Architekturstörung

Woran denkt ihr, wenn ihr den Begriff Architektur hört? Nun, ich denke zunächst an das Straßburger, das Ulmer und das Freiburger Münster, den Kölner, den Aachener, den Bamberger Dom und andere große Bauwerke. Auch denke ich an einen Studiengang, der in meiner Familie nicht so beliebt ist (mit Gründen). Zumindest in Bezug auf das, was zwei Absolventen dieses Studienganges anbelangt. 😉

Ich denke auch an das Reiff-Museum an der RWTH Aachen in der Schinkelstraße, das sowohl die Kunsthistoriker, als auch die Architekten beheimatet(e) und die nächste Häuserecke von der Wohnung ausmachte, in der ich einige Zeit meiner „Aachener Zeit“ verbrachte, lebte und liebte. Meine Schwester Stephanie, begeisterte Kunsthistorikerin, führte einst meine Eltern sowie mich ins „Reiff-Museum“, uns die „tollen Entwürfe“ der Architekturstudenten zu zeigen. In der Tat – toll sahen sie alle aus, aber meine Mutter sprach als Erste das aus, was recht offensichtlich war: „Das sieht wirklich toll aus. Sogar phantastisch. Vor allem die freischwebenden Balkone. Phantastisch – im wahrsten Sinne!“ Mein Vater, Ingenieur, hatte sich bereits abgewandt, um sein Lachen nicht allzu deutlich zu zeigen, während ich fasziniert auf diese vielen, annähernd freischwebenden, Elemente starrte. Ich liebe ja alles, was verwunschen ist – aber das hier war zu freischwebend, um real zu sein, etwas zu verwunschen. Stephanie war sauer – sie sah es mehr von der künstlerisch-ästhetischen Seite, und aus dieser Perspektive war es wirklich grandios, ganz zweifellos.

Damals hätte ich niemals in Betracht gezogen, dass es bei Architektur auch Störungen geben könne. Es sah doch alles so leicht dahingebaut aus. Mir war auch nicht klar, in welch vielen Fachgebieten der Architekturbegriff so benutzt werde. Und was für ein Euphemismus Architekturstörung sein kann. 😉

Ich sitze hier und weiß nun: Ali leidet unter einer Architekturstörung. Denn ich war vorhin beim Arzt, nachdem ich kürzlich beim zweiten Teil der alljährlichen Krebsvorsorgeuntersuchung war, beim Radiologen, wo wieder heftig gequetscht wurde, was frau auf diese Art gar nicht gerne quetschen lässt. Ich hatte gerade seit 14 Tagen meine neue Stelle inne, als die Radiologin mir sagte, man habe da eine „suspekte Gewebsverdichtung“ entdeckt, wenn auch nur in einer Ebene, und sie würde mich gerne „in die Röhre“ schicken. Der Bericht gehe meinem behandelnden Arzt so schnell wie möglich zu. Ich solle mir keine Sorgen machen. (Natürlich mache ich mir niemals Sorgen, wenn der Bericht meinem behandelnden Arzt „so schnell wie möglich“ zugehen soll – niemals. 😉 )

Und heute saß ich da bei meinem behandelnden Arzt, der mir erklärte, ich hätte da eine „Architekturstörung“ in meiner linken Brust, die man per MRT genauer diagnostizieren müsse. Ich lachte hell heraus, als er „Architekturstörung“ sagte, und vor meinem Auge entstanden all die Stegreif-Entwürfe zwangsläufig aufstrebender Architekten damals aus dem Reiff-Museum, in denen Balkone frei vor den Gebäuden schwebten … 😉 Ohne jeglichen Halt, ohne jedwede Verankerung.

Ich gebe zu, so fühle ich mich derzeit auch. Da habe ich gerade endlich eine neue Stelle, worauf ich so lange hingearbeitet habe. Und jetzt diese Architekturstörung. Ich muss gestehen, dass ich inzwischen den Begriff „Architektur“ auch gar nicht mehr so gern mag. Und irgendwie treten noch immer Gebäude wie das Straßburger Münster vor meine Augen, wenn ich „Architektur“ höre. Alles Mögliche, nur nicht meine linke Brust. (Das Ganze ist ja noch viel schmachvoller, da ich lange Zeit eher einem Brett ähnelte und mir immer etwas mehr „Ausstattung“ wünschte. Und kaum habe ich sie, macht sie schon Ärger … 😉 )

Irgendwie läuft es in meinem Leben immer so. Ich wollte eine neue Stelle, und nach langem Darauf-hin-Arbeiten habe ich sie nun. Ich wollte mehr Abwechslung in meinem Leben. Und … ja! Die habe ich jetzt auch! Ich hoffe nur sehr, nicht längerfristig … 😉

Solltet ihr euch je etwas in eurem Leben so richtig und mit Verve wünschen: Macht es besser als ich! Wünscht immer sehr präzise, auch wenn man euch als Pedanten bezeichnen sollte. Es ist sicherer so. 😉

Und drückt mir bitte die Daumen. 😊

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