Der „Ismus“ als Trend

Wenn ich manchmal so die Zeitung aufschlage, den Fernseher einschalte oder einfach nur so in die Gegend und um mich herum höre, habe ich den Eindruck, von sogenannten „Ismen“ nur so umzingelt zu sein. Und „Ismen“ scheinen ein echter Hype zu sein. Neben den zahlreichen Phobien, die so oft von Fachfremden – von denen besonders gern – diagnostiziert werden. (Natürlich nur bei anderen. Nie bei ihnen selber, denn sie sind ja normal … 😉 )

Veganismus, Rassismus, Sadismus, Masochismus (im Paarverbund bisweilen gern auch in Kombination 😉 ) und – nicht zuletzt – auch der Gemeine Sexismus (im doppelten Sinne gemein) finden wieder und wieder lebhafte Erwähnung.

Während der Veganismus als echter Hype natürlich nur positiv besetzt zu sein scheint – zumindest bei manchen Menschen, selbstverständlich den damit automatisch Besseren unter uns -, sieht es beim Rassismus verständlicherweise ganz anders aus. Zu Recht. Nur: Ist wirklich ausnahmslos alles, was immer als „Rassismus“ geziehen wird, auch echter solcher? Ich habe manchmal den Eindruck, manche Menschen schrien bereits reflexartig dieses Wort des Bösen, sobald jemand nur leise Kritik, keineswegs Hass, äußert. Manch einer scheint Kritik von Hass und Rassismus nicht differenzieren zu können. Wohl dem, der dies vermag. Doof nur, dass er damit – zumindest kommt es mir so vor – offenbar einer Minderheit anzugehören scheint. Ich selber finde Rassismus völlig inakzeptabel, berechtigte Kritik, völlig ohne rassistische Tendenzen oder Absichten geäußert, jedoch durchaus notwendig. Nun, damit ist es, wie mit dem Sarkasmus und der Ironie, aber auch nicht mehr weit her, was die Akzeptanz anbelangt. Zumindest scheint es so. Aber vielleicht bin ich ja auch nur dem „Einbildismus“ oder einer „Phobie“ aufgesessen. 😉 (Gibt es eigentlich den Begriff „Phobismus“? Für Menschen, die anderen gern eine Phobie unterstellen, die diese gar nicht haben, es aber im Schwarzweiß-Weltbild des „Diagnostikers“ so viel bequemer ist? Oder ist das dann eher „Diagnostizismus“? 😉 )

Der Pluralismus, den ich stets geschätzt habe, scheint übrigens auch auf dem absteigenden Ast begriffen – der liegt offenbar nicht im Trend. Ob das irgendwie Hand in Hand mit dem oben Beschriebenen einhergeht?

Mit Sadismus und Masochismus kenne ich mich nicht ganz so aus – ich bin weder das eine, noch das andere und damit dem „Durchschnittismus“ anheimgefallen. 😉 Dafür kenne ich mich mit dem Gemeinen Anglizismus umso besser aus – der ist schon seit vielen Jahren im Trend, und ich frage mich, ob noch alle Menschen den jeweiligen deutschen Begriff für manch vermeintlich schicken Anglizismus kennen. 😉 Aber darüber hatte ich mich ja schon einmal ausgelassen.

Was immer wieder aufwallt, ist der Sexismus. Er erscheint in regelmäßiger Weise als Vorwurf. Und, ja, ich finde Sexismus richtig scheiße, habe selber durchaus öfter welchen erlebt. Ein früherer Chef meinte wiederholt zu mir, ich solle doch mal ein Röckchen tragen, damit man – also er – meine Beine besser sehen könne. Er rückte mir ohnehin oft sehr dicht auf die Pelle, was ich als sehr unangenehm empfand und stets einige Schritte zurückwich. Ich notierte im Hinterkopf: „Grundsätzlich hier nur Hosen tragen!“ Nutzte aber auch nicht viel, denn einmal – ich wähnte mich allein im Raum – schlich er sich hinterrücks an mich heran und fasste mich an, und zwar an einer Stelle, an der ich wahrlich nicht von jedem angefasst werden möchte. Und schon gar nicht vom Chef. Als ich herumschnellte und ihn laut und wütend anschrie (laut schreien, damit viele es mitbekommen): „Fassen Sie mich nicht an! Das ist ja ekelhaft!“, lachte er nur und fragte, ob mein – damaliger – Freund etwas dagegen hätte. Ich flippte fast aus und schrie noch lauter: „Was hat das mit meinem Freund zu tun? In erster Linie geht es um mich, und ich will von Ihnen nicht angegrabscht werden! Das ist ekelhaft! Sie haben mich nicht anzufassen – machen Sie das nie wieder!“ Eigentlich hätte ich ihm eine knallen sollen, und ich ärgere mich noch heute ein bisschen, es nicht getan zu haben.

Meine damalige Kollegin, die bei angelehnter Tür im Nebenraum saß, meinte hinterher, sie hätte nichts gehört. Ich war stinkwütend – sie musste mich gehört haben, denn ich hatte so laut geschrien, dass meine Stimme fast überschnappte. Erst viel später erfuhr ich, dass dieser Chef dafür bekannt war und sie sich nicht getraut hatte, etwas zu unternehmen. Es lebe die Solidarität unter Frauen. 😉

Heutzutage scheint es aber so, als würden sich manche Frauen schon sexistisch belästigt fühlen, wenn sie ein freundlich gemeintes Kompliment empfangen. Geht ja gar nicht – Komplimente! Igitt! Versteht mich nicht falsch: Übergriffe, Angegrabschtwerden und ekelhaft anzügliche Kommentare wie der Röckchen-Kommentar oben sind absolut inakzeptabel und widerlich. Aber ein nett gemeintes Kompliment? Okay, vielleicht manchmal ein bisschen ungeschickt geäußert, aber auch hier fände ich prima, wenn die Differenzierungsfähigkeit bei der Allgemeinheit etwas besser ausgeprägt wäre. Was ist ein ungeschicktes Kompliment gegen einen Griff in den Schritt oder an die Brust, und das von Vorgesetzten oder Fremden? Von noch Schlimmerem ganz zu schweigen.

Vor allem frage ich mich, warum sich beim Fall des ungeschickten Kompliments Frauen zwar hinterher aufregen, aber zum entsprechenden Mann nichts zu sagen scheinen. Da sagt man doch sofort etwas, oder? Ich zumindest halte das so. So kann man übrigens auch gleich aufklären, ob es sich um einen echten sexistischen Spruch oder ein gegebenenfalls verunglücktes Kompliment handelt. Wer als erwachsene Frau nicht als „süße Maus“ bezeichnet werden will, sollte das sofort und unmissverständlich äußern. Am besten laut.

Übrigens gilt auch zu bedenken, dass Sexismus nicht nur Frauen als Opfer betrifft. Das wird oft vergessen.

Auch weitere „Ismen“ sind wieder und wieder im Gespräch, und ich habe den Verdacht, dass das auch niemals abreißen werde. Es muss einfach immer einen „Ismus“ geben, über den man sich ereifern kann – zumindest scheint es so. 😉

Da könnte einen glatt der Fatalismus anfallen … Da es aber auch positive „Ismen“ gibt, rate ich eher zum Pragmatismus. Vor allem in einer Gesellschaft, da der Dogmatismus mehr und mehr um sich zu greifen scheint, ist ein Gegengewicht notwendig. 😉

In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Donnerstag ohne negative „Ismen“! 😊

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