Architekturstörung

Woran denkt ihr, wenn ihr den Begriff Architektur hört? Nun, ich denke zunächst an das Straßburger, das Ulmer und das Freiburger Münster, den Kölner, den Aachener, den Bamberger Dom und andere große Bauwerke. Auch denke ich an einen Studiengang, der in meiner Familie nicht so beliebt ist (mit Gründen). Zumindest in Bezug auf das, was zwei Absolventen dieses Studienganges anbelangt. 😉

Ich denke auch an das Reiff-Museum an der RWTH Aachen in der Schinkelstraße, das sowohl die Kunsthistoriker, als auch die Architekten beheimatet(e) und die nächste Häuserecke von der Wohnung ausmachte, in der ich einige Zeit meiner „Aachener Zeit“ verbrachte, lebte und liebte. Meine Schwester Stephanie, begeisterte Kunsthistorikerin, führte einst meine Eltern sowie mich ins „Reiff-Museum“, uns die „tollen Entwürfe“ der Architekturstudenten zu zeigen. In der Tat – toll sahen sie alle aus, aber meine Mutter sprach als Erste das aus, was recht offensichtlich war: „Das sieht wirklich toll aus. Sogar phantastisch. Vor allem die freischwebenden Balkone. Phantastisch – im wahrsten Sinne!“ Mein Vater, Ingenieur, hatte sich bereits abgewandt, um sein Lachen nicht allzu deutlich zu zeigen, während ich fasziniert auf diese vielen, annähernd freischwebenden, Elemente starrte. Ich liebe ja alles, was verwunschen ist – aber das hier war zu freischwebend, um real zu sein, etwas zu verwunschen. Stephanie war sauer – sie sah es mehr von der künstlerisch-ästhetischen Seite, und aus dieser Perspektive war es wirklich grandios, ganz zweifellos.

Damals hätte ich niemals in Betracht gezogen, dass es bei Architektur auch Störungen geben könne. Es sah doch alles so leicht dahingebaut aus. Mir war auch nicht klar, in welch vielen Fachgebieten der Architekturbegriff so benutzt werde. Und was für ein Euphemismus Architekturstörung sein kann. 😉

Ich sitze hier und weiß nun: Ali leidet unter einer Architekturstörung. Denn ich war vorhin beim Arzt, nachdem ich kürzlich beim zweiten Teil der alljährlichen Krebsvorsorgeuntersuchung war, beim Radiologen, wo wieder heftig gequetscht wurde, was frau auf diese Art gar nicht gerne quetschen lässt. Ich hatte gerade seit 14 Tagen meine neue Stelle inne, als die Radiologin mir sagte, man habe da eine „suspekte Gewebsverdichtung“ entdeckt, wenn auch nur in einer Ebene, und sie würde mich gerne „in die Röhre“ schicken. Der Bericht gehe meinem behandelnden Arzt so schnell wie möglich zu. Ich solle mir keine Sorgen machen. (Natürlich mache ich mir niemals Sorgen, wenn der Bericht meinem behandelnden Arzt „so schnell wie möglich“ zugehen soll – niemals. 😉 )

Und heute saß ich da bei meinem behandelnden Arzt, der mir erklärte, ich hätte da eine „Architekturstörung“ in meiner linken Brust, die man per MRT genauer diagnostizieren müsse. Ich lachte hell heraus, als er „Architekturstörung“ sagte, und vor meinem Auge entstanden all die Stegreif-Entwürfe zwangsläufig aufstrebender Architekten damals aus dem Reiff-Museum, in denen Balkone frei vor den Gebäuden schwebten … 😉 Ohne jeglichen Halt, ohne jedwede Verankerung.

Ich gebe zu, so fühle ich mich derzeit auch. Da habe ich gerade endlich eine neue Stelle, worauf ich so lange hingearbeitet habe. Und jetzt diese Architekturstörung. Ich muss gestehen, dass ich inzwischen den Begriff „Architektur“ auch gar nicht mehr so gern mag. Und irgendwie treten noch immer Gebäude wie das Straßburger Münster vor meine Augen, wenn ich „Architektur“ höre. Alles Mögliche, nur nicht meine linke Brust. (Das Ganze ist ja noch viel schmachvoller, da ich lange Zeit eher einem Brett ähnelte und mir immer etwas mehr „Ausstattung“ wünschte. Und kaum habe ich sie, macht sie schon Ärger … 😉 )

Irgendwie läuft es in meinem Leben immer so. Ich wollte eine neue Stelle, und nach langem Darauf-hin-Arbeiten habe ich sie nun. Ich wollte mehr Abwechslung in meinem Leben. Und … ja! Die habe ich jetzt auch! Ich hoffe nur sehr, nicht längerfristig … 😉

Solltet ihr euch je etwas in eurem Leben so richtig und mit Verve wünschen: Macht es besser als ich! Wünscht immer sehr präzise, auch wenn man euch als Pedanten bezeichnen sollte. Es ist sicherer so. 😉

Und drückt mir bitte die Daumen. 😊

„Haben Sie Stevia?“ Oder: Handwerker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren …

Heute hatte ich einen Tag Urlaub, da sich Handwerker angesagt hatten. Genauer: Handwerker der – wie sie selber sagen – Gas-Wasser-Scheiße-Fraktion. Ich bewundere diese Leute immer – ich würde weder mit Gas, noch mit Wasser, ganz zu schweigen: mit Scheiße gern arbeiten. Aber bei uns im Haus musste der Abwasserfallstrang gewartet werden.

Für acht Uhr hatten sie sich angekündigt, und pünktlich um 08:05 Uhr gab meine äußerst penetrante Türklingel Laut. Es ist eine moderne Türklingel, kombiniert mit einer Gegensprechanlage, und sie klingelt derart penetrant, dass sie wohl auch Tote erwecken würde. Nicht, weil sie so laut sei, gewiss nicht. Eher aufgrund ihrer widerlichen, aber sehr modernen Art, gar nicht mehr mit dem Klingeln, Tönen oder Läuten aufzuhören, selbst wenn der Einlass Begehrende schon lange den Finger vom Klingelknopf genommen hat. Nervend hoch sechs, aber wirkungsvoll, denn ich hörte das penetrante Geräusch sogar durch den Lärm hindurch, den meine Fönbürste macht. 😉

Zum Glück war ich aber ohnehin mit dem Fönbürsten fertig. Nur geschminkt war ich nicht, als ich auf den Türöffner drückte. (Wenn frau sich tagtäglich schminkt, fühlt sie sich annähernd nackt, wenn sie gezwungenermaßen ungeschminkt die Tür öffnen muss … 😉 ) Aber immerhin wohlfrisiert und vollständig bekleidet. 😉

Zwei jüngere Männer kamen die Treppe hoch, und der mit der Baseballmütze, der als Erster meine Wohnungstür erreichte, meinte: „Ah! Super! Da haben wir ja gleich die Richtige erwischt!“ (Wie meinen? Wieso war ich „die Richtige“? Hatte ich mir etwa etwas zuschulden kommen lassen? Nein – ich werfe keine Damen-Hygieneartikel, wie die Dinger bürokratisch und politisch korrekt so „nett“ genannt werden, in die Toilette, meine Herren! 😉 )

Der andere jüngere Mann war ein echter „Schrank“. Aber beide wirkten einfach nur nett – und waren es auch. Sie kamen mit ihrem umfangreichen Instrumentarium in meine Wohnung, und ich fragte: „Nur Bad oder auch Küche?“ – „Nur Bad, Frau B. – und wir hoffen, dass das besser als im Nachbarhaus läuft! Da war alles problematisch, und wir hoffen, wir kommen bei Ihnen besser rein!“ Ich stutzte, grinste und meinte: „Das hoffe ich auch. Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?“ (Ich hatte, von klein auf daran gewöhnt, dass Handwerker sehr gern Kaffee – und davon nicht wenig, ähnlich wie ich – trinken, gleich eine größere Menge gekocht. Und das mit einer „French Press“! Den einen Teil in eine Thermoskanne gekippt, während der andere Teil noch in der Zubereitungskanne vor sich hin reifte.

