Wider den Gemeinen Marder!

Nein, ich bin kein Jäger, und ich habe im Grunde auch nichts gegen Marder, die sich hier auch in den Städten zumeist in der Erscheinungsform des Steinmarders zeigen. Eigentlich sind es sogar ganz putzige und possierliche Tierchen. Vor allem aus der Ferne.

Mir ist vor längerer Zeit – da hatte ich noch kein Auto – im Spätherbst auf dem Weg von der Straßenbahnhaltestelle einer recht nahegekommen. Ich wollte doch nur eine Abkürzung nehmen – und stehe unversehens einem Raubtier Aug‘ in Auge gegenüber! 😉 Beide blieben wir nämlich wie festgetackert stehen, als wir die unmittelbare Gegenwart des jeweils anderen bemerkten.

Der Marder beäugte mich, ich beäugte den Marder. Ein echtes Blickduell. Wer gibt als Erster auf? (Wobei davon auszugehen ist, dass der Marder mich erheblich besser betrachten konnte, da ich im Dunkeln nicht ganz so gut sehe wie ein dämmerungsaktives Lebewesen … Obwohl ich strenggenommen ja auch eher zu den Dämmerungs- bzw. Nachtaktiven gehöre … 😉 Nur nicht ganz so gut daran angepasst, was meine Sehfähigkeit anbelangt.)

Offenbar gefiel ich dem Marder, denn er kam unvermittelt schnurstracks und ganz direkt auf mich zugelaufen, dabei leise, wie Knurren klingende Geräusche von sich gebend. Ich bin, was Tiere anbelangt, alles andere als ein Schisser, aber da – ich gebe es zu – war mir nicht ganz so wohl, obwohl der Marder naturgemäß um einiges kleiner war als ich. Aber was hatte er vor? Mich anspringen, mich beißen – vielleicht sogar in die Arteria carotis? 😉 Man weiß ja nie … Am Ende würde ich am nächsten Morgen von spielenden Kindern entdeckt werden, die aufgrund des Fundes – ausgeblutete Frau mit Bissspuren am Hals! – für den Rest ihres Lebens traumatisiert sein würden und bei bloßer Erwähnung von Der kleine Vampir hysterisch zu schreien anfangen und psychische Ausfallerscheinungen an den Tag legen würden … (By the way: Kennen Kinder heute eigentlich noch Der kleine Vampir? 😉)

Es war mir ein bisschen suspekt, wie er da so direkt und zielgerichtet mit diesen knurrenden Geräuschen auf mich zugelaufen kam, obwohl ich natürlich keine echte Angst davor hatte, er könne mich anspringen, mir gar die Halsschlagader perforieren. Aber so ganz wohl war mir wirklich nicht. Da ich aber mit Hunden großgeworden bin, war mir klar, was zu tun sei, um zu demonstrieren, wer hier das Alphatier sei, und so straffte ich meine Schultern, stellte mich breitbeinig hin und versuchte, größer auszusehen, als ich bin.

Es gelang, und der Marder bog kurz vor meinem linken Schuh ganz plötzlich ab und rannte, was das Zeug hielt. Ich wuchs gleich um fünf Zentimeter und ging im guten Gefühl heim, ein Erfolgserlebnis gehabt zu haben. 😉 Ich! Hatte! Ein gefährliches Raubtier! Bezwungen! Kraft meines Willens und meiner imposanten Erscheinung! Ha! 😉

(Das Hochgefühl schwand leider, und ich schrumpfte, als ich den Steuerbescheid vom Finanzamt aus meinem Briefkasten fischte, der just an diesem Tage eingetroffen war und beschied, dass ich eine eklatante Nachzahlung zu tätigen hätte, nicht nur auf meine normalen 165 Zentimeter, sondern auf etwa 155 Zentimeter, wenn nicht weniger … Das einzig Beruhigende: So gleicht sich im Leben alles wieder aus. 😉)

Ihr seht: Ich kann mich Mardern gegenüber behaupten. Zumindest als ÖPNV-Nutzerin und Fußgängerin.

Nur habe ich inzwischen ein Auto, den kleinen Monty, an dem ich sehr hänge. Ein wirklich netter, kleiner Ford Fiesta und inzwischen etwas über ein Jahr alt. Er ist wirklich klasse, hat nur einen Nachteil: Er ist im Grunde eine Bordsteinschwalbe. Sprich: Er steht bei Wind und Wetter draußen, ohne Garage. Ich habe – es ist bekannt – nicht einmal einen festen Stellplatz. Widrigen Witterungsverhältnissen willenlos ausgesetzt ist er, und nicht nur das!

