Mode

Irgendwann muss die Erkenntnis über mich hereingebrochen sein, dass es im Grunde total albern sei, sich sklavisch dem zu unterwerfen, was allgemein als Mode verstanden wird. Ich mag keine Hypes, die doch meist nur Strohfeuer sind. Und die brennen, wie jedes Kind mit gesundem Menschenverstand weiß, ratz-fatz ab und weg. Es gebricht Stroh halt an Inhalt, da abgedroschen. 😉

Wahrscheinlich war ich da etwas älter als 15 Jahre, ich weiß es nicht – irgendwie hat diese Erkenntnis mich irgendwann getroffen. 😉  Richtig krass bewusst wurde es mir, als ich erstmalig den Begriff Modehund hörte. Hunde liebe ich sehr, reizende Lebewesen. Aber wie kann es sein, dass solche Lebewesen Mode sein können? Von Chihuahuas und sonstigen als Handtaschenhündchen verschrieenen Hunden möchte ich gar nicht sprechen – diesen durchaus ernstzunehmenden Tieren, in eine zumeist total geschmacklose, aber sündhaft teure Handtasche gepresst – wird man auf diese Weise ganz gewiss nicht gerecht, auch wenn ich mir niemals einen Chihuahua anschaffen würde. (Und ich frage mich immer wieder, ob das Handtaschenhündchen sich auch rechtzeitig bemerkbar mache, wenn es – groß oder klein – unter sich lassen muss … Aber wahrscheinlich ist das in der Liga derjenigen, die es sich leisten können, kleinwüchsige Hunde in Nobelmarken-Handtaschen zu quälen, eh egal. Schmeißen wir die Tasche halt weg – her mit der nächsten! 😉 ) Manchmal beneidete ich solche Menschen darum, nicht Maß halten zu müssen. Dann fragte ich mich aber, wie man wohl den Wert von Dingen schätze, wenn es sie im Überfluss gebe. (Also sprach der kleine Moralist … Aber mal ehrlich – sowas muss man sich doch wirklich fragen, oder nicht? 😉 )

Ich habe die 90er-Dalmatiner-Schwemme miterlebt, ebenso die danach einsetzende Golden-oder-Labrador-Retriever-Schwemme, anschließend die noch immer spürbare Rhodesian-Ridgeback- und Mops-Schwemme … Und immer habe ich gedacht: „Hoffentlich ist der entsprechende Hund auch wirklich immer ein Begleiter durch dick und dünn, wie es sein soll, und nicht nur ein albernes Accessoire.“ Ich gebe zu, ich bin da etwas streng, aber ich liebe Hunde wirklich sehr. 🙂 Und ich habe schon so viel Mist gesehen, der aufgrund einer Modeerscheinung mit Hunden oder anderen Tieren geschah.

Mode ist allgemein im Grunde ein Witz, ein Treppenwitz. Es ist alles schon dagewesen, und dennoch wird es immer wieder als dernier cri gepriesen. Wenn ich nur an das grauenvolle Revival der Seventies denke, die ich als Kind noch in kleinen Teilen mitmachen musste! Derartige Geschmacklosigkeiten, zum wiederholten Male aufgelegt – und die Leute blättern viel Geld für diese Verunstaltungen auf den Tisch des jeweiligen (Kauf-)Hauses … 😉

Heute habe ich meine neue Fernbrille abgeholt – und ich bin dankbar, dass sie nur die Ersatzbrille für Zeiten ist, da ich meine Kontaktlinsen nicht tragen kann (Heuschnupfen)! Ich holte sie ab, setzte sie auf und dachte: „Buddy Holly lässt grüßen!“ (Falls ihr den nicht mehr kennt: Go back to the Fifties! 😉 )

