Ein typischer Novembertag

Man merkt doch gleich, dass November ist, der Monat, den ein Nenn-Onkel immer den „Kistenmonat“ nannte, weil er meinte, der November sei der perfekte Monat, den Löffel ab- und sich selber in die „Kiste“ zu begeben.  (Der Nenn-Onkel ist leider bereits verstorben, ich glaube aber, nicht im November.) Heute war es zwar morgens okay, aber gegen Mittag, Nachmittag trübte es sich ein, und als ich mit meiner Kollegin Kerstin gerade beschlossen hatte, eine rauchen zu gehen, sah es auch noch nach Regen aus. Und der Regen setzte auch prompt ein, als Kerstin und ich gerade unserem schändlichen Tun (O-Ton eines nichtrauchenden Kollegen, aber grinsend) nachzugehen begonnen hatten. Zum Glück trugen wir beide Jacken mit Kapuzen.

Kerstin ist eine schnellere Raucherin als ich, nicht so schnell wie Kollegin Janine, aber doch schneller als ich. (Ich vermute, meine eher langsame Art, zu rauchen, stamme noch aus meiner Studienzeit, da das Geld immer knapp war und ich mir für jede einzelne Zigarette mehr Zeit nahm … 😉 Oder ich rede einfach zu viel zwischen den einzelnen Zügen. 😉 ) Daher war sie bereits fertig, als es so richtig zu schütten begann. Ich warf eine zu zwei Dritteln gerauchte Zigarette weg, weil es doch zu ungemütlich wurde, und wir gingen schnell zurück ins Büro. Als ich die Kapuze abnahm, passierte es – wieder … Die kunstpelzbesetzte Kapuze ist mittels Druckknöpfen am Kragen dieses – neuen – Parkas befestigt, und der äußerste Druckknopf links ist etwas schwach auf der Brust. Dauernd löst sich da die Kapuze vom Kragen, und wer mich kennt, weiß, dass ich so etwas hasse wie die Pest – ständig muss man nachbessern. Das nervt, und ich überlegte, ob ich das Ganze nicht einfach mit Sekundenkleber …

Nein! Nicht mit Sekundenkleber! Ich habe unangenehme Erfahrungen damit machen müssen. Ich bin zu wurschtig für Sekundenkleber. Und erst kürzlich …

Ja. Ich gebe es zu. Erst kürzlich hatte ich mich doch einmal wieder an diesen sehr drastischen Acryl-Kleber herangewagt. Ich hatte einen Ring geschenkt bekommen. Nein, nicht, was ihr denkt! 😉 Es war ein Modeschmuck-Ring, und er war von meiner Mutter. Gleich beim ersten Tragen verlor ich den Stein, als ich beim Einkaufen von einer sehr rabiaten älteren Kundin mit ihrem Einkaufswagen gerammt wurde, weil sie vor mir an die Kasse gewollt hatte! Die Klügere gab nach, und so siegte sie, und ich suchte nach dem Stein des Modeschmuck-Rings, denn ich bin ein bisschen sentimental und kann es nicht haben, wenn Dinge, die mir geschenkt wurden, auf derart blöde Weise in Schutt und Asche gelegt werden. Zum Glück fand ich den Stein nicht weit entfernt kurz vor dem Waschpulverregal. Ich versenkte ihn in meinem Portemonnaie, und zu Hause begab ich mich mit Sekundenkleber an die Arbeit.

Was soll ich sagen? Der Stein wollte zunächst nicht halten, und ich presste ihn mit Verve und Herzblut auf diese Lücke im Ring, da er doch zuvor schon gesessen hatte. Aber der Stein war aufsässig, und irgendwann stand ich fluchend da, einen glitzernden Schmuckstein an Zeige- und Mittelfinger meiner linken Hand klebend, schier unzertrennlich! Nicht nur der Stein an den Fingern, auch die Finger aneinander! Grauenhaft, denn es bedurfte eines Lösungsmittels, dennoch aber auch roher Gewalt, die kleinen Biester wieder voneinander zu trennen … Immerhin ist der Ring aber wieder ganz. 😉 Aber es ist doch eine Warnung – ich sollte keinen Sekundenkleber mehr einsetzen, nicht einmal mehr im Hinblick auf den nervenden, allzu losen Druckknopf, der die kunstpelzbesetzte Kapuze halten soll, es aber nicht tut. Zumindest nicht zuverlässig. 😉