Kürzlich berichtete Herr Wolski, zwei Nachbarn, deren Autos das gleiche Schicksal erleiden wie meines, hätten Marderbefall gehabt. O Gott! Der ganze Motorraum verdreckt, vulgo: zugeschissen, und – noch schlimmer! – angefressen, was Kunststoffteile und -ummantelungen anbelangte! Und nicht nur der reine Motorraum, denn es pflanzte sich auf die Bremsleitungen fort, denn zumindest der eine Nachbar hätte nicht mehr bremsen können, als es nötig war und sich nur dadurch retten können, dass er – was in dem Falle auch meine Idee gewesen wäre – sein bremsunfähiges Vehikel in extrem spitzem Winkel gegen eine Bordsteinkante lenkte, wo es dann zum Stehen kam. (Wieso das auch meine Idee war? Das ist sehr einfach erklärt. Wer jemals früher, als ich noch recht ungelenk beim Schlittschuhlaufen war, mit mir in die Eishalle zum Schlittschuhlaufen ging, weiß, warum … 😉 Bremsen? Kein Problem! Im spitzen Winkel gegen die Bande … 😉 Man lernt so fürs Leben und etwaige Unfallvermeidung beim Autofahren, wenn die Bremsen versagen. 😉)

Nachdem mir auch noch meine Patentante ähnliche Geschichten aus ihrer Nachbarschaft erzählte, kaufte ich – angefixt – ein Marder-Abwehrspray einer namhaften Firma, die auch Motoröle vertreibt und deren Name irgendwie niedlich klingt. Auf der Spraydose steht irritierender Weise Marder-Spray, aber offenbar war doch gemeint, dass es die putzigen kleinen Kerlchen von den damit imprägnierten Autos fernhalte. Hoffte ich zumindest.

Und nachdem ich heute im Garten meines Elternhauses einmal mehr den Rasen gemäht hatte, bat ich meinen Vater um Assistenz beim Imprägnieren meines Autos, da ich damit so keinerlei Erfahrung hatte. Mein Vater allerdings auch nicht, da seine und meiner Mutter jeweiligen Autos immer in einer Garage standen. Dennoch beugten wir uns in trauter Übereinstimmung über des kleinen Monty Motorraum.

Mein Vater, dem ich aufgrund seines Ingenieur-Status‘ naturgemäß mehr zutraute als mir, weswegen ich ihm die Applikation des chemischen Kampfstoffes überließ, war viel zu sparsam mit dem Spray, und so übernahm ich dann selbst. Alles, was irgendwie nach Kunststoff aussah – und das war gar nicht so wenig -, wurde quasi eingeweicht. Bis auf die Bremsleitungen, denn da meinte mein Vater bedauernd: „Da kommen wir nicht dran – dazu braucht man eine Hebebühne.“ Ich meinte: „Kein Problem – wir sprühen zumindest hier vorne bis zum Chassis hinunter!“ Und genau so ging ich vor, und dann befand ich, dass es gut sei. 😉 Da war die Spraydose zur Hälfte leer, und zufrieden ließ ich die Motorhaube aus geringer Höhe fallen und einrasten.

Kurz darauf fuhr ich nach Hause. Schon beim Einsteigen nahm ich einen Duft wahr, der durch seine Intensität von sich reden machte. Es roch im Grunde so, wie synthetische „Blumendüfte“ riechen. So wie die Sprays, die manche Leute im Bad gegen üble Gerüche benutzen, ich jedoch nie, da zu künstlich und zu penetrant.

Auf dem ersten Viertel der Strecke war ich schon leicht genervt, und ich schaltete die Klimaanlage aus und fuhr lieber die Fenster rechts und links hinunter, auf dass frische Luft ohne Umwege ins Auto komme. Am liebsten hätte ich die Fenster auch noch offengelassen, als ich auf den Parkplatz meines Lieblings-Supermarktes fuhr, der sich ebenfalls im Wohnort meiner Eltern befindet. Aber das kann man ja nicht machen – kaum mit den Einkäufen aus dem Supermarkt gekommen, stellt man fest, dass man „zwei Autos“ dastehen hat, wo zuvor nur eines stand. Ergo: gar keins mehr.

Mit zusammengebissenen Zähnen und heruntergelassenen Fenstern fuhr ich zurück an meinen Wohnort. Es war kaum auszuhalten, und es erinnerte mich an die Zeit, da ich zwei Katzen als Notfälle aufgenommen hatte, von denen die eine aus Protest und mich starr und provokant anblickend zunächst des Öfteren nicht in ihr Katzenklo, sondern daneben pinkelte. (Nie zuvor oder danach in meinem bisherigen Leben lag ich so oft mit einem Feudel und Putzmittel auf den Knien …) Damals empfahl man mir „Katzen-Abwehrspray“. Habe ich benutzt. Nutzte auch, denn die Katze suchte danach nur noch ihre Toilette auf. Die Zeit zwischendurch jedoch war nicht ganz einfach, denn ich fragte mich bisweilen, was nun schlimmer sei, da das Katzen-Abwehrspray einfach nur verboten roch …

Und nun dasselbe in Grün! Mein Auto stinkt! Obwohl – das kann man gar nicht sagen. Es riecht nach künstlichem „Blumenduft“, was ja gar nicht so schlimm sein sollte. Das aber ist, und das derart penetrant, dass ich mich gerade frage, ob ich nicht morgen lieber mit der verhassten Straßenbahn fahren solle … 😉

Eines weiß ich ganz gewiss: Wer als Marder etwas auf sich hält, steigt nicht in diesen Motorraum. Eines weiß ich aber auch gewiss: Ich mag eigentlich auch gar nicht so gern in dieses Auto steigen … 😉

Euch einen schönen Abend! 😊

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