Pfui Teufel! Ali sexistisch …

Ich hasse erwiesenen (!) Sexismus – völlig egal, in welche Richtung und aus welcher Richtung er ergeht. Und doch musste ich mich heute selber dabei ertappen, wie ich sexistisch – oder chauvinistisch – reagierte. Der Kontext mutet nahezu albern an, wenn man die Hintergründe kennt … 😉

Denn es geschah beim Autofahren, und jeder, der mich ein bisschen kennt, weiß, wie lange ich Autofahren gehasst habe. Also: das eigenhändige und -ständige Fahren. Wohlgemerkt. Und ich bin – das gebe ich auch offen zu – keine Meisterfahrerin, aber laut Jeannette, meiner Auffrisch-Fahrlehrerin aus dem letzten und dem kommenden Jahr (denn ich habe beschlossen, die Autobahnübungen auf nächstes Jahr zu vertagen – oder heißt das dann „verjahren“ oder „verjähren“? 😉 ), sei ich eine – nach den letztjährigen sechs oder sieben Auffrisch-Fahrstunden – recht dynamische, aber vorausschauende Fahrerin, und sie wisse gar nicht, warum ich ein Problem hätte. (Als ich ihr den Hintergrund erklärte, meinte sie: „Okay, das kann ich verstehen – aber trotz und alledem gibt es keinen Grund, warum du Autofahren hassen solltest, denn du fährst doch prima, wenn du den inneren Schweinehund nur überwunden hast.“)

Heute früh fuhr ich wie gewohnt los, wenn nicht gerade Montag ist – denn da bevorzuge ich doch den ÖPNV, weil ich ansonsten die Autobahn nutzen müsste …

Okay, es hatte schon blöd angefangen, denn der Mini links neben mir schien ein inniges Verhältnis mit meinem kleinen Monty eingegangen zu sein, und ich konnte die Fahrertür nur in einem sehr geringen Winkel öffnen und musste mich irgendwie ins Auto schlängeln, was in einer Winterjacke nicht ganz so geschmeidig geht wie sommers ganz ohne Jacke. Aber es ging irgendwie, und ich parkte aus, nachdem die zahlreichen Autos, die die Baustelle auf der L […] dadurch umgehen wollten, dass sie nicht die vorgegebene Umleitung nahmen, sondern doch lieber die Straße, in der ich wohne und in der Tempo 30 vorgegeben ist. Die ganz besonders schlauen Umleitungsverweigerer fuhren allesamt schneller, und ich hoffte auf die nächste Rotphase der nächstgelegenen Ampel. (Und darauf, dass nicht Frau Sieling mit der kleinen Bella unterwegs sein möge. Bella ist ein Hundekind, ein Welpe, der gerade daran gewöhnt wird, auch leinenlos zu gehorchen. Die kleine Bella habe ich in mein Herz geschlossen – sie ist ein Spitzwelpe, und ich liebe Spitze, weil eine der schönsten Hunderassen oder -arten, die ich kenne, trotz ihres schlechten Rufs, den sie zu Unrecht haben. Sehr intelligent sind sie, hübsch obendrein und keineswegs Kläffer oder Wadenbeißer. Sickig werden sie nur – wie so viele andere „verschrieene“ Hunderassen, aber auch Menschen -, wenn sie keine sinnstiftende Aufgabe haben. 😉 )

Zum Glück folgte wohl recht rasch eine Rotphase, und ich parkte aus und fuhr aus meiner Wohnsiedlung hinaus Richtung Hauptstraße. Rasch auf diese abgebogen, fuhr ich meiner Wege, bis ich links abbiegen musste. Ich ordnete mich ein, stand ganz vorn an erster Stelle, blinkte links und hoffte auf einen raschen Phasenwechsel.

Der kam dann auch, und ich fuhr an, beschleunigte, hatte aber im Hinterkopf, dass auf der zweispurigen Straße recht oft die rechte weiter hinten von einem LKW blockiert wird, einem Autotransporter, da ein Autohaus an dieser Straße liegt und regelmäßig beliefert wird. Also hielt ich mich links, blieb auf der linken Spur. Das war auch gut so, denn heute war Anliefertag … 😉

Aus der Gegenrichtung war ein roter VW Golf gekommen, Rechtsabbieger, der auf die von mir befahrene Straße wollte, aber keine Vorfahrt hatte, was ihn jedoch nicht zu kratzen schien, denn er raste ungeachtet des allseits bekannten dreieckigen und auf einer Spitze stehenden Schildes mit weißem Zentrum und rotem Rand einfach um die Kurve, als handelte es sich um eine Autobahnauffahrt, auf der die rechte Spur frei war. Ich sah es, sah, wie er auf die rechte Spur fuhr. Nun ja, ziemlich bescheuert, wie der Typ fuhr. So dachte ich, als ich meinerseits beschleunigte und vom dritten in den vierten Gang schaltete.