Nun, ich muss immer wieder feststellen, dass die Zeiten sich massiv geändert haben. Denn der Baseballbemützte und sein schrankartiger Kollege sahen verlegen drein, und der „Schrank“ meinte: „Wir sind beide keine Kaffeetrinker, Frau B.“ Ich bin ja nun nicht frei von Klischees, und in dem Moment hätte ich gern mein Gesicht gesehen … 😉

Doch ich fing mich extrem schnell und meinte: „Ich kann Ihnen auch einen Tee kochen, wenn Sie mögen!“ Der „Schrank“ strahlte mich an und meinte: „Das ist ja lieb! Darüber würden wir uns wirklich freuen!“ – „Was für einen Tee hätten Sie denn gern?“ fragte ich in die überschaubare Runde, und der „Schrank“ meinte: „Irgendetwas Fruchtiges – wenn Sie so etwas haben. Ich finde es ja ohnehin total lieb, dass Sie fragen!“ Und der Baseballfan meinte: „Für mich etwas anderes.“ Ich strahlte und fragte voller Hoffnung: „Sie trinken sicherlich schwarzen Tee, nicht wahr?“ Der Baseballfan sah mich an, als hätte ich gefragt, ob er denn wirklich regelmäßig kiffe, und er meinte: „Nee, lieber etwas mit Kräutern.“

Ich fing mich erneut schnell, sagte, dass es gar kein Problem sei, und dann eilte ich in die Küche und bereitete einen Pfefferminz- und einen Malventee. Vor noch nicht langer Zeit gekauft, standen die beiden Sorten in meinem Schrank. (Pfefferminztee habe ich eigentlich immer da, meist aber die Sorte „Minze mit Zitrone“ – und die schmeckt nicht jedem. Glücklicherweise aber hatte kürzlich einer der bekannten Discounter ein spezielles Angebot, das sich „Intense Mint“ nennt.)

Das Wasser kochte, und ich schüttete es in zwei Tassen. In einer ein Malven-Teebeutel, in der anderen einer der Gattung „Intense Mint“. Und dann kam der Baseball-Mann vorbei, und ich fragte ihn: „Möchten Sie den Tee plain, also pur, oder möchten Sie noch etwas hinein?“

Da sah er mich an, zögerte und sagte dann: „Haben Sie Stevia im Haus?“ Glücklicherweise wusste ich, was Stevia ist und verneinte mit den Worten: „Nee, habe ich nicht. Nur ungesunden Industriezucker. In diesem Haushalt finden Sie nur wenig Gesundes!“ Da lachte er und meinte: „Zumindest die Hausherrin scheint mit einem gesunden Humor ausgestattet. Ich nehme auch Industriezucker – aber nur ein bisschen, bitte. Vielen Dank überhaupt für das Angebot!“ – „Da nich für,“, grinste ich und gab ein Fitzelchen Zucker in den Pfefferminztee. Ein anderes Fitzelchen in den Malventee – der „Schrank“ war gerade nicht greifbar, und ich konnte ihn nicht fragen, welche Vorlieben er so habe. An dem bisschen Zucker würde er wohl nicht dahinscheiden.

Und tatsächlich haben sie alles ausgetrunken, haben mich nur einmal „gestört“, als ich gerade einen Blogbeitrag über „Ismen“ schrieb. 😉 Die nettesten Handwerker, die ich je in dieser Wohnung hatte!

Vor allem, weil sie die Toilette, die sie zunächst abmontiert hatten, genau rechtzeitig wieder an gewohnter Stelle montiert haben – ich war nicht ganz so schlau wie die Handwerker gewesen und hatte sehr viel Kaffee getrunken (irgendjemand musste den für die Handwerker gekochten Überhang ja auch vernichten … 😉 ). So viel, dass ich zwischenzeitlich schon die Nutzung eines Eimers in Erwägung zog, als meine Toilette noch immer nutzlos abmontiert und wie ein Fremdkörper neben meiner Eckbadewanne stand. 😉

Knapp eineinhalb Stunden nach Beginn ihrer Tätigkeit verabschiedeten sich die beiden Herren von mir und meinten sogar noch: „Bei Ihnen war alles easy und super, und wir möchten uns gerne noch einmal für den Tee bedanken. So nett waren die im Nachbarhaus nicht – im Gegenteil!“ Ich lächelte freundlich und meinte: „Handwerker wie Sie immer wieder gern! Und es tut mir leid, dass ich kein Stevia habe!“ Da meinte der Baseballmützenmann nur: „Für Sie trinke ich auch gern Tee mit Zucker!“

Ich war gerührt. 😊 Der netteste Handwerkerbesuch ever! 😊 Und so meinte ich augenzwinkernd: „Beim nächsten Abwasserfallstrang-Wartungstermin bemühe ich mich um Stevia!“

Der „Schrank“ und die „Baseballmütze“ verließen mich daraufhin winkend und meinten: „Zu Ihnen kommen wir auch künftig sehr gern!“ Ich winkte zurück und meinte: „Sehr gern.“

Und als ich die Tür geschlossen hatte, fragte ich mich, was ich nun eigentlich Besonderes getan hatte. Und ich fragte mich, wie die anderen Leute mit den beiden netten Menschen wohl umgegangen seien, wenn diese mich als besonders freundlich betrachteten. Wohl nicht so ganz nett.

Eine Sache, die ich nicht verstehe.

Zugegeben: Mich irritierte ein bisschen der Zeitenwandel: Zwei gestandene Handwerker, die keinen Kaffee trinken! Aber ich musste doch grinsen. 😉

Der „Ismus“ als Trend

Wenn ich manchmal so die Zeitung aufschlage, den Fernseher einschalte oder einfach nur so in die Gegend und um mich herum höre, habe ich den Eindruck, von sogenannten „Ismen“ nur so umzingelt zu sein. Und „Ismen“ scheinen ein echter Hype zu sein. Neben den zahlreichen Phobien, die so oft von Fachfremden – von denen besonders gern – diagnostiziert werden. (Natürlich nur bei anderen. Nie bei ihnen selber, denn sie sind ja normal … 😉 )

Veganismus, Rassismus, Sadismus, Masochismus (im Paarverbund bisweilen gern auch in Kombination 😉 ) und – nicht zuletzt – auch der Gemeine Sexismus (im doppelten Sinne gemein) finden wieder und wieder lebhafte Erwähnung.