Es kann auch nur am November liegen, dass ich heute am Vormittag – es reicht mir mit der Ungewissheit – einen Termin in einem der drei sogenannten „Brustzentren“ hier am Ort machen wollte, man mir aber sagte: „Wie? Sie haben nur eine Überweisung? Das geht nicht! Wir nehmen nur stationär auf – zu Ihrem eigenen Besten. Sie brauchen eine Einweisung!“ Da hatte ich mich überwunden, trotz einiger Bedenken und Ängste – und nun würde sich das Ganze noch weiter hinauszögern. Ich war mir sicher, dass ich alsbald wirklich eine Einweisung benötigen würde, wenn es so weiterginge – aber eine der ganz anderen Art … 😉

Dann bekam ich auch noch eine Mail. Mit Fotos vom letzten Betriebsausflug. Angstvoll öffnete ich den Anhang …

Ich weiß nicht, wie es bei euch so ist, aber ich hasse es, fotografiert zu werden und habe zum Glück immer eine Tasche oder sonst etwas zur Hand, das ich mir flugs vors Gesicht halten kann, sobald eine Kamera auftaucht und auf mich gerichtet ist. Ich habe keine Ahnung, woher dieses Verhalten kommt. Als Kind und Jugendliche hatte ich noch kein Problem damit, abgelichtet zu werden. Das kam im Grunde erst …

… mit meiner Studienzeit!

Es ist schlimm genug, nach einer Party morgens oder gegen Nachmittag aufzuwachen, und dann kommen peu à peu all die Erinnerungen an die Party zurück. Wenn sie zurückkommen … 😉 Noch viel schlimmer, wenn man dann von anderen hört, was wie wann passiert sei. Erheblich netter, wenn andere – wie ich oft erlebt habe – auch unter Gedächtnislücken und Blackouts leiden. 😉

Ganz schlimm aber, wenn Fotos oder Videos gemacht werden! Es gibt – bzw. gab – diverse Fotos von mir, die auf Partys gemacht wurden. 😉 Und da gibt es nur wenige Möglichkeiten … Wurden die Fotos zu Beginn der Party aufgenommen, wirkte ich normal, lächelte, grinste oder machte irgendwelche Faxen.

Je später der Abend, desto irrer mein Blick, und teils bekam ich selber Angst vor mir, sah ich mir Tage nach der Party die Fotos an, und stets behauptete ich standhaft: „Das bin nicht ich!“ – „Oh doch!“ hieß es dann immer. Aber dann der Nachsatz: „Aber sieh dir erst mal die anderen Gestalten an – danach geht es dir besser.“ Meist war das zwar so, aber ich schwor mir stets und immer, dass die nächste Party gewiss nicht derart … Und dann die nächsten Fotos …

Einmal besuchte mich ein guter Freund, der mir einmal mehr Beweismaterial in Gestalt eines kleinen Videos vorzulegen trachtete. Und grinsend sagte er: „Am besten gefällt mir der Teil, wo du eine Präsentation hältst!“ – „Wie? Was für eine Präsentation?“ fragte ich alarmiert und hektisch, und mir wurde ganz schlecht. Was um alles in der Welt hatte ich präsentiert? Mein guter Freund lachte und meinte: „Nein, keine Sorge! Sieh her!“ Und er präsentierte mir meine Präsentation und meinte: „Am besten gefällt mir, dass du total seriös wirkst, wie du da demonstrierst und auch noch fröhlich und mit fast klarer Stimme erläuterst und zeigst, wie man am besten einen Gemeinschafts-Joint bastle – das ist echt cool! Das könnte man glatt als Schulungsvideo veröffentlichen.“ Ich grinste schief und meinte: „Aber sieh dir die anderen an – die können ja kaum noch gerade sprechen!“ – „Eben! Im Vergleich wirkst du echt cool!“ – „Solltest du je meine Eltern treffen: Zeig denen bloß nicht dieses Video! Ich bin sofort enterbt!“ – „Keine Sorge.“

Es muss an derlei Dingen liegen, dass ich mich heutzutage nur noch ungern fotografieren oder filmen lasse – da kommen immer ganz unschöne Gefühle auf. 😉 Auf Partyfotos sieht man immer irgendwie völlig durchgeknallt … lassen wir das. 😉

Immerhin waren die Betriebsausflug-Fotos im Vergleich zu dem, was ich aus vergangenen Zeiten kannte, fast klösterlich. Wie langweilig … 😉

Und immerhin wurde durch all diese Erinnerungen dieser graue, langweilige und monotone Novembernachmittag aufgewertet. Und die Betriebsausflug-Fotos waren auch gar nicht so schlimm. 😉

Inzwischen habe ich sogar eine „Einweisung“ beantragt, und nächste Woche kann ich sie schon abholen. Und wenn ich dann im MRT vor mich hin zu paniken drohe, denke ich einfach an all die vielen Partys nebst Fotos aus Aachen. Dann kann alles nur gut werden. 😉

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