Doch da blinkte der rote Golf plötzlich links, was ja an sich durchaus alles andere als ein Fehler ist (es wird heutzutage viel zu wenig geblinkt 😉 ), aber mit dem Blinken allein ist es noch lange nicht getan, wenn man nicht in die Spiegel blickt oder sich umsieht, denn er blinkte nicht nur kurzfristig, sondern scherte noch viel knapper aus, so dass ich einen guten Blick auf seinen linken Kotflügel hatte, der in ungünstigem Winkel und viel zu knapp vor meinem eigenen Vehikel stand, obwohl ich auf das Blinken hin schon den Fuß vom Gas genommen hatte. Schert einfach blind aus, nachdem er schon wie ein Bekloppter abgebogen ist, wahrscheinlich, weil er dachte: „Oops, da steht ja ein Hindernis auf meiner Spur! Huch! Schnell weg!“ Denn Bremsen und Stehenbleiben ist ja für Loser.

Ich musste eine Vollbremsung einlegen, und zum Glück rauschte mir niemand ins Heck. Und dann, als der VW-Golf-Idiot ganz knapp vor mir ohne Kollision – nicht sein Verdienst – die linke Spur befuhr, hupte ich. Lange und andauernd, aber immerhin habe ich nicht gestikuliert. Es wäre gar nichts Gutes dabei herausgekommen. Geflucht habe ich auf alle Fälle, und möglicherweise habe ich auch noch ziemlich bedrohlich dreingeblickt. Jedenfalls driftete der Golf in die Einfahrt der Tankstelle, die ebenfalls an der Straße liegt und bei der ich für gewöhnlich tanke. Ich überlegte, ebenfalls abzubiegen und den Fahrer zur Rede zu stellen. Zumindest blinkte ich rechts und fuhr auf die rechte Spur, und da sah ich, der Fahrer des Golf war eine Frau. Etwa so alt wie ich, eindeutig erschrocken, aber perfekt gestylt.

Und da kam er: der Sexismus. Denn ich schnaubte: „Typisch! Frau am Steuer, und die Spiegel sind einzig dafür da, das Make-up aufzufrischen!“

Ich erschrak über meine eigenen Gedanken und fuhr lieber weiter, obwohl ich am liebsten ausgestiegen wäre, um ein paar zünftige Worte zu verlieren. Und noch jetzt ärgere ich mich – wäre ich mal ausgestiegen und hätte die zünftigen Worte verloren!

Auf der anderen Seite: Es ist sicherlich besser so, denn wenn ich „zünftige Worte“ verliere, hätte ich nun ganz gewiss eine „#metoo-Verleumdungsklage“ am Hals und stünde als böse Sexistin wider das eigene Geschlecht am Pranger, denn ich bin mir sicher, dass ich die Begriffe Spiegel, einzig, Make-up und auffrischen benutzt hätte. 😉

Was lernen wir daraus? Ich bin offenbar keine typische Frau. Und: Die Frau ist der Frau ein Wolf. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich keine typische Frau bin, kann ich auch anderen Frauen kein Wolf sein. Ist logisch. Oder nicht?

Und: Blinken allein genügt nicht. Man muss genau hingucken. Eine Kombination aus Blinken und Gucken wäre optimal. 😉

In jedem Falle kam ich heute nicht ganz so gelassen bei der Arbeit an, war aber so hellwach, wie meine neuen Kollegen mich noch nie erlebt hatten. Dem Adrenalin sei Dank. Wahrscheinlich muss ich viel gelassener werden. Ungefähr so wie meine fränkische Nenntante Beate, von der ich heute erfuhr, dass sie gestorben sei. Deren Gelassenheit und Ruhe habe ich immer bewundert, und sie hätte sicherlich niemals das Bedürfnis verspürt, der blindlings drauflosfahrenden Fahrerin von heute früh ein paar direkte Worte zu sagen, ihr gar eins auf die Zwölf zu geben. (Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dieses Bedürfnis heute früh kurzzeitig aufkam, aber ich bin ja zum Glück zivilisiert. 😉 )

Daher ist dieser Beitrag für meine Tante Beate, und das in der Hoffnung, dass ihre Ruhe und Gelassenheit auf mich abfärben möge, wenn Unrecht geschieht. Oder ich sexistisch zu werden drohe. 😉

Euch einen schönen Abend! 😊

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