Vom Glück mit Gutscheinen

Heute war ich mal wieder in einer besonders realen Handelskette zum Einkaufen. Ich hatte einen Gutschein von Ulli, dem netten Nachbarn, der in direkter Umgebung meines Arbeitgebers wohnt und den ich regelmäßig mit seiner weißen Schäferhündin Luna treffe, wenn ich auf dem Weg zum Parkplatz bin. Treffe ich die beiden nicht, habe ich öfter ein Andenken in der Fahrertür meines Autos klemmen: einen Gutschein der genannten Handelskette. Meist sind es zwei, da meine Kollegin Janine auch Nutznießerin der Ulli’schen Großzügigkeit ist, was wir beide zu schätzen wissen.

Gestern traf ich Ulli und Luna einmal mehr auf dem Weg zum Auto. Wir unterhielten uns bestimmt eine Viertelstunde lang, und ich habe Luna mehrfach geknuddelt, die mir gleich begeistert entgegengeprescht kam. Gut erzogen, wie sie ist, sprang sie mich nicht an, ließ sich aber gern packen und knuddeln, gab dabei alberne Laute von sich und leckte mir begeistert über die Hand. Das Tier scheint mich zu mögen. Ich mag es umgekehrt auch. 😉

Ulli und ich sprachen dann über den aus heiterem Himmel gekommenen Sturm nebst Wolkenbruchs des Vorabends, den ich – perfektes Timing – in epischer Breite miterlebt hatte, als ich von Bottrop nach Hause fuhr. Oder schwamm.

Gegen Ende der Unterhaltung fiel ihm etwas ein, und er reichte mir einen Gutschein der oben genannten Handelskette. So einen hatte ich schon im Portemonnaie, den zweiten an Janine weitergereicht, nachdem ich beide kürzlich in meine Fahrertür geklemmt vorgefunden hatte. „Danke, Ulli, aber ich habe doch schon einen solchen!“ – „Ja, aber weiße, ich dachte, wennde noch einen kennz, der sich auch freuen wüüaaade. Dat Gute is ja, datte den an zwei Tagen benutzen kanns – Freitach und Samstach! Gilt für beide Tage!“

Ich war gerührt, wirklich. So etwas ist wirklich nett, und ich nahm den Coupon an mich und versprach, ihn an den Mann oder die Frau zu bringen. Und heute kam der Kollege Nils dann an das Glück des Coupons, weil er – im Einkauf tätig – schon öfter sehr hilfreich war, wenn wir im Büro außerordentliche Wünsche hatten. 😉

Nils freute sich und gab kund, er werde heute und/oder morgen gleich die Niederlassung der entsprechenden Handelskette an seinem Wohnort aufsuchen. Janine hatte das Gleiche vor, und auch ich hatte mir vorgenommen, heute in die Niederlassung in meiner Stadt zu fahren. Gemäß Coupon gab es Dinge, die ich brauchte. Zumal ich meinen Staubsauger im Kofferraum hatte, erst vor einigen Monaten exakt dort erworben …

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist. Ich habe offenbar mit Staubsaugern nicht allzu viel Glück. Der, den ich mir kaufte, als ich gerade in diese Wohnung gezogen war, saugte hervorragend, gab aber drei Jahre später den Geist auf. (Zugegeben: Er war ein namenloses Schnäppchen gewesen und sehr preisgünstig.) Nummer zwei habe ich vor einigen Monaten gekauft – ein Markenprodukt in schnittigem Rot.

Ich schwöre, ich habe immer nur ganz normal meine Wohnung damit gesaugt, in der es keine allzu großen Herausforderungen gibt, und doch brach er neulich einfach seinen Dienst ab! Aus. Vorbei. Ich war ziemlich sauer, hatte zum Glück aber noch den Kassenbeleg und heute endlich Zeit, das Ding zum Einkaufsmarkt zu karren – es waren immerhin zwei Jahre Garantie darauf! 😉 Und den Gutschein von Ulli hatte ich auch dabei, was sich als Glück erwies.

