Vorauseilender Gehorsam ist aller Laster Anfang …

Heute erfolgte sie – die Umstellung. Genauer: die Umstellung auf VoIP. Es soll ja damit alles viel, viel besser sein, und so hatte ich auch schon eine Flasche Champagner kaltge- und ein Feuerwerk bestellt. 😉 Nein. Nicht wirklich. Denn dem Ganzen war – einmal mehr – ein ziemliches Chaos vorausgegangen, das nun darin mündete, dass ich zwar nun auch offiziell umgestellt, aber nicht eingerichtet bin. Zum Glück beherrsche ich das USB-Tethering-Verfahren mittels meines Mobiltelefons quasi im Schlaf, denn die derzeitige Situation ist nicht die erste dieser Art …

Es begann alles damit, dass ich vor einigen Wochen einen Brief erhielt, in dem mein Provider mir verkündete, dies sei quasi die letzte Warnung, und ich solle sofort einen neuen Vertrag abschließen, da meiner seinerseits gekündigt sei. Habe auch schon im ersten Schreiben gestanden. Und da ich bis dato nicht reagiert hätte, müsse man mir nun drohen (nein, das stand da nicht so …). Auf alle Fälle würde man mir am 22. August Internetzugang und Festnetzanschluss abklemmen.

Ich staunte. Welches erste Schreiben? Ich hatte nie eines bekommen … Und so rief ich bei meinem Provider an, hatte aber wohl jemanden an der Strippe, der etwas überfordert war. Ich schrieb lieber eine Mail und schloss zwischenzeitlich in der Tat einen neuen Vertrag ab. Ein wenig beunruhigt war ich gewesen – wer lässt sich schon gerne etwas abklemmen? 😉 (Hätte ich mal besser den Provider gewechselt – ich hätte wissen müssen, dass das alles nicht gutgehen konnte …)

Es war ja nicht das erste Mal, dass ich mit diesem Provider unvergessliche Erlebnisse hatte. Bereits damals, als ich in Ratingen lebte und einfach nur einen schlichten ISDN-Anschluss hatte haben wollen, gipfelte das im Grunde völlig profane Verfahren in etwas, das nicht wenige Menschen – meine Wenigkeit inklusive – als Slapstick bezeichnen. Und ich mittendrin. Ich wollte doch nur einen ganz harmlosen ISDN-Anschluss …

Denn nach einigem Hin und Her – warum auch immer – hatte ich endlich einen Termin mit einem Techniker dieses namhaften Providers und freute mich darob wie Bolle. Da man mir nur eine ungefähre Zeitspanne mitteilen konnte, in der der Techniker einfallen würde – „zwischen 8 und 16 Uhr“, was ich sehr präzise fand -, ich aber berufstätig war, nahm ich eigens einen Tag Urlaub. Es war ein Freitag – ich werde es nie vergessen, denn ich war an meine Wohnung gefesselt, konnte zwischen 8 und 16 Uhr nicht einmal zum Einkaufen. Gegen 16:15 Uhr rief ich beim Auftragnehmer an und hatte eine junge Frau am Apparat, die mir auf meine Frage nach dem Verbleib des Technikers mitteilte: „Wie, war der noch nicht da?“ – „Nein,“, sagte ich mit lieblicher Stimme, „und ich würde gern wissen, ob überhaupt noch damit zu rechnen ist.“ – „Heute nicht mehr – die haben alle Feierabend.“ Meine Antwort klang nicht ganz so verständnisvoll, obwohl die junge Dame sich entschuldigte und mir versprach, es werde ein neuer Termin gemacht werden, und man werde dem zuständigen Techniker meine Beschwerde zukommen lassen.

