audiofile zu fassen (meine Stimme klingt immer so blöd bei so etwas, und ich konnte mich heute nicht überwinden). Ich mache es entweder morgen, was ja – blicke ich auf die Uhr – im Grunde schon ist, oder ich mache es im neuen Jahr … 😉 Erschreckender Weise ist das ja auch schon ganz bald …

Dann beging ich den Fehler, in einer überregionalen Tageszeitung bzw. deren Online-Version zu lesen. Ich hätte es vielleicht lassen sollen, denn was ich las, bereitete mir keine Freude: Nahe Stuttgart am Vortage eine junge Frau von einem Mann an den Haaren zur Bahnsteigkante gezerrt und fast ins Gleisbett gestoßen, kurz bevor der Zug einfuhr. Messerattacke in Hamburg – wie ein Déjà vu. „Was sich für Autofahrer 2018 ändert“ – sicherlich nichts Erfreuliches.

Und dann las ich von einem grandiosen Plan für die Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin! Dahin kommen immer sehr viele Menschen, und Massenveranstaltungen sind dieser Tage bisweilen ein bisschen problematisch, wie man leider auch immer wieder lesen mu…, äh, kann. Doch in Berlin hat man eine ganz tolle Idee gehabt! Man hat eine Schutzzone für belästigte und angegrabschte Frauen geplant! Ein Schutzzelt! Dorthin sollen sich bedrängte Frauen flüchten. Vor meinem geistigen Auge erschienen UN-Blauhelm-Soldaten, die den Bedrängten, die da mühsam und beladen Richtung rettende Zone flüchteten, Zutritt zum Schutzzelt gewährten, einige vielleicht sogar aus der brodelnden Menge zerrten und ihnen dann Wasser und Schutz zukommen ließen …

Dann brach das Lachen aus mir heraus, und mir schoss durch den Kopf, dass der Begriff Schutzzelt doch vielleicht besser durch Gemeinschafts-Burka ersetzt werden solle – eine riesige Burka halt, unter der alle Bedrängten, Begrabschten, ergo die, die tatsächlich Schutz suchen, verschwinden könnten, somit für etwaige „Interessenten“, völlig wurscht, welcher Herkunft, unattraktiv würden. Und der Gedanke brachte mich zu einem sehr dreckigen Lachen. Ich bitte um Verzeihung dafür, dass das politisch sicherlich nicht korrekt ist, aber ehrlich gesagt: Ich pfeife darauf, denn ich halte eine solche Frauen-Schutzzone für unsäglich, da sie die Freiheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe empfindlich beschneidet. Und was für ein Signal wird da gezeigt? Ich schüttelte meinen Kopf und lachte entfesselt. Es gibt Momente, da lacht man, weil eine Situation derart grotesk ist, nicht aus Freude. Mehr, weil man kaum für möglich hielt, was einem Tag für Tag von neuem so vorgesetzt wird.

Mit Staunen sah ich, wie sich unter dem soeben publizierten Artikel die Kommentare binnen kürzester Zeit vervielfältigten. Als ich vorhin das letzte Mal nachsah, aus Neugier, wie viele Kommentare da wohl nun stehen würden, sah ich die respektgebietende Zahl 914 … Und die meisten davon in dem Tenor, dass man diese Idee für fehlgeleitet halte. Nun ja …

Nachdem ich noch einige Beiträge zu zumeist unerfreulichen Themen gelesen hatte – es gab leider kaum erfreuliche, und dennoch möchte man ja auf dem Laufenden bleiben -, gab ich die frustrierende Lektüre lieber dran und widmete mich anderen Aufgaben. Mein Bad blitzt und blinkt seither, mein Schlafzimmer desgleichen; morgen kommt die Küche dran, in der ich heute noch fleißig tätig war und unter anderem Sizilianische Balsamico-Schalotten zubereitet habe, die ich zur morgigen Silvestereinladung mitnehmen werde (es gibt Fondue), ebenso einen Salat für mich, den ich heute zu mir nahm. 😉 Die Balsamico-Schalotten klangen harmlos, aber mein Herd bedarf nach der heutigen Spontan- noch einer gründlicheren Rundumreinigung. Ich finde, man sollte in Kochbüchern vermerken, dass manche harmlos und unkompliziert zu erstellen scheinenden Gerichte einen höheren Spritzfaktor mit sich bringen. 😉 Und aceto balsamico hat die wunderbare Eigenschaft, recht klebrig zu sein. Ich reinigte heute grund und beschloss, die gründliche Reinigung auf morgen zu verschieben, da noch das Fenster im Treppenhaus geputzt werden musste, obwohl ich mit der Treppenhausreinigung gar nicht dran war. Nur sah das Fenster inzwischen verboten aus, und Herr Einhorn, mein etwas sonderlicher Nachbar, ignoriert das Fenster hartnäckig. Das Treppenhaus besteht für ihn halt nur aus: Treppe.

Alles in allem ein total spannender Tag! 😉

Vorhin stellte ich auch noch fest, dass ich keine Zigaretten mehr hatte – auf zur Tanke! Ich trat aus dem Haus – und erschrak zu Tode! Ein schwarzes Etwas kam auf mich zugeflogen und sprang mir fast ins Gesicht! Hatte der Teufel Besitz von meiner schwarzen Seele genommen und wollte diese nun abholen?

„Aaaaaaah!“ schrie ich gepeinigt. „Hinfort!“ (Wo war die verdammte Schutzzone?) Doch da eine neuerliche Attacke des schwarzen Dings, obwohl eine etwas rauhe Stimme aus dem Hintergrund mahnend rief: „Aus! Nicht springen!“ Das schwarze Ding pfiff auf den Einwand und begann einen weiteren Sturm nicht auf die Bastille, aber auf mich, wobei es merkwürdig quietschende Geräusche von sich gab. Da endlich ging das Licht vor dem Hauseingang an – es ist leider ein bisschen unzuverlässig -, und ehe ich mich versah, hatte ich das fluffige, kleine schwarze Ding schon auf dem Arm! Dank Beleuchtung erkannte ich gerade noch, worum es sich handelte, als auch schon mein Gesicht abgeknutscht wurde. Es war die kleine Bella aus dem Nachbarhaus, ein schwarzer Kleinspitz, gerade ein halbes Jahr alt und zum Niederknien süß! (Und sie ist so klein, dass man sich – normalerweise und wenn sie einem nicht gerade auf den Arm springt, was ich angesichts ihrer geringen Größe kaum für möglich gehalten hatte – in der Tat meist niederknien muss, wenn man sie streicheln und knuddeln will … 😉 ) Hinter ihr stand Frau Sieling, die sich sogleich entschuldigte: „Frau B., das tut mir total leid! Entschuldigen Sie, bitte! Bella hat Sie offenbar ins Herz geschlossen, weil Sie immer so nett mit ihr spielen, wenn wir Ihnen begegnen. Normalerweise darf sie nicht springen, aber sie ist noch klein und etwas impulsiv …“ – „Guten Abend, Frau Sieling! Kein Problem, ist wirklich nicht schlimm. Ich wusste nur zunächst nicht, wie mir geschah, weil ich nichts sehen konnte.“ – „Ja, das tat mir leid, weil Sie so geschrien haben. Bella mag Sie sehr.“ – „Ich mag Bella auch sehr, nein, Bella, aus!“ rief ich, als das putzige Tierchen mir über die Nase leckte. Sie unterließ es auch sofort und machte sich lieber über mein linkes Brillenglas her – zur Feier des wahnsinnig spannenden Tages trug ich heute meine Brille und weiß nun wieder, warum ich Kontaktlinsen bevorzuge … 😉

Ich setzte Bella wieder auf den Boden, aber sie sprang erneut an mir hoch, und ich meinte: „Frau Sieling, haben Sie mal nachgeschaut, ob Bella Spiralfedern unter ihren Füßen hat? Wie kann es sein, dass ein so kleines Hündchen so hoch springen kann?“ – „Bei uns in der Wohnung kommt sie bis an die Türklinken …“ – „Na, super, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis sie Türen öffnen kann!“ – „Das fehlte noch! Obwohl … Sie ist sehr intelligent und lernt schnell.“ – „Tja, sie ist ein Spitz!“ rief ich, ein erklärter Spitz-Fan, fröhlich, und Frau Sieling erzählte mir dann, dass Bella bereits gelernt habe, dass sie vor jedem Wechsel der Straßenseite „Sitz“ zu machen und abzuwarten habe, bis es weitergehe. Dafür bekomme sie stets ein Leckerchen zur Belohnung. „Und, Frau B., Sie werden mir das nicht glauben, aber binnen kürzester Zeit hatte sie das heraus, und inzwischen will sie, nachdem sie das Leckerchen bekommen hat, unbedingt noch auf die andere Straßenseite. Und wenn wir dann wieder wechseln müssen, setzt sie sich ganz brav hin und guckt mich total herausfordernd an: Na, wo bleibt das Leckerchen? Ich habe doch alles richtig gemacht! Sie provoziert den Wechsel der Straßenseite! Aber das glauben Sie mir sicherlich nicht. Oder?“ – „O doch!“ rief ich lachend und meinte: „Ich bin quasi mit Hunden großgeworden – ich kenne diese Tricks, und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die Hunde für dumm halten. Das sind sie ganz gewiss nicht, und gerade Spitze kriegen sehr schnell Dinge spitz. Daher wahrscheinlich auch der Ausdruck.“ Bella fand das wohl nett und kam direkt wieder zu mir und sprang erschreckend hoch an mir hoch … 😉 Ich packte sie und meinte: „Na, du kleines Schlitzohr?“ Das fand sie so nett, dass sie auch noch über mein rechtes Brillenglas leckte. Schlieren nun nicht nur links, sondern auch rechts – herrlich … 😉 Aber ich bin sehr hundeaffin und verzeihe solche Dinge, die aus Zuneigung entstehen, obwohl ich doch noch ein mahnendes „Aus!“ von mir gab, was Bella auch gleich akzeptierte und befolgte. Sie leckte mir dann doch lieber wieder über die Nase. Sofort kapiert, dass „Aus!“ sich auf das Brillenglas bezog und das nächstliegende Objekt genommen. Halt ein echter Spitz und damit spitzfindig. 😊

Mit ziemlich verschmierten Brillengläsern kaufte ich dann die Zigaretten. Egal – Frau Sieling und Bella begegne ich immer wieder gern. 😊

Euch wünsche ich einen guten Rutsch und alles Liebe und Gute für 2018! 😊

„Jäädrr nur einen wänzigen Schlock!“

Wie den Menschen, die mich kennen, bekannt ist, vertrage ich Rotwein nicht wirklich, und das wegen meiner leider ebenso eklatanten wie unfreiwilligen Neigung zu Migräneattacken, weswegen ich auch keinen trinke. Es gibt exakt zwei Gegebenheiten, da ich Ausnahmen mache. Beide fallen in die Vorweihnachtszeit. Zum einen ist es der Gemeine Glühwein, den ich – auf dem Weihnachtsmarkt – trinke. (Zum Glück gibt es ja auch weißen Glühwein – aber ich trinke tatsächlich ab und an auch roten. Ich vermute, das Weihnachtsmarktgebräu stelle keine Gefahr dar, weil es ohnehin meist stark verdünnt ist … 😉 )

Zum zweiten handelt es sich um eine Zubereitungsart von Rotwein, die ich zuletzt vor drei Jahren zu mir nahm. Auf dem Christkindlesmarkt in Nürnberg. (Ich bekam zwar keine Migräne davon, aber ich erinnere mich, anderntags durchaus heftigere Kopfschmerzen gehabt zu haben. 😉 ) Es handelt sich um etwas, das noch viel besser schmeckt als jeglicher Glühwein: Feuerzangenbowle.

Meine allererste Feuerzangenbowle trank ich im zarten Alter von 16 Jahren auf einer Party. Sie schmeckte so gut, dass ich noch mehr davon trank (damals litt ich noch nicht unter Migräne … 😉 ). Wahrscheinlich habe ich das Ganze nur deswegen so gut überstanden, weil ich die meiste Zeit in Bewegung war und die ganze Nacht durchtanzte. 😉

Im Grunde ist Feuerzangenbowle ein sehr unmodernes Gebräu, hat dafür aber Tradition. Und ich freue mich immer, wenn sie irgendwo angeboten wird. Scheiß auf die Migräne! Allemal besser, ich bekomme sie von Feuerzangenbowle, als von Stress – und letzteres ist meist der Grund. 😉

Heiligabend gestern verbrachte ich bei meinen Eltern in D. Nein, es gab keine Feuerzangenbowle, aber irgendwann wurde der gleichnamige Film im Fernsehen ausgestrahlt. Altmodisch bis dorthinaus, aber ich besitze ihn auf DVD. Ich liebe diesen Film!

