Urlaub in Sicht

Mein Jahresurlaub nähert sich mit schnellen Schritten. Und das scheint mir auch gut so, vor allem an einem Montag, speziell an diesem Montag, der so furchtbar war, wie Mon- oder jegliche Tage nur sein können.

Ich muss dringend mal weg. Und laut Stephanie, meiner Schwester, werde ich von dort, wo mein Urlaub sich zutragen wird, gar nicht mehr wegwollen.

Als ob das eine Ausnahme wäre! 😉 Bisher war es nicht selten so, dass ich – einmal im Urlaub – am liebsten vor Ort geblieben wäre, ganz egal, wo das war. Obwohl … Am meisten hatte ich dieses Gefühl in Finnland. Wunderbare Ruhe, nette Menschen, kein Gedränge – einfach nur entspannend. Wer würde nicht an einem entspannten und entspannenden Ort bleiben? 😉

Möglicherweise hat Stephanie recht. Zumindest hinsichtlich der Himmelsrichtung. Ich bin kein Mensch, der gern unter sengender Sonne Urlaub macht. Meine Himmelsrichtung ist nicht der Süden, sondern eher der Norden. Nur innerhalb Deutschlands mache ich da eine Ausnahme. 😉

Großbritannien und Irland seit jeher Lieblingsorte von mir, aber auch Skandinavien. Mein Traum: Einmal quer durch Island auf einem Islandpferd, Muskelkater inklusive. Oder die Westküste Irlands hinunter auf einem Connemara-Pony oder meinetwegen auch einem Tinker. Was mich bisher daran hinderte, war die Tatsache, dass ich seit Anfang der 2000er Jahre nicht mehr auf einem Pferd gesessen habe, so scheußlich das auch ist. Damals hatte ich bei einem Besuch der Dominikanischen Republik jeden zweiten Tag Blut und Wasser auf einem Braunen geschwitzt, der auf den wunderschönen und wahren Namen „Pata Blanca“ hörte – „weißes Bein“. Er hatte zwei davon, und daneben auch eine recht impulsive Natur. Die Dame, die Herrin über die Pferde und Reitstunden war, fand, ich machte eine gute Figur. Vor allem an dem Tag, als ein Pferd vor uns scheute, ausbrach und mein Weißfüßer kurzerhand stieg, wobei ich – der Überraschungseffekt wahrscheinlich – trotz alledem im Sattel blieb … Unvergessen jedoch der Ausritt mit „Blanco“, einem Schimmel, wie auch der Name schon sagt. 😉

Erheblich kleiner als „Pata Blanca“, war er erheblich raffinierter. Zu Beginn der Stunde versuchte er permanent, mich irgendwie aus dem Sattel zu befördern, und das unter Zuhilfenahme seiner Zähne. Denn obwohl ich ihn an den Zügel zu reiten versuchte, wovon der kleine Kerl offenbar noch nie gehört hatte, verabreichte er sich höchstselbst eine „Rollkur“, indem er stets seinen Hals krümmte und zur Seite und nach hinten bog, um mit seinen großen, gelben Zähnen nach meinen Zehen zu schnappen. 😉 Gruselig, wenn man gerade in schnellerem Trab oder Galopp unterwegs ist und dann sieht, wie sich das Pferd plötzlich kopfmäßig verselbstständigt und – statt nach vorne zu sehen – danach trachtet, dem Reiter in die Zehen zu beißen, um ihn loszuwerden! 😉 Mitten im Galopp! 😉 Ich parierte durch und blieb stehen, ließ alle anderen Pferde an mir vorbei. Kein leichtes Unterfangen, denn der kleine Schimmel protestierte, schnappte umso wütender nach meinen Zehen, und mir wurde klar, womit ich es zu tun hatte: einem Wahnsinnigen, der ganz vorne gehen wollte. Das aber wollten dort ganz viele Pferde – die meisten. Ein Wunder, dass die gesamte „Kavallerie“ niemals durchgegangen ist. 😉

Ich musste sogar absitzen und das treue Tier in die andere Richtung drehen, damit es sich vernünftig benahm. Vom Boden aus betrachtet, war der kleine Schimmel eigentlich ganz nett, und als die Gruppe schon fast außer Sichtweite war, saß ich erneut auf, wendete, und schon ging es im gestreckten Galopp los, ohne dass meine Zehen in Gefahr waren. „Blanco“ fügte sich dann auch ganz brav, als wir weiter am Ende der Gruppe blieben, und ich atmete auf – diesen Ritt eindeutig überlebt. Und grinsend nahm ich einen oder zwei Tage später wahr, wie eine Frau mit mehreren Pflastern an den Zehen ihres linken Fußes am Pool erschien und meinte: „Nie wieder reite ich hier! Dieser kleine, weiße Giftzwerg! Sieht aus wie eine harmlose Schneeflocke, beißt mir aber doch glatt in die Zehen, weil er nicht ganz vorne sein darf! Dabei hat meine Mutter mich schon immer vor kleinen Männern gewarnt – scheint auf Pferde auch zuzutreffen.“ (Bei mir kommt noch die Farbe des Tieres dazu: Nicht umsonst bin ich bei Pferden ein Fan von Braunen oder Rappen. Auch Füchse gehen – nur mit Schimmeln hatte ich schon einige „interessante“ Erlebnisse.)