Als ich am folgenden Montagmorgen bei der Arbeit saß, klingelte mein Handy, und als ich dranging, war am anderen Ende er dran: der Techniker. Er sprach Rheinisch, aber in sehr vorwurfsvollem Ton, was das ansonsten recht fröhlich-gutgelaunt klingende Rheinisch gar nicht mehr so charmant klingen ließ. „Frau B.!“ – „Ja!“ – „Wo warense denn am Fräitach?“ – „Zu Hause, wo ich sein musste, da Sie ja vorbeikommen sollten!“ – „Nä! Warense nit!“ – „Doch!“ – „Nä! Se wohnen doch am Beschemer Ring 4!“ – „Ja, ich wohne am Bechemer Ring 4, das ist richtig.“ – „Na, alllso! Un wie isch da anner Nummer zwäi steh und klingeln willl, seh isch, datse jaar keen Klingelllschillld anjebrach han! Wie soll isch Sie denn da erräischen? Und Sie beschwern sisch ooch noch über misch!“

Ich holte tief Luft. Dann meinte ich so freundlich, wie ich es nur vermochte: „Wie wir beide gerade übereinstimmend feststellten, wohne ich im Haus Bechemer Ring Numero 4. Dort ist auch ein Klingelschild mit meinem Namen. Sie sagten gerade, Sie hätten an der Nummer 2 klingeln wollen, wo in der Tat kein Klingelschild mit meinem Namen ist, da ich – wir waren darin übereingekommen – ja in der Numero 4 lebe, und das noch immer ohne ISDN-Anschluss.“ – „Oh …“ – „Ja. Was nun?“ – „Na, dann muss en neuer Termin her! Könnense morjen?“ – „Wann morgen?“ – „Na, so zwischen acht und seschzehn Uhr?“ – „Nee, wie stellen Sie sich das vor? Ich bin berufstätig und hatte mir bereits am Freitag einen Tag Urlaub genommen – ich kann nicht morgen schon wieder Urlaub nehmen!“ – „Dann müssense jemand in Ihrer Wohnung abstellen! Denn et is jerade morjen en Termin fräijeworden – danach jehtet eerss widder in dräi Wochen.“ (Wahrscheinlich gründete der so spontan freigewordene Termin darauf, dass der Kunde – bei Auftragsvergabe noch jung – während der Wartezeit auf den Techniker an Altersschwäche dahingeschieden war.) Schnell meinte ich: „Ich nehme den Termin! Aber eine Bitte: Kommen Sie zur Nummer 4! Nicht, dass Sie morgen bei der Nummer 6 ein Klingelschild mit meinem Namen suchen!“ – „Nää, iss doch klaa, Frollein! Isch bin ja nit doof!“ Ich sagte lieber nichts. Er bestätigte den Termin, und wir schieden voneinander. Ich rief umgehend André an, einen Nachbarn, den ich einigermaßen gut kannte, zumal er bei der Renovierung der Wohnung mitgeholfen hatte und sich dabei ein kleines Zubrot verdient hatte, da er gerade arbeitslos war. Und ich bat ihn, in meiner Wohnung auf den Techniker zu warten, was er gerne annahm, da ich mit einem Abend mit Bier und Pizza lockte, zusammen mit Giacomo, mir und einigen Bekannten. Er meinte daraufhin, aber gar kein Problem, und ich solle doch am besten noch einmal mit dem Techniker telefonieren und dem sagen, er solle einfach bei ihm klingeln. Man werde dann gemeinsam in meine Wohnung gehen. So geschah es, und ich händigte André am nächsten Morgen meinen Zweitschlüssel aus.

Um 16:09 Uhr klingelte mein Handy, und André verkündete, ich hätte nunmehr einen ISDN-Anschluss. Offenbar hatte der Techniker den Weg gefunden. 😉

