Trümmerlotte re-issued

Noch eine weitere Woche Schottland liegt vor mir, und die vergangene war schon sehr ereignisreich.

Mein Ausweis weg und meine Schwester mit einem Bündel Falschgeld unterwegs. Zumindest wurde sie in einem Geschäft sehr skeptisch beäugt und mit großer Vorsicht behandelt, als sie ahnungslos versuchte, mit alten Fünfpfundnoten zu bezahlen, von denen ihr die findige Bankangestellte ihrer Bank in Sachsen gleich besonders viele gegen ihre Euros getauscht hatte … Glücklicherweise fand sich in einer Bank-of-Scotland-Filiale in Dumfries and Galloway ein netter Angestellter, der das ganze Bündel gegen neue Fünfpfundnoten tauschte, nicht jedoch, ohne darauf hinzuweisen, dass bereits seit einigen Wochen kein Mensch mehr die alten Scheine akzeptiere. Und auch er warf Stephanie einen leise skeptischen Blick zu. Hätte er noch gewusst, dass die Begleitung der „Falschgeld“-Tussi zweieinhalb Jahre lang mit einem gestohlen gemeldeten und zur Fahndung ausgeschriebenen Ausweis unterwegs gewesen war, hätte er sicherlich die Polizei gerufen. Er hatte etwas sehr Korrektes an sich, und cleanliness is next to godliness, das englische Pendant zum deutschen Sprichwort Ordnung ist das halbe Leben, war gewiss sein Lieblingsspruch. Daher winkte ich auch gleich ab, als Stephie meinte: „Wäre der nix für dich?“ Ich bin ja der Ansicht, dass man es mit der Dankbarkeit auch übertreiben könne … 😉

Zum Glück, so schien es, waren damit die Probleme zunächst beseitigt, und wir kamen erleichtert in Stranraer im Hotel an, nachdem wir in Glasgow „unseren“ Wagen, einen silberfarbenen Vauxhall Astra – entsprechend dem Opel Astra – und hier in Schottland ganz reizend Aaaschtra ausgesprochen, was unfairer Weise ein bisschen an Arschtritt gemahnt, abgeholt hatten. (Leider, leider darf ich gemäß Vertrag damit nicht fahren … So ein reizender Rechtslenker, und noch dazu ein Schaltwagen … Mit links schalten – müsste ich fahren, hätte ich wahrscheinlich gleich beim Erst-Schaltversuch den Schalthebel lose in der Hand … 😉 )

Das Hotel war nicht der Brüller, aber akzeptabel. Immerhin ein großes Zimmer und ein schönes großes Bad. Und immerhin vergingen ganze zwei Tage, bis mir in jenem Bad drastisch klargemacht wurde, dass man Aushänge in Hotelzimmern wirklich ganz genau lesen sollte …

Am dritten Tag nämlich frisierte ich mein rötlichgüldenes Haar im Schein der Badezimmerstrahler. Und auch ich strahlte, denn ausnahmsweise gefiel mir mein Spiegelbild einmal morgens. Ist durchaus nicht immer so … 😉 Und so sprühte ich strahlend Haarspray auf die Frisur. Was wollte denn diese vor- und aberwitzige Haarsträhne da, wo sie gar nicht sein sollte? Energisch sprühte ich Haarspray dagegen, um sie zu fixieren, aber sie ringelte sich unbeeindruckt weiter dorthin, wo sie gar nicht … Fiiiiiiieeeeeeep!

Ein widerliches, lautes Pfeifen ließ mich wie am Spieß schreien und einen riesigen Satz machen – fast hätte ich den Handtuchhalter abgerissen … Was um alles in der Welt war das?

Da plötzlich draußen auf dem Flur und offenbar überallher dieser schrecklich schrille Ton quasi vielstimmig zu hören war und schließlich sogar eine ganz besonders reizende Sirene erklang, schwante mir plötzlich ganz Böses: Immerhin hatte das Ganze bei mir seinen Anfang genommen …

Und mein Blick fiel auf ein Schild, das innen an der Badezimmertür klebte und dessen Aufschrift sinngemäß besagte, man möge mit Sprays wie Haarspray, Deo und Parfum vorsichtig hantieren, da die Rauchmelder sehr sensibel seien. Sprays daher stets bei geöffneter Tür und auch dann vorsichtig …  Ansonsten ggf. Feueralarm, und dann müsse der Sicherheit halber das gesamte Hotel evakuiert werden, was die anderen Gäste sicherlich belaste …So las ich gerade noch, als eine Mitarbeiterin in einer Warnweste an meine Zimmertür hämmerte und mich mit einer ganzen Gästegruppe zum Sammelplatz führte. Auch Stephanie kam dorthin.

Recht schnell stellte sich heraus, dass es ein Fehlalarm gewesen war. (Gut, ich hatte das den Verantwortlichen auch schon mitgeteilt, aber nun wussten es alle … ) Was gar nicht so angenehm war, vor allem für die Dame, die von der Evakuierungsmaßnahme wohl geradewegs in der Dusche getroffen worden war – sie hatte noch Shampoo in den Haaren … Und einmal mehr erfuhr ich die Bedeutung des Begriffs Spießrutenlaufen … Diesen und den Tag danach verzichtete ich auf das Frühstück im Frühstücksraum – es schien mir besser so. Außerdem sind trockene Oatcakes viel gesünder – und die hatte ich noch im Zimmer.

Doch auch einen Tag später sahen einige Gäste mich böse an, und mein einziger Trost war, dass ich an jenem Tag eine wunderbare Eroberung machte – mitten im Post Office von Wigtown. Dort lernte ich Shoukie kennen – nicht den schönsten, aber einen der rührendsten Hunde, die ich je kennengelernt habe: Alles, was diese rührende Hündin tat, geschah mit großer Bedachtsamkeit, alles wirklich sehr bedächtig. Und von mir wollte sie sich gar nicht trennen, hatte wohl einen Narren an mir gefressen und kam sogar mit zum Auto. 😉 Ein Trost in schweren Zeiten – ich glaube, ich sollte mir wieder einen Hund anschaffen. Allerdings wirkte Shoukie selber ein bisschen so wurschtig wie eine echte Trümmerlotte … Ob das gutginge? 😀

Ich hoffe zumindest, meine morgige Zugfahrt nach Edinburgh geht gut, denn natürlich muss ich nun doch zum deutschen Generalkonsulat … Hoffentlich finde ich es und gehe nicht verloren … 😉

Ich kenne mich. 😉

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