Ich stolperte zweimal über meine eigenen Füße, da die Größe des Brillengestells und die unterschiedliche Farbgebung außen und innen mich irritierten, als ich auf dem Weg zur Bushaltestelle war, denn ich wollte meinen kleinen Monty endlich abholen, der noch immer in D. stand, wo meine Eltern leben bzw. mein Elternhaus steht. 😉 (Großer Gott! Wie würde wohl die Heimfahrt sich mit der Neubrille gestalten, wenn ich sogar schon über meine Füße fiel …? 😉 )

Irgendwann lief ich annähernd wie ein normaler Mensch mit meiner Buddy-Holly-Reminiscence-Brille herum, überholte ein junges Mädchen, das ebenfalls eine Brille trug. Ich warf einen Seitenblick, was gar nicht so einfach war, da meine neue Brille präzise, kurze Seitenblicke aufgrund ihrer Monstrosität nur schwer zulässt. 😉

Doch dann musste ich mir das Lachen verkneifen. Der rasche Seitenblick von links hinten brachte mich derart in Wallung, dass ich kaum an mich halten konnte. Denn von hinten links sah ich, dass das Innere der Buddy-Holly-Gedächtnisbrille, die das Mädel trug, ebenfalls violett war – wie bei mir! 😉 Genauso wie bei zahlreichen anderen Frauen, die mit Buddy-Holly-Gedächtnisbrillen herumlaufen! 😉 Violett scheint echt en vogue zu sein. Zumindest beim hinteren Teil von Brillen, der dem Träger direkt vor Augen steht. Brillen, die von vorne aussehen, als habe man es mit einem Lohnbuchhalter aus den Fünfzigern zu tun, der eine Kassenbrille trägt! 😉

Einmal mehr war ich froh, dass ich mich für die günstigste Variante dieser Brille entschieden hatte – Brillengläser aus Glas, entspiegelt, aber um Himmels willen nicht getönt oder mit sonstigem Schnickschnack versehen. Das Ding ist meine Ersatzbrille, bitte schön! 😉

Ich habe dann in der Tat den kleinen Monty bei meinen Eltern abgeholt, der noch immer dort parkte, solange mein Urlaub andauerte. Mein Vater, dem ich auf dem Weg von der Bushaltestelle begegnete, lächelte mir freundlich zu, weil ich ihn freundlich anlächelte. Aber ich musste dreimal „Papa!“ rufen, bis er mich erkannte.

Und als meine Mutter uns beiden die Tür öffnete, sah ich, dass sie die Luft anhielt, als sie mich sah. 😉 Sie ist ein sehr ehrlicher Mensch, und sie meinte: „Ali, diese Brille ist aber sehr … dunkel. Du erinnerst mich an jemanden aus meiner frühen Jugend, mit dem es kein gutes Ende genommen hat.“ – „Buddy Holly?“ fragte ich, und sie rief: „Genau! Warum diese Brille?“ – „Mama! Geh mal hin, und versuche, eine Brille zu kaufen, ohne mit einer solchen wie dieser hier nach Hause zu kommen!“ Mama meinte: „Diese Scheiß-Mode! Aber falls es dich tröstet: War schon zu meiner Zeit so.“ Super …

Aber nachdem wir Kaffee getrunken hatten, meinte sie – das kenne ich gar nicht von ihr! – etwas wie: „So schlecht ist die Brille gar nicht, Ali. Nur musst du halt viel mehr lächeln, als es dir allgemein gefällt. Wenn du lächelst, sieht sie fast nett aus.“

Danke auch! 😉

Das zum Thema Mode. Man muss sich halt immer verbiegen, um dazu zu passen. 😉

Wenn man das denn will. 😉

P. S.: Herzliche Grüße an meinen früheren Klassen-, Deutsch- und Erdkundelehrer, Herrn Zuhoff, der damals immer meinte: „Da seid ihr alle gegen Uniformen, wenn ihr von früher hört – und doch tragt ihr Bluejeans und auch sonst jeden Scheiß, der gerade angesagt ist! Nur zur Info: Auch das sind Uniformen!“ Ich war nie eine Freundin Herrn Zuhoffs, aber heute musste ich an ihn denken und ihm Recht geben. 😉

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