Schon immer wollte ich Kassiererin werden … 

Nein. Eigentlich – und auch uneigentlich – nicht, denn mit Zahlen stehe ich ein bisschen auf Kriegsfuß, was sich bereits früh in meinem Leben abzeichnete. Eigentlich zeichnete es sich weniger ab – es sprang einen förmlich an, packte einen am Hals und würgte einen … Ich gebe es ungern zu, aber es ist so. 😉

Dabei mag ich Zahlen durchaus. Mit einem Plus versehen, besonders gern in höherer Variante auf meinem Konto, und als ich heute meinen Kontostand checkte, stahl sich ein breites Grinsen in mein Gesicht. Mein Gehalt war überwiesen worden – und dazu das Weihnachtsgeld. Ich liebe den Dezember, zu dem naturgemäß das Weihnachtsgeld gehört. Neben meinem Geburtsmonat ist er mein Lieblingsmonat, und das war schon so, als ich noch klein war – genauer: kleiner, durchaus viel kleiner als jetzt -, weil ja an jenem magischen ersten Dezember endlich das erste Türchen vom Adventskalender geöffnet werden durfte, sodass ich dem ersten Dezember als Kind stets entgegenfieberte. Der Dezember hat ohnehin so etwas Gemütliches an sich – zumindest dann, wenn es nicht gerade Schneestürme gibt, wenn man sich draußen aufhalten muss, sondern schön muckelig im Haus sitzt, von wo man gerührt dem munteren Schneetreiben zusehen kann. Ich beneidete meine Schulfreundin Vera immer, die am zweiten Dezember Geburtstag hatte. Sie hatte nicht nur den Vorteil der Adventskalender-Saison nebst muckeligem Feeling, sondern bekam zu Beginn des Monats und dann noch einmal am 24. Geschenke! Vera meinte dazu nur: „Bist du bekloppt? Wie gerne hätte ich im August Geburtstag – da kann man wenigstens draußen feiern! Und bei zweimaligen Geschenken in einem Monat scheint immer ein bisschen gespart zu werden.“ Sie sagte es anders, wir waren damals noch in der Grundschule, und in der Tat hatte ich immer draußen feiern können, da es an meinem Geburtstag zumeist sehr warm war. Aber – wie so oft im Leben – es wünscht der eine sich nicht selten, was der andere hat. Und umgekehrt.

Doch zurück zu den Zahlen. Ich habe nichts gegen Zahlen, ganz und gar nicht. Ich kann nur nicht so „virtuos“ damit umgehen wie mit Buchstaben bzw. Lauten. 😉 Merkwürdigerweise bevorzuge ich – bis auf die 4 – die ungeraden Zahlen. Fragt mich bitte nicht, woher das kommt – ich kann es nicht erklären. Die 1 finde ich klasse, ebenso die 3 und die 7. Es ist wahrscheinlich genauso unerklärlich, wie es für mich nicht ganz erklärbar ist, wie man zu so etwas wie einer Lieblingsfarbe kommt. Ist ein Psychologe anwesend? 😉

Als ich an der RWTH Aachen im Institut für Gießereikunde arbeitete, musste ich diverse Projektkonten betreuen – ich und Buchhaltung! Und doch klappte alles irgendwie, obwohl ich immer mit sehr, sehr spitzen Fingern dranging, stets auf der Hut und in der Erwartung, dass irgendetwas ganz furchtbar schiefgehen würde. Als mein Drittmittelvertrag final auslief, wollte mich das Institut partout übernehmen – unter anderem sollte ich die gesamte Instituts-Buchführung übernehmen. Ich lachte schallend und meinte: „Spätestens in einem Jahr wird es dieses Institut nicht mehr geben, wenn ich die gesamte Buchführung machen soll!“ Man meinte, das könne man sich nicht vorstellen. (Das glaubte ich sofort, denn Katastrophen kann man sich meist nicht vorstellen – es sei denn, man erlebt sie dann selber mit. 😉 )

Da ich aber in die freie Wirtschaft wechseln wollte und schon eine Stellenzusage hatte, kam es nicht dazu. (Ich ärgere mich noch heute in manch stiller Minute.)