Warum? Denn er ist wirklich altmodisch, und gegen Ende kommen mir sogar grundsätzlich die Tränen. In dem Moment, da gesagt wird, dass alles gar nicht wahr sei und dass man sich mit den Wünschen und Träumen, ergo nicht Realem, bescheiden solle. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass der Film in einer sehr dunklen Zeit dieses Landes hier entstand.

Im Grunde also eher ein Film, um den man einen weiten Bogen machen sollte. Aber ich liebe ihn, denn ich habe einst in Aachen studiert, und wer sich in Aachen etwas auskennt, weiß, dass Anfang, Mitte November vom Filmstudio der RWTH, in dieser Hinsicht engagierten Studenten, ein Event stattfindet, das sämtlichen Kneipiers, die näher oder weiter von den zentralen Einrichtungen der Uni entfernt ihr Gewerbe betreiben, viel Umsatz und damit auch Gewinn beschert.

Denn dann – jedes Jahr von neuem – wird im Audimax, der Aula und diversen anderen größeren und großen Hörsälen Die Feuerzangenbowle ausgestrahlt. Der Film ist aus den 1940ern, und doch rennen noch heute die Studis hin. Auch viele Ehemalige, sowie Dozenten. Und es wird in den meisten mehr oder weniger nahegelegenen Kneipen an jenem Abend neben dem normalen Angebot sowohl Feuerzangenbowle, als auch Heidelbeerwein ausgeschenkt. Wenn ein Film wirklich als Kult bezeichnet werden kann, dann in jedem Falle dieser. (Neben einigen anderen ausgewählten Filmen und Dingen.)

Ich war als Studentin wiederholt dabei und dachte immer: „Gut, dass das Ganze meist an einem Freitagabend stattfindet!“ 😉

Einmal war ich erneut im Besitz einer Karte für das Event, zusammen mit einigen Freunden. Ich hatte mehrere Freikarten für die Vorstellung bekommen, da ich einen Bekannten hatte, der beim Filmstudio mitarbeitete. Gut – es war nicht zur besten Zeit, denn die Vorstellung, für die die Freikarten galten, begann bereits um 18:30 h im Fo1 des Kármán-Auditoriums, einem sehr großen Hörsaal. 18:30 h und Fo1 – ich hätte den Film lieber um 20:00 h im Audimax oder der Aula gesehen – aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. 😉

Schon vor dem Kármán-Auditorium wie auch den anderen Vorführungsstätten waren Stände aufgebaut, an denen Glühwein verkauft wurde – Feuerzangenbowle gab es dort nicht, da deren Herstellung etwas aufwändiger ist, als Glühwein aus Flaschen zu erhitzen. 😉 Und somit war auch das Publikum in Teilen etwas angeheitert, als wir uns alle in den Fo1 begaben. Irgendwann, fast alle Plätze waren bereits besetzt, wobei wir – meine Freunde und ich – ziemlich weit hinten und erhöht saßen, entstand mitten in der Hörsaalbestuhlung, wirklich fast mittendrin, eine Art Loch, und das in atemberaubendem Tempo! Menschen, die ihre Plätze bereits eingenommen hatten, sprangen plötzlich auf – teils unter spitzen Schreien – und strebten zum rechten bzw. linken Rand der Bestuhlung. Fast entstand so etwas wie Panik – aber nur fast.

Und irgendwann gab es dann in der Tat ein großes Loch aus nichtbesetzten Klappsitzen mitten im Fo1. Nur ein einzelner Mensch hockte da noch, vornübergeneigt, auf den sich viele Augen richteten. Warum nur? Er saß doch da ganz still …

Jedoch nicht lange, und dann war auch recht schnell klar, warum die Umsitzenden geflohen waren, denn in die lethargisch wirkende Gestalt kam plötzlich Leben. Ja, sie schien sich gewissermaßen aufzubäumen, wobei sie merkwürdige, jedoch eindeutige Geräusche und leider nicht nur das von sich gab. Letzteres in hohem Bogen … 😉 Dieser Student würde nach der Vorstellung sicherlich nicht mehr in eine der feuerzangenbewehrten Kneipen einkehren, da er bereits zuviel Glühwein konsumiert hatte. Kein Ersatz für Feuerzangenbowle – wahrscheinlich ein Erstsemester. (Wer das Gefüge an einer Uni je mitbekommen hat, weiß, dass die Erstsemester, auch „Erstis“ genannt, zumeist mit einem immensen Selbstbewusstsein aufgrund des – bisweilen haarscharf – bestandenen Abiturs an die Uni drängen und demgemäß erst einmal „eingenordet“ werden müssen, damit sie wissen, dass sie im Grunde nichts wissen. 😉 Ja, Hackordnung gibt es nicht nur auf dem Hühnerhof. 😉 Jetzt seht mich nicht so strafend an! Ich habe das auch durch- und mitmachen müssen! 😉 )

Ich war froh, dass wir hinten und damit erhöht saßen. Hätte ich in der Nähe des Studenten gesessen, der den Slogan des Kurbades Aachen (das eigentlich „Bad Aachen“ heißt) – „Sprudelnde Vielfalt“ – wohl allzu wörtlich genommen hatte, hätte der sich sicherlich noch einiges anhören dürfen … 😉 Nix dagegen, etwas zu trinken – aber doch bitte mit Verstand, solange noch vorhanden. Und man betrinkt sich bei einem solchen Angebot doch nicht schon vorher bis zur Besinnungslosigkeit! 😉 Wohl wirklich ein Ersti! 😉

Den Rest des Abends haben zumindest wir mit Feuerzangenbowle und Heidelbeerwein verbracht. Die meisten von uns stiegen jedoch alsbald auf Bier um. Das erschien harmloser. 😉

Das ist der Grund, weswegen ich diesen Film so mag, dass ich ihn sogar auf DVD besitze. 😊

Ich hatte immer vor, mal wieder nach Aachen zu reisen, Mitte November, um dann an diesem Event teilzuhaben, nachdem ich zuvor mit dem Filmstudio Kontakt aufgenommen hätte. Aber inzwischen hat die Studentenkneipe, in die wir damals immer einkehrten, in der ich lange neben dem Studium als Tresenfrau gejobbt habe, final geschlossen.

Ich plane es trotzdem mal fürs kommende Jahr. Und zum Glück habe ich noch Kontakt zu einigen Weggefährten. 😊

In diesem Sinne: „Jäädrr nur einen wänzigen Schlock!“ 😉 (Hätte es der Studi mitten im Fo1 nur wörtlich genommen … 😉 )

Eine Frage der Kreativität

Vorhin – ich machte gerade eine kleine Pause von meinen noch zu erledigenden Aufgaben – las ich einen Artikel über eines meiner Lieblingsspielzeuge meiner Kindheit. Aus Dänemark stammend, ein echter Verkaufsschlager in der Welt: Lego.

Ich liebte Lego heiß und innig, und mein Vater baute einen sehr schönen, großen Holzkasten mit Innenfächern und einem Deckel, den er in meiner damaligen Lieblingsfarbe Rot lackierte. (Meine Schwester Stephanie besaß quasi das „Schwestermodell“ in Blau. Für ihre Fischertechnik-Bauteile. 😉 ) Darin bewahrte ich die vielen Legosteine und -bauteile auf, denn es wurden immer mehr, und meist spielten Stephanie und ich beide mit den Steinen aus meiner roten Holzkiste. 😉

Schon damals gab es diese Lego-Sets, mit denen man dann ein bestimmtes Haus oder anderes Objekt bauen konnte. Das habe ich genau zweimal gemacht, da ich zwei solch spezieller Sets geschenkt bekam. Viel konnte man mit dem Bungalow und der Villa jedoch nicht anfangen, nur betrachten, und so kam es zum Rückbau, und die Steine wanderten zu ihren Brüdern und Schwestern in den Holzkasten. Herumliegenlassen war nicht. (Denn: Seit meine Mutter einst barfuß auf einen herumliegenden Legostein getreten war, bestand sie darauf, dass die kleinen Dinger, sofern unbenutzt, stets sofort wieder ihrer Lagerstätte zuzuführen seien. Nachdem ich dann auch einmal barfuß auf eines der unflexiblen Dinger getreten war, sah ich es auch sofort ein … 😉 )

Nun las ich also den Artikel, da die Verfasserin beklagte, Lego fördere die Kreativität nicht, da alles haarklein beschriftet und in einzelne Tüten verpackt nach einer sehr präzisen Bauanleitung zusammenzubauen sei, was die Kinder auch brav machten, deren Eltern hinterher die Kreativität der Kinder priesen. Das sei doch nicht kreativ!

Nein, das ist es wirklich nicht. Ich würde jedoch nicht Lego beschuldigen – es liegt doch mehr an den Kindern. Niemand zwingt sie, ausschließlich das zu bauen, wozu die Steine laut Set vorgesehen sind. Es reicht doch, wenn überhaupt, das Objekt einmal nachzubauen, wenn man Spaß daran hat. Danach kann man die Steine mit anderen kombiniert zu anderen Gebäuden oder Objekten verbauen.

Ich habe als Kind stundenlang voller Begeisterung Phantasiehäuser gebaut, einmal mit Stephanie zusammen sogar eine Art Puppenhaus, mit dem man ganz toll spielen konnte. Ich vergaß die Zeit, musste mindestens dreimal zum Essen gerufen werden – ich konnte mich kaum losreißen. Es kam immer etwas Kreatives heraus. 😊

Die Kritik geht meiner Meinung nach an der Sache vorbei: Nicht Lego ist etwas anzulasten, sondern eher den Kindern, die offenbar gar nicht auf die Idee kommen, die Steine quasi zweckentfremdet zu benutzen. (Zum Glück kenne ich auch heute noch andere Fälle. 😊 ) Nicht der Hammer ist schuld, wenn sich jemand damit auf die Finger haut … 😉

Liebe Kinder, die ihr heute unter dem Weihnachtsbaum irgendein Themenset von Lego vorfinden solltet: Ihr werdet nicht verhaftet, wenn ihr die Steine anderweitig verwendet. Seid kreativ, lasst euch nicht alles vorschreiben. 😉 Und: Lego ist einfach klasse!

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! 😊

Das Grauen lauert an der Kasse …

Speziell dieser Tage wird wieder und wieder die Verrohung der Gesellschaft beklagt – nicht unbedingt zu Unrecht. Lese ich die Zeitung, stolpere ich Tag für Tag über Dinge, die mich resignieren ließen, hätte ich nicht die Fähigkeit zum Galgenhumor. Ich schwanke nur immer zwischen den Begriffen Verrohung und Egoismus hoch drei. Vielleicht ist es aber auch so, dass aus Egoismus hoch drei über kurz oder lang Verrohung wird – ich weiß es nicht, und damit sollen sich Sozio- und Psychologen befassen. Ich habe zu wenig Ahnung von deren Themengebieten, und ich darf auch nicht allzu lange darüber nachdenken, weil ich ansonsten entweder trübsinnig oder wütend werde – beides ist nicht schön. Für mich nicht schön, noch weniger aber für meine Umwelt. 😉 (Nein, so schlimm bin ich nicht – ich finde es nur selber immer recht schade, wenn ich mich über etwas ärgern muss. Und trübsinnig bin ich noch weniger gern. 😉 )

Allerdings ist mir auch schon aufgefallen, dass sich irgendwie etwas verändert hat im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen. Nicht allen – bewahre! 😉 (Aber zu vielen.) Und ich freue mich immer, wenn ich unterwegs angelächelt werde, lächle selber auch andere Leute an. Kurz: Ich benehme mich so, wie man es mir beigebracht hat. Aber nicht nur deswegen – ich bin ja zum Glück nicht dressiert worden, lächle keineswegs auf Knopfdruck und habe obendrein ein ganz eigenes Bewusstsein. Dieses Bewusstsein jedoch wird in letzter Zeit mehr und mehr brüskiert und vor den Kopf gestoßen. Falls ein Bewusstsein überhaupt einen Kopf hat. 😉

Das Lieblingswort vieler Menschen scheint ich zu sein. So zumindest kommt es mir vor. Und wenn ich dann einmal nicht Nummer 1 ist, wird es bisweilen ungemütlich.

Der „allgemeinen Verrohung“ Widerspruch leisten wollend, leistete ich mir kürzlich an der Kasse eines Discounters offenkundig Ungeheuerliches: Ich ließ jemanden vor!