Dann zog ich in diese Stadt hier. Und war lange zufrieden mit meinem Internetzugang. Bis es eine Umstellung gab und mein Router irgendwie nicht so reagierte, wie er reagieren sollte, obwohl ich mich an alle Vorgaben exakt gehalten hatte und auch nicht ganz so ungeschickt bin, wie es manchmal scheinen mag. Als Giacomo, mit dem ich lange nicht mehr zusammen war, mich eines Tages auf der Durchreise besuchte, mühte auch er sich. Und wie er sich ärgerte, als es nicht funktionierte! Ich ärgerte mich auch, denn Giacomo hatte bis dato alles ans Laufen bekommen. Er riet mir, mit der Hotline des Providers zu telefonieren, wies mich jedoch auch in die Geheimnisse des USB-Tetherings ein. (Was würde ich ohne diese inzwischen schlafwandlerisch sicher beherrschten Kenntnisse nur derzeit tun? 😉 )

Ich rief dort an und erreichte im Callcenter eine Frau Mareike Silber-Fuchs*. Den Namen werde ich nie vergessen, zumal ich noch ein Schriftstück auf meinem Rechner habe, da ich mich bei ihrem Arbeitgeber über sie beschwerte. So etwas tue ich niemals leichtfertig, denn jeder kann mal Fehler machen oder hat einen schlechten Tag. Aber Frau Silber-Fuchs war derart unverschämt, dass ich mich zu diesem nur im größten Notfall beschrittenen Weg gezwungen sah. Denn ansonsten wäre ich wohl geplatzt. 😉

Ich brachte freundlich mein Anliegen vor. Frau Silber-Fuchs gab mir harsch einige Anweisungen, wie ich endlich zu meinem Recht kommen könne. (Es waren all die Dinge, die ich schon bis zum Erbrechen selber durchgeführt hatte …) Ich versuchte es dennoch. Nichts funktionierte. Sie gab mir – noch harscher – einen anderen Rat, den ich auch schon kannte. Funktionierte auch nicht. Ich sagte freundlich: „Ja, es ist nur etwas ärgerlich, da ich auch beruflich auf den Internetzugang angewiesen bin …“

Daraufhin schnauzte mich Frau Silber-Fuchs an: „Meine Güte! Das sagen sie alle! Alle sagen sie das! Ich kann es schon nicht mehr hören, und ich glaube Ihnen das auch nicht! Sie surfen doch nur zum Spaß! Genau wie alle anderen! Wissen Sie eigentlich, wie mir das auf die Nerven geht?“ Ich starrte meinen Telefonhörer völlig konsterniert an … Was war denn bitte das?

Dann wurde ich sehr ärgerlich. Und ich meinte ärgerlich, aber sachlich: „Frau Silber-Fuchs! Es tut mir furchtbar leid, aber ich kann absolut nicht akzeptieren, als Kundin von einer Hotline-Mitarbeiterin meines Providers, der recht viel Geld von mir bekommt, der Lüge bezichtigt zu werden – das geht ja gar nicht. Es mag sein, dass manche Ihrer Kunden behaupten, den offenbar nicht funktionsfähigen Internetanschluss zu beruflichen Zwecken zu benötigen, obwohl das gar nicht stimmt, weil sie sich erhoffen, das zähe Verfahren, das ich von Ihrem Arbeitgeber inzwischen schon kenne, werde so abgekürzt. Irgendwie kann ich das sogar verstehen. Aber ich verbitte mir, der Lüge bezichtigt zu werden – ich benötige den Zugang in der Tat auch beruflich! [Das stimmte.]“ Da sie noch frecher wurde, meinte ich nur: „Es ist mir ein Rätsel, warum jemand Ihres Betragens in einem Callcenter arbeitet.“ Dann legte ich auf und schrieb einen recht ärgerlichen Brief. Kurz darauf funktionierte mein Internetzugang reibungslos. Ob ein Zusammenhang bestand? 😉

Ja, und kürzlich schrieb ich – nach dem neuen Vertragsabschluss – eine Brandmail an meinen Provider, in der ich erklärte, leider den ersten Brief mit der Kündigung gar nicht bekommen zu haben, denn ansonsten hätte ich eher reagiert, und dass mir bei Abschluss des neuen Vertrages mitgeteilt worden sei, die Umstellung erfolge am dritten Januar nächsten Jahres. Ob ich nun vom 22. August bis dahin ohne Internetzugang und Festnetztelefon sein würde, wollte ich wissen.