Während der Veganismus als echter Hype natürlich nur positiv besetzt zu sein scheint – zumindest bei manchen Menschen, selbstverständlich den damit automatisch Besseren unter uns -, sieht es beim Rassismus verständlicherweise ganz anders aus. Zu Recht. Nur: Ist wirklich ausnahmslos alles, was immer als „Rassismus“ geziehen wird, auch echter solcher? Ich habe manchmal den Eindruck, manche Menschen schrien bereits reflexartig dieses Wort des Bösen, sobald jemand nur leise Kritik, keineswegs Hass, äußert. Manch einer scheint Kritik von Hass und Rassismus nicht differenzieren zu können. Wohl dem, der dies vermag. Doof nur, dass er damit – zumindest kommt es mir so vor – offenbar einer Minderheit anzugehören scheint. Ich selber finde Rassismus völlig inakzeptabel, berechtigte Kritik, völlig ohne rassistische Tendenzen oder Absichten geäußert, jedoch durchaus notwendig. Nun, damit ist es, wie mit dem Sarkasmus und der Ironie, aber auch nicht mehr weit her, was die Akzeptanz anbelangt. Zumindest scheint es so. Aber vielleicht bin ich ja auch nur dem „Einbildismus“ oder einer „Phobie“ aufgesessen. 😉 (Gibt es eigentlich den Begriff „Phobismus“? Für Menschen, die anderen gern eine Phobie unterstellen, die diese gar nicht haben, es aber im Schwarzweiß-Weltbild des „Diagnostikers“ so viel bequemer ist? Oder ist das dann eher „Diagnostizismus“? 😉 )

Der Pluralismus, den ich stets geschätzt habe, scheint übrigens auch auf dem absteigenden Ast begriffen – der liegt offenbar nicht im Trend. Ob das irgendwie Hand in Hand mit dem oben Beschriebenen einhergeht?

Mit Sadismus und Masochismus kenne ich mich nicht ganz so aus – ich bin weder das eine, noch das andere und damit dem „Durchschnittismus“ anheimgefallen. 😉 Dafür kenne ich mich mit dem Gemeinen Anglizismus umso besser aus – der ist schon seit vielen Jahren im Trend, und ich frage mich, ob noch alle Menschen den jeweiligen deutschen Begriff für manch vermeintlich schicken Anglizismus kennen. 😉 Aber darüber hatte ich mich ja schon einmal ausgelassen.

Was immer wieder aufwallt, ist der Sexismus. Er erscheint in regelmäßiger Weise als Vorwurf. Und, ja, ich finde Sexismus richtig scheiße, habe selber durchaus öfter welchen erlebt. Ein früherer Chef meinte wiederholt zu mir, ich solle doch mal ein Röckchen tragen, damit man – also er – meine Beine besser sehen könne. Er rückte mir ohnehin oft sehr dicht auf die Pelle, was ich als sehr unangenehm empfand und stets einige Schritte zurückwich. Ich notierte im Hinterkopf: „Grundsätzlich hier nur Hosen tragen!“ Nutzte aber auch nicht viel, denn einmal – ich wähnte mich allein im Raum – schlich er sich hinterrücks an mich heran und fasste mich an, und zwar an einer Stelle, an der ich wahrlich nicht von jedem angefasst werden möchte. Und schon gar nicht vom Chef. Als ich herumschnellte und ihn laut und wütend anschrie (laut schreien, damit viele es mitbekommen): „Fassen Sie mich nicht an! Das ist ja ekelhaft!“, lachte er nur und fragte, ob mein – damaliger – Freund etwas dagegen hätte. Ich flippte fast aus und schrie noch lauter: „Was hat das mit meinem Freund zu tun? In erster Linie geht es um mich, und ich will von Ihnen nicht angegrabscht werden! Das ist ekelhaft! Sie haben mich nicht anzufassen – machen Sie das nie wieder!“ Eigentlich hätte ich ihm eine knallen sollen, und ich ärgere mich noch heute ein bisschen, es nicht getan zu haben.

Meine damalige Kollegin, die bei angelehnter Tür im Nebenraum saß, meinte hinterher, sie hätte nichts gehört. Ich war stinkwütend – sie musste mich gehört haben, denn ich hatte so laut geschrien, dass meine Stimme fast überschnappte. Erst viel später erfuhr ich, dass dieser Chef dafür bekannt war und sie sich nicht getraut hatte, etwas zu unternehmen. Es lebe die Solidarität unter Frauen. 😉

Heutzutage scheint es aber so, als würden sich manche Frauen schon sexistisch belästigt fühlen, wenn sie ein freundlich gemeintes Kompliment empfangen. Geht ja gar nicht – Komplimente! Igitt! Versteht mich nicht falsch: Übergriffe, Angegrabschtwerden und ekelhaft anzügliche Kommentare wie der Röckchen-Kommentar oben sind absolut inakzeptabel und widerlich. Aber ein nett gemeintes Kompliment? Okay, vielleicht manchmal ein bisschen ungeschickt geäußert, aber auch hier fände ich prima, wenn die Differenzierungsfähigkeit bei der Allgemeinheit etwas besser ausgeprägt wäre. Was ist ein ungeschicktes Kompliment gegen einen Griff in den Schritt oder an die Brust, und das von Vorgesetzten oder Fremden? Von noch Schlimmerem ganz zu schweigen.

Vor allem frage ich mich, warum sich beim Fall des ungeschickten Kompliments Frauen zwar hinterher aufregen, aber zum entsprechenden Mann nichts zu sagen scheinen. Da sagt man doch sofort etwas, oder? Ich zumindest halte das so. So kann man übrigens auch gleich aufklären, ob es sich um einen echten sexistischen Spruch oder ein gegebenenfalls verunglücktes Kompliment handelt. Wer als erwachsene Frau nicht als „süße Maus“ bezeichnet werden will, sollte das sofort und unmissverständlich äußern. Am besten laut.

Übrigens gilt auch zu bedenken, dass Sexismus nicht nur Frauen als Opfer betrifft. Das wird oft vergessen.

Auch weitere „Ismen“ sind wieder und wieder im Gespräch, und ich habe den Verdacht, dass das auch niemals abreißen werde. Es muss einfach immer einen „Ismus“ geben, über den man sich ereifern kann – zumindest scheint es so. 😉

Da könnte einen glatt der Fatalismus anfallen … Da es aber auch positive „Ismen“ gibt, rate ich eher zum Pragmatismus. Vor allem in einer Gesellschaft, da der Dogmatismus mehr und mehr um sich zu greifen scheint, ist ein Gegengewicht notwendig. 😉

In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Donnerstag ohne negative „Ismen“! 😊

(Urgently) Wanted: The real and mean common sense!

In den letzten Tagen gab es in der Presse großen Aufruhr, weil eine Journalistin sich erdreistet hatte, einen bei manchen Menschen angesagten Imbiss in unserer Hauptstadt – bekannt als: „Arm, aber sexy!“ – durch eine Gastrokritik, eine reine Meinungsäußerung, zu bewerten. Eine ganz normale Sache, denn jeder, der in die Öffentlichkeit tritt, setzt sich dem Risiko aus, kritisiert zu werden. Und jeder nahm exakt dies als ganz normal hin. Bisher jedenfalls. Denn seit einiger Zeit – ich kann nicht benennen, wann das Pendel in die andere Richtung zu schlagen begann, weil ich noch immer irritiert und befremdet über die Folgen bin – hat sich wohl einiges verändert.

Denn was nach dieser Kritik oder Meinungsäußerung stattfand, ist im Grunde an Absurdität kaum zu überbieten. Warum?

Nun, der solcherart geziehene Imbissbudenbetreiber, den manche Menschen wie einen Guru vergöttern (ich gehöre gewiss nicht dazu), reagierte recht eigen, da er der Journalistin und der gesamten Redaktion ihres Brötchengebers nicht nur Hausverbot erteilte, sondern ihr und anderen Menschen, die sein Angebot jetzt nicht gerade so toll finden, auch gleich die zum Verständnis seiner Idee vermeintlich notwendige Intelligenz absprechen wollte. Wenn ich mich recht entsinne, sprach er auch davon, ihr die Speise, die ihr am wenigsten geschmeckt zu haben scheint, am liebsten ins Gesicht gedrückt haben zu wollen – er drückte es etwas anders aus -, hätte er sie und das Ergebnis ihres Besuchs nur erkannt! 😉

Und fortan überschlugen sich die Ereignisse … 😉 Denn nachdem der bekannte Gastwirt mitbekommen hatte, dass inzwischen die Gazetten von seinem recht unkontrollierten Verhalten nicht nur berichteten, sondern auch zahllose Kommentare zu verzeichnen hatten, schwenkte er um. Offenbar hatte er erkannt, dass nicht nur seine Adepten, gar nicht so selten kritiklos und partiell ein kleines bisschen aggressiv (wiewohl doch angeblich ihre Ernährungs- und Lebensüberzeugung zu friedlichem, harmonischem Miteinander im Einklang mit der Natur führen soll – „Alle Menschen werden Brüder“, wie es so schön heißt), da kommentierten, die ohnehin auf seiner Seite waren, weil sie alles andere für Verrat halten würden – ganz egal, wie dumm sie sich da gerieren.