Den „alten“ Staubsauger hatte ich originalverpackt auf den Teil des Einkaufswagens gepackt, den man hinten ausklappen kann, um weitere Lasten zu transportieren, als ich das Gebäude betrat. Erst einmal nach anderen Dingen schauen (zumal die Information von einer eklatanten Anzahl Frage- und Reklamierwilliger belagert wurde) … Vor allem solchen, die vom Gutschein betroffen waren. 😉

Ich hatte also recht schnell einen neuen Gesamtsatz Wischerblätter für alle Scheibenwischer – 3, in Worten: drei – des kleinen Monty im Wagen. Und wenn ich doch schon einmal im KFZ-Areal war, konnte man sich doch auch noch weiter umsehen – oder nicht? 😉 Bevor ich also Glühbirnen und Batterien, die ich stets brauche, in einer anderen Abteilung in den Einkaufswagen packte, wanderte in der KFZ-Sektion auch noch eine Flasche SmokeEx in den Wagen. Ich rauche zwar nie im Auto, aber im Wohnzimmer, und was fürs Auto gut ist, wirkt sicherlich auch im Wohnzimmer. Steht auch auf der Sprühflasche … 😉

Dann sah ich mich in der Abteilung „Haushaltsgeräte“ um und stieß sofort auf … Staubsauger. Ein Verkäufer lud gerade im zugehörigen Gang Staubsaugerbeutel und einen weiteren Schwung Staubsauger ab, und den habe ich mir gleich gekrallt und ihm meinen „alten“ Sauger – wenige Monate alt – nebst Kassenbon präsentiert. Ich dachte eigentlich, man würde mir noch hochnotpeinliche Fragen stellen, ob ich versucht hätte, damit größere Gegenstände, Mammuts oder Anakondas einzusaugen, welche in meiner Wohnung nicht vorkommen, aber nichts dergleichen. Der Verkäufer holte den Abteilungsleiter hinzu, der auch einen Blick auf den Staubsauger, seine Artikel- und Chargennummer sowie den Kassenbon warf und sofort bereit war, diesen gegen einen Staubsauger meiner Wahl im gleichen Preissegment einzutauschen. Bevor ich fragen konnte, meinte er: „Wir hatten schon diverse Beschwerden und Rückgaben hinsichtlich dieser Charge – da ist wohl etwas schiefgelaufen. Suchen Sie sich einfach einen Staubsauger im gleichen Preissegment aus.“ Ich suchte, nahm erneut einen roten Markenstaubsauger, der fünf Euro günstiger war als der, den ich hingebracht hatte. Ich bekam – neben dem Schriftverkehr, der für die Reklamation notwendig war – einen Gutschein über fünf Euro … Für den „Haushaltsgeräte“-Bereich. Aber das sah ich erst später.

Und ich kaufte weiter ein. Salat, Joghurt, Frühlingszwiebeln. Es gibt so viele Abteilungen in diesem Einkaufsmarkt …

Als ich an der Kasse stand und die Kassiererin die von mir ausgewählten Artikel eingescannt hatte, reichte ich ihr sowohl den Schrieb aus der Haushaltsgeräte-Abteilung, Ullis Gutschein sowie den, den ich im Staubsaugertrakt bekommen hatte. Sie meinte: „Den einen davon können Sie nur für Haushaltsgeräte eintauschen! Das ist ein Fünf-Euro-Gutschein im Gegenzug zur Reklamation Ihres Staubsaugers, wie ich hier sehe.“ – „Sie meinen, ich müsse noch einmal wiederkommen und ein teures Gerät kaufen, von dessen Preis mir dann die fünf Euro erlassen werden?“ – „Ja.“ – „Und wenn das Ding dann binnen der Garantie ohne mein eigenes Verschulden den Geist aufgibt, beginnt der Kreislauf von vorn?“ – „Ja.“ Klare Worte.

Mit anderen Worten – aber das wusste ich vorher schon und falle doch immer wieder darauf herein: Ich bin nun in einer gewissen Weise an diesen Laden gefesselt. Sofern ich den Differenzbetrag herausbekommen möchte. 😉 Ullis Gutscheine erfreuen mich immer sehr, aber im Grunde haben sie zur Folge, dass ich – wie auch heute einmal mehr – mit Sachen nach Hause komme, die ich so dringend gar nicht brauchte. Nun mal abgesehen vom Staubsauger. 😉 Aber genau das ist ja der Trick bei Gutscheinen. Ich bin beileibe nicht blöd, aber ich muss gestehen: Ich falle wieder und wieder darauf herein. Und das sehenden Auges. 😉 Seht es mir nach – ich bin ein Mensch, dessen Augen manchmal größer sind, wenn sie Schönes erblicken. 😉

Morgen probiere ich den Staubsauger aus. Ich bin mir sicher, er wird mich nicht enttäuschen. 😉

Und solltet ihr mir je etwas schenken wollen: bitte keine Gutscheine, denn das nimmt erfahrungsgemäß kein gutes Ende … 😉 Immerhin habe ich dank Ulli heute die Wischerblätter und das SmokeEx reduziert bekommen.

Beim nächsten Gutschein dieser Art kaufe ich mir eine Bohrmaschine! Wollte ich immer schon haben. 🙂

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.