Es war ein stressiger Tag gewesen. Ich hatte dienstlich etwas heikle Gespräche gehabt und nach der Arbeit noch einen Termin bei meinem Zahnarzt. Danach wollte ich rasch noch einige Dinge einkaufen, so zum Beispiel je ein kleines Weihnachtsgeschenk für zwei meiner Kolleginnen, weswegen ich den Drogeriemarkt mit den zwei Buchstaben ansteuerte und dort viel Geld ließ, da es nicht bei den beiden kleinen Geschenken blieb, zumal der Drogeriemarkt vor kurzem renoviert worden war – ein viel größeres und attraktiveres Angebot fand ich vor! 😉

Danach ging es weiter, zu einem Discounter (es verbindet mich mit Discountern eine gewisse Hassliebe …), und ich lud einige Dinge in meinen Einkaufswagen, die ich zum einen wirklich brauchte, aber auch andere, die – zum anderen – durchaus verzichtbar gewesen wären, aber doch irgendwie verlockend wirkten. 😉 („Zum anderen“ erklärt meine Hassliebe. 😉 )

Anschließend schob ich meinen Einkaufswagen in den Kassenbereich. Nur eine von drei Kassen war geöffnet, aber zum Glück gab es vor mir keine Großeinkäufer. Dumm nur, dass ich mich dann kurz umdrehte: Da stand ein junger türkischer Mann, drei Positionen hinter meiner, und er war schwer beladen: Mit beiden Armen hielt er ein ganzes Konglomerat an Mehlpackungen!

Mir tat das leid, obwohl er mich anlächelte, und so sagte ich laut: „Das kann man ja nicht mitansehen!“ Und, ebenso zu den beiden hinter mir Stehenden gerichtet: „Wenn es recht ist, gehen Sie ruhig vor!“

Es schien recht zu sein, da kein Protest von den beiden Leuten hinter mir kam, obwohl sie der Angelegenheit sichtlich folgten. Der junge Mann mit den Mehltüten bedankte sich überschwänglich, und er legte vor mir aufatmend die Last auf das Kassenband. Es vergingen auch noch etwa zwei Sekunden, bis der ältere Herr hinter mir sich zu beschweren begann, das aber nachhaltig, denn er schnauzte mich an: „Was soll das? Ich habe auch nur zwei Teile! Warum lassen Sie den Kerl vor und mich nicht? Unverschämtheit!“

Ich blickte auf die beiden Margarinebecher in seinen Händen, dann meinte ich: „Eben! Sie haben nur zwei Artikel, und die scheinen mir nicht sonderlich gewichtig zu sein. Ganz im Gegensatz zu den Mehlpackungen des jungen Mannes!“ – „Frechheit! Typisch Frau!“ – „Nun regen Sie sich nicht auf, bitte. Ich habe heute einen ganz besonders gutmütigen Tag, und deswegen gehen Sie auch gern noch vor.“ So sagte ich in sarkastischem Tonfall.

Daraufhin kreischte es von hinten an mein Ohr: „Wie sind Sie denn drauf? Sie können doch nicht alle vorlassen!“ Ich blickte mich um und sah eine überschminkte Frau, jünger als ich und dafür ziemlich drall, die sich aufregte. Der Grund war mir nicht a priori ersichtlich, und ich meinte: „Nun, ich lasse ja nicht alle vor. Außerdem entsteht Ihnen lediglich ein kleiner Nachteil dadurch, dass ich den jungen Mann mit dem Mehl vorgelassen habe. Der Herr mit den Reform-Margarinebechern stand ja ohnehin vor Ihnen.“ – „Sie können doch nicht alle … Ich komme von der Arbeit!“

Sollte ich ihr nun dazu gratulieren, dass sie – wie sie es wohl empfand – die einzige Stütze des Staates sei? Zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass bei diesem Discounter in der Tat oft Kunden mit dauernder Tagesfreizeit anzutreffen sind, aber darum ging es ja gar nicht, und so sagte ich zu ihr: „Sehen Sie, auch ich habe nicht den ganzen Tag auf der Couch gesessen und Käffchen getrunken. Ich komme auch von der Arbeit, und da war es heute besonders stressig. Aber da ich ein freundlicher Mensch bin – bitte: Gehen Sie ruhig auch noch vor.“

Das tat die Dame, aber sie motzte noch immer, und da drehte sich auch der Margarine-Opa wieder um und motzte mit. Warum, verstand ich nicht. Ich hatte gefragt, ob es recht sei, den schwer beladenen jungen Mann vorzulassen, niemand schien etwas dagegen gehabt zu haben, und der Rest war sowieso kabarettreif gewesen in seiner Absurdität. Dennoch meckerten die beiden, als würden sie dafür bezahlt. Ich stand grinsend und kopfschüttelnd dabei – jedes Wort wäre eines zuviel und die pure Energieverschwendung gewesen. Nur einmal sagte ich noch etwas, als die dralle Dame meinte: „Der hätte sich ja einen Einkaufswagen nehmen können!“ Ich blickte auf ihren randvollen Einkaufskorb und meinte nur freundlich: „Nun ja – Sie doch auch.“ Trotz der immanenten Logik kreischte die Dame erneut los …

Da aber drehte sich der junge Türke plötzlich um und sagte laut: „Das ist ja wohl das Letzte! Da ist mal jemand nett und freundlich, und dann wird sie auch noch ausgeschimpft und angemotzt! Und Sie hat sie auch vorgelassen – Sie haben sich nicht einmal bedankt! Geht ja gar nicht! Wo sind wir denn hier?“ Da war Ruhe im Karton, und ich streckte meinen Daumen hoch, lächelte den jungen Mann an und rief: „Halt jeder, wie er kann. Danke schön!“ (Das konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. 😉 ) Und als er bezahlt und das Mehl in eine große Tüte gepackt hatte, winkte mir der junge Türke zum Abschied zu und rief: „Noch einmal ganz herzlichen Dank! Sie sind sehr freundlich. Und Ihnen wünsche ich einen schönen Abend, schöne Feiertage und alles Gute für das neue Jahr!“ Ich lachte und erwiderte seine guten Wünsche, die ich um den Satz erweiterte: „Und danke auch dafür, dass Sie sich für mich eingesetzt haben!“ Er gab zurück: „Das ist doch selbstverständlich. Sie sind ja erst durch mich in die Lage gekommen.“ – „Nein. Nicht durch Sie,“, sagte ich in prophetischer Attitüde und blickte auf den Margarine-Opa und die dralle Dame vor mir. 😉

Die beiden haben sich bis zum Schluss nicht dafür bedankt, dass sie nun eher nach Hause kamen. Nette Gesellschaft. 😉

Ich werde trotzdem in Zukunft schwer beladene Menschen an der Kasse vorlassen, ebenso solche, die nur zwei, drei, vier Teile in der Hand halten und ich mit erheblich mehr Waren im Einkaufswagen vor ihnen stehe. Margarine-Opa und die dralle Dame werden daran nichts ändern. 😉

Ich befürchte nur, dass ich demnächst schon leicht nervös werde, sobald die Kassen in Sichtweite kommen … Ganz gefährliches Terrain, eindeutig … 😉

Euch wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest! 😊

 

Von Männer- und Frauengrippe

Nachdem dieses Wochenende krankheitsbedingt ein echtes Fiasko ist, muss ich mich irgendwie bei Laune halten, und so sitze ich – in eine warme Decke gewickelt, eine Wärmflasche im Kreuz, eine Riesenkanne Tee (ohne Rum) nebst Riesentasse auf dem Couchtisch– mit meinem Lappy auf der Couch. Großen Hunger habe ich nicht, zumal Essen derzeit aus einem weiteren Grund etwas schwieriger als sonst ist, da ich linksseitig nur mit großer Vorsicht meine Zähne benutzen kann (ich erklärte es im Vor-Beitrag), für die ich teuer bezahlt habe. 😉

Gefreut habe ich mich über einen witzigen Kommentar zum vorherigen Beitrag, den ich auch sogleich beantwortete, und das ganz aufrichtig! Jawoll! Es ging um … Männergrippe.

Chaosvater, der nette Kommentator, hat mich auf eine Idee gebracht. Ich könnte über den Unterschied zwischen Frauen- und Männergrippe schreiben. Ich kenne mich damit aus, wenngleich das, was ich derzeit mit mir herumschleppe und bebrüte, wohl nicht einmal eine echte Grippe, sondern nur so ein Scheiß-Grippaler-Infekt ist. (Andererseits: Was für ein Glück, denn eine echte Grippe ist so richtiger Mist.)

Ich kenne mich damit aus, weil ich aus eigener und höchstpersönlicher, also Primärerfahrung – quasi am eigenen Leib erforscht – sowohl die Frauen-, als auch aus Sekundärerfahrung und -betrachtung die fiesen Tiefen und Unbilden der klassischen Männergrippe kenne. 😉

Eine echte Frauengrippe ist fies – keine Frage. Und dennoch ist sie nicht halb so wild wie eine echte Männergrippe. Erst kürzlich stand in einer überregionalen Zeitung dazu ein Artikel, der darauf hinwies, dass Hohn und Spott seitens Weibsvolks angesichts der Männergrippe grausam und völlig fehl am Platze sei, da Männer in der Tat schlimmer litten.

Ich selber habe daraufhin peinlich berührt meine spöttischen Anwandlungen ad acta gelegt – wenn eine Zeitung das schreibt, muss es ja wohl stimmen! Oder etwa nicht?

Wahrscheinlich bin ich auch einfach nur entwöhnt, da ich schon seit einiger Zeit keine an echter Männergrippe Erkrankten betreuen muss…, ääh, durfte. Daher mein Spott, denn wenn man mittendrin statt nur dabei ist, sieht alles gleich viel dramatischer aus. Und – bewahre! – es sieht nicht nur so aus!

Mehrfach habe ich an Männergrippe Erkrankte, die mir nahestanden, betreut, und, Mädels, ich versichere euch: Das ist ein Fulltime-Job! Ein ernstzunehmender Fulltime-Job!

Nachts lag man in einem eindeutig überheizten Bett neben dem Schwerkranken, sofern man nicht lieber auf der Couch campierte. Auf der anderen Seite steht so eine Couch ja meist im Wohnzimmer – also weit entfernt vom verschwitzten Krankenlager. Und das geht gar nicht – jeden Moment könnte der Erkrankte in eine schwere Krisis fallen, die unweigerlich den Tod zur Folge hat. Haben könnte – wie auch immer. Besser, man bleibt in der Nähe. Schlafen? Also ihr Mädels? Nein! Wie seid ihr denn drauf? Man kann doch nicht unbarmherzig einschlafen, wenn das Liebste, das ihr auf der Welt habt, neben einem dies für immer tun könnte, und das mit erhöhter Wahrscheinlichkeit!

Im Vertrauen: Ich frage mich ohnehin, wie frau daneben einschlafen könne. Das Bett bebt unter fiebrigem Sich-Herumwerfen des todkranken Patienten, dessen Gestöhn und Klagen („Mama!“) echte Tote wecken würde … Wer könnte dabei schlafen? Und: Wer brächte es übers Herz?

Morgens fühlte man den Puls des Patienten, sah nach, ob er noch atmete (am besten, frau legt einen Taschenspiegel neben das Bett, den sie nach versehentlichem Einschlafen ihrerseits direkt nach dem Aufwachen vor die Nase des Todkranken hält) – irgendwann war man dann doch noch eingenickt, und was hätte in dieser halben Stunde nur alles passieren können! 😉 Keiner da, der den Notarzt hätte rufen können! Und am Ende dann diese halbe Stunde „Schlafs“ der Grund, weswegen zusätzlich zum Notarzt gleich der Bestattungsunternehmer ebenfalls angerufen werden müsste!

Sobald feststeht, dass der Schwerstkranke noch lebt, eilt ihr bitte in die Küche, um einen Tee zuzubereiten. Mein Tipp: Bietet Männern – den meisten zumindest – Tee niemals an, wenn sie gesund sind. Die meisten Männer trinken Tee nur, wenn sie bereits am Rande ihres eigenen Grabes stehen. (Und meiner Erfahrung nach sind reine Teetrinker unter Männern bisweilen entweder Pedanten oder sonstwie schräg drauf. Nicht alle – bewahre. Ich habe nur entsprechende Erfahrungen damit gemacht.)