Nein, die Kommentare waren von einer gewissen Vielfalt, und sogar diverse Menschen, die der gleichen Ernährungs- und Lebensvariante frönen, wie der so böse gescholtene Gastwirt zumindest stets erklärt, hatten negative Kritik anzumelden. Wenn ich es einmal überreiße, war die klassische Gauß’sche Glockenkurve gegeben. 😉

Recht absonderlich reagierte der Gastwirt. Anders, als ich an seiner Stelle reagiert hätte – aber ich habe ja auch keine Fans, führe kein „Business“ und muss mir von daher wenig Sorgen um mein diesbezügliches Auskommen machen. 😉 Kurz: Ich habe keine Imbissbude, und ich verkaufe auch keine Bücher. 😉

Gegen die Ernährungs- und Lebensweise an sich sage ich nichts – ich halte es da mit dem Alten Fritz. Nur mag ich auch nicht missioniert oder gar beschimpft werden, lebe ich anders. Das aber verkörpert der berühmte Gastwirt. Und er kann es offenbar auch gar nicht leiden, wenn man ihn – wie alle anderen Gastwirte, gelernt oder ungelernt – kritisiert. Und seine Gemeinde von Adepten ist da auch sehr streng. 😉

Nun hätte ich – wäre ich an seiner Stelle gewesen – das Ganze a) einfach ignoriert, b) eine ironische Reaktion gezeigt, ironisch, aber so, dass jeder merkt: „Die weiß, was gemeint ist, reagiert aber mit Augenzwinkern, und gut ist es“. C) Ich hätte Journalisten den Wind aus den Segeln genommen, indem ich eine großzügige Einladung zu Testessen ausgesprochen und dann zugesehen hätte, dass alles supercalifragilisticexpialigetisch ausgesehen hätte, um der Kritikerin den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ist das unvernünftig?

All das hat der Gastwirt nicht getan. Stattdessen war seine erste Reaktion eine von Hass und in erster Linie männlichen Hormonen nur so strotzende Gegendarstellung, in der er der Kritikerin Essen ins Gesicht drücken wollte. Und natürlich hatte dies zur Folge, dass erneute Artikel in den Gazetten auftauchten.

Spätestens da hätte man – ich zumindest – doch die Füße schamhaft stillgehalten. Normalerweise. Doch nein! Es erfolgte eine Rücknahme des Hausverbotes, gekoppelt mit einer Einladung an Journalisten, die sich selber ein Bild machen sollten. Wem es allerdings nicht schmecke, wer etwas zu meckern habe, würde heraufbeschwören, dass der Gastwirt dann so richtig austicken würde. Das Ganze gepostet mit einem Foto des Gastwirtes, der gerade eine moderne Repetierwaffe im Anschlag hält!

Ich war irritiert ob dieser Darstellung. Aber noch viel mehr irritiert war ich, als der Gastwirt von seinen Adepten noch für sein „Genie“ gefeiert wurde! „Denen hast du es jetzt so richtig gezeigt“ lautete der Grundtenor dieser Menschen. Ah, ja. Nee, ist klar – ich posiere mit einer Pumpgun, und schon habe ich nicht nur Recht, sondern bin obendrein ein Genie! 😉 (Ob ich das auch mal machen sollte? 😉 Was meint ihr? Nee? Ja, ich glaube, ihr habt Recht – ich sollte es nicht tun und will das auch gar nicht.)

Und dann wurde es noch viel absurder, denn der Gastwirt versprach noch weitere Dinge, modifizierte aber dann, als es um die Wurst (oh Gott – Wurst ist hier der ganz falsche Terminus!) ging, kurzerhand die Bedingungen und kam sich einmal mehr total schlau vor. Und so kam und kommt er auch seinen Adepten vor, die offenbar der Theorie: „Wer schreit, hat Recht“ folgen.

Ich weiß nicht … Mir kommt das Ganze nur gruselig vor. Als wären wir im Kindergarten, wo Eltern ganz stolz sind, wenn ihre Kinder besonders altklug und spitzfindig sind, was manch anderer Elternteil – bisweilen sogar andere Kinder – gar nicht so nachvollziehen können. 😉

Sorry, aber ich frage mich seit dieser Werbeaktion für was auch immer – Lebenseinstellung, Dummheit oder Sonstiges -, in welcher Welt ich eigentlich lebe. Nennt mich engstirnig – ist auch okay. 😉 Mir fehlt einfach nur das, was man bis vor einiger Zeit noch als „gesunder Menschenverstand“ kannte. Das Ding, das davor bewahrt, derart peinliche Dinge zu tun, wie oben – durch die Aktionen des offenbar von sich selbst sehr eingenommenen Gastwirts – beschrieben, zu tun. Dieser common sense scheint nicht mehr serienmäßig gegeben zu sein. Eher der Drang, kompromisslos einer individuell gegebenen Linie zu folgen. Zumindest bei manchen. Und ich hoffe, ich bilde mir nur ein, dass das immer weitere (Lebens-)Kreise ziehe.

Mein Resümee: Macht, was ihr wollt, aber verletzt niemanden – und missioniert auch nicht herum. Und besonders wichtig: Bewahrt euch euren common sense – den gesunden Menschenverstand. 😉 Meiner sagt mir jedenfalls, dass dieser heute mehr denn je benötigt werde, und das nicht nur bei einer unwichtigen Gastrokritik. 😉

„Möchtest du darüber sprechen?“

Ich bin eigentlich – wie echte Eingeweihte sagen – ein durchaus gutmütiger und freundlicher Mensch. Sogar liebevoll. Zumindest wurde mir das schon von Leuten gesagt, bei denen es mich bass erstaunte, da mir nicht klar gewesen war, dass sie mich derart analysiert hatten. 😉 Das alles ist durchaus nicht falsch, es sei denn, es kommt mir jemand richtig doof, was bedeutet, ich werde plump angelogen, oder sonstige Dinge dieser Art geschehen, die im Grunde doch immer herauskommen, früher oder später … 😉

Es gibt einige Dinge, die ich einfach nicht abkann. Hinterhältiges Verhalten gehört dazu, freundlich ins Gesicht, aber hintenrum ganz anders. Geht gar nicht. Es soll Menschen geben, die exakt diese von mir nicht wohlgelittene Eigenschaft Frauen per se unterjubeln wollen. Nicht selten Männer, aber auch manche Frauen machen das. Ob die Letztgenannten dabei von sich selber ausgehen, bleibt offen. 😉

Ich kann nicht unterschreiben, dass Frauen generell so seien, und wenn dem doch so sein sollte, bin ich wohl wider Erwarten keine Frau. 😉 Klare Ansagen sind mir wichtig, denn damit kann ich am besten umgehen, auch wenn manch klare Ansage schon einmal dazu führen kann, dass man schluckt, unter Umständen erst einmal verstummt und vielleicht zu Hause im Verborgenen schon einmal weint, aber all das ist besser als vermeintliche Freundlichkeit, bei der man kaum den Rücken dreht und schon ein Messer in selbigem stecken hat. Denn klare Ansagen, auch, wenn man manchmal vielleicht weinen muss, haben den Vorteil, dass sie einen gewissen Lernprozess ermöglichen, was falsche Freundlichkeit niemals tut, da man so ja nie erfährt, was stört. Oder störe. 😉

Das ist eines der Dinge, die mir ganz massiv auf die Nerven fallen, wenn ich so überlege.

