Achtung! Türrahmen!

So ein Türrahmen ist einerseits ungemein praktisch, kann in einigen Fällen jedoch auch zu einem echten Hindernis werden. Wie das, werdet ihr jetzt vielleicht fragen. Ist nicht vielmehr die – geschlossene – Tür ein Hindernis? Der leere Türrahmen doch wohl weniger. Oder?

Falsch. So ein Türrahmen scheint es – paradoxerweise – in sich zu haben. Das kann ich nur bestätigen, denn ich habe mir in meinem bisherigen Leben bereits zweimal den kleinen Zeh gebrochen. Daran beteiligt: meine legendäre morgendliche Wurschtigkeit, der Hang dazu, gern barfuß zu laufen, was mein Ex Giacomo seit jeher spottend als Unsitte bezeichnet, und … zwei Türrahmen. Einer davon befindet sich in Aachen, der andere in meiner Wohnung hier. Ich betrachte ihn seither mit einem gewissen Argwohn … 😉 Immerhin hatte er mich ganz plötzlich quasi angegriffen, als ich, einem menschlichen Bedürfnis Folge leisten wollend, sehr zügig ins Bad lief. Es pressierte. 😉 Niemals kann es sein, dass ich die Kurve zu eng genommen habe – nein … 😉 Wie auch immer es war, ich prallte mit dem rechten kleinen Zeh dagegen bzw. verhakte sich der Zeh gewissermaßen im Türrahmen (noch heute läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter, und mir sträuben sich sämtliche Härchen, wie es auch geschieht, wenn man etwas an eine Tafel schreibt und statt mit der Kreide mit dem Fingernagel darüberschabt; ich mag aus diesem Grunde Whiteboards sehr gern … 😉 ), und unsäglicher Schmerz durchfuhr mich. Der Vorteil: Ich war mit einem Schlag hellwach! Und das menschliche Bedürfnis war plötzlich mal mindestens zweitrangig geworden.

Jahre zuvor in meiner damaligen Aachener Wohnung das Gleiche in Grün: auf dem eiligen Weg frühmorgens zum Bad mit dem Türrahmen kollidiert, nur war damals der linke kleine Zeh gebrochen, der binnen kurzer Zeit – man konnte zusehen – sein Volumen in etwa verdoppelte und eine ungesunde bläuliche Färbung annahm. Dennoch: Es geht doch nichts über eine gewisse Symmetrie – manchmal zumindest -, die ja nun bei meinen kleinen Zehen hinsichtlich Blessuren gegeben ist. 😉

Die Zeit nach meiner jeweiligen Fraktur war dann so geartet, dass ich mich einseitig auf eine etwas andere Gangart programmieren musste, da ich nicht richtig abrollen konnte und um den jeweilig betroffenen Fuß einen ziemlich straffen Verband trug, da man Zehen ja nicht eingipsen kann. Es sähe auch ziemlich albern aus – solch ein einzelner eingegipster Zeh. Und so lahmte ich schlingernd stets daher, als wandelte ich auf Eiern. Daher bin ich stets sehr vorsichtig mit Türrahmen … 😉

Doch heute lernte ich, dass von diesen doch so alltäglichen Institutionen eine noch viel größere Gefahr ausgehe, als bisher angenommen! Nicht nur physisch, sondern auch psychologisch scheinen Türrahmen echte Gefahrenquellen zu sein. Warum?

Ist es euch auch schon passiert, dass ihr euch gerade auf der Couch schön gemütlich niedergelassen habt, um endlich einen Film zu sehen, auf den ihr euch schon lange gefreut habt? Oder ein spannendes Fußballmatch? Aber es fehlt etwas: Ja! Das Bier steht noch im Kühlschrank! Und die Zigarettenpackung ist leer, und – ich muss es ehrlich gestehen – ein spannendes Fußballmatch überstehe ich nur mit Zigaretten. 😉 Und so steht ihr grummelnd wieder auf, nehmt die leere Packung und geht zur Wohnzimmertür, öffnet sie und geht Richtung Küche. Zurück kommt ihr dann mit einer Tüte Chips, mit der ihr euch wieder gemütlich auf die Couch verzieht. Kaum sitzt ihr, stellt ihr fest: „Hier fehlt doch etwas!“ Ja! Natürlich! Nämlich das, weswegen ihr die verdammte Couch überhaupt erst verlassen habt! Und ihr wisst auch sofort wieder, was es war, kaum dass ihr wieder im Wohnzimmer sitzt. Also wieder aufgestanden und ab in die Küche – dabei den Aschenbecher, der geleert werden muss -, aus der ihr dann mit einer unangebrochenen Zigarettenpackung und einer Flasche Bier zurückkehrt. Ab auf die Couch …

Kaum brennt die erste Zigarette, stellt ihr fest, dass etwas fehlt … Ja. Der Aschenbecher, der zwar geleert wurde, aber nun immer noch am falschen Ort steht, nämlich in der Küche … Wohin jetzt mit der glimmenden Kippe (ich rauche nur im Wohnzimmer)?