Optimal, wenn der Tee fertig ist, sobald der dem Tode Geweihte gerade erwacht. Ihr bemerkt es daran, dass das Gestöhne und Klagen lauter wird – natürlich völlig gerechtfertigt, da der euch nahestehende Mann wirklich massiv leidet – mehr, als ihr euch das vorstellen könnt. Tragt den Tee ans Bett, sagt etwas wie: „Oooch, du armer Schatz! Komm, ich habe dir einen Tee gemacht. Schön trinken, solange er noch heiß ist. Aber vorsichtig, denn er ist wirklich heiß!“ Und wenn ihr die Königsdisziplin vollführen wollt, löffelt ihr ihm den Tee vorsichtig ein. 😉

Danach holt ihr frische Wäsche, bezieht am besten auch das Bett frisch, nachdem ihr den Erkrankten ins Bad geschleppt habt – der Gemeine Stoffwechsel fordert seinen Tribut. Nach der Auffrischung des Krankenlagers holt ihr den Patienten zügig, aber vorsichtig aus dem Bad wieder ab. Immer vorsichtig sein – ihr hantiert wirklich mit einem Moribunden!

Ihr werdet feststellen, dass ihr die meiste Zeit des Tages an die Wohnung gefesselt seid – ich zumindest habe diese Erfahrung gemacht. Keine Diskussionen mit einem Sterbenden, bitte! Auch nicht, wenn sie noch so rational sind! „Aber ich muss doch einkaufen gehen – wir haben keinen Tee mehr! Und ich muss auch noch … und … besorgen!“ Wenn ihr das Haus verlasst, dann stets mit einem ganz schlechten Gewissen und Gefühl. Werdet ihr das Liebste, das ihr habt, bei eurer Rückkunft noch lebend vorfinden?

Meist ist dies der Fall, zumindest im Optimalfalle, und da geht ihr am besten hin und bringt ihm etwas zu essen. Liebevoll handbestrichener Toast mit einem Belag oder Aufstrich, den er liebt, ist hier der Standard, während in der Küche schon ein Suppenhuhn mit Suppengrün vor sich hinköchelt. Sobald fertig, entbeinen und in mundgerechte Stücke schneiden, in der Suppenhuhnbrühe, die ihr noch mit weiteren Zutaten verseht, mit Nudeln garziehen und dem Patienten dann vorsetzen. Sofern er des eigenständigen Essens schon mächtig ist, ansonsten löffelweise zuführen. Alternativ geht auch eine Rindfleischsuppe – mein Favorit.

In jedem Falle immer greifbar sein: „Möchtest du einen Tee? Sieh mal, ich habe dir ein Süppchen gekocht! Oder möchtest du Pfannkuchen?“

Ich stelle das hier so albern dar, aber all das habe ich immer gemacht – und sogar gern. Mir tut es immer leid, wenn mir nahestehende Menschen leiden, und das meine ich sogar ganz ernst.

Nun das Gegenstück: die Frauengrippe.

Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich kurz vor meinem Examen in Aachen bzw. in der schlimmsten Lernphase vor drei final entscheidenden Klausuren und drei gleichartigen mündlichen Prüfungen krank wurde. Im Februar war es, und ich wurde Knall auf Fall krank.

Es hatte ganz harmlos mit leichten Halsschmerzen begonnen, und ich dachte noch: „Nicht anstellen – weitermachen!“ Denn ich musste damals noch meinem Job als „Thekenschlampe“ nachgehen, ergo als Tresenfrau in einer Studentenkneipe. Mit immer stärkeren Halsschmerzen und einsetzendem Husten zapfte ich Pils, Kölsch und Alt im Akkord, schenkte Softdrinks aus, ebenso Weizenbiere und weitere Dinge dieser Art. Ich war froh, als die sehr stark frequentierte Schicht zu Ende war und ich im Taxi nach Hause saß.

Dort machte ich mir gleich eine Wärmflasche und sank zu Bett. An Schlaf war nicht zu denken. Am nächsten Morgen maß ich sehr früh meine Temperatur – 39,2 Grad Celsius. Und das am frühen Morgen! Abends hatte ich 40 Grad Fieber und wälzte mich schwitzend und nicht ganz ich selbst von links nach rechts sowie retour. Zwischendurch hatte ich mit Frankie, meinem damaligen Freund, dessen Männergrippe ich schon zweimal treusorgend betreut hatte, telefoniert, und er riet mir, einfach durchzuhalten.

Irgendwann am Abend – ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren – hörte ich dann einen Schlüssel im Schloss, und ich atmete auf. Endlich kam jemand, mich in den Arm zu nehmen, mir etwas Richtiges zu essen zu bringen, einen Tee, denn ich war tagsüber froh gewesen, mich zumindest zur Toilette schleppen zu können.

„Hallo, Ali!“ hörte ich Frankies Stimme durch eine Art Watte hindurch. Und schon stand er neben dem Bett, und mir wurde etwas unter die Nase gehalten. Stolz rief Frankie: „Sieh mal! Ich habe dir ein Eis mitgebracht! Da freust du dich sicher, oder?“

Und wie, nachdem ich das Ding, das unter meine Nase gehalten wurde, hatte identifizieren können: Ein Eis am Stiel war es. Ich ergriff es mit meinen fiebrigen Händen, ließ es jedoch sofort fallen, da ich nicht in der Lage war, es festzuhalten.

„Och, mein kleines Dummchen! Komm, ich packe es aus!“ Und Frankie packte das Eis aus, das ich – was hätte ich auch sonst damit tun sollen – aß. Ich hatte riesigen Hunger. Frank sah es mit Wohlwollen und meinte: „Da kam ich wohl zur rechten Zeit.“ – „Frank,“, röchelte ich, „ich habe Hunger.“ – „Och, du hattest doch gerade erst das Eis!“ – „Ich habe wirklich Hunger. Ich liege hier den ganzen Tag herum und brauche etwas Echtes zum Essen …“ – „Kein Problem! Ich bin ohnehin jetzt gleich mit Antoine verabredet. Wir wollen etwas um die Häuser ziehen. Du bist ja ohnehin krank und solltest dich erholen – da dachte ich, es würde dir nichts ausmachen. Ich bringe dir dann einen Döner oder Fritten mit!“ Und noch ehe ich etwas sagen konnte, entschwand er auch schon …

Und irgendwann morgens um vier wurde mir dann eine Currywurst unter die Nase gehalten – nach Aachener Art mit ekligen Röstzwiebeln versehen … Und Frankie hatte auch noch die Stirn, mir entgegenzulallen: „Siehste – ich happandich gedacht!“

Wie nett! 😉 Und es erinnerte mich an meinen Ex Paul, an meinen Ex Martin – es scheint irgendwie Programm zu sein. Aber wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass Frauengrippe nicht halb so schlimm ist wie Männergrippe. 😉 Männer wissen das von Natur aus – Frauen natürlich nicht. 😉

Aber ganz im Ernst: Grippe ist immer großer Mist, und ich würde auch heute noch Hühnersuppe kochen, ebenso Tee. Ich bin offenbar unbelehrbar. 😉

Not my cup of tea …

… ist dieses Wochenende! Einmal mehr frage ich mich, womit ich all das eigentlich verdient habe. Bin ich zu jemandem frech gewesen? Nein, gewiss nicht. Nicht in den vergangenen Tagen und Wochen. Habe ich sonst etwas angestellt? Hmmm … nein, auch nicht.

Warum also all dieser Mist?

Es begann bereits am späten Donnerstagnachmittag, als mich ein unangenehmes Frösteln anfiel, obwohl Kerstins und mein Büro stets sehr gut geheizt ist (wir sind beide Frostbeulen – einer meiner „Zweitnamen“ ist „Freezy Frostbite“). Kerstin war an diesem Tag bereits krank – ich würde doch wohl nicht auch noch …?

Das Frösteln ging nicht weg, und ich fuhr schnell nach Hause. Dort machte ich mir eine Kanne Tee und gab einen Tick Rum dazu. Wirklich nur einen Tick, da ich Tee mit Rum im Grunde nicht mag, dieser jedoch dazu führt, dass einem gleich richtig warm wird. Hilft prima, wirklich.

Half nicht im Geringsten, und ich fror mehr und mehr, so dass ich mich auf die Couch verzog, wo ich mich in eine Fleecedecke einhüllte. Und ich trug die dicksten Homesocks, die ich besitze. Nichts half. Ich legte mich irgendwann ins Bett, konnte jedoch nicht schlafen, trotz Wärmflasche und aufgedrehter Heizung.

Zurück auf die Couch, denn wozu sollte ich mich schlaflos im Bett von links nach rechts und wieder zurück wälzen, wenn ich mir mit dem Laptop auf der Couch die Zeit um die Ohren hauen konnte? Vielleicht würde ich darüber sogar schläfrig werden? Nichts da! Ich schrieb einige Mails, war aber wach wie eh und je, und ich fröstelte aufs Possierlichste unter der dicken Decke mit meinen Klamotten à la „Antarktis-Expedition“ … 😉

Irgendwann – es muss gegen eins gewesen sein – wurde ich dann doch noch ein wenig müde, und ich zog wieder ins Bett um. Den Wecker hatte ich mir gestellt, und ich hoffte, am anderen Morgen würde alles viel besser aussehen.

Als ich gestern früh um 6:15 Uhr vom Wecker geweckt wurde, tat mir alles weh, meine Nase war zu, und ich hustete und hatte so starken Schüttelfrost, dass meine Zähne aufeinanderschlugen. Eine eilends eingeleitete Temperaturmessung ergab, dass ich über 38 Grad Fieber hatte – super!  ☹

Um sieben Uhr rief ich die für die Dienstpläne zuständige Kollegin an – sie ist von der frühen Truppe. Meine Stimme klang, als hätte ich Rasierklingen geschluckt, zehn Zigarren geraucht und mit einem Fass Whisky nachgespült, und so sagte ich lieber direkt meinen Namen, damit die Kollegin auch sofort wisse, wer da mit ihr sprach. Sie meinte: „O Gott – du klingst ja furchtbar! Ich melde dich sofort krank – erhol dich gut!“ Und dann: „Was klappert denn da so?“ – „Meine Zähne,“, klapperte ich zurück, und sie meinte: „Geh sofort wieder ins Bett!“ – „Ich liege doch drin.“ – „Und trotzdem klappern deine Zähne?“ – „Ja.“ – „Gute Besserung – und wenn es nicht besser wird, meldest du dich am Montag sofort.“ – „Ja,“, klapperte ich kastagnettenartig, „dir gute Besserung … ääh, nein … ein schönes Wochenende!“ Nadja lachte und meinte: „Bei mir ist es noch nicht so weit, mir gute Besserung zu wünschen, obwohl ich Halsschmerzen habe – es grassiert wohl etwas. Dir ein erholsames Wochenende.“

Ich sank in die Kissen zurück und schlief wieder ein. Stunden später wurde ich wach mit dem Gefühl, gegen einen Gong gelaufen zu sein. Ich fror noch immer. Aber im Bett war es langweilig, und so ging es zurück auf die Couch – wo ich, klappernd und zwischendurch immer mal einnickend – einige Filme sah.

Abends dann flog mich doch so etwas wie Hungergefühl an, und ich schleppte mich in die Küche, wo ich mir ein Brot machte. Gleich beim ersten Biss hinein stellte ich fest, dass sich in meinem Mund irgendetwas verändert hatte – und das nicht zum Guten hin. Was knirschte denn da so?

Ich tastete vorsichtig und – surprise, surprise! – förderte etwas zutage, das eigentlich nicht lose sein sollte … Eine Verbundkrone! Die Verbundkrone, die bis dato auf einem Implantat gesessen hatte! Zum Glück weiter hinten, aber ich war trotzdem geschockt, als ich im Bad einen genauen Blick auf das Elend warf. Ich spülte die Verbundkrone ab und befestigte sie – provisorisch – an gewohnter Stelle. Hoffentlich würde ich sie nachts nicht verschlucken – das Ding war teuer … 😉

Nun muss ich vor Weihnachten auch noch zum Zahnarzt – sehr schön. 😉 Dabei hatte ich eher zum Friseur gewollt … 😉 Ob ich das alles noch schaffe?

Mir stellt sich nun die Frage: Ist Zähneklappern aufgrund von Schüttelfrost für Kronenträger gefährlich? Und warum wurde darüber noch nie aufgeklärt? 😉

Euch ein schöneres Wochenende – meines ist ziemlich daneben. 😉

„Ali’s Adventures in Winter Wonderland“ – Oder: Ein selten blöder Tag

Ich bedanke mich an dieser Stelle beim englischen Mathematiker Charles Lutwidge Dodgson, besser bekannt unter seinem Pseudonym Lewis Carroll, denn ich habe den Titel eines seiner Bücher – etwas abgewandelt – verwendet. Bücher, die die meisten sicherlich zumindest vom Hören kennen: Alice’s Adventures in Wonderland, kurz: Alice im Wunderland bzw. Through the Looking-Glass, and What Alice Found There, deutsch: Alice hinter den Spiegeln. Ich vermute, Mr Dodgson hat nichts dagegen – zumindest wurde ich bis dato noch nicht von einem Blitz getroffen. 😉

Nachdem ich einst las, Alice’s Adventures in Wonderland sei ein Buch, das nur von zwei Gruppen von Menschen geliebt und verstanden werde, nämlich Kindern und Mathematikern, sagt er sicherlich gerade: „Nun, sie ist keine Mathematikerin. Beileibe nicht. Und aus dem Kindesalter ist sie eindeutig auch herausgewachsen. Vielleicht ist sie ja ein verkappter Mathe-Fan.“ Falsch, lieber Mr Dodgson. Ich scheine mir nur wohl etwas bewahrt zu haben, das man als Kind bezeichnen könnte. Eine andere Erklärung habe ich nicht.