Reiten werde ich wohl im bevorstehenden Urlaub nicht. Obwohl es in Schottland sicher – neben Angus- und Galloway-Rindern – auch viele Pferde gibt.

Zwei Wochen Schottland stehen mir bevor, und ich habe fast den Eindruck, dass mir das gefallen könnte. Ich war schon so oft in Großbritannien und Irland, aber noch nie in Schottland. Meist in England. Und eben auch in der Republik Irland. Wales und Nordirland fehlen noch, wenn ich im Juni wieder heimgekehrt sein werde. 🙂

Aber vielleicht werde ich sogar Nordirland besuchen, denn die erste Woche werden Stephanie und ich uns in Dumfries and Galloway befinden, und von dort ist es über den Seeweg nicht weit bis Nordirland. Ich werde Stephanie zumindest darauf aufmerksam machen, dass es von dort gar nicht so weit nach Nordirland sei – und auch gar nicht so weit nach England und die Region dort, die ich schon seit Jahren mal besuchen möchte: den Lake District. 🙂

Heute sah ich mir die Council Area der ersten Woche einmal genauer an. Dazu gehört auch Lockerbie. Kennen die meisten Leute von dem Bombenattentat auf die PanAm-Maschine Maid of the Seas, die just über diesem kleinen Ort explodierte und abstürzte. Ein bisschen flau wurde mir da schon, aber dann dachte ich: „Es ist traurig, wenn Orte sich so ins Gedächtnis brennen, weil ein terroristischer Anschlag ihnen einen global bewussten Namen gab.“ Aber – ganz ehrlich – trotzdem erzeugt der Name Lockerbie exakt nur dieses Bewusstsein in mir. Wir sollten wohl einmal hinfahren, damit ich sehe, dass es trotz des Horrors ein vergleichsweise normaler Ort ist.

Ich sah mir diverse Bilder von Dumfries and Galloway im Internet an und war begeistert: Die Landschaft hauptsächlich grün, kleine Hügel erheben sich – ähnlich wie Franken! 🙂 Ich bin schon sehr gespannt.

Die zweite Woche werden wir in einer anderen Region verbringen, an der Ostküste. In der Nähe von Dundee ist unser zweites Hotel, von dem aus wir dann die Umgebung erkunden. Dundee am Firth of Tay. Und sogleich fiel mir ein, dass auch dort – nur viel früher – sich eine Tragödie zugetragen hatte: ein schreckliches Zugunglück auf der Brücke über den Tay! Zwar in grauer Vorzeit, anno 1879, aber immerhin hatte Theodor Fontane das Ganze zum Anlass genommen, eine Ballade darüber zu schreiben: Die Brück‘ am Tay. Ich kenne die Ballade, ich kenne die Geschichte, und sogleich kam ich mir vor, als reiste ich von einer Tragödie zur nächsten. Ich vermute, es habe in Schottland auch noch andere Tragödien gegeben, aber irgendwie scheine ich mir – ohne es zu wollen – gleich zwei Orte ausgesucht zu haben, an denen derlei Horror stattfand. Liegt das an mir? 😉 (Ich glaube, kaum, denn ich war in Geographie immer schon schlecht, weswegen mir gar nicht bewusst war, wo Lockerbie liegt … Und dass Dundee am Firth of Tay liegt, fiel mir auch erst heute wieder auf, als ich die Karte sah.) Aber ich bin mir sicher, es werde ein toller Urlaub! 😉

Und so werde ich auch die schottische Küche begeistert annehmen, von der zu lesen war, an ihr schieden sich die Geister … Ich warf einen Blick auf einige Seiten, die darüber berichteten, und ich beschloss, dass einzig die Vorliebe für Graupen von mir ungeteilt bleiben werde. Ich mag Graupen nicht. Daran hat sich – trotz aller Geschmacksänderungen von Kindheit an – rein gar nichts geändert. Und Dundee Cake ist auch nicht so nach meinem Geschmack. Zu viele Trockenfrüchte. Dafür aber liebe ich geräucherten Schellfisch, smoked haddock. Scheint typisch schottisch zu sein, obwohl ich geräucherten Schellfisch das erste Mal in England aß und dann hier in Deutschland auf taube Ohren stieß, als ich beim Fischhändler danach fragte. Man reagierte so, als hätte ich nach pinkfarbenem Spinat gefragt.

Ich fahre bzw. fliege nun mit einem fifty-fifty-Gefühl nach Glasgow. Stephanie behauptet, ich würde – einmal dort – niemals mehr zurückfliegen wollen. Und das trotz Graupen. Ich bin gespannt …

Was ich heute gelernt habe: Bildung ist prima, so ganz allgemein. Kann sich aber auch als hinderlich erweisen, wenn man beim Betrachten künftiger Urlaubsziele an Katastrophen denkt, die sich dort zugetragen haben. Vor allem dann, wenn einem als erstes Theodor Fontane durch den Kopf schießt … 😉

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