Zu meiner jetzigen Stelle gehört – in sehr geringem Maße – auch ein bisschen Buchführung, aber wirklich nur sehr, sehr geringfügig, denn ich bin für die Kasse und deren Stimmigkeit zuständig. Ausgerechnet! 😉

Und heute war die erste Gegebenheit, Kasse machen zu müssen. Mit Todesverachtung machte ich mich daran, dabei ist es wirklich einfach, aber ich bin ungern für fremde Gelder zuständig, was sicherlich meinem Begabungsmangel für Zahlen geschuldet ist. Oder zumindest dem – nicht ganz falschen – Gefühl, da einen eklatanten Begabungsmangel zu haben. Wider Erwarten lief alles wunderbar, und ich atmete auf. Wieder ein „Hindernis“ aus dem Weg geräumt. Denn ich bin ja erst seit Anfang Oktober dabei und fühle mich bisweilen noch immer wie ein Vollpfosten, da ich viele Dinge noch nicht kann. Die, die ich bis dato gelernt habe, dafür durchaus gar nicht so schlecht.

Gestern wurde ich sogar massiv gelobt, als ich einen Termin mit dem Chef hatte. Ich hätte doch neulich einen Workshop mitgemacht – ihm sei zu Ohren gekommen, dass ich mich sehr lebhaft und konstruktiv daran beteiligt hätte. Das fände er total klasse. (Dabei ist das Ganze einer meiner Schwächen geschuldet. 😉 )

Es ging um Kommunikation – und das hat ja auch viel mit Reden zu tun, was ich sehr gut kann … 😉 Hinzu kam jedoch auch noch, dass da typische Arbeitssituationen nachgestellt und Videos gemacht wurden. Da ich zwar eine Rampensau bin, aber ein Problem mit Kameras habe – ich erwähnte es bereits -, dachte ich mir: „Bring dich verbal ein, damit keiner auf die Idee komme, just dich vor diese Scheißkamera zerren zu wollen!“ Es traf meine Kollegin Sarah, die bis dato stumm dagesessen hatte. Immerhin: Mein Kalkül ging auf.

Nein, ich hätte auch ohne dies meinen Mund aufgemacht, da ich ein sehr kommunikativer Mensch bin und die Tatsache, dass man niemals nicht kommunizieren könne, auf mich gemäß dem Urteil meines besten Freundes wohl besonders zuzutreffen scheint. Zumindest behauptet er das, hat aber auch Erfahrung damit – wir rasseln öfter aneinander, und er meint, er kenne keine andere Person, die derart „laut“ schweigen und ignorieren könne. (Lernt man spätestens, wenn man eine Katze hat. 😉 ) Nur an meinen Augenbrauen solle ich noch arbeiten, denn die verrieten mich stets, weil ich beide, speziell aber die rechte bei Aufeinandertreffen mit der ignorierten Person hochzöge … 😉 Und meine Augen bekämen dann so einen „schlangenhaften Ausdruck“ und „so ein ganz spezielles Funkeln“. Offenbar kommuniziere ich stark über Augen und Augenbrauen, obwohl ich doch absolute Ignoranz signalisieren möchte. 😉 Und das „Funkeln“ bedeutet auch nicht immer Ablehnung. Manchmal funkle ich auch aus Zuneigung. Ich bin ein schwieriger Fall. 😉

Das Lob freute mich jedenfalls sehr, zumal ich derzeit noch nicht so produktiv bin, zumindest nicht so, wie ich es gerne wäre – aber ich bin auch sehr ungeduldig.

Meine neue Bürokollegin Kerstin, die um einiges jünger als ich ist, meinte heute zu mir: „Eins will ich dir mal sagen: Ich glaube, wir haben es beide gut getroffen, und es passt bei uns im Zweierbüro! Ich hatte erst etwas Bedenken, weil ich dachte, dass du vielleicht darauf beharren würdest, dass du, weil du älter als ich bist, immer Recht haben müsstest. Aber du bist ja ganz anders, und ich kann mich echt nicht beklagen – im Gegenteil! Wie siehst du das?“ – „Genauso – nur halt umgekehrt. Läuft!“

Ich hoffe, es bleibt dabei. Und wenn ich nun noch meine Aversion gegen Zahlen ablege, mit denen ich künftig nicht nur kassen-, sondern auch statistikmäßig zu tun haben werde, sollte alles laufen. 😉

Drückt mir die Daumen! 😊

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