Doch zurück, denn ich wollte ja gar nicht über eines meiner Lieblingsbücher sprechen, auch wenn ich manchmal eine ganz leise und subtile Ahnung davon habe, warum gerade Mathematiker dieses Buch angeblich lieben. So leise und subtil, als würde man von einem Schmetterling angeflogen, der auch sogleich wieder wegfliegt, kaum dreht man sich zu ihm um. (So in etwa mein Verhältnis zur Mathematik, denn es ist offenbar durchaus nicht so, dass ich jeglicher Ahnung davon entbehrte. Es ist nur alles etwas verschüttet. Bzw. tief in der Erde ver- und noch nicht ausgegraben, denn Verschüttetes impliziert ja, dass etwas zuvor nicht verschüttet, sondern klar vorhanden war, was bei mir und der Mathematik durchaus nicht der Fall ist … 😉 )

Es geht ja hier auch eher um das, was manche Menschen, offenbar bevorzugt im Schlitten, auf Skiern, mit Schlittschuhen oder profan zu Fuß unterwegs, so sehr herbeisehnen, ist erst einmal der Sommer vorbei. (Denn für diese Menschen gibt es offenbar nur zwei Jahreszeiten. Den Sommer und den Winter, und selbst ich, die zu Extremen tendiert, finde das merkwürdig. Im Sommer kann es ihnen nicht heiß genug sein – dafür muss im Winter gefälligst Schnee fallen, speziell zu Weihnachten. 😉 )

Ich gebe zu, ich selber finde Schnee wunderschön. Wenn er liegenbleibt. Und wenn ich nicht mitten im Schneesturm stehen muss, sondern bei dessen Tätigkeit nett in der warmen Wohnung sitze. (Liegt der Schnee erst einmal und es schneit gerade nicht wie wild, liebe ich Spaziergänge in ihm.) Und als Kind verstand ich nie, warum mein Vater stets heftigst fluchte, wenn es draußen wie bezahlt schneite, während ich jubelnd an den Garderobenschrank rannte, dicke Winterjacke, gefütterte Stiefel, Mütze, Schal und Handschuhe herauszerrte und alles anzog, um kurz darauf ebenso jubelnd auf die Straße zu rennen, wo ich sogleich mit Britta, meiner damals besten Freundin, herumsprang, als wären wir Fohlen, um uns irgendwann, wenn der Schnee hoch genug lag, rücklings hineinfallen zu lassen und „Schnee-Engel“ zu produzieren. Noch besser, wenn es so sehr schneite, dass wir einen Schneemann bauen konnten. Oder eine zünftige Schneeballschlacht machen. Wunderbar war das damals, als wir noch fast bar jeglicher Verantwortung waren. 😉 Wir hatten damals ja auch noch kein Auto. 😉

Vorgestern schneite es hier bereits mehrfach heftig, gestern ging es richtig los. Die gestrigen Bemühungen Petrus‘, zumindest Kindern eine Freude zu machen, wurden jedoch abends zunichtegemacht, als es zu regnen begann und ein Sturm aufkam, der nicht von Pappe war.
Ich dachte noch naiv: „Immerhin ist es jetzt wärmer, und es regnet. Dann ist morgen wenigstens der kleine Monty frei von Schnee und Eis!“ Denn ich hatte keine Lust, mein Auto freizukratzen.

Heute früh trat ich um kurz nach halb 8 aus dem Haus (und dem Himmel sei Dank, dass ich – einer spontanen Eingebung Folge leistend – daran gedacht hatte, den Scheibenenteiser mitzunehmen!) und an mein Auto heran. Dann traf mich der Schlag. Die gesamte Windschutzscheibe war quasi schockgefrostet. Von weitem glitzerte sie sehr hübsch, immerhin. Als ich testhalber meinen Zeigefinger in den Schnee auf der Scheibe bohren wollte, wurde der Finger arg gestaucht: Der Schnee war gefroren, an der schlimmsten Stelle etwa 4 Zentimeter hoch, und darunter war eine dicke Eisschicht. Eine halbe Flasche Scheibenenteiser ging drauf, und ich musste den Motor starten, das Ganze überhaupt freizukriegen. Ich kam eine halbe Stunde später als geplant bei der Arbeit an …

Immerhin waren die Straßen frei gewesen, und so begab ich mich frohgemut mit Kerstin und den anderen Kollegen in den für heute und morgen anberaumten Workshop, traditionell auch Fortbildung oder Schulung genannt. Kaum saßen wir im PC-Pool, zeigte Kerstin erst nach draußen, dann auf ihr Handy. Draußen schneite es sacht, auf dem Handy vermeldete die Wetter-App des Deutschen Wetterdienstes starken Schneefall mit 12 Zentimetern Neuschnee! Da unser Dozent besonders autoritär war und jegliche internen Gespräche verboten hatte, nahm ich – um nicht sofort zu Beginn in Ungnade zu fallen – meinen gesponserten Schreibblock und schrieb als Reaktion: KOTZ! in die linke untere Ecke des Deckblatts. Kerstin nickte und rief: „Genau!“ Der Dozent meinte daraufhin: „Was wollten Sie uns mitteilen, Frau M.? Nun?“ – „Nichts von Bedeutung,“, meinte Kerstin schnell, aber der Dozent war wirklich sehr autoritär und meinte: „Was meinten Sie denn?“ Kerstin sah mich konsterniert an, ich grinste und nickte ihr zu, und da meinte sie: „Frau B. hat ‚Kotz!‘ auf ihren Block geschrieben. Wegen des Wetters. Wir sind des Wetters wegen einer Meinung.“

Super! Sogleich lachten die anderen Teilnehmer, fanden das Wetter aber auch scheiße. Nur der Dozent wiederholte noch einmal, dass interne Gespräche verboten seien. (Ich muss mir das unbedingt abgucken, für meine Seminare an der Uni. Man macht sich gleich beliebt und wirkt von vornherein so, als hätte man Nerven wie Drahtseile. 😉 )

Der Workshop schritt von dannen, während draußen der Schneefall immer heftiger wurde. Binnen kurzem war „Land unter“ und die Gegend knöcheltief mit Schnee überhäuft. Und es schneite immer weiter! Einige Teilnehmer wurden nervös. Die mussten noch bis sonstwohin fahren, nach Feierabend, denn nicht alle meine Kollegen wohnen vor Ort.

Und auch mir graute vor der Heimfahrt, dabei wohne ich vor Ort. Aber der Schneefall war wirklich exorbitant, zudem war es windig, und binnen kurzer Zeit waren parkende Autos zugeschneit.

Gegen 16:15 h waren wir in Gnaden entlassen (es hatte so gut wie keine internen Gespräche mehr gegeben), und Kerstin und ich rauchten noch eine vor dem Haupteingang. Dann gingen wir in unser Gemeinschaftsbüro, packten alles zusammen und entfleuchten vorsichtigen Schrittes gen Mitarbeiterparkplatz. Kerstin rief angesichts ihres Autos: „Ach! Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt!“ Ich konnte Monty von unserem Standort aus noch nicht sehen, und so meinte ich: „Das macht mir etwas Mut. Ich wünsche dir einen schönen Feierabend!“ Kerstin winkte mir zu, wünschte das Gleiche, und ich schritt weiter.

Als ich Monty sah, hätte ich ihn am liebsten einfach stehen gelassen. So hübsch sah er aus! 😉 Auf seinem Dach türmte sich eine reizende Schneehaube, etwa zehn Zentimeter hoch. Die Windschutzscheibe sah ähnlich reizend aus. Und ich hatte nur meine unbehandschuhten Hände, den ganzen Mist wegzuräumen … 😉 Es hat insgesamt etwa zwanzig Minuten gedauert. Vielleicht auch länger, ich habe nicht auf die Uhr gesehen.

Endlich ausgeparkt, fuhr ich wie auf rohen Eiern zur Ausfahrt, denn der Schnee Richtung Ausfahrt war total komprimiert, festgefahren und sehr glitschig. Rechts abgebogen, ging es Richtung Kreisverkehr, und ein Idiot kam mir viel zu schnell entgegengebrettert und schlingerte bereits. Ich dachte: „Solltest du jetzt gleich in mein Auto krachen, hoffe ich, möglichst nicht zu schwer verletzt zu werden, damit ich noch aussteigen und dir ganz zünftig eins auf die Zwölf geben kann!“ Zum Glück passierte nichts Derartiges, und ich kroch auf den Kreisverkehr zu, in der Hoffnung, sogleich hineinfahren zu können. Aber nein, ich musste anhalten, an einer Steigung. Das ist ja nun normalerweise kein Problem, aber die Schneematschspuren hatten schon wieder zu frieren begonnen, und ich befürchtete nichts Gutes. Als ich endlich anfahren konnte, behandelte ich die Kupplung, als wäre sie ein rohes Ei. Ich fuhr sehr vorsichtig an und geriet trotzdem sofort ins Schlittern. Zum Glück kam keiner von links im Kreisverkehr, und so schlitterte ich sanft in die nächste Ausfahrt und schlich die ansteigende Straße entlang, denn da war überhaupt nicht geräumt, und der Schneematsch gefror aufs Possierlichste zu Rillen.

Ich brauchte länger als eine halbe Stunde nach Hause. Dort erwartete mich eine wunderbare Mail meines Heizkostenverteiler-Ablesedienstleisters. Der Ableser sei am vergangenen Freitag bei mir im Haus gewesen, und er habe mich nicht angetroffen! Ach! Echt?

Eine Unverschämtheit sondergleichen – da warte ich ab 7 Uhr, da der Termin für die Zeitspanne zwischen 8 und 10 anberaumt ist, und keiner kommt! Und dann werde ich auch noch kackfrech abgebügelt, man habe mich nicht angetroffen! Ich war stinksauer, schrieb jedoch eine sehr höfliche, extrem bestimmte Mail, in der ich erklärte, niemand habe bei mir geklingelt, und es hätte – wäre ich nicht anwesend gewesen – doch zumindest eine Benachrichtigung im Briefkasten liegen müssen. Ich bin gespannt, was man mir morgen antwortet, aber ich freue mich keineswegs auf die Antwort. Wahrscheinlich muss ich mich wieder ärgern. Und ich ärgere mich ungern.

Eines weiß ich jedoch jetzt schon: Morgen fahre ich nicht mit dem Auto zur Arbeit. 😉

Besinnliches Wochenende

Heute ist ein merkwürdiger Tag. Andererseits war der gestrige Tag ebenfalls merkwürdig, und dem morgigen blicke ich bereits jetzt schon voller Spannung entgegen, denn aller merkwürdigen Tage seien drei, heißt es doch im Volksmund. Oder so ähnlich.

Gestern hatte ich Urlaub. Klingt ja eigentlich gar nicht so schlecht und war mir auch sofort von meinem neuen Chef bewilligt worden, nachdem meine neue Kollegin Kerstin sofort bereitwillig die Urlaubskarte im Sinne der Vertretung unterschrieben hatte.

Der Anlass war jetzt nicht so spannend, denn zwei Wochen zuvor war ich an einem Freitagabend etwas später von der Fron und einem Abstecher nach D. heimgekehrt und hatte im Treppenhaus einen Zettel vorgefunden, dass die Heizkostenverteiler abgelesen werden würden – am Freitag der Folgewoche zwischen 10 und 12 Uhr. Ich jubelte einmal mehr über die arbeitnehmerfreundliche Zeitspanne und schrieb dem Dienstleister gleich eine Mail, in der ich um einen anderen Termin bat. Das hatte ich schon mehrfach machen müssen, und es war nie ein Problem gewesen. Gleichzeitig erwähnte ich, dass die Vorlaufzeit von einer Woche recht knapp sei, da ich inzwischen nach einem Dienst- oder Schichtplan arbeite, der leider schon feststehe und ich auch nicht einfach zwischendurch von der Arbeit abhauen könne.