Ein weiteres ist die Frage: „Möchtest du darüber sprechen?“ Damit macht man sich gleich keine Freunde – zumindest, was mich anbelangt. Ich bin ein recht frotzeliger Mensch und bringe manche Dinge bisweilen so herüber, dass ich – oder ähnlich Geartete – sofort verstehen, wie ich sie meine. Nämlich frotzelig. 😉 Oft sogar mit Augenzwinkern versehen.

Und doch gibt es Menschen, die mich gleich in den Arm nehmen wollen und auch noch sagen: „Möchtest du darüber sprechen?“ Ich bin dann immer hin- und hergerissen zwischen Lachen und größtmöglicher Irritation. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Ich wollte doch nur einen ironischen Kommentar ablassen, und die andere Seite vermutet bereits, dass ich auf der Suche nach einer Seilhandlung sei, die stabile und tragfähige Stricke verkaufe, an denen ich mich mittels des Longdrop-Verfahrens ins Jenseits befördern könne! Dabei ist Ironie so wunderbar, denn man kann damit auf so vielfältige Weise erläutern, wie man die Welt so empfinde. Oder auch nur eine kleine Situation. Und das ist einfach nur schön. Finde ich.

Und dann kommt jemand an und fragt, ob man „darüber“ – worüber überhaupt – sprechen wolle. Nimmt alles sterbensernst, und das ist genau das Falscheste, was in solchen Momenten nur passieren kann. Mir zumindest. 😉

Mir wäre dann eigentlich ganz lieb, dass jemand hingeht, lacht und sagt: „Du bist eine echte Knalltüte, Ali!“ Noch mehr lacht und mich dann in den Arm nimmt. 😉 „Möchtest du darüber sprechen?“ geht jedenfalls gar nicht. Es klingt viel zu ernst für mich. Ernst bin ich zwar auch bisweilen, aber man muss doch nicht gleich so eine gruselige Eingangsfrage stellen. Oder? Wir sind doch nicht im Grundstudium des Fachs Sozialwissenschaften!😉

Ähnlich allergische Auswirkungen hat übrigens der Satz: „Wir müssen reden.“ (Ohne sofortige Anmerkung, wohin die Reise konkret gehe und man nur doof dasteht und das gesamte – bisweilen lediglich putativ gründende – Sündenregister Revue passieren lässt.) Oder die Erwähnung des Begriffs Einkommensteuererklärung. Da muss man sich auch bis auf die Unterwäsche ausziehen, und das auf Kommando. Alles nix für mich.

Wenn ich über etwas sprechen möchte, werde ich das schon tun, und das gewiss nicht auf Kommando. Ich mache das auf meine Weise, und dazu gehört oft, dass ich zunächst herumfrotzle und dann irgendwann auf den Punkt komme. Meist dauert es auch gar nicht so lange. Es sei denn, man fragt: „Möchtest du darüber sprechen?“ 😉

Und wenn ich das nächste Mal gefragt werde, ob ich unter Allergien leide, weiß ich jetzt schon, was ich antworten werde … 😉

Kennt ihr solche verbalen Allergieauslöser auch? 😉 Das Schlimmste daran: Sie sind stets gut gemeint, und zumindest ich fühle mich auch noch wie ein undankbares A… , nein, wie ein undankbarer Armleuchter, wenn ich allergisch darauf reagiere. Aber zum Glück ist mir klar: „Wir sind alle Individuen.“ 😉

So. Jetzt geht es mir besser, nachdem ich vorhin diesen Satz hören musste, obwohl ich doch eigentlich nur lachend und frotzelnd erwähnt hatte, dass ich, gehe der derzeitige Stress so weiter, bald frühzeitig ergrauen würde. Es liegt an der neuen Stelle, dass derzeit alles etwas stressig ist. Und: Nein, ich möchte darüber nicht sprechen. Ich wollte nur mitteilen, dass ich derzeit sehr viel Neues erlebe und bisweilen noch ein bisschen unsicher sei. Und da will man mich gleich auf die „Couch“ schicken? Eine klare Ansage half dann. Hoffentlich. 😉

Unerwartete kleine Dinge erhellen manchen Tag

Ich war heute beim Friseur. Endlich. Denn meine Haare waren in der letzten Zeit immens gewachsen, und da ich – ich gebe es zu – meine mit den Jahren zu einem faden Aschblond mutierten, ehemals wirklich schön blonden Haare mittels zweifarbiger Strähnchen „pimpe“, war es dringend nötig. Schneiden und Strähnchen hieß das Programm, das ich mir für heute auferlegt hatte, und dafür bin ich heute – an einem Samstag – extra um halb acht morgens aufgestanden. Undenkbar an normalen Samstagen. Aber es musste sein, und da müssen Opfer gebracht werden. 😉

Um halb neun betrat ich den Friseursalon, und ich kam fast direkt dran. Meine Friseurin hatte heute zwar frei, aber ich wurde von Melly bedient, die nicht nur sehr zügig, sondern auch noch sehr gut schneidet und frisiert. Und man kann sich prima mit ihr unterhalten, denn manchmal sind diese Gespräche beim Friseur doch etwas gezwungen. Man will ja auch nicht in dumpfem Schweigen dasitzen, während die Friseurin tätig ist. Je nach Person ist das bisweilen etwas mühsam, wenn die Chemie nicht stimmt, aber Melly und ich unterhielten uns laut und offenbar mitreißend, denn plötzlich schalteten sich auch noch andere Kundinnen ein, ebenso die andere Friseurin. Es war eine richtig nette Atmosphäre, was ja auch nicht in jedem Friseursalon gegeben ist. 😉

Nach zwei Stunden war ich endlich fertig gesträhnt, geschnitten und gestylt, und ich verließ nach einem großzügigen Trinkgeld den Salon und ging zum Einkaufen. Richtig klasse gestylt war mein wirklich toll geschnittener Bob, als ich den Friseursalon verließ, und in strahlendem Sonnenschein schritt ich gen Supermarkt. Als ich diesen kurz darauf verließ, regnete es in Strömen, und ich hatte keinen Schirm dabei. Meine schöne Frisur dahin, die ich so bis zum nächsten Friseurbesuch nie wieder hinbekommen werde … 😉

Ein bisschen frustrierend war es schon, zumal ich nicht bester Stimmung war, und ich beschloss, mich etwas abzulenken, indem ich auf dem Heimweg einfach ein bisschen Musik hörte. Und sogleich stopfte ich mir die beiden Stöpsel meines In-Ear-Headsets in beide Ohren und nahm mein Smartphone in Betrieb. Und damit schleppte ich meine Einkäufe gleich viel fröhlicher gen Heimat. Musik war schon immer ein Stimmungsaufheller für mich.

Und so stiefelte ich trotz des strömenden Regens einigermaßen frohgesinnt durch die Gegend, nahm eine Abkürzung, einen Weg, der zwischen Garagen- und Hinterhöfen herführt. Ich benutze diesen Weg sonst nie.