Erst einmal erfolgte keine Antwort, dann rief mich ein junger Mann an, der mir erklärte, er könne das Verfahren ein wenig beschleunigen und würde einen Termin Ende August, Anfang, Mitte September finden. Ich fragte, wie ich zwischenzeitlich ins Internet kommen solle. Ich müsste dann ja wohl auf USB-Tethering zurückgreifen. Er versprach, sich um eine Erweiterung des Datentarifs zu kümmern. Ich meinte: „Danke, das ist doch schon einmal etwas.“ Er versprach, sich alsbald per Mail zu melden.

Danach ging ich mit Janine eine rauchen. Als wir zurückkamen, meldete mein Handy einen unbeantworteten Anruf. Jemand hatte auf die Mailbox gesprochen. Es war eine Dame, deren Arbeitgeber mein Provider ist. Sie erklärte mir: „Keine Sorge, Ihr Vertrag läuft bis zum dritten Januar weiter wie gehabt. Dann erst wird umgestellt.“ Das fand ich prima.

Wessen ich mir leider nicht bewusst war, war die Tatsache, dass der junge Mann und die junge Dame auf meiner Mailbox völlig unabhängig voneinander reagiert hatten. 😉 Und als ich dann eine Mail bekam, die die Umstellung für den heutigen Tag, den 14. September, ankündigte, dachte ich ahnungslos: „Auch gut. Dann eben doch etwas eher.“

Letzte Woche allerdings wurde ich etwas unruhig, denn ich hatte doch einen neuen Router bestellen müssen … Und während die Anleitung zur eigenhändigen Einrichtung aller Gegebenheiten unter VoIP bei mir eintrudelte, in der mehrfach erwähnt wurde, dass bei Bestellung eines neuen Routers dessen Versand auch angekündigt werde und ganz kurzfristig erfolge und zusätzlich wie bei einem Countdown im Tagestakt Mails bei mir eintrafen, die voller Begeisterung – freudige Fanfarensignale! – mitteilten, dass ich alsbald stolze Nutzerin von VoIP sein würde, kam eines nicht: der Router.

Ich rief beim Provider an, man teilte mir mit, der Router würde umgehend versendet. Ich schrieb, als noch immer kein Erfolg beschieden war, Mails, rief erneut an. Der Router sei unterwegs, hieß es.

Nun, offenbar befindet er sich in einer Art Zeitschleife, denn bis heute ist er nicht bei mir eingetroffen, und ohne ihn gibt es auch keine Einrichtung der so supercalifragilisticexpialigetischen neuen Gegebenheiten …

Immerhin komme ich mittels einiger Winkelzüge ins Internet, bezahle nun wohl aber doppelt dafür – das ist doch schon einmal was! 😉 Doch immerhin wird meine Festnetz-Telefonrechnung demnächst wohl erschreckend reduziert ausfallen, denn das Ding funktioniert ja nun gar nicht. Ein kleiner Ausgleich muss sein … 😉

Derzeit könnte ich mir rechts und links eine reinhauen – warum nur habe ich nicht längst den Provider gewechselt? 😉 Aber wer weiß, was mich bei einem Wechsel erwartet hätte? Es ist nicht ganz einfach …

Auf der anderen Seite: Einige Erlebnisse mit diesem Auftragnehmer sind in der Tat recht erheiternd. Es wäre doch schade, darauf zu verzichten, oder?

Und nun bin ich sehr gespannt, wann dieser Router endlich eintrifft. Falls er es denn tut … 😉 Ich vermute, er wird Ende Dezember eintreffen – da ja meine ursprünglich anvisierte Umstellung am dritten Januar erfolgen sollte … Man sollte manchmal einfach gar nicht eingreifen – alles andere führt nur zu vermeidbarem Chaos. Zumindest bei diesem Provider. 😉

*Name leicht geändert

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