Am Montag drauf rief mich ein Herr aus Bochum an, der bei dem Dienstleister arbeitet und offenbar in die Kategorie Gib ihnen ein bisschen Macht, und sie werden sie missbrauchen gehörte. Denn der Herr erklärte mir zunächst sehr wortreich, außer mir hätten sich viele andere Nachbarn beschwert, dass der Termin Mist und die Vorlaufzeit zu knapp sei. In besonders hoher Sprechfrequenz schob ich ein, ich hätte mich keineswegs beschwert. Nein, nein, ich nicht, und ich hätte ja auch einen Schichtplan – das sei etwas anderes. Und schon ging es weiter mit der Logorrhoe, bis ich in einer kurzen Atempause meines Gesprächspartners besonders liebreizend – da ist Vorsicht geboten – fragte: „Wie verbleiben wir denn jetzt?“

Man beschied mir, ich würde einen Bescheid vom Ableser hinsichtlich des Ersatztermins in den Briefkasten geworfen bekommen, und sicherlich lasse sich auch meine Bitte um einen Nachmittagstermin, wenn möglich, erfüllen.

Als ich am Freitag letzter Woche nach Hause kam, fand ich den Bescheid, der auf den achten Dezember festgesetzt war. Und ich hatte sogar einen Nachmittagstermin bekommen: Zwischen 8 und 10 Uhr würde man zum Ablesen schreiten … 😉 Vergangenen Montag nahm ich leise genervt einen Tag Urlaub für den gestrigen Freitag, an dem ich dennoch nicht würde ausschlafen können …

Von meinem Vater darauf gedrillt, dass man bei derlei Terminen schon etwa eine Stunde früher gestiefelt und gespornt sein müsse, war ich um 7 Uhr bereits vollständig bekleidet und hergerichtet. Das war ich logischerweise auch um 8, um 9 und um 10 Uhr noch. Da ich weiß, dass sich Termine auch schon einmal verzögern können, wartete ich auch weiterhin. Zwischendurch rief ich bei dem Bochumer Dienstleister an, bekam aber niemanden ans Telefon. Entweder war besetzt, oder es ging niemand dran. Und der Ableser hatte seine Handynummer nicht auf meinem Bescheid notiert. Nun, immerhin konnte ich ein bisschen herumgammeln und sah mehrere DVDs. Zweimal war ich auch unten am Briefkasten, denn beim DVD-Schauen war ich zweimal eingenickt und befürchtete, den Ableser, der just da an der Tür klingelte und Einlass begehrt haben könnte, verpasst zu haben. Aber nein – der Briefkasten war leer. Der Typ hatte mich einfach versetzt!

Höflich, aber sehr bestimmt schrieb ich eine Mail an den Bochumer Dienstleister und schilderte, was passiert sei. Oder auch eben nicht. (Im Vertrauen: Ich fürchte mich jetzt schon ein bisschen vor Montag! Nicht, dass der Typ von neulich mich wieder anruft, der so viel redete und sich in seiner Rolle gefiel, Leuten vorschreiben zu können, wann sie zu Hause sein oder dass sie ihren Schlüssel beim Nachbarn abgeben müssten, was hier offenbar niemand machen möchte …)

Zum Trost legte ich mich in die Badewanne, als es an der Tür klingelte. Ich hatte die Badezimmertür halb geöffnet – mein Bad liegt direkt links hinter der Wohnungstür – und rief: „Wer ist da? Sorry, kann gerade nicht aufmachen!“ Von draußen rief ein Nachbar: „Ah, so, ah, na ja – haben Sie Fernsehempfang. Frau B.?“ Es konnte sich nur um meinen etwas schrägen Nachbarn, Herrn Einhorn, handeln, der so wirkt, als sei er nicht von dieser Welt … Ich rief zurück: „Im Bad nicht, Herr Einhorn! Entschuldigen Sie, bitte, dass ich nicht an die Tür komme, aber ich liege in der Badewanne!“ – „Ah so, ah, na ja …“ – „Wenn Sie keinen TV-Empfang haben, habe ich sicherlich auch keinen. Kann ich jetzt aber nicht testen.“ – „Ah, so. Na, ja … Schönen Abend …“ – „Ihnen auch,“, rief ich und plätscherte ein wenig mit dem Wasser in der Wanne, damit Herr Einhorn nicht etwa dächte, ich säße auf dem Klo … 😉

Der heutige Morgen begann grau, da es draußen nicht recht hell wurde und auch noch heftig schneite, wie ich später feststellte. Ich wachte in meinem Bett auf, in das ich mich irgendwann gegen 2 Uhr morgens begeben hatte, nachdem ich lange nach meinem Bad erneut auf der Couch eingeschlafen war … 😉 Ich wachte von einem zunächst scharrenden, dann leicht quietschenden und en tout ungewohnten Geräusch auf, das vom Fenster zu kommen schien. Die Jalousie hatte ich nachts um 2 nicht mehr hinunterlassen wollen – ein wenig Rücksicht auf die Nachbarn sollte man schon nehmen. 😉

Ich zwang mich, die Augen ganz zu öffnen – was scharrte und quietschte denn da so? Als meine Augen erfassten, was diese beiden Geräusche erzeugte, war ich zunächst nicht geneigt, ihnen zu glauben. 😉 Ein kastanienrotes, kleines, sich bewegendes „Ding“ war es, und zum Glück bin ich direkt nach dem Aufwachen noch nicht so bewegungsfreudig, denn ansonsten wäre es vielleicht geflüchtet und ich hätte nicht höchst fasziniert dem Treiben des kleinen „Dings“ zusehen können. 😉

Es war ein Eichhörnchen, das auf meinen Balkon gekommen war. Genauer: „mein“ Eichhörnchen. Es kommt öfter vorbei, bedient sich am Vogelfutter, dabei auf seinen kleinen Keulen sitzend und niedlich aussehend, und es pflegt danach die Sonnenblumenkern-Schalen nicht wegzuräumen, die es dabei hinterlässt. Aber ich mag es trotzdem. 😉

Heute musste ich jedoch zweimal hinsehen. Es saß auf der Außenfensterbank meines Schlafzimmerfensters, scharrte mit seinen kleinen Vorderläufen und den immensen Krallen am Fenster, und wenn es nicht gerade scharrte, sah ich, wie es das Fenster mit seiner rosa Zunge ableckte! (Okay, ja, das Fenster muss mal wieder geputzt werden, aber der Wirkungsgrad des Hörnchens war nicht der größte, außerdem war Samstagmorgen …) Dann scharrte es wieder.

Irgendwie fühlte ich mich ein bisschen unangenehm berührt und beobachtet. Woran erinnerte mich dieses Szenario nur? Ich überlegte. Dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren …

Es begab sich während meiner Studienzeit in Aachen. Ich war seit einigen Wochen mit Richie zusammen, und es war Mitte Januar. Die Stadt und gesamte Region war speziell am Vorabend von einem furchtbaren Wintersturm heimgesucht worden, und es hatte geheißen, man solle die Häuser nur unter besonderer Vorsicht verlassen, da überall Dachpfannen von den Dächern fielen. So etwas möchte man nicht auf dem Kopf haben. Es könnte das erste und das letzte Mal sein.

Der Sturm heulte die ganze Nacht hindurch, es schneite wie verrückt und ließ erst gegen Morgen nach. Richie stand gegen 8 auf, brachte mir sogar einen Kaffee ans Bett und meinte: „Du hast es gut – du kannst liegenbleiben! Ich muss zur Arbeit.“ Er arbeitete als studentische Hilfskraft, als Hiwi an einem Institut, das zur Fakultät Maschinenbau gehörte. Ich hatte erst kurz zuvor meine Zwischenprüfung – in anderen Fächern Vordiplom genannt – abgelegt, an jenem Tag keine einzige Vorlesung und kein einziges Seminar, und so konnte ich bequem und ohne schlechtes Gewissen liegenbleiben. Richie meinte zum Abschied, er müsse nun leider gehen, obwohl er eigentlich viel lieber bleiben würde. 😉

Ich hörte noch, wie er die Wohnungstür ins Schloss zog, dann schlief ich ein. Irgendwann wurde ich wach und sah auf die Uhr: 11 Uhr! Vielleicht sollte ich doch mal aufstehen, dachte ich noch, warf die Decke zurück, bereit, aus dem Bett zu steigen. Da fiel mir etwas auf …

Richies Wohnung hatte keine Jalousien an den Fenstern, und im Schlafzimmer gab es nur Vorhänge. Der neben dem Bett war halb zurückgeschoben, und als ich da gerade die Decke zurückgeworfen hatte und mich streckte und dehnte, sah ich ein Gesicht außen vor dem Fenster! Genauer: einen Kopf, der einen Helm trug. Ich sah auch die Ausläufer einer Leiter. Ein Feuerwehrmann – direkt vor dem Fenster, hinter dem ich mich genüsslich streckte und dehnte!

Hätte ich wenigstens ein T-Shirt getragen – in dem Falle hätte ich den Feuerwehrmann höchstwahrscheinlich angegrinst und fröhlich gegrüßt. Vielleicht sogar das Fenster geöffnet und einen Kaffee angeboten.

In dieser T-Shirt-losen Situation allerdings hätte ich zu gern mein Gesicht gesehen. An das des Feuerwehrmannes kann ich mich bis heute erinnern … Das Grinsen und den nach oben gestreckten Daumen und sein nach unten zu seinen Kollegen gerichtetes: „Hey, Jungs!“ werde ich nie vergessen. Ebenso wenig meine völlig absurde Reaktion, denn ich riss nach der ersten Schrecksekunde hektisch die nach hinten geschlagene Bettdecke an mich, stülpte sie mir über den Kopf und ließ mich rücklings wieder ins Bett sinken, wo ich eine gefühlte Stunde reglos liegen blieb … 😉 Eindeutig: eine Art Schock hatte mich ereilt. Aber mal im Ernst: Wer rechnet denn im vierten Stock mit einem Gesicht vor dem Fenster? 😉 Und im Stillen verfluchte ich Richies Vermieterin, Frau Goldberg – dass das Dach ihres Mietshauses nicht auf dem neuesten Stand war und ausgerechnet von diesem Dachziegel herunterfielen, weswegen die Feuerwehr das Ganze absichern musste, lag nur daran, dass sie extrem geizig war. (Daher gab es ja auch keine Jalousien …)

Dass mich das Ganze aber derart konditioniert habe, war mir nicht bewusst, bis ich heute früh das Eichhörnchen begeistert an meinem Fenster herumscharren und -lecken sah. Dabei hatte ich ein T-Shirt an! 😉

Und als heute am späten Nachmittag, als ich vom Einkaufen kam, Herr Einhorn, den ich vor der Haustür traf, auch noch ganz normal mit mir sprach, mich gar anlächelte, fast anstrahlte, war mir klar: Dieser Tag ist nicht normal. 😉

Wer weiß, was morgen passiert … 😉

Vom Schrecken des Nikolauses …

Heute ist Nikolaustag. Dieser Tag, neben meinem Geburtstag im August, dem ersten Dezember (der Adventskalender!) und dem Weihnachtsfest, war für mich als Kind stets ein sehr, sehr wichtiger Tag im Jahr. Nicht, dass ich materialistisch eingestellt wäre, aber mal im Ernst: Wer bekommt nicht gern Geschenke? (Naja, obwohl ich sagen muss, dass ich da bisweilen ein bisschen heikel und peinlich berührt bin, wenn sich Menschen ernsthafte Gedanken machen, was mir wohl gefallen könnte und es mir wirklich manchmal etwas unangenehm ist, etwas geschenkt zu bekommen. Ich bin da etwas eigen … geworden. Warum? Keine Ahnung. 😉 )

Als Kind war das noch anders – da freute ich mich immer riesig über Geschenke. (Im Vertrauen: Ich freue mich auch heute noch. 😉 ) Ich war ein ganz normales Kind, wie es scheint. 😉

Und der Nikolaustag war – neben den anderen genannten Tagen – für mich immer sehr schön. Denn hier kam auch noch dieses leicht Verwunschene und Überraschende hinzu, dass man morgens einen gefüllten Stiefel oder einen gefüllten Strumpf an der Tür vorfand. Wenn man diese Dinge vorfand …

Natürlich weiß man irgendwann, dass Mama und Papa Nikolaus spielen, aber als noch recht kleines Kind ist es doch bisweilen spannend, und bis zu meinem sechsten Lebensjahr fand ich auch immer zuverlässig einen gut gefüllten Stiefel – oder Strumpf – vor. Genauer: einen sehr hübschen, roten Stiefel aus Stoff, den man aufhängen konnte und auf dem vorne ein Nikolausgesicht aus Filz war. Der war immer voll, was daran lag, dass ich ihn mir mit Stephanie teilen und der Inhalt für zwei reichen musste, was aber kein Problem war, da wirklich reichhaltig.