Als ich da so schwungvoll einherschritt, laute Musik in meinen Ohren, sah ich einen älteren Herrn mit einer Schubkarre und Gartenwerkzeugen des Weges kommen, der da wohl für Ordnung sorgte, zumal dort ein Spielplatz ist. Er sah mich an, ich nickte ihm freundlich zu, vermied jedoch: „Guten Morgen“ zu sagen, da ich weiß, dass man, wenn man laute Musik mit einem In-Ear-Headset hört, dazu tendiert, zwar zu glauben, in normaler Lautstärke zu sprechen, meist aber eher laut brüllt. Und so beschränkte ich mich auf das freundliche Nicken und Lächeln. Und ich ging an dem älteren Herrn vorbei, ganz in Gedanken.

Aber etwas hieß mich anhalten und mich umdrehen. Hatte da jemand etwas gerufen? Als ich mich umgedreht hatte, sah ich den alten Herrn da mit seiner Schubkarre stehen und mich anblicken. Er schien zu sprechen, zumindest bewegte er die Lippen. Und so zerrte ich mir den rechten Stöpsel aus dem Ohr und ging auf den Herrn zu, freundlich lächelnd.

„Entschuldigen Sie, bitte,“, hob ich an, „ich weiß, es ist eine Unsitte, und man wird völlig blind und noch viel mehr taub für die Umwelt, wenn man mit Kopfhörern Musik hört. Hatten Sie etwas gesagt?“

Der alte Herr lächelte freundlich und meinte zu mir: „Da kommt so eine nette junge Frau daher, und da dachte ich, ich sage einfach mal ‚Guten Morgen‘, und dann reagiert die gar nicht!“ – „Doch, ich habe Sie doch angelächelt und genickt! Aber – Sie haben Recht – ich habe kein Wort gesagt. Das war aber nicht böse gemeint. Ich habe Musik gehört und war in Gedanken. Entschuldigen Sie, bitte.“ Und ich zerrte mir auch noch den linken Stöpsel aus dem anderen Ohr.

Der alte Herr lachte und meinte: „Alles in Ordnung! Ich finde das mit dem Musikhören auch gut – Musik hilft über so vieles hinweg.“ Ich grinste und nickte. Und da meinte der nette Herr: „Ich hoffe, Sie haben keine Sorgen! Sie sagten, Sie seien in Gedanken. Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass Sie keine allzu großen Probleme haben – so eine nette, junge Frau!“

Ich war gerührt, und ich meinte: „Nein, keine Sorge – keine größeren Probleme als die meisten Menschen.“ – „Aber Sie sahen vorhin ein bisschen traurig aus. Das tat mir leid, und da wollte ich Sie zumindest grüßen.“ – „Das ist total nett, aber ich habe keine übermäßig großen Probleme, nur ein bisschen Kummer, und den auch schon seit einiger Zeit. Aber alles zu bewältigen, keine Sorge. Ich finde aber sehr nett, dass Sie fragen. Ist aber alles in Ordnung. Und ich bedanke mich für das nette Gespräch und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.“ – „Danke, Frolleinchen – Ihnen auch. Und alles Liebe – Sie werden sehen, alles wird gut!“

Ich war richtig gerührt. Ein wildfremder Mensch sieht genau hin, viel genauer, als nötig gewesen wäre. Ich war doch nur des Regens wegen leicht genervt und hatte Musik gehört – keine Ahnung, ob ich dabei so melancholisch ausgesehen hatte. Aber ich fand das Ansinnen des alten Herrn wirklich nett. 😊

Zu Hause habe ich dann aber doch lieber in den Spiegel geschaut – man weiß ja nie, ob man nicht irgendwie problembehaftet aussieht, obwohl man eigentlich ganz normal empfindet. 😉 Ich sah völlig normal aus – bis auf die nassen Haare. Aber immerhin inzwischen perfekt gesträhnt.

Dennoch fand ich den alten Herrn heute richtig nett – er machte sich Gedanken. Und das ist heutzutage ja gar nicht mehr selbstverständlich. Und sollte ich diese Abkürzung mal wieder nehmen, lasse ich die In-Ear-Stöpsel aus den Ohren. 😉

Verloren am Rande des Münsterlandes … Oder: „Sprich mit mir, du blöde Kuh!“

Ich bin ein ganz normaler Mensch. Glaube ich zumindest. Also habe ich – wie alle anderen Menschen – unter gewissen Schwächen zu leiden. Eine meiner Schwächen ist, dass ich offenbar abwesend war, als der Orientierungssinn ausgeteilt wurde. Wahrscheinlich war ich auf dem Klo, um eine zu rauchen. Anders kann ich es mir nicht erklären. 😉

Gestern nach der Arbeit, die eh schon stressig war, da es mein zweiter Tag im neuen Job war, hatte ich eine Verabredung in M. Einer Stadt, die ich bis dato mit größtmöglicher Tristesse verbunden habe, obwohl ich doch in direkter Nachbarschaft aufgewachsen bin und jedem, der von außerhalb kommt und gegen die Stadt M. etwas sagen würde, ganz zünftig meine Meinung sagen würde. Mal ganz abgesehen vom Straßenverkehrsamt dort, auf das ich seit eineinhalb Jahren gar nichts kommen lasse, nachdem man auf eine sonntagabendliche Mail meiner Wenigkeit schon am frühen Montagmorgen antwortete und das Gewünschte in die Wege leitete. Ich bin das von Behörden nicht so gewohnt. Vielleicht hat man im StVA in M. aber auch nicht so viel zu tun, so dass man sich begeistert auf einen der wenigen Aufträge stürzte – ich weiß es nicht, bin aber noch heute dankbar. 😉

Ich kam gestern später als geplant von der Arbeit los. Mein Navi, das ich eigentlich bei der Arbeit hatte aktualisieren wollen, nachdem der heimatliche PC beim vorausgegangenen Versuch kurz vor Vollendung alle Viere von sich streckte, abschmierte und behauptete, das sei es nun gewesen (war es nicht, aber mein Navi behauptete, keine Karten zu kennen, und der einzige Zweck, zu dem es in dem Zustand getaugt hätte, wäre der gewesen, es wutschnaubend vom Balkon oder aus dem Fenster zu schleudern …), hatte ich nicht aktualisieren können.

Aber wozu hat man ein Smartphone? 😉 Und ich verließ mich auf die Wegbeschreibungs-App, die ein namhaftes Unternehmen anpreist. Da ich Autobahnfahren bis dato noch immer nicht mag, klickte ich Autobahnen vermeiden an, als es an die Optionen ging.

Und ich fuhr nach der Arbeit los, frohgemut, denn ich war ja gewappnet, und die reizende Frauenstimme, die mein Handy absonderte, auf dessen Display eine Karte abgebildet war, auf der man die vorgesehene Route sehen konnte, die ich aber nur erspähen konnte, blickte ich auf der Mittelkonsole hinter den Schalthebel (ich besitze keine Freisprechanlage), sollte mich ja völlig unproblematisch in den entlegenen Ortsteil von M. lotsen. 😉

Ich greife kurz vor: Es war eine spannende Anreise. Zumal mich die „Dame“ heimtückisch auf die A52 lotsen wollte! Ich hatte Autobahnen vermeiden wirklich angeklickt und war nun doch ein bisschen pikiert. Wollte mich die App überlisten? Nicht mit mir! Und so wendete ich lieber auf dieser starkbefahrenen Bundesstraße – wahrscheinlich wäre ich angesichts dieser durchaus nicht ganz unheiklen Wendesituation mit der weniger heiklen Autobahn spielend fertig geworden, aber ich mache es mir ja bekanntermaßen bisweilen etwas schwerer – und fuhr dann die Straße, von der ich zuvor, wie die „Dame“ vorgegeben, nach rechts abgebogen war, stur weiter. Noch ein weiteres Mal versuchte das Handy, mich auszutricksen, aber ich gab nicht nach. 😉 (Ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt, die ihr Tag für Tag fröhlich die Autobahn benutzt … 😉 )