Zähneknirschend brecht ihr eure selbstaufgestellte Regel und eilt fluchend mit Zigarette Richtung Küche. Einmal ist keinmal. Zurück kommt ihr mit einem Glas Gurken, aber ohne Aschenbecher, der sich wahrscheinlich schon überlegt, in der Küche Wurzeln zu schlagen … Um zu vermeiden, dass Zigarettenasche auf die Couch, den Boden oder sonstwohin fällt (denn natürlich ist kein geeignetes Ersatzgefäß in der Nähe), eilt ihr erneut mit der Kippe in der Hand Richtung Küche, krallt euch den Aschenbecher und kehrt aufatmend wieder ins Wohnzimmer zurück. Endlich sitzen – endlich Fußball gucken! Und alles, was man braucht, in Reichweite, nach nur mehrmaligem Laufen … Garantiert müsst ihr dann, wenn ihr euch gerade bequem und gemütlich installiert habt, zur Toilette …

Mein Tipp: Schon lange vor Anpfiff alles, was benötigt wird, bereitstellen. 😉

Eine andere typische Situation: Ihr wollt einkaufen gehen, da dringend Kaffee benötigt wird. Und schon geht es auf Richtung Supermarkt … Nicht selten ist es zumindest bei mir so, dass ich mit allen möglichen Artikeln nach Hause komme – nur nicht mit Kaffee! Ja, werdet ihr jetzt sagen, da schreibt man sich doch einen Einkaufszettel! Sischer dat – mache ich auch oft. Nur vergesse ich den in 90 Prozent der Fälle garantiert, wenn ich aus dem Haus gehe …

Was das nun mit Türrahmen zu tun hat? Nun, das ist ganz einfach: Forscher haben herausgefunden, dass wir – nehmen wir das Wohnzimmerbeispiel – mit einem bestimmten Plan das Wohnzimmer verlassen, weil wir ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen wollen, zum Beispiel. Doch der Türrahmen, dieses ungeahnt gefährliche Wesen, bewirke, so die Forscher, dass wir, haben wir ihn einmal durchschritten, vergessen, weswegen wir eigentlich hindurchgegangen sind. Als habe man quasi den Stecker gezogen. Und so kommt man dann eben mit Chips zurück, mit einem Glas Gurken und allem Möglichen, nur nicht mit den Dingen, die man – „mal eben schnell“ – holen wollte. 😉 Offenbar hake das Gehirn die Info aus dem Wohnzimmer als erledigt ab, sobald man in einen anderen Raum gehe. Man machte mit freiwilligen Probanden verschiedene Tests, die diesen Schluss nahelegen. Und das Ganze nennt man Türrahmen-Effekt.

Ganz ehrlich? Das beruhigt mich doch sehr … In der letzten Zeit hatte ich schon in Erwägung gezogen, eines der vielbeworbenen Ginkgo-Präparate zu kaufen und peinlich genau einzunehmen. Nein, nicht wirklich – ich vermute nur, sie sind in der Werbung überproportional vertreten. 😉 Nichtsdestotrotz stand ich schon so manches Mal im Bad, als wäre ich gerade vom Himmel gefallen, obwohl ich doch nur etwas aus der Küche holen wollte … Oder ich ging einkaufen und kam ohne Kaffee zurück. Wobei vergessener Kaffee weit harmloser ist als vergessenes Toilettenpapier, dessen Fehlen erheblich drastischere Folgen haben kann … 😉 Ich gestehe, ich musste schon öfter ein zweites Mal zum Supermarkt gehen, um das Vergessene zu kaufen. Und wie oft bekam ich den Tipp: „Schreib doch einen Einkaufszettel!“ Als wüsste ich das nicht selbst! Nur: Was, wenn ich noch mal ganz schnell ins Bad muss oder mir sonst etwas Wichtiges einfällt, das ich eben – in einem anderen Raum – erledigen oder holen muss? Da nehme ich den Einkaufszettel nicht unbedingt mit, muss aber mindestens einen Türrahmen durchschreiten, wobei der gefährliche Türrahmen-Effekt ja wieder eintritt! 😉 Und so gerät der Einkaufszettel ja wieder in Vergessenheit …

Mich wundert, dass es in meiner Wohnung noch keine ausgetretenen Pfade gibt, denn ich mache es so, wenn ich – einmal den Türrahmen durchschritten – nicht mehr weiß, was ich eigentlich wollte: Ich gehe in den Raum zurück, den ich mit einem bestimmten Plan verließ. Meist hilft das. Man muss sich nur sehr stark konzentrieren, sobald es auf den gefährlichen Türrahmen zugeht … 😉

Ich bin beruhigt, dass es anderen offenbar ähnlich wie mir geht und sehe es mit Humor: „Was man nicht im Kopp hat, muss man in den Beinen haben.“ Sage ich mir auch gerade, da ich hier sitze und Tee statt Kaffee trinke. Es ist nämlich kein Kaffee im Haus …

Dreimal dürft ihr raten, warum … 😉