Genaugenommen bekam ich auch nach meinem sechsten Lebensjahr – auch, als ich schon gar nicht mehr an ihn glaubte, das Ganze aber eine nette Tradition war – zuverlässig derlei Gaben in diesem Stiefel verabreicht, der immer an der Türklinke der Haustür hing, um zu signalisieren, dass der Nikolaus kurz hereingekommen sei, den Stiefel gefüllt habe und dann wieder abgezittert sei, das gute Stück noch rasch innen an die Türklinke hängend. 😉

In meinem sechsten Lebensjahr jedoch passierte etwas, das mir zu denken gab. Sehr früh am Morgen des 6. Dezember schlich ich aus dem Zimmer, das ich mit Stephanie bewohnte, die auch schon wach war. Und ich schlich die Treppe hinunter, nahm Kurs auf die Haustür, an deren Klinke ja immer der Nikolausstiefel hing. Ich langte dort an und sah … nichts. Rein gar nichts. (Was ich dabei empfand, muss ähnlich sein wie das, was heute mancher empfindet, wenn er eine WhatsApp-Nachricht oder eine Mail verschickt, und es kommt keine Antwort. 😉 )

Aber ich ging den Dingen schon als Kind gern auf den Grund, und so machte ich Licht und sah mich um, wie ich es Ostern immer tat, wenn Osternester gesucht werden mussten, die dann bisweilen raffiniert unter oder hinter irgendwelchen Möbelstücken oder dem Klavier verborgen waren. Und welche Freude immer, wenn man sie entdeckte! Ostern verbrachte ich bei der Nestsuche zumeist bäuchlings auf dem Boden. 😉 (Wobei es bei uns immer „nur“ Schokoladen- und gefärbte hartgekochte Hühnereier sowie Schokoladenhasen gab – anders als heute, wo Kinder bisweilen mit echten „Preziosen“ bedacht werden. Fragt man herum, was Ostern eigentlich sei und bedeute, erntet man nicht selten wortloses Staunen. Wie jetzt – ist das nicht ein Geschenkefest? 😉 Und das stößt sogar mir als Nichtgläubiger auf! 😉 )

Nirgendwo hing dieser Stiefel, weder im Flur, noch im Wohnzimmer, wo er ohnehin nicht hingehörte. Ich ging zurück in den Flur, und da stachen sie mir – im übertragenen Sinne – in die Augen: spätherbstliche Zweige in einer Bodenvase (ich hasse Bodenvasen – ob ein Zusammenhang mit dem Erlebnis hier besteht? 😉 ). An den Zweigen hingen Weihnachtsbaum-Schokoladenanhänger einer namhaften Schweizer Schokoladenmanufaktur, und ich atmete auf! Zumindest fürs erste, denn dann sah ich zwischen den Anhängern noch etwas: einen Zettel. Einen oben gefalzten Zettel mit Buchstaben darauf, einer Botschaft. Und ich griff zu und nahm den Zettel an mich. Zu meinem Erstaunen sah ich, dass die Botschaft in einer Schrift geschrieben war, die zu keinem aus meiner Familie passte – eine völlig fremde Schrift! Und die Botschaft in dieser Schrift war auch nicht gerade aufmunternd, denn da stand: „Liebe Stephanie und liebe Ali! Weil ihr im vergangenen Jahr nur ganz selten lieb gewesen seid, gibt es dieses Jahr keinen Stiefel, sondern dieses hier. Teilt es mit euren Eltern, denn mehr habt ihr dieses Jahr nicht verdient! Alles Gute und viele Grüße, Euer Nikolaus.“

Mir sank das Herz in die Hose – ach, du Scheiße! Ich war zwar nicht so naiv, zu glauben, der Nikolaus sei wirklich zu uns ins Haus gekommen, um die Schokoladenanhänger in die Zweige dieser hässlichen Bodenvase zu hängen – aber ganz sicher war ich mir nun doch nicht mehr. Diese Schrift war völlig anders als alles, was ich an Handschriften aus meiner Familie kannte! Und bei uns wurden auch keine oben gefalzten Zettel benutzt … Ich gebe zu, das stürzte mich in arge Zweifel, und so nahm ich den Zettel mit, als ich wieder in Stephanies und mein Zimmer zurückschlich. Auf der Treppe glaubte ich, ein leises und unterdrücktes Kichern zu hören, das aus der Richtung kam, in der das Schlafzimmer meiner Eltern lag, aber ich war zu aufgewühlt, mir darüber Gedanken zu machen. (Heute vermute ich, es war mein Vater, der da das Lachen unterdrücken musste. Er ist Frühaufsteher und daher sehr früh wach. 😉 )

Oben angelangt, teilte ich Stephanie das Ungeheuerliche mit – es gebe keinen Stiefel! Stephanie meinte: „Unsinn! Hast du genau geguckt? Oder soll ich lieber noch einmal gehen?“ – „Nein. In den Zweigen in der Bodenvase hängen Schokoladenanhänger. Und dann war da dieser Zettel …“ Ich streckte ihn Stephanie hin, aber die lachte zunächst und meinte: „Sicherlich hängt der Stiefel dieses Jahr woanders – Mama und Papa haben sich sicherlich einen anderen Ort ausgesucht.“ – „Nein! Hier! Da hing dieser Zettel in den Zweigen!“

Stephanie lästerte darüber, wie leicht ich mich doch ins Bockshorn jagen ließe, aber ich meinte: „So schreiben Mama und Papa nicht! Das ist nicht ihre Schrift!“ Da sah sich Stephanie den Zettel etwas genauer an und meinte: „Mist! Du hast Recht – das ist weder Mamas, noch Papas Schrift!“ Und angesichts der Botschaft meinte sie nur: „Offenbar haben wir Scheiße gebaut! Aber so schlimm waren wir doch gar nicht, oder?“ – „Nee!“ rief ich voller Inbrunst. Zumindest waren wir gefühlt keineswegs schlimmer als die Jahre davor gewesen … 😉

„Kein Wort zu Mama und Papa“ war unsere Devise – und immerhin darin hielten wir damals zusammen. Obwohl wir öfter zusammenhielten, wenn Not am Mann war. Aber eben auch nur dann. 😉

Heute sehe ich des Rätsels Lösung(en) so:

a) Meine Eltern hatten vergessen, etwas zum Nikolaus zu kaufen und „nur“ diese „Schwindt“-Schokoladenanhänger im Haus.

b) Meine Eltern waren echt stinkig, weil meine Schwester und ich uns dauernd stritten und/oder kloppten. Und so kombiniere man a) mit b) und schlage zwei Fliegen mit einer Klappe.

c) Es war wirklich der Nikolaus. 😉

Nachtrag: Auch meine Eltern haben an jenem und den folgenden Tagen nie ein Wort über die Sache verloren. Aber als Stephanie und ich in ungewohntem Maße liebreizend waren, zuckte es wiederholt um ihre Mundwinkel. Mission geglückt! 😉


Euch einen schönen Abend! 😊

„Jag heter Ali! Vad heter du?“

Immer dann, wenn ich eigentlich gar nicht soviel Zeit übrig, sondern andere Dinge zu tun habe, überfällt mich das Bedürfnis, etwas ganz anderes zu tun. So habe ich schon – völlig untypisch für mich – Schals gestrickt, ein Selbstportrait gezeichnet, mich endlich in Aquarellmalerei versucht …

Gestern überfiel es mich wieder, als ich gerade die Wohnung putzte (weshalb die Wohnung auch noch immer nicht fertig ist) und als Unterhaltung den Fernseher laufen hatte. Genauer: eine DVD. Ich gebe zu, die DVD aus nostalgischen Gründen ausgewählt zu haben, denn im Grunde ist sie eher für Kinder: „Madita“ oder – im schwedischen Original – „Madicken“ von Astrid Lindgren. Die DVD lief im Hintergrund, während ich in Küche und Wohnzimmer zugange war. Ich bekam sie zunächst auf Deutsch mit, und als sie zu Ende war, wechselte ich die Tonspur, denn es gibt auch noch eine für Schwedisch. Und schon ging es los …

Ich gestehe, ich wurde an manchen Stellen ein bisschen von Lachen geschüttelt, weil diese Sprache irgendwie knuffig ist. Sie liest sich – von den Wörtern her – bisweilen etwas sperrig, klingt aber meist ziemlich weich. Sollte man gar nicht meinen, wenn man sie nur liest. Interessant: Lese ich Schwedisch, verstehe ich Sinnzusammenhänge durchaus besser, als wenn ich es höre. Denn die Wörter klingen gesprochen doch irgendwie ganz anders – die Lautung geht im Schwedischen nicht immer Hand in Hand mit der Schreibung. Und das ist nicht das Einzige, was diese Sprache gar nicht so einfach zu durchdringen macht.

Denn da ist ja noch das, was ihren Klang so possierlich macht – eine Eigenart, die das Deutsche so nicht hat, obwohl relativ nah mit dem Schwedischen verwandt: Schwedisch lebt von einer gewissen Sprechmelodie, die nicht nur auf Sätze, sondern auf einzelne Wörter zutrifft, denn oft ergibt sich aufgrund unterschiedlicher Betonung und Melodie ein und desselben Wortes eine gewisse Bedeutungsverschiebung. Viele Menschen bezeichnen das als „ulkigen Singsang“, und so kommt es einem durchaus auch vor, wenn man sich nicht genauer damit beschäftigt. 😉

Vor einigen Jahren – ich lebte noch in der Nähe von Düsseldorf – kam ich aufgrund meiner Vorliebe für Skandinavien, speziell Schweden, auf die Idee, mir einen CD-ROM-Kurs „Schwedisch für Anfänger“ zuzulegen. Ich fand – und finde – diese Sprache so drollig und süß, und wer wusste schon, ob ich sie nicht eines Tages würde brauchen können? 😉

Endlich traf meine Bestellung ein, und voller Elan stürzte ich mich in die Arbeit! Ich sprach all die Sätze nach, die mir geduldige Muttersprachler vorsprachen, musste zwischendurch ab und an unterbrechen, wenn mich ein alberner Lachanfall anfiel, aber ich hielt tapfer durch. So lustig war nicht mal mein Niederländischkurs an der Uni gewesen, obwohl auch dieser stets lachend stattfand. Aber Schwedisch ist doch noch etwas lustiger, obwohl es eine völlig seriöse Sprache ist, ebenso wie das Niederländische, nur eben für bisher Uneingeweihte vom Klang her … irgendwie niedlich. 🙂 (Schwedisch hat immerhin den Vorteil, dass man nach einer Lektion keine Halsschmerzen hat. Eine halbe Stunde Niederländisch am Stück, und mein Rachenraum schmerzte aufs Possierlichste. 😉 )

Mein damaliger Freund Henrik hingegen verließ jedes Mal fluchtartig das Wohnzimmer, wenn ich mich an den PC setzte, und er beschwerte sich gar: „Ist dir klar, wie bekloppt das klingt?“ – „Vad menar du med det?“ – „Hä???“ – „Was meinst du damit?“ – „Ja, hör doch mal hin!“ – „Tue ich doch! Ich muss genau hinhören – sonst kann ich das Ganze ja nicht authentisch lernen!“ – „Es klingt, als würde jemand mit drei Promille zu sprechen versuchen!“ – „Echt?“ – „Ja! Und dieser Singsang! Es klingt, als wärest du nicht ganz dicht!“ – „Danke verbindlichst. Du solltest besser einen großen Bogen um Skandinavien machen. Und nun störe mich bitte nicht länger.“ Henrik verließ genervt das Wohnzimmer.

Und als er mir eines Morgens empört vorwarf, sogar im Schlaf würde ich derartig alberne Dinge äußern (dass ich bisweilen im Schlaf spreche, wusste ich schon …) und hätte, als er nachts zuvor von einem Toilettengang zurückgekommen wäre, sich wieder ins Bett und den Arm um mich gelegt hätte, das Ganze mit den Worten: „Jag heter Ali. Vad heter du?“ kommentiert, woran ich mich – da schlafend – nicht erinnern konnte, war mir klar, dass ich meinen fremdsprachlichen Bestrebungen besser nicht mehr in seiner direkten Gegenwart nachkommen sollte.

Eine Bekannte kam mir zu Hilfe. Liisa war Finnin, ihre Muttersprache jedoch Schwedisch, Finnisch hingegen ihre erste Fremdsprache, Englisch die zweite. Und sie wollte so gern Französisch lernen wie ich Schwedisch. Wir vereinbarten einen Deal: Sie würde mir Schwedisch beibringen, ich ihr Französisch. Und so geschah es.