Die Strafe für meine Sturheit folgte auf dem Fuße: Ich musste mitten durch die Walachei! 😉 Eine Landstraße entlang, die nicht ohne war: im Grunde eine Slalomstrecke, auf der die eine heftige und scharfe Kurve von der nächsten heftigen und scharfen Kurve abgelöst wurde – und zu beiden Seiten hohe Bäume, von vorn lauter Fahrer, die die Strecke kannten und demzufolge viel zu schnell fuhren. Rechts und links Pferdekoppeln. Was würden die treuen Tiere sagen, würde es mich aus der nächsten Kurve tragen und mitten auf ihre Koppel katapultieren? 😉 Zum Glück mag ich Pferde sehr. Sie mich auch. 😉

Ich kam durch einen Ort, der mir zwar vertraut war, da ja gar nicht so weit von den Orten, in denen ich bisher hier so gelebt habe, den ich dennoch noch nie besucht hatte: Lippramsdorf. Und ich fuhr die sehr gut ausgebaute Lippramsdorfer Straße entlang, auf der mir nur ein einziges Auto entgegenkam. Auch vor und hinter mir sah ich keine Autos, und so fuhr ich durch die güldene Oktobersonne, ritt quasi dem Sonnenuntergang entgegen … Und genauso einsam wie ein „lonesome cowboy“ fühlte ich mich auch auf dieser Strecke. Ein bisschen gespenstisch wirkte die Szenerie, fast unwirklich durch die tiefstehende Sonne. Wäre ein UFO vor mir gelandet, so hätte es mich, ich schwöre, nicht im mindesten gewundert. 😉 Mein Handy schwieg, und als die Straße sich immer mehr hinzog und der Horizont immer weiter wurde, schnauzte ich es an: „Wo bin ich hier? Sprich mit mir, du blöde Kuh!“

Ich hatte es nicht ganz ernst gemeint, aber da ertönte tatsächlich die stets total freundliche und reizende Stimme der „Dame“ aus meinem Smartphone: „In 400 Metern biegen Sie links ab auf die Soundsostraße!“ Ich blinkte links (für wen eigentlich, denn außer mir war weit und breit kein anderes Auto zu sehen?), aber die Straße, in die ich abbiegen sollte, war so eng, klein und schlecht zu sehen, dass ich schon fast daran vorbei war, als die liebliche Stimme der „Dame“ sagte: „Biegen Sie jetzt nach links in die Soundsostraße!“ Leise fluchend fuhr ich an der Straße vorbei und wendete dann – immerhin ging das aufgrund der gespenstischen Leere der Straße ohne Wartezeit oder andere Probleme … 😉

Letzten Endes bin ich dann doch noch angekommen. Zunächst allerdings erst in der völlig falschen Straße, in die mich die App gelotst hatte. Aber ich weiß nun, dass zwar mein Orientierungssinn unterirdisch ist, ich aber viel besser und gewandter fahre, als ich bisher glaubte. Denn als ich vom falschen Endpunkt aus meine Verabredung anrufen musste, um zu erfragen, wie ich denn nun fahren müsse (weit konnte es nicht sein), musste ich ja zumindest das Handy in einer Hand halten, während ich mit der anderen lenkte. Ja, ich weiß, ich hätte auch den Lautsprecher benutzen können, aber daran habe ich in dem Moment gar nicht gedacht, und zum Glück liefen nur wenige Leute herum, die Zeugen meines sträflichen Fahrverhaltens hätten werden können. 😉 Und so weiß ich nun, dass ich sogar einhändig hervorragend wenden kann. Und das musste ich öfter, denn dieser Ortsteil der Stadt M. ist nicht nur klein, sondern auch noch total verwinkelt. Der falsche Endpunkt der von der App vorgesehenen Route war in der Tat nicht weit vom echten Ziel entfernt. Zumindest, was die Entfernung in Luftlinie anbelangt. 😉

Der Heimweg fand im Dunkeln statt. Bei der Abfahrt hatte man mir gesagt: „Fahr einfach Richtung Hüls – dann ist es ganz einfach!“ Ich nickte tapfer, dachte: „Ich habe keine Ahnung, in welcher Richtung Hüls gelegen ist“, lächelte standhaft und fuhr los. Um die nächste Ecke herum. Dort öffnete ich die App und gab die Rückreisekoordinaten ein, natürlich unter Vermeidung von Autobahnen. Und trotzdem wollte mich die nette Frauenstimme erneut auf die Autobahn lotsen – ich vermute inzwischen ein Komplott. 😉 Wäre ich mal auf die Autobahn gefahren, die sicherlich um diese Uhrzeit nicht ganz so stark frequentiert war. Hätte zwei Vorteile gehabt: Aversion bekämpft und schneller zu Hause gewesen. So fuhr ich mit der Kirche ums Dorf, kam aber immerhin schließlich doch zu Hause an, wo ich noch dreimal um den Block fahren musste, um einen Parkplatz zu finden. Am Arsch der Welt, natürlich. 😉

Ein so gut wie gar nicht vorhandener Orientierungssinn und eine Aversion gegen Autobahnen gehen so gar nicht Hand in Hand … 😉 Ich melde mich nun endlich bei Jeannette, um die längst geplante Autobahn-Auffrischungsfahrstunde für Autobahnphobiker zu absolvieren. 😉

Achtung! Türrahmen!

So ein Türrahmen ist einerseits ungemein praktisch, kann in einigen Fällen jedoch auch zu einem echten Hindernis werden. Wie das, werdet ihr jetzt vielleicht fragen. Ist nicht vielmehr die – geschlossene – Tür ein Hindernis? Der leere Türrahmen doch wohl weniger. Oder?

Falsch. So ein Türrahmen scheint es – paradoxerweise – in sich zu haben. Das kann ich nur bestätigen, denn ich habe mir in meinem bisherigen Leben bereits zweimal den kleinen Zeh gebrochen. Daran beteiligt: meine legendäre morgendliche Wurschtigkeit, der Hang dazu, gern barfuß zu laufen, was mein Ex Giacomo seit jeher spottend als Unsitte bezeichnet, und … zwei Türrahmen. Einer davon befindet sich in Aachen, der andere in meiner Wohnung hier. Ich betrachte ihn seither mit einem gewissen Argwohn … 😉 Immerhin hatte er mich ganz plötzlich quasi angegriffen, als ich, einem menschlichen Bedürfnis Folge leisten wollend, sehr zügig ins Bad lief. Es pressierte. 😉 Niemals kann es sein, dass ich die Kurve zu eng genommen habe – nein … 😉 Wie auch immer es war, ich prallte mit dem rechten kleinen Zeh dagegen bzw. verhakte sich der Zeh gewissermaßen im Türrahmen (noch heute läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter, und mir sträuben sich sämtliche Härchen, wie es auch geschieht, wenn man etwas an eine Tafel schreibt und statt mit der Kreide mit dem Fingernagel darüberschabt; ich mag aus diesem Grunde Whiteboards sehr gern … 😉 ), und unsäglicher Schmerz durchfuhr mich. Der Vorteil: Ich war mit einem Schlag hellwach! Und das menschliche Bedürfnis war plötzlich mal mindestens zweitrangig geworden.

