„Möchtest du darüber sprechen?“

Ich bin eigentlich – wie echte Eingeweihte sagen – ein durchaus gutmütiger und freundlicher Mensch. Sogar liebevoll. Zumindest wurde mir das schon von Leuten gesagt, bei denen es mich bass erstaunte, da mir nicht klar gewesen war, dass sie mich derart analysiert hatten. 😉 Das alles ist durchaus nicht falsch, es sei denn, es kommt mir jemand richtig doof, was bedeutet, ich werde plump angelogen, oder sonstige Dinge dieser Art geschehen, die im Grunde doch immer herauskommen, früher oder später … 😉

Es gibt einige Dinge, die ich einfach nicht abkann. Hinterhältiges Verhalten gehört dazu, freundlich ins Gesicht, aber hintenrum ganz anders. Geht gar nicht. Es soll Menschen geben, die exakt diese von mir nicht wohlgelittene Eigenschaft Frauen per se unterjubeln wollen. Nicht selten Männer, aber auch manche Frauen machen das. Ob die Letztgenannten dabei von sich selber ausgehen, bleibt offen. 😉

Ich kann nicht unterschreiben, dass Frauen generell so seien, und wenn dem doch so sein sollte, bin ich wohl wider Erwarten keine Frau. 😉 Klare Ansagen sind mir wichtig, denn damit kann ich am besten umgehen, auch wenn manch klare Ansage schon einmal dazu führen kann, dass man schluckt, unter Umständen erst einmal verstummt und vielleicht zu Hause im Verborgenen schon einmal weint, aber all das ist besser als vermeintliche Freundlichkeit, bei der man kaum den Rücken dreht und schon ein Messer in selbigem stecken hat. Denn klare Ansagen, auch, wenn man manchmal vielleicht weinen muss, haben den Vorteil, dass sie einen gewissen Lernprozess ermöglichen, was falsche Freundlichkeit niemals tut, da man so ja nie erfährt, was stört. Oder störe. 😉

Das ist eines der Dinge, die mir ganz massiv auf die Nerven fallen, wenn ich so überlege.

Ein weiteres ist die Frage: „Möchtest du darüber sprechen?“ Damit macht man sich gleich keine Freunde – zumindest, was mich anbelangt. Ich bin ein recht frotzeliger Mensch und bringe manche Dinge bisweilen so herüber, dass ich – oder ähnlich Geartete – sofort verstehen, wie ich sie meine. Nämlich frotzelig. 😉 Oft sogar mit Augenzwinkern versehen.

Und doch gibt es Menschen, die mich gleich in den Arm nehmen wollen und auch noch sagen: „Möchtest du darüber sprechen?“ Ich bin dann immer hin- und hergerissen zwischen Lachen und größtmöglicher Irritation. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Ich wollte doch nur einen ironischen Kommentar ablassen, und die andere Seite vermutet bereits, dass ich auf der Suche nach einer Seilhandlung sei, die stabile und tragfähige Stricke verkaufe, an denen ich mich mittels des Longdrop-Verfahrens ins Jenseits befördern könne! Dabei ist Ironie so wunderbar, denn man kann damit auf so vielfältige Weise erläutern, wie man die Welt so empfinde. Oder auch nur eine kleine Situation. Und das ist einfach nur schön. Finde ich.

Und dann kommt jemand an und fragt, ob man „darüber“ – worüber überhaupt – sprechen wolle. Nimmt alles sterbensernst, und das ist genau das Falscheste, was in solchen Momenten nur passieren kann. Mir zumindest. 😉

Mir wäre dann eigentlich ganz lieb, dass jemand hingeht, lacht und sagt: „Du bist eine echte Knalltüte, Ali!“ Noch mehr lacht und mich dann in den Arm nimmt. 😉 „Möchtest du darüber sprechen?“ geht jedenfalls gar nicht. Es klingt viel zu ernst für mich. Ernst bin ich zwar auch bisweilen, aber man muss doch nicht gleich so eine gruselige Eingangsfrage stellen. Oder? Wir sind doch nicht im Grundstudium des Fachs Sozialwissenschaften!😉

Ähnlich allergische Auswirkungen hat übrigens der Satz: „Wir müssen reden.“ (Ohne sofortige Anmerkung, wohin die Reise konkret gehe und man nur doof dasteht und das gesamte – bisweilen lediglich putativ gründende – Sündenregister Revue passieren lässt.) Oder die Erwähnung des Begriffs Einkommensteuererklärung. Da muss man sich auch bis auf die Unterwäsche ausziehen, und das auf Kommando. Alles nix für mich.

Wenn ich über etwas sprechen möchte, werde ich das schon tun, und das gewiss nicht auf Kommando. Ich mache das auf meine Weise, und dazu gehört oft, dass ich zunächst herumfrotzle und dann irgendwann auf den Punkt komme. Meist dauert es auch gar nicht so lange. Es sei denn, man fragt: „Möchtest du darüber sprechen?“ 😉

Und wenn ich das nächste Mal gefragt werde, ob ich unter Allergien leide, weiß ich jetzt schon, was ich antworten werde … 😉

Kennt ihr solche verbalen Allergieauslöser auch? 😉 Das Schlimmste daran: Sie sind stets gut gemeint, und zumindest ich fühle mich auch noch wie ein undankbares A… , nein, wie ein undankbarer Armleuchter, wenn ich allergisch darauf reagiere. Aber zum Glück ist mir klar: „Wir sind alle Individuen.“ 😉

So. Jetzt geht es mir besser, nachdem ich vorhin diesen Satz hören musste, obwohl ich doch eigentlich nur lachend und frotzelnd erwähnt hatte, dass ich, gehe der derzeitige Stress so weiter, bald frühzeitig ergrauen würde. Es liegt an der neuen Stelle, dass derzeit alles etwas stressig ist. Und: Nein, ich möchte darüber nicht sprechen. Ich wollte nur mitteilen, dass ich derzeit sehr viel Neues erlebe und bisweilen noch ein bisschen unsicher sei. Und da will man mich gleich auf die „Couch“ schicken? Eine klare Ansage half dann. Hoffentlich. 😉

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