Die Französischstunden sollten bei mir stattfinden, Schwedisch hingegen bei Liisa, die vier S-Bahn-Stationen von mir in meinem Essener Geburtsort – födelseort – lebte. Und so saßen wir eines Tages fröhlich und voller Motivation zusammen in meinem Wohnzimmer, ein Bierchen dabei, und ich lehrte sie die Grundzüge der französischen Sprache. In der Woche darauf saßen wir ebenso fröhlich in ihrer Küche im Essener Süden, ein Bierchen dabei, und die erste Schwedischstunde nahm ihren Lauf.

Sie hatte kaum begonnen, da rief Liisa irritiert in ihrem reizenden schwedischen Akzent: „A-li! Du hassst eine Ss-tockholmerr Akssent! Wiesso? Ssag mal!“ – „Wie bitte? Was habe ich? Einen Stockholmer Akzent?“ – „Jo. Du ss-prrichsst sso, wie Ssweden in Ss-tockholm ss-prrechen!“

Ich ss-taun…, äh, staunte. Wie kam ich, bitte, an einen solchen Akzent? Verarschte sie mich? Ich fragte nach, aber sie meinte: „Nein, wirrklich! Isst mirr errnst.“ Wir rätselten und rätselten. Bis ich mir mit der flachen Hand gegen die Ss-tirrn schlug. Liisa sah mich irritiert an, und ich schrie begeistert: „Der CD-ROM-Kurs! Das ist eine Ss-tockholmer Produktion mit lokalen Ss-prrecherrn!“ – „Ah! Und ich dachte schon an ein underverk!“ – „Woran? Underberg?“ – „An ein Wunder.“

Nein, ein underverk war es nun wirklich nicht, aber Liisa fand klasse, dass ich so genau hingehört hatte.

Leider mussten wir die beiden Sprachkurse dann abbrechen, da Liisa mit ihrem englischen Freund nach England zog. Schade.

Aber ich habe den CD-ROM-Kurs wieder hervorgeholt und arbeite erneut an meinem Stockholmer Akzent. Unterbrochen durch zahlreiche Lachanfälle, weil es wirklich gar zu drollig klingt. 😉

Und damit verbleibe ich wie folgt: Ha en fortsatt trevlig dag! Hej då! 😀

Irgendwie habe ich den Eindruck, es falle einem leichter, Schwedisch zu lernen, wenn man Fränkisch kann. Da gibt es auch vornehmlich ein scharfes S – auch im Anlaut -, manche anderen Laute ähneln einigen im Schwedischen, und man spricht ein Zungenspitzen-R. Wer hätte das gedacht? 😉

„Platz da – ich bin Verziehungsberechtigter, und mein Sohn muss sofort ans Kassenband!“ Oder: Vorsicht, Hubschrauber im Anflug!

Ich liebe Kinder. Ich mag sie wirklich sehr. Nicht ohne Grund habe ich lange mit Kindern gearbeitet. Es macht Freude, mit Kindern zu arbeiten, und meist öffnet es einem das Herz ganz weit, wenn die kleinen Kerle einem offenen Mundes zuhören und/oder einen anhimmeln. Mir geht es dabei nicht darum, dass ich angehimmelt werden müsse – ich finde es einfach nur bezaubernd, wie offen und wissbegierig Kinder sein können. Meist auch sind. Und – umgekehrt – wie man begeistert mit ihnen Lieder singt, deren Texte und Melodien nicht gerade herausfordernd sind. Aber man fängt ja immer klein an, und es ist immer schön, wenn man die kleinen Gesichter sieht, die voller Begeisterung und Spannung auf einen gerichtet sind. Wenn die Kleinen einen umarmen und/oder gar weinen, wenn sie Abschied nehmen müssen und einen ganz fest drücken und nicht loslassen wollen. Abschiednehmen ist nicht schön, und mir fällt das auch nicht leicht. Von daher verstand ich die kleinen Kerlchen immer, wenn sie weinten. Und was für ein Kompliment für mich, dass sie weinten, weil sie mich verlassen mussten! Ich hatte auch immer einen Kloß im Hals, aber bloß nicht vor den Kindern weinen!

Ich mag Kinder auch jetzt noch. Ich mag nur manche Eltern nicht. Überhaupt nicht. Und ich frage mich manchmal, ob ich – von mir selber unbemerkt – mehrere, viele Jahre im Koma gelegen habe, wenn ich manche Kinder sehe, die offenbar die Rolle der Sonne eingenommen haben, um die die Erde kreist.

Keine Frage – Kinder sind wichtig, und ich bedauere sehr, keine eigenen zu haben. Aber andere Menschen sind auch wichtig, und im Grunde sollten alle Menschen gleiche Rechte haben.

Offenbar aber hat der Jugendwahn schon extrem an Fahrt aufgenommen, und inzwischen freut es mich schon, dass man ältere Menschen, älter als 30, nicht gleich über die Klippe schubst. Jenseits der 30 – es sei denn, man hat Kinder – sollte man ohnehin besser die Fresse halten, den Strickstrumpf in die Hand nehmen, sich in den Schaukelstuhl setzen und eifrig nickend einfach nur Strümpfe stricken. Zumindest als Frau. Für Männer in dieser Situation empfehle ich Laubsägearbeiten. 😉

So habe ich es nie gesehen, würde und werde es auch nie so sehen. Aber heute ist irgendwie alles anders. Früher durfte ich Kinder auch noch betreuen, obwohl ich keine eigenen habe. Heute würde ich mich einem immensen Risiko aussetzen, weil ich die kleinen Prinzen und Prinzessinnen möglicherweise falsch behandeln würde, würde ich ihnen einfach nur erklären, dass sie – wie alle anderen – ganz normale Menschen seien. Und – wie alle anderen Menschen – gefälligst Rücksicht auf andere Menschen, egal, welchen Alters nehmen müssten. Aber das muss ich einschränken: Es gibt – zum Glück – noch immer viele Eltern, die mit ihren Kindern ganz natürlich umgehen. Wie man mit ernstzunehmenden Menschen eben umgeht, die kein „Projekt“ oder etwas Exotisches sind.

Denn so kommt es mir bisweilen vor – dass Kinder etwas ganz Exotisches seien. Ein Studienobjekt, das es zu optimieren gelte. So wie der kleine Junge, etwa drei Jahre alt, dem ich am vergangenen Freitag in einem REWE-Supermarkt in D. begegnete.

Ich war ganz harmlos nach der Arbeit nach D. gefahren, wo mein Elternhaus steht. Ich wollte nach dem Rechten sehen, da meine Eltern derzeit in Franken sind, wo sie zweimal im Jahr für mehrere Wochen sind. Einer muss ja nach dem Rechten sehen. 😉

Nachdem ich gesehen hatte, dass im und um das Haus herum alles ganz prächtig sei, fuhr ich zurück, machte aber noch einen Abstecher zu REWE, weil dieser spezielle Supermarkt wirklich sehr attraktiv ist.

Schon beim Betreten des Marktes fiel mir etwas auf, das mir bei vorherigen Besuchen nicht aufgefallen war: Hatten die hier eine spezielle Zeit, da ausschließlich Familien, ergo Menschen mit Kindern, den Supermarkt betreten durften – und war ich da hineingeraten? Denn man hörte schon beim Betreten des Marktes aus allen nur denkbaren Himmelsrichtungen wenig fröhliches Kindergeschrei, auch -geheul. Ich hatte einen langen und anstrengenden Arbeitstag hinter mir. Die Kinder, die da heulten und schrien, hatten offenbar auch Stress. Ich konnte sie verstehen.

Aber ich bin stolz auf mich, da ich offenbar in der Lage bin, auch mit einem Einkaufswagen sehr reaktionsschnell ausweichen zu können. 😉 Das musste ich öfter, da sich mehrere Kleinkinder, deren Eltern offenbar andere Probleme hatten oder den Supermarkt für eine große Kleinkind-Austobzone zu halten schienen, in mutmaßlich suizidaler Absicht just dorthin stürzen mussten, wohin ich gerade mit dem Wagen fahren wollte. Laut kreischend und im Vollbesitz des Bewusstseins, dass dieser Supermarkt eigentlich gar kein Ort sei, an dem Menschen die zum Leben notwendigen Dinge erst aussuchen, dann an der Kasse käuflich erwerben (ich liebe diesen Ausdruck! 😉 ), sondern eine Erweiterung des elterlichen Gartens. Ich war genervt, aber weniger der Kinder wegen, die es nicht anders gelernt hatten. Ich griff sogar noch ein, als ein älterer Mann die Kinder anschrie, ob sie sich nicht benehmen könnten. Ich meinte: „Bitte – die Kinder können nichts dafür. Es sind Kinder, und die rennen halt hier herum und achten nicht auf andere.“ – „Ja, aber – die müssen doch aufpassen!“ – „Ja, klar. Aber sagen Sie das den Eltern!“ – „Und wo sind die Eltern?“ – „Keine Ahnung – wohl mit anderem beschäftigt.“ Der ältere Mann regte sich auf, wie es sein könne, dass Eltern nicht auf ihre Kinder achtgäben. Ich grinste. Ich finde zwar auch, dass Kinder Kinder sein müssen, aber nicht in einem Supermarkt zur Stoßzeit rücksichtslos andere Leute über den Haufen rennen müssen oder veranlassen, dass sie selber möglicherweise über den Haufen gefahren werden. Rücksichtnahme ist schon wichtig – von allen Seiten.

Endlich hatte ich alle Sachen zusammen und begab mich zur Kasse, wo ich alles auf das Kassenband legte. Mitten in dieser Handlung verspürte ich einen Schmerz knapp unterhalb des linken Knies. Ich blickte hinab. Da stand ein kleiner Junge, etwa drei Jahre alt, und er starrte mich total giftig an. Simultan drang eine salbungsvoll tönende Stimme an mein Ohr: „Würden Sie bitte Ihren Einkaufswagen beiseiteschieben? Mein Sohn muss [!] an das Laufband!“

Ich starrte den Vater an, der das geäußert hatte, dann starrte ich den Zwerg an, der knapp über mein Knie reichte. Was ich in dem Moment dachte, ist nicht mehrheitsfähig. Und so sagte ich nur: „Aber natürlich!“ Und das in einem Ton, der eindeutig war. Zumindest für Leute, die mich kennen. Aber der besorgte Vater meinte: „Noch etwas weiter – er kommt doch sonst nicht an das Band!“ Und das in einem Tonfall, als hätte ich gegen die Gottesordnung verstoßen!

Da wurde es mir dann doch etwas zu blöd. Und ich sagte: „Sehen Sie sich hier um – hier ist gerade Stoßzeit! Wohin soll ich mit dem Wagen? Soll ich ihn mir auf den Kopf setzen? Ihr Sohn reicht so oder so noch nicht an das Band heran.“ – „Ja, aber braucht doch das Erfolgserlebnis!“ So die Antwort des sogleich empörten Vaters. Ich meinte: „Wissen Sie, ich finde schön, wenn Kinder gefördert werden. Aber bitte zur rechten Zeit am rechten Ort. Hier ist gerade Stoßzeit, und ich kann mich leider mitsamt Einkaufswagen nicht in Luft auflösen. Will ich auch gar nicht, weil ich unter anderem den Kindergarten Ihres reizenden Sohnes mitfinanziere. Ich habe das Recht, hier einzukaufen, ohne mich einschränken zu müssen. Das hier ist ein Supermarkt – kein Erlebnisspielplatz für Kinder! Kommen Sie doch am besten irgendwann an einem Montagmorgen mit dem Kleinen hierher – da gibt es sicherlich weniger Probleme. Ich sehe nicht ein, dass ich mich Ihren Erziehungsmethoden beugen soll. Im Übrigen: Es wäre eine wunderbare Gelegenheit, Ihrem übrigens sehr niedlichen Sohn beizubringen, dass man bisweilen auch warten muss, bis man an der Reihe ist. Mussten vor Ihrem Sohn schon ganz viele Menschen lernen, dass man Rücksicht nehmen muss.“

Ich war an jenem Freitag wirklich total genervt, aber es half: Der Vater war sprachlos, und ich konnte ungestört mit meinem Einkaufswagen die Kasse passieren und bezahlen. Und der kleine Sohn hat mich sogar angegrinst! 😉

Ich mag Kinder noch immer – nur eben manche Eltern nicht. Das ist keine generelle Elternkritik, und nicht alle Eltern sind Helikopter. Ich kenne ja selber viele total tolle Eltern. 😊

Nur habe ich bei gewissen Eltern heute den Eindruck, dass es sich eher um Ver- als Erziehungsberechtigte handle. Aber ich muss dazusagen, dass es das schon immer gab.

Nur nicht in diesem Ausmaß. 😉