Jahre zuvor in meiner damaligen Aachener Wohnung das Gleiche in Grün: auf dem eiligen Weg frühmorgens zum Bad mit dem Türrahmen kollidiert, nur war damals der linke kleine Zeh gebrochen, der binnen kurzer Zeit – man konnte zusehen – sein Volumen in etwa verdoppelte und eine ungesunde bläuliche Färbung annahm. Dennoch: Es geht doch nichts über eine gewisse Symmetrie – manchmal zumindest -, die ja nun bei meinen kleinen Zehen hinsichtlich Blessuren gegeben ist. 😉

Die Zeit nach meiner jeweiligen Fraktur war dann so geartet, dass ich mich einseitig auf eine etwas andere Gangart programmieren musste, da ich nicht richtig abrollen konnte und um den jeweilig betroffenen Fuß einen ziemlich straffen Verband trug, da man Zehen ja nicht eingipsen kann. Es sähe auch ziemlich albern aus – solch ein einzelner eingegipster Zeh. Und so lahmte ich schlingernd stets daher, als wandelte ich auf Eiern. Daher bin ich stets sehr vorsichtig mit Türrahmen … 😉

Doch heute lernte ich, dass von diesen doch so alltäglichen Institutionen eine noch viel größere Gefahr ausgehe, als bisher angenommen! Nicht nur physisch, sondern auch psychologisch scheinen Türrahmen echte Gefahrenquellen zu sein. Warum?

Ist es euch auch schon passiert, dass ihr euch gerade auf der Couch schön gemütlich niedergelassen habt, um endlich einen Film zu sehen, auf den ihr euch schon lange gefreut habt? Oder ein spannendes Fußballmatch? Aber es fehlt etwas: Ja! Das Bier steht noch im Kühlschrank! Und die Zigarettenpackung ist leer, und – ich muss es ehrlich gestehen – ein spannendes Fußballmatch überstehe ich nur mit Zigaretten. 😉 Und so steht ihr grummelnd wieder auf, nehmt die leere Packung und geht zur Wohnzimmertür, öffnet sie und geht Richtung Küche. Zurück kommt ihr dann mit einer Tüte Chips, mit der ihr euch wieder gemütlich auf die Couch verzieht. Kaum sitzt ihr, stellt ihr fest: „Hier fehlt doch etwas!“ Ja! Natürlich! Nämlich das, weswegen ihr die verdammte Couch überhaupt erst verlassen habt! Und ihr wisst auch sofort wieder, was es war, kaum dass ihr wieder im Wohnzimmer sitzt. Also wieder aufgestanden und ab in die Küche – dabei den Aschenbecher, der geleert werden muss -, aus der ihr dann mit einer unangebrochenen Zigarettenpackung und einer Flasche Bier zurückkehrt. Ab auf die Couch …

Kaum brennt die erste Zigarette, stellt ihr fest, dass etwas fehlt … Ja. Der Aschenbecher, der zwar geleert wurde, aber nun immer noch am falschen Ort steht, nämlich in der Küche … Wohin jetzt mit der glimmenden Kippe (ich rauche nur im Wohnzimmer)?

Zähneknirschend brecht ihr eure selbstaufgestellte Regel und eilt fluchend mit Zigarette Richtung Küche. Einmal ist keinmal. Zurück kommt ihr mit einem Glas Gurken, aber ohne Aschenbecher, der sich wahrscheinlich schon überlegt, in der Küche Wurzeln zu schlagen … Um zu vermeiden, dass Zigarettenasche auf die Couch, den Boden oder sonstwohin fällt (denn natürlich ist kein geeignetes Ersatzgefäß in der Nähe), eilt ihr erneut mit der Kippe in der Hand Richtung Küche, krallt euch den Aschenbecher und kehrt aufatmend wieder ins Wohnzimmer zurück. Endlich sitzen – endlich Fußball gucken! Und alles, was man braucht, in Reichweite, nach nur mehrmaligem Laufen … Garantiert müsst ihr dann, wenn ihr euch gerade bequem und gemütlich installiert habt, zur Toilette …

Mein Tipp: Schon lange vor Anpfiff alles, was benötigt wird, bereitstellen. 😉

Eine andere typische Situation: Ihr wollt einkaufen gehen, da dringend Kaffee benötigt wird. Und schon geht es auf Richtung Supermarkt … Nicht selten ist es zumindest bei mir so, dass ich mit allen möglichen Artikeln nach Hause komme – nur nicht mit Kaffee! Ja, werdet ihr jetzt sagen, da schreibt man sich doch einen Einkaufszettel! Sischer dat – mache ich auch oft. Nur vergesse ich den in 90 Prozent der Fälle garantiert, wenn ich aus dem Haus gehe …

Was das nun mit Türrahmen zu tun hat? Nun, das ist ganz einfach: Forscher haben herausgefunden, dass wir – nehmen wir das Wohnzimmerbeispiel – mit einem bestimmten Plan das Wohnzimmer verlassen, weil wir ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen wollen, zum Beispiel. Doch der Türrahmen, dieses ungeahnt gefährliche Wesen, bewirke, so die Forscher, dass wir, haben wir ihn einmal durchschritten, vergessen, weswegen wir eigentlich hindurchgegangen sind. Als habe man quasi den Stecker gezogen. Und so kommt man dann eben mit Chips zurück, mit einem Glas Gurken und allem Möglichen, nur nicht mit den Dingen, die man – „mal eben schnell“ – holen wollte. 😉 Offenbar hake das Gehirn die Info aus dem Wohnzimmer als erledigt ab, sobald man in einen anderen Raum gehe. Man machte mit freiwilligen Probanden verschiedene Tests, die diesen Schluss nahelegen. Und das Ganze nennt man Türrahmen-Effekt.

Ganz ehrlich? Das beruhigt mich doch sehr … In der letzten Zeit hatte ich schon in Erwägung gezogen, eines der vielbeworbenen Ginkgo-Präparate zu kaufen und peinlich genau einzunehmen. Nein, nicht wirklich – ich vermute nur, sie sind in der Werbung überproportional vertreten. 😉 Nichtsdestotrotz stand ich schon so manches Mal im Bad, als wäre ich gerade vom Himmel gefallen, obwohl ich doch nur etwas aus der Küche holen wollte … Oder ich ging einkaufen und kam ohne Kaffee zurück. Wobei vergessener Kaffee weit harmloser ist als vergessenes Toilettenpapier, dessen Fehlen erheblich drastischere Folgen haben kann … 😉 Ich gestehe, ich musste schon öfter ein zweites Mal zum Supermarkt gehen, um das Vergessene zu kaufen. Und wie oft bekam ich den Tipp: „Schreib doch einen Einkaufszettel!“ Als wüsste ich das nicht selbst! Nur: Was, wenn ich noch mal ganz schnell ins Bad muss oder mir sonst etwas Wichtiges einfällt, das ich eben – in einem anderen Raum – erledigen oder holen muss? Da nehme ich den Einkaufszettel nicht unbedingt mit, muss aber mindestens einen Türrahmen durchschreiten, wobei der gefährliche Türrahmen-Effekt ja wieder eintritt! 😉 Und so gerät der Einkaufszettel ja wieder in Vergessenheit …

Mich wundert, dass es in meiner Wohnung noch keine ausgetretenen Pfade gibt, denn ich mache es so, wenn ich – einmal den Türrahmen durchschritten – nicht mehr weiß, was ich eigentlich wollte: Ich gehe in den Raum zurück, den ich mit einem bestimmten Plan verließ. Meist hilft das. Man muss sich nur sehr stark konzentrieren, sobald es auf den gefährlichen Türrahmen zugeht … 😉

Ich bin beruhigt, dass es anderen offenbar ähnlich wie mir geht und sehe es mit Humor: „Was man nicht im Kopp hat, muss man in den Beinen haben.“ Sage ich mir auch gerade, da ich hier sitze und Tee statt Kaffee trinke. Es ist nämlich kein Kaffee im Haus …

Dreimal dürft ihr raten, warum … 😉